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Birchiburg – Mittelalterliche Burg & Bergbau im Schwarzwald
Birchiburg
Die Birchiburg steht für sich allein. Kein Besucherstrom, keine Souvenirläden – nur ein schmaler Waldpfad, das Rauschen der Möhlin und der Hauch von mehr als sieben Jahrhunderten Geschichte. Diese Burgruine am Birkenberg bei Bollschweil im Südschwarzwald ist einer jener Orte, die man eher findet als sucht – und dann nie mehr ganz vergisst.
Das Hexental zwischen Freiburg und dem Schwarzwaldkamm ist eine sanfte, grüne Welt aus Weinbergen, Obstgärten und kleinen Dörfern. Bollschweil liegt mittendrin, ruhig und unaufgeregt, mit einem besonderen Geheimnis im Gepäck: Hoch über dem Möhlintal, versteckt im Wald des Birkenbergs, ragt die Ruine einer mittelalterlichen Höhenburg auf – die Birchiburg. Gebaut nicht als Residenz für stolze Ritter, sondern als Kontroll- und Schutzzentrum für ein Bergbaurevier, das mit Silber, Kupfer und Bleierz den Reichtum einer ganzen Freiburger Patrizierfamilie begründete.
Wer hierher kommt, findet statt Schlosspark etwas viel Besseres: einen bergbauhistorischen Lehrpfad durch eine Landschaft, die das Mittelalter fast unberührt bewahrt hat. 23 Schautafeln, eine Aussichtsplattform auf der Ruine und ein schluchtartiger Verhau erzählen vom Leben der Bergleute, von Silbermühlen entlang der Möhlin und vom dramatischen Ende einer ganzen Ära. Die Birchiburg ist kein Freilichtmuseum von der Stange – sie ist echte, erwanderbare Geschichte im südlichen Schwarzwald.
Silber, Stollen und Steinmauern – die Geschichte des Birkenbergs
Der Birkenberg zwischen Bollschweil und St. Ulrich ist älter als seine Burg. Schon im späten 12. Jahrhundert wurde hier nach Silber, Kupfer und Bleierz gegraben – die Spuren davon ziehen sich als Schluchten, Stollen und Abraumhalden noch heute sichtbar durch den Hochwald.
Um das Jahr 1220 entstand die Birchiburg. Nicht als Herrschaftssitz mit repräsentativen Sälen, sondern als nüchternes Verwaltungs- und Schutzzentrum des Bergbaureviers. Der erste Bau war schlicht: ein 6 × 6 Meter großer Wohnturm mit Holzfachwerk und Außentreppe ins Obergeschoss. Doch die Burg wuchs mit dem Reichtum des Bergbaus.
Die Snewlin – Freiburger Patrizier auf Schürfrechten
Die Geschichte der Birchiburg ist untrennbar mit dem Namen Snewlin verbunden. Die Snewlin waren eine der einflussreichsten Patrizierfamilien Freiburgs – und sie hatten die Bergbaurechte am Birkenberg vom Bischof von Straßburg erhalten. Spätestens 1291/92 ist ihre Kontrolle über das Silberbergwerk urkundlich belegt; der erste explizite Nachweis der Burg selbst stammt aus dem Testament des Ritters Johannes Snewlin von 1347.
Unter ihrer Herrschaft wuchs die Birchiburg in sechs Bauphasen zu einer echten Wehranlage:
- Um 1280: Errichtung einer 1,60 m starken Ringmauer
- Um 1310: Bau eines großen Wohngebäudes
- Anfang 14. Jahrhundert: mächtige Schildmauer mit bis zu 3,15 m Stärke
- Endausbau: Gesamtanlage 42–52 m breit, 70 m lang
Entlang der Möhlin entstanden Silbermühlen und Schmelzhütten – urkundlich belegt für 1317/18. Das Bergbaurevier am Birkenberg war in seiner Blütezeit eine kleine mittelalterliche Industrieanlage mitten im Schwarzwälder Hochwald.
| Merkmal | Information |
|---|---|
| Erbaut | um 1220 |
| Burgtyp | Höhenburg / Bergbauschutzburg |
| Burgherren | Familie Snewlin (Freiburg) |
| Abbauprodukte | Silber, Kupfer, Blei |
| Bergbaubeginn | spätes 12. Jahrhundert |
| Erste urk. Erwähnung | 1347 (Testament Johannes Snewlin) |
| Zerstörung | 1377/78 durch Freiburger Truppen |
| Ausgrabungen | 1998–2004 |
| Restaurierung | 2016 |
1377/78 war es dann vorbei. In einer Zeit regionaler Machtkämpfe zerstörten Freiburger Truppen die Birchiburg. Um 1390 entstand noch ein unbefestigter Nachfolgebau, der bis 1418 bewohnt war – dann verschwand die Burg aus den Quellen, und der Wald holte sich den Birkenberg zurück.
