Altes Rathaus - Leipzig

Altes Rathaus und Marktplatz Leipzig

Es gibt Plätze, die eine Stadt definieren. Der Marktplatz Leipzig ist so einer – und das Alte Rathaus, das ihn seit fast 500 Jahren dominiert, ist sein unübersehbares Herz. Wer durch die Laubenarkaden im Erdgeschoss schlendert, spürt sofort: Hier hat Geschichte nicht Urlaub gemacht, sondern richtig geschuftet. Leipzig, die Musikstadt, die Messestadt, die Stadt der Helden – all das schwingt mit, wenn man auf dem Pflaster vor dem Alten Rathaus steht.

Als Schauplatz von Reformation, Handelsgeschichte und Friedlicher Revolution vereint der Marktplatz mehr als 850 Jahre städtisches Leben an einem einzigen Ort. Falls du noch keinen Grund gesucht hast, diese Stadt zu besuchen: Kurzurlaub in Leipzig liefert dir gleich ein Dutzend davon.

Wer das Alte Rathaus besucht, sollte rund um den Marktplatz mindestens einen halben Tag einplanen. Die Geschichte dieses Ortes reicht weit über das imposante Renaissancegebäude hinaus – sie ist die Geschichte einer ganzen Stadt, die Europa geprägt hat.

Geschichte des Alten Rathauses – Renaissanceglanz seit 1557

Das Alte Rathaus Leipzig zählt zu den bedeutendsten Profanbauten der deutschen Renaissance – und es entstand in einem Tempo, das selbst heutige Bauprojekte blass aussehen lässt: In nur neun Monaten wurde es zwischen 1556 und 1557 errichtet. Initiator und Bauherr war der damalige Bürgermeister Hieronymus Lotter, einer der einflussreichsten Kaufleute und Politiker seiner Zeit. Der Entwurf wird dem Obermeister Paul Speck zugeschrieben.

MerkmalDetails
Baujahr1556–1557
BauherrBürgermeister Hieronymus Lotter
Bauzeitca. 9 Monate
BaustilSächsische Renaissance
Turmhöheca. 40 Meter
Turmhaube erneuert1744 (Barockstil)
Verwaltungsnutzung bis1905
HeuteStadtgeschichtliches Museum Leipzig

Das charakteristischste Merkmal ist der asymmetrische Turm: Er teilt die Westfassade nach dem Goldenen Schnitt – nicht in der Mitte, sondern bewusst verschoben. Was wie ein Makel klingt, ist pures Kalkül der Renaissanceästhetik. Die barocke Turmhaube stammt aus dem Jahr 1744 und ersetzte die ursprüngliche, als unförmig empfundene Spitze. Die eleganten Laubenarkaden im Erdgeschoss waren einst Schauplatz des täglichen Handelstreibens – heute flanieren dort Touristen und Einheimische gleichermaßen. 1905 zog die Stadtverwaltung ins Neue Rathaus um; nach einer umfassenden Restaurierung von 1906 bis 1909 öffnete das Alte Rathaus als Stadtgeschichtliches Museum.

Was gibt es im Stadtgeschichtlichen Museum zu sehen?

Das Stadtgeschichtliche Museum im Alten Rathaus zählt zu den ältesten städtischen Kultureinrichtungen Sachsens. Seit 1909 präsentiert es in historischen Sälen rund 2.000 Objekte aus über acht Jahrhunderten Stadtgeschichte. Die Dauerausstellung gliedert sich in zwei große Bereiche:

  • „Leipzig Original. Vom Mittelalter bis zur Völkerschlacht" – Stadtgeschichte von den Anfängen bis zum Jahr 1813
  • „Neue Zeiten. Von der Industrialisierung bis zur Gegenwart" – Geschichte des modernen Leipzigs vom 19. Jahrhundert bis heute

Highlights der Sammlung, die kein Besucher verpassen sollte:

  • Das Haussmann-Bach-Portrait von 1746 – die einzige gesichert authentische Darstellung von Johann Sebastian Bach
  • Der Ehering von Katharina von Bora (1525), Gemahlin Martin Luthers – ein stilles, aber berührendes Zeugnis der Reformationszeit
  • Umfangreiche Exponate zur Völkerschlacht bei Leipzig 1813, einer der verlustreichsten Schlachten der europäischen Geschichte mit über 90.000 Toten
  • Stadtmodelle und historische Karten, die Leipzigs Wachstum vom mittelalterlichen Marktflecken zur Handels- und Kulturmetropole dokumentieren

