Berggarten - Hannover

Berggarten: Orchideen und botanische Vielfalt in Herrenhausen entdecken

Wer von Hannover spricht, denkt an Messe, Maschsee und vielleicht die Nanas am Leibnizufer. Der Berggarten Hannover – direkt neben dem berühmten Großen Garten gelegen und Teil der weltberühmten Herrenhäuser Gärten – bleibt dabei erstaunlich oft im Schatten seines barocken Nachbarn. Dabei ist dieser botanische Garten ein echtes Ausrufezeichen: rund 12.000 Pflanzenarten aus allen Klimazonen der Erde, die größte Orchideensammlung Europas mit über 25.000 Exemplaren und ein königliches Mausoleum mitten im Grünen. Der Berggarten Hannover ist kein schneller Stadtspaziergang – er ist eine Entdeckungsreise, die man sich eigentlich fest in den Kalender schreiben sollte.

Der Berggarten liegt unmittelbar nördlich des Großen Gartens – getrennt nur durch die Herrenhäuser Straße und verbunden durch die vierhügelige Berggartenallee, deren knapp 300 Jahre alte Linden heute unter Naturschutz stehen. Was viele Besucher überrascht: Während der Große Garten für seine strenge Barockgeometrie bekannt ist, empfängt der Berggarten seine Gäste mit botanischer Vielfalt auf rund 13 Hektar – und mit einer Stille, die man mitten in einer Großstadt selten findet. Direkt am nördlichen Abschluss der Allee erhebt sich außerdem das Welfenmausoleum, das dem gesamten Gartenbereich eine eigentümliche, fast feierliche Tiefe gibt.

Was macht den Berggarten so besonders?

Die kurze Antwort lautet: die Kombination. Kaum ein botanischer Garten in Mitteleuropa vereint auf ähnlich kleinem Raum so viel Vielfalt – von arktischen Alpinpflanzen bis zu tropischen Orchideen, von einem barocken Laubengang bis zu einem neoklassizistischen Königsmausoleum. Hier die wichtigsten Highlights im Überblick:

  • Europas größte Orchideensammlung: Rund 25.000 Exemplare und ca. 3.700 Arten – das Orchideen-Schauhaus zeigt davon stets 500 bis 800 Pflanzen in voller Blüte, zweimal wöchentlich frisch nachbestückt.
  • 12.000 Pflanzenarten aus allen Klimazonen der Welt, darunter ein Granatapfelbaum, der 1653 aus Venedig nach Hannover gebracht wurde und zu den ältesten Kübelpflanzen der Welt zählt.
  • Die älteste Gurkenmagnolie Deutschlands – über 220 Jahre alt und immer noch bravourös in Form.
  • Präriegarten auf 5.000 m² mit rund 900 nordamerikanischen Präriestauden – Deutschlands erster Wildgarten dieser Art, spektakulär im Sommerhochbetrieb.
  • Das Welfenmausoleum, entworfen von Georg Ludwig Friedrich Laves, als kontemplativer Gegenpol zur botanischen Vielfalt.
  • Historische Sonnenuhr von 1719, einst als genaueste Sonnenuhr Europas gerühmt – und eine der kurioseren Sehenswürdigkeiten im Garten.

Orchideen aus aller Welt – eine Sammlung mit Geschichte

Die systematische Orchideenzucht im Berggarten begann 1835. Was damals als höfische Kuriosität startete, ist heute eine wissenschaftliche Sammlung von internationalem Rang. Fünf Orchideenarten tragen den Namen des Gartens im Epitheton – darunter Sievekingia herrenhusana und Epidendrum herrenhusanum. Das 2017 umfassend sanierte Orchideen-Schauhaus ist geografisch gegliedert: Vom Eingang mit mittelamerikanischen Arten reist man buchstäblich durch Südamerika und Afrika bis nach Asien – wo geschnitzte Holzgötterstatuen aus Vanuatu die Sammlung bewachen. Ein bisschen wie ein botanisches Abenteuermuseum.

