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St. Ulrich im Schwarzwald – Barockkirche, romanischer Taufstein & Naturparadies
St. Ulrich im Schwarzwald
St. Ulrich im Schwarzwald ist kein Ort, der sich lautstark präsentiert. Das kleine Schwarzwalddorf mit seinen rund 300 Einwohnern liegt still im Möhlintal – auch bekannt als Hexental – am Westhang des Schauinslands, südlich von Freiburg. Wer hierher kommt, sucht keine Touristenmasse, sondern echte Stille, grüne Hügel und ein Dorf, das Geschichte atmet.
Herzstück ist die barocke Pfarrkirche St. Ulrich, die der Vorarlberger Baumeister Peter Thumb zwischen 1739 und 1742 errichtete. Im Inneren leuchten Deckenfresken und Stuckverzierungen, die das Leben des heiligen Ulrich erzählen. Draußen im Pfarrhof steht einer der bemerkenswertesten Kunstschätze der Region: ein romanischer Taufstein aus dem 11. oder 12. Jahrhundert, fast 2,60 Meter im Durchmesser, über acht Tonnen schwer, mit zwölf Propheten-Reliefs rund um seinen Rand.
Rings um das Dorf erstreckt sich die Natur des Schwarzwalds – dichte Wälder, blühende Weiden, markante Berggipfel. Der Belchen (1.414 m), dritthöchster Berg des Schwarzwalds, ist nicht weit. Für Wanderer, Naturliebhaber und alle, die ein bisschen abschalten wollen, ohne ans Ende der Welt fahren zu müssen: St. Ulrich ist genau richtig.
Barockkirche und romanischer Taufstein – Geschichte von St. Ulrich
Das Kloster St. Ulrich hat eine Geschichte, die weit vor den meisten deutschen Städten beginnt: Im Jahr 1083 gründete der Mönch Ulrich von Zell – ein treuer Anhänger Papst Gregors VII. – mitten im Investiturstreit ein Priorat des burgundischen Klosters Cluny. Für Jahrhunderte prägte das Klosterleben das Tal. Nach der Säkularisierung zu Beginn des 19. Jahrhunderts übernahm schließlich das Bildungshaus Kloster St. Ulrich die historischen Gebäude – heute finden dort Tagungen und Weiterbildungen statt.
Die heutige Barockkirche St. Ulrich ist ein Meisterwerk süddeutscher Barockbaukunst:
- Bauzeit 1739–1742 unter Baumeister Peter Thumb (Vorarlberger Schule)
- Markantes Zwiebeltürmchen und harmonische Fassade
- Prachtvoll ausgestattetes Inneres mit Deckenfresken zum Leben des hl. Ulrich
- Stuckverzierungen mit Rokokoelementen
- Gotische Madonna aus dem späten 13. Jahrhundert
Der eigentliche Kunstschatz steht im Freien – im Pfarrhof. Der romanische Taufstein aus dem 11. oder 12. Jahrhundert gilt als außergewöhnliches Zeugnis mittelalterlicher Steinmetzkunst:
| Merkmal | Details |
|---|---|
| Durchmesser | ca. 2,59–2,60 m |
| Gewicht | ca. 8 Tonnen |
| Reliefs | 12 Propheten-Darstellungen im umlaufenden Bogenfries |
| Entstehungszeit | 11./12. Jahrhundert |
| Herkunft | Vermutlich Schenkung der Cluny-Mönche |
Die Kirche und der Pfarrhof sind tagsüber frei zugänglich – ein kurzer Abstecher lohnt sich auch dann, wenn der Rest des Tages dem Wandern gehört.
Bild: © Schwarzwaldregion Belchen
Wanderparadies: Die schönsten Touren rund um St. Ulrich
Rund um St. Ulrich warten über 200 km markierte Wanderwege. Das Dorf liegt am Schnittpunkt von Schwarzwaldwegen, Fernwanderpfaden und stillen Seitenpfaden – ideal für alle, die gehen, ohne ein festes Ziel zu brauchen.
Das Herzstück der lokalen Wanderkultur ist der Lebensweg St. Ulrich, ein 4,2 km langer Themenweg rund ums Dorf:
| Detail | Info |
|---|---|
| Länge | 4,2 km (Rundtour) |
| Dauer | ca. 1 Std. 22 Min. |
| Höhenunterschied | 193 m Auf- und Abstieg |
| Schwierigkeit | Leicht |
| Start | Parkplatz Ussermannsaal, St. Ulrich |
| Besonderheit | Kunstinstallationen zum meditativen Innehalten |
Das Konzept des Lebenswegs ist ungewöhnlich: Wandern als Meditation. Entlang der Route laden Kunstinstallationen ein, innezuhalten und die Landschaft bewusst wahrzunehmen. Der Weg führt an der ehemaligen Klosteranlage vorbei, am Quelllauf der Möhlin entlang und über Weidehänge beim Heinehof. Kurz genug für einen entspannten Halbtag, schön genug, um in Erinnerung zu bleiben.