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10–18 Uhr (geschlossen am 24. und 31. Dezember)
Adresse: Markt 1, 04109 Leipzig

Der Marktplatz Leipzig: 850 Jahre Geschichte mitten in der Stadt

Der Marktplatz ist nicht nur ein schöner Platz – er ist das politische und wirtschaftliche Gedächtnis der Stadt. Bereits 1165 wurde Leipzig das Stadtrecht und das Marktprivileg verliehen. Von hier aus koordinierten Kaufleute den Warenstrom durch halb Europa, wurden Rechtssprüche verkündet und städtische Beschlüsse bekannt gemacht. Im Jahr 1519 fand in Leipzig die berühmte Leipziger Disputation statt – Martin Luther und Philipp Melanchthon debattierten gegen den Theologen Johann Eck und leiteten damit einen Wendepunkt der Reformation ein.

Napoleon Bonaparte übernachtete 1813 kurz in der Nähe des Marktplatzes – wenige Tage bevor er in der Völkerschlacht bei Leipzig eine seiner größten Niederlagen einstecken musste. Mit über 500.000 beteiligten Soldaten und rund 90.000 Toten war sie eine der verlustreichsten Schlachten der europäischen Geschichte. Heute erinnert das Stadtgeschichtliche Museum an dieses einschneidende Ereignis.

Heute findet auf dem Marktplatz zweimal pro Woche ein Wochenmarkt mit regionalen Produkten statt. Das ganze Jahr über wechseln Veranstaltungen, Märkte und Stadtfeste – der Platz lebt, atmet und überrascht mit jeder Jahreszeit neu.

Veranstaltungen auf dem Marktplatz: Von Weihnachten bis Gothic

Kaum ein Marktplatz in Deutschland bietet einen so kontrastreichen Veranstaltungskalender wie Leipzig. Vom mittelalterlichen Weihnachtsmarkt bis zum weltweit größten Gothic-Festival – der Platz vor dem Alten Rathaus ist das ganze Jahr über Bühne für unvergessliche Erlebnisse:

  • Weihnachtsmarkt Leipzig (seit 1458): Einer der ältesten Weihnachtsmärkte Deutschlands, mit rund 300 Ständen, einer 8 Meter hohen erzgebirgischen Weihnachtspyramide und einem historischen Markt auf dem Naschmarkt. Läuft alljährlich bis zum 23. Dezember. Jetzt Pakete zum Weihnachtsmarkt Leipzig buchen.
  • Wave-Gotik-Treffen (WGT): Jedes Jahr zu Pfingsten das größte Treffen der Dark-Scene weltweit mit bis zu 19.000 Besuchern, über 180 Konzerten und Veranstaltungen an rund 50 Locations – darunter Clubs, Kirchen, Museen und das Alte Rathaus selbst. Seit 1992.
  • Ostermarkt: Frühling auf dem Markt mit Kunsthandwerk, erzgebirgischen Holzfiguren und regionalen Leckereien rund um das Rathaus.
  • Markttage & Weinfest: Im Sommer öffnet der Platz für Kulinarik, Musik und geselliges Beisammensein unter freiem Himmel.
  • Wochenmarkt: Zweimal wöchentlich frische regionale Produkte – ein Stück gelebter Marktplatz-Tradition seit dem Mittelalter.

Leipzig bietet für jeden Reisestil das passende Quartier – vom stilvollen Designhotel in der Innenstadt bis zum gemütlichen Stadthotel nahe dem Hauptbahnhof. Alle Hotels liegen ideal, um den Marktplatz und das Alte Rathaus bequem zu Fuß zu erreichen.

Rund um den Marktplatz: Die besten Sehenswürdigkeiten

Wer vom Marktplatz aus spaziert, landet zwangsläufig an Orten, die Geschichte geschrieben haben. Alle folgenden Highlights sind zu Fuß erreichbar:

  • Mädlerpassage & Auerbachs Keller: Direkt am Marktplatz, in einer der schönsten Jugendstilpassagen Deutschlands. Das Auerbachs Keller existiert seit dem 16. Jahrhundert und wurde von Johann Wolfgang von Goethe im „Faust I" verewigt – Goethe studierte von 1765 bis 1768 in Leipzig und nannte die Stadt sein „Klein-Paris".
  • Naschmarkt: Der kleine, langgestreckte Platz unmittelbar neben dem Alten Rathaus wurde 1556 im Zuge des Rathausneubaus angelegt. Hier steht die Alte Börse (1687), eines der schönsten Barockgebäude Sachsens.
  • Barfußgässchen: Die beliebteste Kneipenmeile der Stadt – nur zwei Minuten zu Fuß. Der Name geht auf den Franziskanerorden zurück, der seit 1253 in Leipzig ansässig war und täglich barfüßig diesen Weg nutzte. Heute reihen sich Bürgerhäuser in Jugendstil, Historismus und Barock aneinander.
  • Thomaskirche: Bachs langjährige Wirkungsstätte (1723–1750) und heutige Grabstätte. Der weltberühmte Thomanerchor (gegründet 1212!) singt noch heute jeden Freitag und Samstag Bachkantaten.
  • Nikolaikirche: Nur wenige Schritte entfernt und Ausgangspunkt der Friedlichen Revolution 1989 – von den Montagsdemonstrationen hier nahm die Wende in der DDR ihren Anfang.
  • Zoo Leipzig: Per Straßenbahn in wenigen Minuten erreichbar – für Familien absolut empfehlenswert. Zoo Leipzig + Hotel lässt sich prima mit dem Stadtbesuch kombinieren.

Wer Lust auf mehr Städtereisen mit historischen Altstädten hat, findet bei den schönsten Altstädten Deutschlands weitere Inspirationen für ähnliche Entdeckungstouren.

Wann wurde das Alte Rathaus Leipzig gebaut?

Das Alte Rathaus Leipzig wurde von 1556 bis 1557 erbaut – und das in atemberaubenden neun Monaten. Initiator war Bürgermeister Hieronymus Lotter. Das Gebäude diente bis 1905 als Sitz der Stadtverwaltung und gilt als einer der bedeutendsten Renaissancebauten Deutschlands.

Was befindet sich heute im Alten Rathaus Leipzig?

Seit 1909 beherbergt das Alte Rathaus das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig mit rund 2.000 Objekten. Highlights: das einzige gesichert authentische Bach-Portrait (1746) und der Ehering von Katharina von Bora. Öffnungszeiten: Di–So 10–18 Uhr.

Welche Veranstaltungen finden auf dem Marktplatz Leipzig statt?

Der Marktplatz ist ganzjährig belebt: Weihnachtsmarkt (seit 1458, einer der ältesten Deutschlands), Wave-Gotik-Treffen zu Pfingsten (größtes Gothic-Festival der Welt), Ostermarkt, Weinfest und zweimal wöchentlich ein Wochenmarkt mit regionalen Produkten.

Wie komme ich zum Alten Rathaus Leipzig?

Der Marktplatz liegt im Herzen der Innenstadt. Straßenbahn: Linien 1, 2, 3, 7, 8, 9, 14, 15, 16 bis Haltestelle „Markt". Vom Hauptbahnhof zu Fuß in ca. 10–12 Minuten.

Geheimtipp: Der Naschmarkt im Morgengrauen

Viele Besucher eilen an der Nordseite des Marktplatzes vorbei, ohne den Blick nach rechts zu wagen. Dort liegt, fast versteckt hinter dem Alten Rathaus, der Naschmarkt – einer der stillen Schätze Leipzigs. Morgens um sieben Uhr ist dieser kleine Platz noch völlig leer. Die Alte Börse (1687) liegt im weichen Morgenlicht, die Laubenarkaden des Rathauses werfen lange Schatten übers Pflaster, und der einzige Laut ist das Möwengeschrei von der nahen Pleiße.

Warum lohnt sich das frühe Aufstehen? Weil Leipzig, wie jede selbstbewusste Stadt, vor den Touristen ein anderes Gesicht zeigt. Kein Selfie-Getümmel, keine Führungsgruppen. Nur der Naschmarkt, die Alte Börse und du. Das Denkmal von Gottfried Wilhelm Leibniz – dem Philosophen und Mathematiker, der in Leipzig geboren wurde – grüßt dich schweigend. Für eine halbe Stunde gehört dir dieser Ort ganz allein.

Wer dann Hunger bekommt: Die Bäckereien in der Innenstadt öffnen früh, das Barfußgässchen erwacht erst gegen 10 Uhr. Bis dahin: Augen auf, tief durchatmen und genießen, was Leipzig im Stillen zu bieten hat.

Reisepakete werden geladen