Augustusplatz - Leipzig
Augustusplatz Leipzig
Wer Leipzig kennt, kennt den Augustusplatz. Wer Leipzig noch nicht kennt, lernt ihn kennen, sobald er das erste Mal an diesem monumentalen Platz steht – und sich fragt, wie eine Stadt einen Ort gleichzeitig so groß und so lebendig gestalten kann. Mit rund 40.000 Quadratmetern gehört der Augustusplatz zu den größten Stadtplätzen Europas, und das ist erst der Anfang. Zwei der renommiertesten Kultureinrichtungen Deutschlands flankieren ihn links und rechts, sein Boden hat Geschichte getragen, die Bücher füllt, und an bestimmten Abenden im Dezember verwandelt sich der Platz in ein Lichtermeer, das einen nicht mehr loslässt. Wer nach Leipzig reist, landet früher oder später hier – und das ist kein Zufall. Es ist eine Einladung der Stadt an ihre Gäste.
Geschichte: Vom Handelszentrum zur Weltbühne der Demokratie
Der Augustusplatz entstand nicht von heute auf morgen. Er wuchs mit der Stadt – und trug dabei mehr Geschichte in sich, als man einem einzelnen Platz zutrauen würde.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1785 | Abriss der Stadtbefestigung, Entstehung des Platzes |
| 1831–1836 | Bau der Universität Leipzig |
| 1868 | Eröffnung des Neuen Theaters |
| 1927 | Errichtung des Krochhochhauses (Art déco) |
| 1943 | Schwere Kriegszerstörungen durch Bombenangriffe am 4. Dezember |
| 1945 | Umbenennung in Karl-Marx-Platz |
| 1960 | Eröffnung des Opernhauses |
| 1968 | Sprengung der Universitätskirche St. Pauli durch die SED |
| 1981 | Einweihung des Gewandhauses zu Leipzig |
| 9. Oktober 1989 | Friedliche Revolution: ca. 70.000 Menschen auf dem Platz |
| 1990 | Rückbenennung in Augustusplatz |
| 1998 | Grundlegende Neugestaltung des Platzes |
| 2017 | Wiedereröffnung des Paulinums / Aula-Universitätskirche St. Pauli |
Die Anfänge reichen ins ausgehende 18. Jahrhundert: Nach dem Abriss der mittelalterlichen Stadtbefestigung ab 1785 entstand auf dem freigelegten Gelände zunächst ein offener Handelsplatz, der während der Leipziger Messen geschäftig genutzt wurde. Im 19. Jahrhundert verwandelte sich das Areal Schritt für Schritt in ein repräsentatives Stadtzentrum: Die Universität Leipzig (1831–1836), das Museum der Bildenden Künste (1856–1858) und das Neue Theater (1868) prägten das Bild mit ihren klassizistisch-neorenaissance-inspirierten Fassaden. Das Krochhochhaus (1927), Leipzigs erstes Hochhaus im Art-déco-Stil, ergänzte das Ensemble.
Dann kam der 4. Dezember 1943. Britische Bombenangriffe zerstörten nahezu alle historischen Gebäude schwer. Was wiederherstellbar gewesen wäre, vernichtete die DDR-Stadtpolitik: 1968 sprengten die SED-Planer die Universitätskirche St. Pauli und das Augusteum – ein kultureller Kahlschlag, dessen Wunden die Stadt erst Jahrzehnte später schließen sollte.
Stattdessen entstand ein neues Ensemble im Zeichen des sozialistischen Städtebaus: Das Opernhaus öffnete 1960, das Hotel Deutschland (heute The Westin Leipzig) folgte 1963 bis 1965, und 1981 wurde das Gewandhaus mit seiner charakteristisch abgerundeten Fassade eingeweiht.
Der historisch bedeutsamste Moment kam am 9. Oktober 1989: Rund 70.000 Menschen versammelten sich auf dem damals noch Karl-Marx-Platz genannten Areal – die größte und damit entscheidende Montagsdemonstration in der Geschichte der DDR. Dieser Tag gilt als zentraler Wendepunkt der Friedlichen Revolution, der wenige Wochen später den Fall der Berliner Mauer einleitete. 1990 erhielt der Platz seinen ursprünglichen Namen zurück. Seit der grundlegenden Neugestaltung 1998 präsentiert er sich in seiner heutigen Gestalt – ein Ort, der Kulturreisen in gelebte Geschichte verwandelt.
Was erwartet dich am Augustusplatz Leipzig?
Am Augustusplatz reihen sich Kulturstätten aneinander, die allein schon eine Reise wert sind. Auf engstem Raum begegnen sich rund 230 Jahre Stadtgeschichte, zwei Weltklasse-Kultureinrichtungen und Architektur aus so gut wie jeder Epoche – vom Art déco bis zum DDR-Funktionalismus, vom neugotischen Fragment bis zur postmodernen Interpretation eines mittelalterlichen Kirchenbaus.