Der Präriegarten: Wo Amerika nach Hannover kommt

Mitte der 1990er-Jahre entstand auf 5.000 m² Deutschlands erster Präriegarten mit rund 900 nordamerikanischen Staudenarten. Im Sommer brennt er buchstäblich in Rot, Orange und Gelb – und selbst im Winter lassen die Trockenblüten der Gräser und Astern einen aparten Reiz erkennen. Wer kommt, wenn alle anderen schon im Orchideen-Schauhaus stecken, hat diesen Teil oft komplett für sich allein.

Geschichte des Berggartens: Vom Küchengarten zur botanischen Weltklasse

Der Berggarten blickt auf eine über 350 Jahre alte Geschichte zurück – und die beginnt wenig glamourös: 1666 legte Herzog Johann Friedrich hier auf einem Sandhügel nördlich des Großen Gartens einen schlichten Küchengarten an, der die höfische Küche mit Gemüse und Kräutern versorgte. Der Name Berggarten stammt übrigens von genau diesem Hügel – eine leichte Erhöhung, die noch heute im Geländeprofil erahnbar ist.

Kurfürstin Sophie und die botanische Wende

Unter Kurfürstin Sophie von Hannover (1630–1714), die vom Garten dermaßen besessen war, dass sie sagte, der Garten sei ihr Leben, begann ab 1686 die Transformation: Exotische Pflanzen, Tabakstauden, Maulbeerbäume für die Seidenzucht und immer mehr Zierpflanzen zogen ein. Gegen 1750, als ein Küchengarten in Linden die höfische Versorgung übernahm, verwandelte sich der Berggarten vollends in einen wissenschaftlichen botanischen Garten.

Die Wendland-Dynastie: Drei Generationen, 108 Jahre, 829 Entdeckungen

Den größten Ruf erwarb sich der Berggarten unter der Wendland-Dynastie: Drei Generationen der Familie wirkten zwischen 1795 und 1903 als Hofgärtner und trieben die Sammlung auf internationales Niveau. Zusammen beschrieben und benannten sie 829 bis dahin unbekannte Pflanzenarten wissenschaftlich.

Besonders berühmt wurde Hermann Wendland (1825–1903). Er bildete sich an der Universität Göttingen aus, absolvierte Praktika in Wien und im Londoner Kew Gardens (1848/49), wo ihn der damalige Direktor Joseph Dalton Hooker später als den einzigen Meister der Palmen in Europa bezeichnete. 1856/57 unternahm Wendland eine Tropenexpedition nach Guatemala, Ecuador und Costa Rica und brachte unter anderem das rote Anthurium (Anthurium scherzerianum) und Vorläufer der Usambaraveilchen zurück. Bis 1854 galt die Palmensammlung des Berggartens als die wertvollste Europas.

Der Zweite Weltkrieg vernichtete alle Gewächshäuser und Sammlungen vollständig. Der Wiederaufbau dauerte Jahrzehnte: Botaniker bereisten die Welt, um die Orchideensammlung neu aufzubauen. Das ehemalige Regenwaldhaus, das zur Expo 2000 entstand, wurde schließlich zum SEA LIFE Hannover umgebaut und öffnete 2007 als modernes Aquarium.

Die Schauhäuser: Tropenparadies unterm Glasdach

Das Herzstück des Berggartens sind die Schauhäuser – ganzjährig geöffnete Gewächshäuser, in denen man buchstäblich durch verschiedene Klimazonen der Erde spaziert. Bei Regen oder Kälte sind sie der perfekte Rückzugsort; an schönen Sommertagen ein willkommener Kontrast zur frischen Luft draußen.

SchauhausBesonderheitKlima
Orchideen-SchauhausEuropas größte Sammlung: ca. 25.000 Exemplare, ca. 3.700 Arten; 500–800 in Blüte; geografisch von Mittelamerika bis Asien gegliedert~20 °C, feucht
TropenhausPalmen, Kletterpflanzen, Teich; tropische Vegetation in vollem WuchsWarm & feucht
KakteenhausRund 2.400 Sukkulenten-Varietäten: Kakteen, Agaven, Aloen aus Wüstenregionen weltweitWarm & trocken
KanarenhausFlora der Kanarischen Inseln – in dieser Form einmalig in EuropaMediterran