Wer höher hinaus will, wandert auf den nahen Schauinsland (1.284 m, mit Seilbahn ab Horben erreichbar) oder kombiniert den Ausflug mit einem Gipfelbesuch auf dem Belchen. Das Berglusthaus auf 820 m ist eine lohnende Zwischenstation – samstags ab 14 Uhr und sonntags geöffnet, mit schönem Panoramablick über das Tal.
Die Belchenbahn – auf 1.414 Meter über dem Schwarzwald
Der Belchen (1.414 m) ist der dritthöchste Berg im Schwarzwald – und viele sagen: der schönste. Sein Panorama reicht an klaren Tagen über die Rheinebene bis zu den Vogesen und bis zu den Alpen. Gleichzeitig ist der Gipfel ein subalpines Naturschutzgebiet mit seltener Flora und Fauna, die man sonst im Schwarzwald kaum findet.
Seit 2001 ist der Gipfelbereich autofrei. Die Belchenbahn fährt von Aitern zur Bergstation auf 1.363 m – von dort sind es nur wenige Minuten zu Fuß bis zum Gipfelkreuz:
- Talstation: Obermulten 5, 79677 Aitern
- Bergstation: 1.363 m, kurzer Fußweg zum Gipfel
- Am Gipfel: bewirtschaftetes Belchenhaus mit Aussichtsplattform und Panoramablick
- Im Winter: 4 Pisten mit bis zu 4,5 km Länge
- Online-Tickets buchbar unter belchen-seilbahn.de
Wer den Aufstieg zu Fuß bevorzugt: Mehrere Wanderrouten führen auf den Belchen, auch vom Münstertal aus. Die Kombination Belchenbahn rauf – Wanderweg runter ist bei Familien sehr beliebt und spart Kondition für das Wesentliche: die Aussicht genießen.
Bild: © Mathias Hollerbach
Was macht St. Ulrich im Schwarzwald so besonders?
St. Ulrich verbindet auf kleinem Raum mehrere seltene Qualitäten: echte Stille ohne Touristenmassen, eine Barockkirche von Peter Thumb, einen romanischen Taufstein, der zu den bedeutendsten Kunstwerken des südlichen Schwarzwalds zählt – und eine Lage, die gleich mehrere Ausflugsziele in kurzer Entfernung bietet.
Was St. Ulrich nicht ist: ein Ort für Massenausflüge. Was es dafür bietet: den Schwarzwald, wie er vor Jahrzehnten aussah – still, grün und mit einer Kirche, die man so schnell nicht vergisst. Das Dorf zieht vor allem jene an, die bewusst reisen, gern zu Fuß unterwegs sind und für die ein romanischer Taufstein mindestens genauso spannend ist wie ein Freizeitpark.
Kurz: St. Ulrich ist ein Geheimtipp, der keiner mehr sein muss – aber einer bleibt, weil er sich nie verändert hat.
Anreise und praktische Informationen
St. Ulrich liegt ca. 15 km südlich von Freiburg im Breisgau und ist gut mit dem Auto zu erreichen. Öffentliche Verbindungen existieren, sind aber eingeschränkt.
| Verkehrsmittel | Route / Hinweis |
|---|---|
| Auto von Freiburg | L122 südlich durch das Hexental über Au, Wittnau, Bollschweil |
| Auto von der A5 | Ausfahrt Bad Krozingen → Ehrenkirchen → Bollschweil → St. Ulrich |
| Bus | SBG-Bus 7208 bis Haltestelle St. Ulrich, dann Fußweg aufwärts; Karle-Bus fährt direkt |
| Parken | Parkplatz Ussermannsaal (~12 Stellplätze für Wanderer) |
| KONUS-Gästekarte | Kostenloser ÖPNV im ganzen Schwarzwald bei Übernachtung in der Region |
Nächster Bahnhof: Bad Krozingen (ca. 8 km) oder Freiburg Hbf (ca. 15 km). Von dort Weiterreise per Bus oder Taxi.
Die Region rund um St. Ulrich bietet eine Vielzahl komfortabler Unterkünfte – von Wellnesshotels am Belchen bis hin zu charmanten Schwarzwaldgasthäusern im Münstertal und an den Hängen des Schauinslands. Ob Wochenendausflug mit Spa, Wanderurlaub oder eine verlängerte Auszeit: Die Schwarzwaldregion im Süden hält für jeden Reisestil das Richtige bereit.