Oper Leipzig
Die 1960 eröffnete Oper Leipzig gilt als eine der bedeutendsten Opernbühnen Deutschlands. Das Ensemble bietet jährlich über 200 Vorstellungen von Oper bis Musical – mit einem Spielplan, der zwischen großer Tradition und mutiger Moderne balanciert. Die funktionalistische Fassade mag gewöhnungsbedürftig wirken; der Klang im Innenraum ist es definitiv nicht.
Gewandhaus zu Leipzig
Das 1981 eröffnete Gewandhaus beherbergt das Gewandhausorchester – eines der ältesten Konzertorchester der Welt, gegründet 1743. Die abgerundete, skulpturale Fassade ist längst Wahrzeichen des Platzes geworden. Wer eine Eintrittskarte ergattert (Vorbestellung dringend empfohlen!), erlebt Konzertgenuss auf internationalem Spitzenniveau.
Paulinum – Aula-Universitätskirche St. Pauli
2017 wiedereröffnet, nimmt das Paulinum die Form der 1968 gesprengten Universitätskirche wieder auf – allerdings in moderner Neuinterpretation. Das Gebäude dient heute sowohl als Aula der Universität Leipzig als auch als Kirche. Dass es von Anfang an umstritten war, macht es nicht weniger sehenswert – wer es innen besichtigt, versteht beide Seiten des Streits und sieht dabei ein architektonisch außergewöhnliches Raumgefühl.
City-Hochhaus Leipzig
Mit 142 Metern Höhe ist das City-Hochhaus (auch bekannt als MDR-Hochhaus oder Uniriese) eines der markantesten Wahrzeichen der Leipziger Skyline. Im 29. Stock bietet ein Aussichtspunkt einen atemberaubenden Panoramablick über die gesamte Innenstadt – bei klarem Wetter bis in die Dübener Heide.
Krochhochhaus
Das 1927 fertiggestellte Krochhochhaus im Art-déco-Stil wirkt zwischen den DDR-Bauten wie ein eleganter Zeitreisender aus einer anderen Epoche. Es war Leipzigs erstes Hochhaus und zählt heute zu den schönsten Bauzeugnissen der 1920er-Jahre in ganz Sachsen. Die originalen Uhren am Dach mit ihren Figurengruppen sind ein echtes Kleinod.
| Sehenswürdigkeit | Besonderheit | Baujahr |
|---|---|---|
| Oper Leipzig | Eine der bedeutendsten Opernbühnen Deutschlands, >200 Vorstellungen/Jahr | 1960 |
| Gewandhaus | Heimat des ältesten Konzertorchesters der Welt (seit 1743) | 1981 |
| Paulinum | Moderne Neuinterpretation der 1968 gesprengten Universitätskirche | 2017 |
| City-Hochhaus | 142 m hoch, Aussichtspunkt im 29. Stock | 1972 |
| Krochhochhaus | Art déco, Leipzigs erstes Hochhaus, originale Uhren mit Figuren | 1927 |
Veranstaltungen: Was ist wann los am Augustusplatz?
Der Augustusplatz ist nicht nur ein Platz zum Hindurchlaufen – er wird mehrfach im Jahr zur Bühne für bedeutende Veranstaltungen, die Besucher aus ganz Deutschland und Europa anziehen. Wer zur richtigen Zeit kommt, erlebt Leipzig von seiner lebendigsten Seite.
- Weihnachtsmarkt Leipzig (November bis Dezember): Einer der schönsten Weihnachtsmärkte Mitteldeutschlands erstreckt sich vom Marktplatz bis zum Augustusplatz. Das Paulinum im Hintergrund, Kerzenglanz und der unverkennbare Duft von Glühwein ergeben eine Atmosphäre, die man nicht schnell vergisst – und noch schneller wiedererleben möchte.
- Lichtfest Leipzig (9. Oktober): Am Jahrestag der Friedlichen Revolution verwandeln tausende Kerzen, Laternen und Lichtinstallationen den Augustusplatz in ein bewegendes Lichtermeer. Ein Pflichttermin für alle, die Geschichte nicht nur lesen, sondern mit allen Sinnen erleben wollen.
- Wave-Gotik-Treffen (Pfingsten): Das weltgrößte Festival für Gothic- und Alternativkultur verwandelt ganz Leipzig – und damit auch den Augustusplatz – in die internationale Bühne der Schwarzen Szene. Einzigartig in Europa, beeindruckend selbst für alle, die sich selbst nicht zur Szene zählen.
- Klassik airleben (Sommer): Das Gewandhausorchester veranstaltet im Sommer Open-Air-Konzerte auf dem Augustusplatz – Weltklassik unter freiem Himmel, kostenlos für alle Besucher. Eigene Decke oder Klappstuhl mitbringen.
- Stadtfest Leipzig (Sommer): Das jährliche Stadtfest bespielt den gesamten Innenstadtring inklusive Augustusplatz mit Konzerten, Kulinarik und Kultur über mehrere Tage hinweg.
