Neues Rathaus Hannover

Neues Rathaus: Bogenaufzug, Kuppel und Panoramablick entdecken

Manchmal steht man vor einem Gebäude und fragt sich unwillkürlich: Wie haben die das bloß gebaut? Das Neue Rathaus in Hannover ist so ein Gebäude. Fast 100 Meter ragt seine Kuppel in den hannoveraner Himmel, unter dem Fundament verbergen sich über 6.000 Buchenpfähle im Morast – und der Aufzug ins Aussichtspodium fährt nicht etwa gerade nach oben, sondern in einem eleganten Bogen. Willkommen im wohl ungewöhnlichsten Verwaltungsgebäude Deutschlands.

Was 1913 als repräsentatives Zeichen städtischen Selbstbewusstseins eingeweiht wurde, ist heute Hannoveranern heilig und Besuchern ein echtes Highlight. Das Rathaus am Maschteich verbindet historische Grandezza mit lebendigem Stadtbetrieb – und das ganz ohne Eintritt für den Eingangsbereich. Wer mehr will, wählt den Weg nach oben: per Bogenaufzug auf die Aussichtsplattform, mit Blick bis in den Harz an klaren Tagen. Für alle, die Niedersachsen noch nicht kennen – hier ist ein perfekter Einstieg.

Geschichte des Neuen Rathauses

Von der Planung zum Prachtbau

Ende des 19. Jahrhunderts platzte Hannover buchstäblich aus allen Nähten. Die Bevölkerung war in wenigen Jahrzehnten von unter 30.000 auf weit über 200.000 Menschen angewachsen – und das alte Rathaus am Marktplatz hatte längst aufgehört, dem Bedarf der städtischen Verwaltung gerecht zu werden. 1901 wurde ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben. Den Zuschlag bekamen zwei Männer: Hermann Eggert für das äußere Erscheinungsbild und Gustav Halmhuber für die aufwendige Innenraumgestaltung.

Die Bauaufgabe war alles andere als trivial. Das ausgewählte Grundstück am Maschteich war sumpfig, und bevor der erste Stein gelegt werden konnte, mussten 6.026 Buchenpfähle in den Untergrund getrieben werden – eine bemerkenswerte Leistung frühindustrieller Bautechnik. Zwölf Jahre dauerte der Bau, ehe Kaiser Wilhelm II. am 20. Juni 1913 das Neue Rathaus im Beisein von Tausenden Schaulustigen einweihte.

Kriegszerstörung und Wiedergeburt

Der Zweite Weltkrieg hinterließ tiefe Narben in Hannover. Die Innenstadt wurde durch alliierte Bombenangriffe zu großen Teilen zerstört – auch das Rathaus wurde schwer beschädigt. Was die Bomben übrig ließen, bauten hannoveraner Bürger und Handwerker in den Folgejahren mit großem Einsatz wieder auf. Heute erinnern die vier Stadtmodelle im Eingangsbereich eindringlich an diesen historischen Bogen: Das Modell von 1945 ist bewusst in Grau gehalten – es zeigt die zerstörte Stadt ohne Beschönigung, als stummes Mahnmal für kommende Generationen.

Was macht das Neue Rathaus so besonders?

Kurze Antwort: Es vereint auf einzigartige Weise Baukunst, Geschichte und Aussicht – und das größtenteils kostenlos. Das Neue Rathaus Hannover hat einige Alleinstellungsmerkmale, die es von vergleichbaren Verwaltungsbauten in Deutschland klar abheben:

  • Bogenaufzug (Schräglift): Der weltweit einzige Aufzug mit geschwungenem Fahrweg – die Kabine neigt sich während der Fahrt, der Boden ist aus Glas. Betrieb saisonal von März bis Oktober.
  • Vier historische Stadtmodelle: Eine Zeitreise durch die Geschichte Hannovers – die Festungsstadt 1689, das blühende 1939, das zerstörte 1945 (in Grau) und die moderne Gegenwart (strahlend weiß).
  • Kostenfreier Eintritt: Der Hauptsaal mit den Stadtmodellen ist ohne Aufpreis zugänglich – ein absolutes Highlight ohne Extrakosten.
  • Aussichtsplattform auf 97,73 Metern: An klaren Tagen reicht der Blick bis zum Harz – die ganze Stadt liegt einem zu Füßen.
  • Maschteich-Spiegelung: Das Rathaus spiegelt sich im angrenzenden Teich, der Maschpark lädt zu Spaziergängen vor und nach dem Besuch ein.
  • Station des Roten Fadens: Das Rathaus ist fester Bestandteil der 4,2 km langen Stadtführungsroute Hannovers, die 32 Sehenswürdigkeiten miteinander verbindet.

Auf einen Blick

MerkmalDetail
Baujahr1901–1913
Kuppelhöhe97,73 Meter
Fundament6.026 Buchenpfähle
ArchitektenHermann Eggert (Außen), Gustav Halmhuber (Innen)
BaustilHistorismus / Neurenaissance
Einweihung20. Juni 1913 durch Kaiser Wilhelm II.
Eintritt Haupthallekostenlos
BogenaufzugMärz–Oktober, kleines Entgelt

Architektur und Baukunde

Die Kuppel und der einzigartige Bogenaufzug

Die Kuppel des Neuen Rathauses ist nicht nur optisch das Herzstück des Gebäudes – sie ist auch technisch ein Meisterstück. Mit einer Höhe von 97,73 Metern überragt sie jeden anderen Punkt der Innenstadt und ist aus weiten Teilen des Stadtgebiets sichtbar. Das Besondere: Ins Aussichtspodium gelangt man nicht per gewöhnlichem Aufzug, sondern per Bogenaufzug – einem weltweit einmaligen Schräglift, dessen Kabine sich entlang der Innenkurve der Kuppel nach oben bewegt und dabei ihren Neigungswinkel verändert. Der Boden der Kabine ist aus Glas – nichts für schwache Nerven, aber ein Erlebnis, das man so schnell nicht vergisst. Saisonal in Betrieb von März bis Oktober.