Fast 600 Jahre später, zwischen 1998 und 2004, haben Archäologen die Ruine freigelegt. Die Mauern sind bis zu fünf Meter hoch erhalten geblieben – ein erstaunlicher Befund für eine Anlage im Dornröschenschlaf. 2016 wurden die Mauerreste restauriert und eine Aussichtsplattform angelegt, die heute Besuchern einen Überblick über das gesamte Ruinengelände ermöglicht.
Was ist die Birchiburg eigentlich – und was ist heute noch zu sehen?
Die Birchiburg ist keine Burg im klassischen Märchenschloss-Sinn – kein Rittersitz mit Thronsaal, kein repräsentativer Adelswohnsitz. Sie war primär ein Zweckbau: ein Schutzbau für ein Bergbaurevier und dessen Arbeiter, der zugleich dem Eigentümer als Verwaltungssitz diente.
Heute ist von der Anlage ein gut erhaltenes Mauerwerk geblieben, das die sechs Bauphasen zwischen 1220 und 1390 noch gut ablesen lässt. Eine Aussichtsplattform auf dem Ruinengelände erlaubt einen Überblick über die gesamte Anlage – und das ist mehr, als viele besser bekannte Burgruinen im Schwarzwald bieten können.
Was die Birchiburg besonders macht: Sie ist eingebettet in ein komplex lesbares Landschaftsbild. Wer die Ruine besucht, sieht gleichzeitig die Überreste von:
- Ehemaligen Bergbausiedlungen mit erkennbaren Wohn- und Arbeitsterrassen
- Verfallenen Stollen und Schächten aus mehreren Bergbauepochen
- Einer schluchtartigen Eintiefung mit ehemaligem Entwässerungsrad (Verhau)
- Wegspuren und Terrassen, die das mittelalterliche Wegesystem nachzeichnen
Der Freundeskreis Birchiburg e.V. betreut das Gelände seit Jahren ehrenamtlich und organisiert Führungen nach Vereinbarung. Im Alten Rathaus Bollschweil gibt es zudem eine Ausstellung zur Geschichte des Birkenberger Bergbaus – geöffnet von Mai bis November, jeweils am ersten Freitag und dritten Sonntag im Monat von 15–17 Uhr (August ausgenommen). Ein begleitendes Buch, „Der Birkenberg bei Bollschweil", ist für 5 Euro im Rathaus erhältlich.
Der Bergbauhistorische Lehrpfad am Birkenberg
Der bergbauhistorische Lehrpfad am Birkenberg ist der eigentliche Schatz von Bollschweil. Rund 1,6 Kilometer lang, frei zugänglich und für Familien geeignet – auch wenn Kinderwagen angesichts der holprigen Waldwege keine empfehlenswerte Option sind.
Der Startpunkt liegt am Wanderparkplatz Birchiburg an der Kreisstraße K4969 zwischen Bollschweil und St. Ulrich. Von dort führt der Weg zunächst in eine tiefe, schluchtartige Eintiefung – einem ehemaligen Verhau, in dem ein gewaltiges Wasserrad zur Erzförderung betrieben wurde. Diese erste Station allein macht den Besuch lohnend: Wer hier steht, versteht sofort, welcher technische Aufwand im Mittelalter betrieben wurde, um an die Erze heranzukommen.
Von der Schlucht aus geht es den steilen Nordhang des Birkenbergs hinauf, vorbei an verfallenen Stollen, Schächten und ehemaligen Arbeitsterrassen. 23 Schautafeln – zweisprachig in Deutsch und Englisch – begleiten den Weg und erklären Bergbautechnik, soziale Organisation der Bergleute und die Bedeutung des Silbers für die gesamte Region.
Höhepunkt des Lehrpfads ist natürlich die Ruine der Birchiburg selbst. Die Aussichtsplattform ermöglicht nicht nur einen Blick auf das erhaltene Mauerwerk, sondern auch einen weiten Ausblick ins Möhlintal und hinüber zum Schwarzwaldkamm. Den Abschluss bildet die Snewlin-Hütte – eine Schutzhütte im Tal, benannt nach den ehemaligen Burgherren, die zu einer ausgedehnten Rast einlädt.
Praktische Infos zum Lehrpfad auf einen Blick:
- Länge: ca. 1,6 km (Rundweg)
- Startpunkt: Wanderparkplatz Birchiburg an der K4969 (Richtung St. Ulrich)
- Dauer: ca. 1,5 bis 2 Stunden (mit Schautafeln und Aussichtsplattform)
- Eintritt: kostenlos, frei zugänglich
- Geeignet für: Familien, Schulklassen, Wanderer, Geschichtsinteressierte
- Nicht geeignet für: Kinderwagen, Rollstuhlfahrer
- Führungen: nach Vereinbarung über den Freundeskreis Birchiburg e.V. (Tel. 07633/81735)
Bild: © Schwarzwaldregion Belchen
Die Region rund um Bollschweil: Mehr als nur Wälder
Die Birchiburg liegt im Hexental, einem der schönsten Seitentäler des Südschwarzwaldes. Das Tal verbindet den Raum Freiburg mit dem südlichen Schwarzwaldkamm und lädt zu Radtouren, Weinwanderungen und ausgedehnten Ausflügen ein.
