Seebrücke Sellin

Seebrücke Sellin – Rügens längste Seebrücke & Tauchgondel

Am Ende der Wilhelmstraße in Sellin, dort wo die Linden aufhören und die Ostsee beginnt, streckt sich eine Brücke fast 400 Meter ins Meer: die Seebrücke Sellin. Sie ist das Wahrzeichen des Ostseebades und die längste Seebrücke der gesamten Insel Rügen – und eine der wenigen in ganz Deutschland, auf denen man bei Gegenwind ein ordentliches Abendessen mit Meerblick bekommen kann. Was sie noch besonderer macht: Unter ihr schaukelt eine Tauchgondel, die Besucher vier Meter unter die Wasseroberfläche bringt. Das gibt es so kein zweites Mal in Europa in dieser Größe.

Die Seebrücke Sellin ist nicht nur ein hübsches Fotomotiv – sie ist ein Ort, an dem sich Geschichte, Bäderkultur und Natur auf engstem Raum verdichten. Wer die Insel Rügen erkundet, sollte sie nicht verpassen. Auf dieser Seite erfährst du alles, was du für deinen Besuch wissen musst: von der wechselvollen Geschichte über die Tauchgondel bis zum besten Geheimtipp der Region. Übrigens: Alles Wissenswerte zu deinem Ostsee-Urlaub findest du auch bei uns.

Geschichte der Seebrücke Sellin: Von 1906 bis heute

Die Geschichte der Seebrücke Sellin ist eine Geschichte von Aufbau, Zerstörung und Neuanfang – viermal in einhundert Jahren. Sie beginnt 1906, als der Kaiserzeit-Tourismus Sellin zu einem der beliebtesten Seebäder Deutschlands machte. Die erste Brücke war 508 Meter lang, kostete 159.500 Mark und hatte am Brückenkopf ein Restaurant mit Meerblick. Was folgte, liest sich wie ein Krimi der Naturgewalten.

JahrEreignis
1906Bau der ersten Seebrücke (508 m, 159.500 Mark) mit Restaurant am Brückenkopf
1920Brandkatastrophe: Das Restaurant brennt durch einen Dampframmen-Unfall nieder
1924Treibende Eisschollen zerstören die gesamte Brücke innerhalb einer einzigen Stunde
1925Neubau der zweiten Seebrücke mit Konzerthalle und Lesehalle des Berliner Lokalanzeigers
1941/42Erneuter Eissturm – fast vollständige Zerstörung; nur das Brückenhaus bleibt erhalten
1978Abriss der letzten Reste, das Brückenhaus hatte bis in die 1970er als Tanzlokal gedient
1992Wiederaufbau beginnt am 27. August – orientiert an historischen Fotografien von 1927
1998Offizielle Wiedereröffnung der heutigen Seebrücke (394 m) am 2. April
2008Einweihung der Tauchgondel – gilt als Europas größte ihrer Art

Dass die heutige Seebrücke so authentisch historisch wirkt, verdankt Sellin dem Chronisten Hans Knospe, der historische Fotos als Vorlagen für den Neubau zur Verfügung stellte. So ist der Bau von 1998 kein bloßes Imitat, sondern eine fundierte Rekonstruktion des Originals von 1927 – und das merkt man beim Flanieren. Die Brücke wurde für den Tourismus auf Rügen zu einem neuen alten Wahrzeichen.

Was erwartet mich auf der Seebrücke Sellin?

Kurz gesagt: mehr als erwartet. Die Seebrücke Sellin ist 394 Meter lang – das entspricht ungefähr vier Fußballfeldern – und bietet auf diesem Weg eine ganze Menge: drei Restaurants, einen Imbiss mit frischem Rügener Räucherfisch, zwei Schiffsanleger für Ausflugsboote und am Ende die wohl ungewöhnlichste Attraktion Rügens: die Tauchgondel.

Die Tauchgondel: Unterwasserwelt für alle – ohne nasse Haare

Seit 2008 hängt am Kopf der Seebrücke Europas größte Tauchgondel. Bis zu 30 Personen können gleichzeitig vier Meter unter die Wasseroberfläche abtauchen – ohne nass zu werden, ohne Ausrüstung, ohne Seekrankheit dank einer stabilen Mittelachsen-Konstruktion. Durch die Bullaugen schaut man auf Flundern, Krebse, Muscheln und – je nach Jahreszeit – auf neugierige Quallen. Ein 3D-Film auf einem 2,5-Meter-Bildschirm erklärt dabei die Ökologie der Ostsee. Die Fahrt dauert 30 bis 40 Minuten und erfordert mindestens 6 Teilnehmer. Bei Sturm oder Eisgang kann die Gondel witterungsbedingt ausfallen.