Das Orchideen-Schauhaus: Das absolute Highlight

Das 1958 erbaute und 2017 aufwendig sanierte Orchideen-Schauhaus ist ein denkmalgeschütztes Gebäude und gleichzeitig ein lebendiges botanisches Labor. Zweimal wöchentlich werden die blühenden Orchideen rotiert; was gerade nicht in der Schau ist, wartet in den Reservebeständen auf seinen Auftritt. Die Temperaturen liegen konstant bei etwa 20 °C, damit Orchideen aus tropischen Tieflagen genauso komfortabel untergebracht sind wie Gebirgsarten, die es etwas kühler mögen. An Orchideen, die den Namen des Gartens tragen, mangelt es übrigens nicht: Embreea herrenhusana, Oncidium herrenhusanum, Stanhopea x herrenhusana – der Berggarten hat sich in der botanischen Nomenklatur fest verewigt.

Weitere botanische Schätze: Moor, Steppe & Iris-Garten

Wer den Berggarten nur wegen der Schauhäuser besucht, verpasst einiges. Draußen warten der Moorweiher mit Steg und Moorpflanzen, ein Staudenbeet auf knapp 20.000 m², ein Iris-Garten mit über 200 Sorten (Blütezeit April bis Juni), ein Alpinum mit Hochgebirgspflanzen sowie der Schmuckhof – ein formell angelegter Hof mit duftenden Geranien, deren Schilder zum Reiben und Riechen einladen. Wer die aromatischen Varianten in Citrus, Rose, Cola und Zimt noch nicht kannte, ist danach definitiv informiert.

Das Welfenmausoleum: Ein königliches Mahnmal im Botanischen Garten

Am nördlichen Ende des Berggartens markiert ein neoklassizistisches Bauwerk den Abschluss der Berggartenallee: das Welfenmausoleum. König Ernst August von Hannover ließ es zwischen 1842 und 1847 von seinem Hofarchitekten Georg Ludwig Friedrich Laves errichten – nach dem frühen Tod seiner Gemahlin Königin Friederike im Jahr 1841. Der dorische Portikus aus weißem Marmor gilt als eines der schönsten Mausoleen Norddeutschlands.

Laves orientierte sich bewusst am Mausoleum von Königin Luise von Preußen in Berlin-Charlottenburg – kein Zufall, denn Friederike war Luises jüngere Schwester. Als 1957 das Leineschloss zum niedersächsischen Landtag umgebaut wurde, überführte man hierher die Sarkophage von acht weiteren Welfenmitgliedern – darunter Kurfürstin Sophie (1630–1714), die den Berggarten entscheidend prägte, und König Georg I. von Großbritannien und Irland (1660–1727), dem ersten britischen König aus dem Haus Hannover.

Das Mausoleum ist von dreißig alten Eichen umgeben und befindet sich im Privatbesitz des Hauses Hannover. Es ist nicht öffentlich zugänglich – was seiner stillen Präsenz im Berggarten keinen Abbruch tut. Man kann das Gebäude von außen betrachten und auf sich wirken lassen: ein royaler Kontrapunkt zur bunten Blütenwelt ringsum.

Beste Reisezeit: Wann lohnt sich der Besuch im Berggarten besonders?

Der Berggarten hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber vielen anderen Gärten: Er ist dank der Schauhäuser das ganze Jahr über einen Besuch wert. Je nach Saison verschieben sich lediglich die Highlights.

JahreszeitHighlightsTipp
Frühling (Apr–Jun)Rhododendronblüte (über 300 Arten!), Magnolien, Iris-Garten, Tulpen & NarzissenJede Sorte blüht ca. 4 Wochen – früh im April kommen!
Sommer (Jul–Sep)Präriegarten in voller Pracht, Orchideen-Schauhaus läuft auf Hochtouren, Events nebenan im Großen GartenFrühmorgens kommen – vor den Reisegruppen
Herbst (Okt–Nov)Herbstfärbung, ruhige Atmosphäre, Illuminationen im Großen Garten (Sep/Okt)Kombination mit "Der Garten leuchtet"-Illuminationen
Winter (Dez–Mär)Schauhäuser als tropisches Refugium, besonders ruhig und beschaulichKürzere Öffnungszeiten (ab 16:30 Uhr) beachten

Besonders lohnend ist der Berggarten im Frühjahr, wenn die Rhododendren blühen. Mit über 300 verschiedenen Arten und Sorten ist das Blütenmeer von April bis Juni eines der eindrucksvollsten Naturschauspiele Hannovers – wenig bekannt außerhalb der Stadt, absolut sehenswert für alle, die auf botanische Schönheit stehen. Wer den Besuch mit einem Spaziergang durch den benachbarten Georgengarten verbindet, hat einen der schönsten Stadtausflüge Norddeutschlands vor sich.