Anreise und praktische Informationen
Der Augustusplatz liegt mitten im Herzen der Leipziger Innenstadt und ist aus allen Richtungen exzellent erreichbar.
- Mit dem ÖPNV: Straßenbahn und Bus halten direkt am Augustusplatz (Linien 4, 7, 12, 15). Der City-Tunnel (S-Bahn) hält an der Haltestelle Markt, ebenfalls in fußläufiger Entfernung.
- Zu Fuß vom Hauptbahnhof: Der Hauptbahnhof Leipzig – einer der größten Kopfbahnhöfe Europas – liegt rund 800 Meter entfernt, etwa 10 Minuten Fußweg durch die Fußgängerzone.
- Mit dem Auto: Leipzig liegt verkehrsgünstig an der A9 (Berlin–München) und der A14. Parkhäuser sind in der Innenstadt ausgeschildert (Parkhaus Augustusplatz, Parkhaus Petersstraße). Zu Stoßzeiten empfiehlt sich Park & Ride.
- Mit dem Zug: Per ICE aus Berlin in ca. 1 Std. 20 Min., aus Frankfurt in ca. 2 Std. 30 Min. – Leipzig ist ein ideales Ziel für spontane Städtereisen.
| Von | Per Zug (ca.) | Per Auto (ca.) |
|---|---|---|
| Berlin | 1 Std. 20 Min. | 2 Std. |
| Frankfurt | 2 Std. 30 Min. | 3 Std. |
| Dresden | 1 Std. 10 Min. | 1 Std. 30 Min. |
| München | 3 Std. 40 Min. | 4 Std. |
| Hamburg | 2 Std. | 3 Std. 30 Min. |
FAQ: Häufige Fragen zum Augustusplatz Leipzig
Wie groß ist der Augustusplatz in Leipzig?
Der Augustusplatz hat eine Fläche von rund 40.000 Quadratmetern und ist damit einer der größten Stadtplätze in Europa.
Was gibt es am Augustusplatz zu sehen?
Direkt am Platz befinden sich die Oper Leipzig, das Gewandhaus zu Leipzig, das Paulinum (Universitätskirche St. Pauli), das City-Hochhaus (MDR-Hochhaus) und das historische Krochhochhaus im Art-déco-Stil.
Was hat der Augustusplatz mit der Friedlichen Revolution zu tun?
Am 9. Oktober 1989 versammelten sich rund 70.000 Menschen auf dem damals noch Karl-Marx-Platz genannten Platz zur größten Montagsdemonstration der DDR-Geschichte – ein zentraler Wendepunkt der Friedlichen Revolution.
Wie komme ich zum Augustusplatz?
Der Augustusplatz ist direkt per Straßenbahn (Linien 4, 7, 12, 15) und S-Bahn (City-Tunnel, Haltestelle Markt) erreichbar. Vom Hauptbahnhof Leipzig sind es ca. 10 Minuten zu Fuß.
Ist der Eintritt zu den Sehenswürdigkeiten am Augustusplatz kostenlos?
Der Augustusplatz selbst ist jederzeit frei zugänglich. Für Konzerte im Gewandhaus und Vorstellungen in der Oper Leipzig sind Eintrittskarten erforderlich. Das Paulinum ist zu den Besuchszeiten in der Regel kostenlos zugänglich. Die Sommerkonzerte (Klassik airleben) auf dem Platz selbst sind ebenfalls kostenlos.
Unser Geheimtipp für deinen Leipzig-Besuch
Direkt hinter dem Augustusplatz verbirgt sich ein Ort, den kaum ein Tourist kennt – und den Einheimische für sich behalten würden, wenn sie könnten: die Moritzbastei. Die mittelalterliche Stadtbefestigungsanlage wurde in der DDR von einer Studenteninitiative zur Kulturstätte ausgebaut und wird bis heute von der Universität Leipzig betrieben. Unter der Erde finden das ganze Jahr über Konzerte, Lesungen, Kino und Partys statt. Der Eingang wirkt betont unscheinbar; das Gewölbe darunter ist ein Universum für sich. Tagsüber ist der Eintritt meist frei, abends je nach Veranstaltung.
Wer gern durch Passagen schlendert: Vom Augustusplatz durch die Grimmaische Straße Richtung Marktplatz passiert man die Specks Hof, die Mädle-Passage und die Strohsack-Passage – drei der ältesten und schönsten Ladenpassagen Europas. Leipzig hat mehr erhaltene historische Passagen als jede andere deutsche Stadt, ein Umstand, den erschreckend viele Besucher schlicht nicht auf dem Radar haben.
Und noch ein Tipp für den Abend: Die Barfußgässchen, nur wenige Minuten vom Augustusplatz entfernt, ist Leipzigs lebendigste Ausgehgasse. Wer nach einem langen Kulturtag einen guten Wein oder ein frisches Bier sucht, ist hier richtig. Wer darüber hinaus noch mehr von Sachsen sehen möchte: Vom Augustusplatz aus sind Dresden und die Sächsische Schweiz per Zug bequem erreichbar.