TicketPreis
Erwachseneca. 9 €
Kinder (unter 15 Jahre)ca. 6 €
Menschen mit Behinderungca. 7 €
Familie (2 Erw. + 2 Ki.)ca. 21–25 €

Neben der Tauchgondel legen an der Seebrücke Ausflugsschiffe für Küstenfahrten entlang Rügens Steilküste ab. Im Sommer finden Open-Air-Konzerte des Festspiel MV und das Seebrückenfest statt. Der Blick von der Brückenkopf-Plattform auf die weiße Steilküste und die offene Ostsee ist schlicht großartig – bei Sonnenuntergang erst recht. Und wer lieber trinkt als taucht: Die Restaurants auf der Seebrücke zählen zu den wenigen Plätzen an der deutschen Ostseeküste, an denen man frischen Fisch mit freiem Meerblick von drei Seiten genießen kann. Ein Aufzug und 85 Stufen verbinden außerdem die Brücke mit dem Strand unten – für jedes Tempo das Richtige.

Bäderarchitektur: Die Wilhelmstraße in Sellin

Sellin ist nicht nur Seebrücke. Wer vom Ende der Wilhelmstraße gemächlich zurückschlendert, wird schnell verstehen, warum das Ostseebad zu den schönsten Seebädern der deutschen Küste zählt. Die Wilhelmstraße ist eine gesäumte Lindenallee, flankiert von Villen mit ornamentreichen Holzfassaden, grazilen Erkern, Veranden und verspielten Turmaufbauten. Alles steht unter Denkmalschutz, alles wurde nach 1990 aufwändig restauriert.

Der Begriff „Bäderarchitektur" klingt nach einem einheitlichen Stil, ist es aber nicht. Er bezeichnet einen eklektischen Mix aus europäischen Bauelementen der Gründerzeit und des Historismus, der sich an deutschen Küstenorten Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte. In Sellin steht diese Epoche besonders eindrucksvoll unter Denkmalschutz. Das Haus Lindequist (1906) und das Hotel Fürst Wilhelm von 1896 – das erste Hotel der Wilhelmstraße – sind die herausragenden Beispiele.

Wer mehr über Sellins Geschichte erfahren möchte, findet im Seefahrerhaus (Seestraße 17b) ein kleines Museum zur Ortsgeschichte. Das Bernsteinmuseum in der Granitzer Straße 43 beherbergt den schwersten bekannten Bernstein Rügens – 1.686 Gramm aus der Ostsee. Wer abends einkehren möchte: Das Restaurant „Kleine Melodie" an der Südstrandpromenade und „Zum Skipper" in der Wilhelmstraße sind Geheimtipps für frischen Fisch abseits der großen Touristenströme.

Ausflüge in der Umgebung: Rügens schönste Seiten

Sellin liegt im Herzen der Halbinsel Mönchgut – und von hier aus lässt sich ein großer Teil der Insel Rügen bequem erkunden. Das gilt buchstäblich, denn mit dem Rasenden Roland, der traditionsreichen Schmalspurdampfbahn Rügens, kommt man auf den beliebtesten Strecken auch ohne Auto aus.

  • Jagdschloss Granitz – Nur wenige Minuten mit dem Rasenden Roland von Sellin entfernt. Das 1846 vollendete Schloss thront auf dem Tempelberg und bietet vom 38-Meter-Turm einen Panoramablick bis nach Stralsund und auf die Insel Usedom. Mit über 250.000 Besuchern im Jahr ist es das meistbesuchte Schloss Mecklenburg-Vorpommerns.
  • Ostseebad Binz – Ca. 8 km nördlich von Sellin. Das bekannteste Seebad der Insel mit eigener Seebrücke, ausgedehnter Strandpromenade und der repräsentativsten Bäderarchitektur Rügens – ein lohnender Tagesausflug.
  • Rasender Roland – Die Schmalspurdampfbahn verbindet Putbus, Binz, Sellin, Baabe und Göhren. Seit über 100 Jahren rollt sie mit ca. 30 km/h durch Rügens Landschaft – nostalgisch, gemütlich und ein Erlebnis für Kinder und Erwachsene gleichermaßen.
  • Nationalpark Jasmund und Königsstuhl – Ca. 40 km nördlich. Die weißen Kreidefelsen Rügens – der Königsstuhl ragt 118 m über die Ostsee – sind deutschlandweit einmalig. Buchenwälder, die zum UNESCO-Weltnaturerbe zählen, umgeben den Nationalpark.
  • Kap Arkona – Die Nordspitze Rügens (ca. 65 km) mit zwei historischen Leuchttürmen und freiem Blick auf die offene Ostsee. Bei Sturm ein unvergessliches Erlebnis, bei Sonnenschein ein idyllischer Abschluss eines Rügen-Rundtrips.