Wenige Kilometer südlich von Bollschweil liegt Staufen im Breisgau – eine mittelalterliche Fauststadt mit gut erhaltener Altstadt, Weinstuben und der Burg Staufen auf dem Hügel. Staufen ist das natürliche Zentrum der Region mit Restaurants, Wochenmärkten und einer lebendigen Kulturszene. Die Verbindung von Bollschweil über das Hexental nach Staufen ist auch per Fahrrad wunderbar machbar.
In die andere Richtung – Richtung Rheinebene – liegt Badenweiler, bekannt für seine römischen Thermen, den Kurpark und das außergewöhnlich milde Klima. Das Thermalbad Cassiopeia in Badenweiler ist einer der bekanntesten Wellness-Spots im südlichen Schwarzwald – ideal für einen Erholungstag nach dem Lehrpfad-Wandern.
Wer den Südschwarzwald abseits der üblichen Routen entdecken möchte, sollte auch das Münstertal erkunden: ein schmales, tiefes Waldtal mit dem romanischen Kloster St. Trudpert und zahlreichen Wanderwegen. Und wer es urban mag: Freiburg im Breisgau – mit seinem Münster, dem Augustinermuseum und der lebhaften Studierendenszene – ist nur etwa 20 Kilometer entfernt und per Bus oder Fahrrad gut erreichbar.
Geheimtipp: Die Snewlin-Hütte und die Ausstellung im Alten Rathaus
Die meisten Besucher des Lehrpfads kehren nach dem Rundgang direkt zum Parkplatz zurück. Wer etwas mehr Zeit mitbringt, sollte nach dem Abstieg von der Birchiburg die Snewlin-Hütte nicht übersehen. Die kleine Schutzhütte am Ende des Lehrpfads liegt an einem ruhigen Abschnitt des Möhlintals – ideal für eine Brotzeit mit Schwarzwaldblick. Im Frühling blühen hier die Orchideen.
Ein echter Geheimtipp für alle, die mehr über die Region erfahren wollen: Die Ausstellung im Alten Rathaus Bollschweil ist deutlich informativer, als man von außen vermuten würde. Auf vergleichsweise engem Raum wird hier die gesamte Geschichte des Birkenberger Bergbaus dokumentiert – von den ersten Schürfversuchen im 12. Jahrhundert bis zur Aufgabe im späten Mittelalter. Wer den Lehrpfad macht und danach die Ausstellung besucht, bekommt ein vollständiges Bild der mittelalterlichen Bergbauwelt am Birkenberg.
Besonders empfehlenswert: den Lehrpfad mit einer der geführten Touren des Freundeskreises Birchiburg e.V. kombinieren. Die Guides kennen jeden Stein und jede Geschichte – und erzählen Details, die auf keiner Schautafel stehen.
Mini-FAQ zur Birchiburg in Bollschweil
Wo liegt die Birchiburg genau?
Die Birchiburg liegt im Ortsteil St. Ulrich der Gemeinde Bollschweil, im hinteren Möhlintal im Südschwarzwald. Adresse des Startpunkts: Aubach Gütle, 79283 Bollschweil. Der Wanderparkplatz befindet sich an der Kreisstraße K4969 zwischen Bollschweil und St. Ulrich.
Ist der Besuch der Birchiburg kostenlos?
Ja. Der bergbauhistorische Lehrpfad und die Ruine selbst sind frei zugänglich und kosten keinen Eintritt. Geführte Touren können gegen eine Spende beim Freundeskreis Birchiburg e.V. gebucht werden (Tel. 07633/81735).
Wie lange dauert der Lehrpfad?
Der Rundweg ist rund 1,6 Kilometer lang. Mit den Schautafeln und einem Besuch der Aussichtsplattform sollte man 1,5 bis 2 Stunden einplanen.
Ist die Birchiburg auch für Kinder geeignet?
Ja, der Lehrpfad ist für Kinder interessant und geeignet. Kinderwagen sind jedoch aufgrund des unebenen Waldwegs nicht empfehlenswert.
Gibt es eine Ausstellung zur Birchiburg?
Ja: Im Alten Rathaus Bollschweil ist von Mai bis November an jedem ersten Freitag und dritten Sonntag im Monat (15–17 Uhr, August ausgenommen) eine Ausstellung zur Geschichte des Bergbaus am Birkenberg geöffnet. Ein Begleitbuch ist für 5 Euro erhältlich.
Wo übernachtet man in der Nähe der Birchiburg?
Staufen im Breisgau (ca. 5 km) und Badenweiler (ca. 10 km) bieten eine gute Auswahl an Hotels und Pensionen. Wer einen Urlaub im Schwarzwald plant, findet auf spar-mit.com aktuelle Angebote für die gesamte Region.
Gibt es Parkmöglichkeiten an der Birchiburg?
Ja, direkt an der K4969 gibt es den ausgeschilderten Wanderparkplatz Birchiburg, der kostenfrei genutzt werden kann.