Praktische Infos: Öffnungszeiten, Eintritt & Anfahrt

InformationDetails
AdresseHerrenhäuser Straße 4, 30419 Hannover
Berggarten-EintrittErwachsene 5,00 €, ermäßigt/Jugendliche (12–17 J.) 3,50 €
KombiticketGroßer Garten + Berggarten + Museum Schloss Herrenhausen: 10,00 € (Erw.), 4,00 € (12–17 J.), unter 12 J. frei
Jahresticket35,00 €
ÖffnungszeitenTäglich ab 9:00 Uhr; Schließung saisonal: Mai–Aug 20:00, Apr/Sep 19:00, Mär/Okt 18:00, Nov–Jan 16:30 Uhr
ÖPNVU-Bahn Linie 4 und 5, Haltestelle Herrenhäuser Gärten (ca. 10 Min. ab Kröpcke)
ParkenKostenpflichtige Parkplätze am Großen Garten vorhanden
BarrierefreiheitAlle Hauptwege und Schauhäuser barrierefrei zugänglich
Aktuelle Infosherrenhaeuser-gaerten.hannover.de

Häufige Fragen zum Berggarten Hannover

Wie viel kostet der Eintritt in den Berggarten Hannover?

Der Berggarten kostet für Erwachsene 5,00 € (ermäßigt 3,50 €). Das Kombiticket für Berggarten, Großen Garten und Museum Schloss Herrenhausen kostet 10,00 € (Erwachsene). Kinder unter 12 Jahren haben freien Eintritt.

Wann hat der Berggarten Hannover geöffnet?

Der Berggarten öffnet täglich ab 9:00 Uhr. Die Schließzeiten variieren saisonal: Mai bis August 20:00 Uhr, April und September 19:00 Uhr, März und Oktober 18:00 Uhr, November bis Januar 16:30 Uhr.

Was ist das Besondere am Orchideen-Schauhaus?

Das Orchideen-Schauhaus beherbergt Europas größte Orchideensammlung mit rund 25.000 Exemplaren und ca. 3.700 Arten. Es zeigt stets 500 bis 800 blühende Pflanzen, die zweimal wöchentlich rotiert werden. Das Haus steht unter Denkmalschutz und ist geografisch von Mittelamerika bis Asien gegliedert.

Wie kommt man mit dem ÖPNV zum Berggarten?

Mit der U-Bahn der Linien 4 und 5 erreicht man die Haltestelle Herrenhäuser Gärten in etwa 10 Minuten vom Stadtmittelpunkt Kröpcke.

Geheimtipp: Der frühe Morgen im Berggarten

Wer den Berggarten wirklich für sich erleben will, kommt an einem Werktag kurz nach der Öffnung um 9:00 Uhr. Dann sind die Orchideen im Schauhaus noch kaum von Besuchern umringt, der Präriegarten liegt im Morgentau und das Welfenmausoleum hat eine Stille, die man sich kaum vorstellen kann, wenn man den Hochbetrieb an Sommerwochenenden kennt. Empfehlung: bequeme Schuhe einpacken, einen ruhigen Vormittag einplanen – und als Abschluss ein Picknick auf dem Gras am Moorweiher genießen.

Hannover hat übrigens noch viel mehr zu bieten: In den Museen in Hannover warten spannende Ausstellungen, das Wilhelm Busch Museum direkt am Georgengarten zeigt Karikatur und Zeichenkunst auf höchstem Niveau, und im Zoo Hannover entdecken große und kleine Naturfans eine ganz andere Tier- und Pflanzenwelt.

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