Die Umgebung: Staufen, Badenweiler und das Münstertal
St. Ulrich ist ein idealer Ausgangspunkt, um die vielfältige Südwestecke des Schwarzwalds zu erkunden. In kurzer Fahrt sind einige der attraktivsten Ausflugsziele der Region erreichbar:
Staufen im Breisgau (ca. 10 km)
- Mittelalterliche Altstadt mit Fachwerkhäusern und autofreiem Zentrum
- Burgruine Staufen (Ersterwähnung 1248) – zu Fuß in 15 Min. erreichbar, Panoramablick über Rheinebene und Vogesen
- Bekannte Faust-Stadt: Dr. Faust soll 1539 im Gasthaus „Zum Löwen" durch eine chemische Explosion ums Leben gekommen sein – Pflichtlektüre für Goethe-Fans
- Umgeben von den Weinbergen des Markgräfferlandes
Badenweiler (ca. 20 km)
- Exklusives Kurbad mit der Cassiopeia Therme (3.800 m², 5 Wellness Stars)
- Römische Badruinen – zu den besterhaltenen nördlich der Alpen (93 m × 33 m)
- Kurpark mit 22 Hektar, Burgruine, Tschechow-Gedenkstätte
Münstertal (ca. 8–12 km südlich)
- Kloster St. Trudpert – ältestes Benediktinerkloster rechts des Rheins (gegründet um 600 n. Chr.)
- Teufelsgrund-Besucherbergwerk – über 1.000 Jahre Bergbaugeschichte und Asthma-Therapiestollen
- Bienenkundemuseum (eines der größten weltweit)
Freiburg im Breisgau (ca. 15 km)
- Das Münster – eines der schönsten gotischen Gotteshäuser Deutschlands
- Altstadt mit den berühmten Bächle (historischen Wasserrinnen)
- Universitätsstadt mit lebendiger Gastronomie- und Kulturszene
Bild: © Thomas Coch
Geheimtipp: Sonnenaufgang auf dem Belchen
Bild: © Klaus Hansen
Wer früh aufsteht, wird auf dem Belchen mit einem Erlebnis belohnt, das viele Besucher als unvergesslich beschreiben: Sonnenaufgang auf dem Gipfel. Wenn das Tal noch im Morgendunst liegt und die ersten Sonnenstrahlen die Schwarzwaldkämme übergolden, gehört der Berg fast nur dir. Die Belchenbahn fährt in der Nebensaison nicht vor 9 Uhr – wer früher oben sein will, geht zu Fuß. Die Ruhe dort oben in den frühen Morgenstunden ist schwer zu beschreiben.
Geheimtipp im Geheimtipp: Die Kombination St. Ulrich → Lebensweg → Berglusthaus → Belchen ergibt einen ganzen Tag, der kaum Geld kostet, aber lange in Erinnerung bleibt. Gutes Schuhwerk und ein Vesper einpacken – der Rest ergibt sich von selbst.
FAQ zu St. Ulrich im Schwarzwald
Wie weit ist St. Ulrich im Schwarzwald von Freiburg entfernt?
Ca. 15 km südlich von Freiburg, mit dem Auto in 20–25 Minuten erreichbar. Über die L122 durchs Hexental ist die schönste Route.
Kann man die Barockkirche St. Ulrich besichtigen?
Ja, die Kirche und der Pfarrhof mit dem romanischen Taufstein sind tagsüber frei zugänglich. Feste Öffnungszeiten gibt es nicht – die Kirche ist in der Regel von morgens bis abends offen.
Was ist der romanische Taufstein in St. Ulrich?
Ein Taufbecken aus dem 11. oder 12. Jahrhundert, vermutlich eine Schenkung der Cluny-Mönche. Mit ca. 2,60 m Durchmesser und rund 8 Tonnen Gewicht und einem umlaufenden Bogenfries mit 12 Propheten-Reliefs ist er einer der beeindruckendsten mittelalterlichen Kunstschätze der Region – und steht im Pfarrhof im Freien.
Wie viele Wanderwege gibt es rund um St. Ulrich?
In der gesamten Belchenregion gibt es über 200 km markierte Wanderwege. Direkt in St. Ulrich startet der Lebensweg St. Ulrich – eine 4,2 km lange Meditationsrunde mit Kunstinstallationen.
Ist der Belchen von St. Ulrich aus gut erreichbar?
Ja. Mit dem Auto zur Belchenbahn-Talstation in Aitern (ca. 20 Min.) und von dort mit der Seilbahn auf 1.363 m – oder komplett zu Fuß über verschiedene Wanderrouten. Die Kombination Belchenbahn rauf und Wanderweg runter ist bei Familien besonders beliebt.
Wo übernachtet man in der Nähe von St. Ulrich im Schwarzwald?
Im Münstertal, in Staufen, in Badenweiler und in Freiburg gibt es zahlreiche Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen für jeden Geschmack und jedes Budget.
Gibt es Parkplätze in St. Ulrich?
Ja, am Ussermannsaal gibt es ca. 12 Stellplätze für Wanderer und Besucher – ausreichend für den kleinen Ort.