Prunkräume im Inneren

Im Inneren des Rathauses warten gleich zwei besondere Räume auf Besucher mit Sinn für Geschichte und Kunst. Der Mosaiksaal zeigt in aufwendiger Mosaikarbeit einen historischen Handwerkerzug durch Hannover – farbenprächtig, detailliert und von handwerklichem Können der Jahrhundertwende. Der Hodlersaal beherbergt ein großformatiges Wandgemälde des Schweizer Malers Ferdinand Hodler, das Hannovers Übertritt zur Reformation illustriert. Beide Räume sind bei geführten Touren zugänglich und zeigen, mit welchem künstlerischen Anspruch das Rathaus einst konzipiert wurde.

Lage am Maschteich

Das Neue Rathaus liegt direkt an der Südseite der Innenstadt, an der Grenze zum Maschpark. Der Maschteich schmiegt sich an den rückseitigen Eingang, und bei ruhigem Wetter spiegelt sich die Kuppel im Wasser – ein Fotomotiv, das Besucher regelmäßig zum Innehalten bringt. Der Maschpark, einer der ältesten öffentlichen Grünanlagen Hannovers, lädt vor oder nach der Besichtigung zu einem entspannten Spaziergang ein.

Besichtigung – Praktische Infos

BereichÖffnungszeitenEintritt
Haupthalle mit Stadtmodellenganzjährig Mo–Fr 9:30–18:30 Uhr
Sa/So/Feiertage 10:00–18:30 Uhr
kostenlos
Kuppelaufzug & AussichtsplattformMärz bis Oktober (saisonal)kleines Entgelt
Geführte Tourennach Voranmeldungab 9,00 € p.P.

Adresse: Trammplatz 2, 30159 Hannover (auch: Platz der Menschenrechte)
Telefon: +49 511 1680
Anreise ÖPNV: Stadtbahn bis Kröpcke oder Aegidientorplatz, dann wenige Minuten zu Fuß Richtung Maschteich.
Parken: Parkhäuser am Kröpcke und am Raschplatz in der Nähe.
Tipp: Wer auch den Bogenaufzug erleben möchte, sollte zwischen März und Oktober kommen – außerhalb dieser Saison ist die Aussichtsplattform geschlossen.

Hannover bietet als Stadtreiseziel viel mehr als einen einzigen Besichtigungsstopp. Wer das Neue Rathaus als Ausgangspunkt nimmt, kann von dort aus zu Fuß einen großen Teil der Innenstadt erkunden – vom Kröpcke über die Marktkirche bis hin zu den Galerien und Museen der Altstadt. Ein Wochenende reicht, um die wichtigsten Highlights zu sehen, und wer länger bleibt, entdeckt auch die ruhigeren Ecken dieser grünen Großstadt.

Häufig gestellte Fragen zum Neuen Rathaus Hannover

Ist der Eintritt ins Neue Rathaus Hannover kostenlos?

Ja – die Haupthalle mit den vier historischen Stadtmodellen ist ohne Eintritt zugänglich. Für die Aussichtsplattform und geführte Touren fällt ein kleines Entgelt an.

Was ist der Bogenaufzug?

Der Bogenaufzug ist weltweit einzigartig: ein Schräglift, der entlang der Innenkurve der Kuppel fährt und sich dabei neigt. Saisonal in Betrieb von März bis Oktober.

Wann wurde das Neue Rathaus eingeweiht?

Am 20. Juni 1913 – nach zwölf Jahren Bauzeit auf einem Fundament aus 6.026 Buchenpfählen.

Wie kommt man dorthin?

Am einfachsten per Stadtbahn bis Kröpcke oder Aegidientorplatz, dann wenige Minuten zu Fuß Richtung Maschteich.

Was zeigen die vier Stadtmodelle?

Hannover in den Jahren 1689, 1939, 1945 und in der heutigen Form – das Modell von 1945 ist grau gehalten als stummes Mahnmal der Kriegszerstörung.

Geheimtipp: Das verborgene Hannover

Hannover hat mehr zu bieten, als die meisten ahnen. Wer das Neue Rathaus besucht, sollte unbedingt auch einen Blick auf den Maschteich werfen – am besten von der Brücke aus, die direkt hinter dem Rathaus auf den Maschpark führt. Früh morgens, wenn der Park noch fast menschenleer ist, spiegelt sich die Kuppel im stillen Wasser. Ein Fotomotiv, das in seiner Stille beeindruckt und zeigt, wie harmonisch Architektur und Natur hier zusammenwachsen.

Wer noch mehr entdecken möchte: Der Rote Faden ist eine in den Gehweg eingelassene 4,2 Kilometer lange rote Linie, die 32 Sehenswürdigkeiten Hannovers miteinander verbindet – von der Marktkirche über den Ernst-August-Platz bis hin zu den Herrenhäuser Gärten. Das Neue Rathaus liegt mittendrin. Einfach der Linie folgen und eine Stadt entdecken, die viele unterschätzen.

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