Praktischer Hinweis: Die Kurkarte (Gästekarte), die man in Sellin beim Einchecken erhält, berechtigt zur kostenlosen Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs in der Region – also auch für den Rasenden Roland und die Solarfähre über den Selliner See. Das spart Geld und Nerven.

So reist du nach Sellin an

Sellin liegt auf der Halbinsel Mönchgut im Südosten Rügens. Die Anreise ist je nach Startpunkt gut machbar – in der Hochsaison (Juli/August) sollte man beim Thema Rügenbrücke allerdings Geduld einplanen. Ein früher Start am Morgen oder eine Anreise gegen Abend spart oft eine Stunde im Stau.

VerkehrsmittelRouteHinweis
AutoA19/A20 → Stralsund → B96 (Rügenbrücke) → B196 → SellinStaugefahr in der Hochsaison; früh morgens oder abends fahren
BahnBerlin → ICE → Bergen auf Rügen → Bus nach SellinCa. 4,5 Stunden ab Berlin; Kurkarte gilt als Freifahrschein im ÖPNV vor Ort
FernbusDirektverbindungen zu mehreren Ostseebädern verfügbarGünstigste, aber zeitaufwändigste Option
Vor OrtRasender Roland, Solarfähre Selliner See, LeihräderKein eigenes Auto für Ausflüge notwendig

Übrigens: Sellin hat einen Aufzug, der die Steilküste mit dem Strand verbindet – für alle, denen die 85 Stufen hinunter zum Sand zu beschwerlich sind. Die Adresse der Seebrücke lautet Wilhelmstraße 25, 18586 Ostseebad Sellin. Weitere Reisetipps und Angebote für Urlaub in Mecklenburg-Vorpommern gibt es bei uns.

Geheimtipp: Die andere Seite Sellins

Die meisten Besucher spazieren auf der Seebrücke und kehren anschließend in die Wilhelmstraße zurück. Wer aber den kleinen Pfad südlich des Strandabgangs nimmt und dem Hochuferweg folgt, erlebt die Steilküste Rügens von ihrer wildesten Seite. Hier ist man selbst im August fast allein, und der Blick auf die Seebrücke von unten ist – gelinde gesagt – atemberaubend. Absolut fotogen, absolut kostenlos.

Weiterer Tipp: Am Palmer Ort, einem Naturstrand am Bodden westlich von Sellin, ist das Wasser merklich wärmer als an der Ostseeseite. Boddengewässer erwärmen sich schneller als die offene See – ideal für Familien mit Kindern. Und wer echtes Insiderwissen sucht: Die Ruderfähre in Moritzdorf ist die kürzeste Fährverbindung Deutschlands – seit 1891 in Betrieb. Drei Minuten Überfahrt, ein kleines Boot, ein Ruderführer. Kaum zu glauben, dass dieses Stück Alltagsidyll noch existiert.

Mini-FAQ zur Seebrücke Sellin

FrageAntwort
Kostet die Seebrücke Eintritt?Nein. Das Betreten der Seebrücke ist kostenlos, rund um die Uhr zugänglich.
Wie lang ist die Seebrücke Sellin?394 Meter – die längste Seebrücke auf der gesamten Insel Rügen.
Was ist die Tauchgondel?Eine Gondel am Brückenkopf, die 4 m unter die Wasseroberfläche taucht. Max. 30 Personen, ca. 9 € pro Erwachsenem.
Wann ist die beste Reisezeit für Sellin?Mai/Juni und September/Oktober: ruhiger, milder und günstiger als die Hochsaison im Sommer.
Gibt es ein Restaurant auf der Seebrücke?Ja – sie ist eine von nur drei deutschen Seebrücken mit Restaurant. Drei Gastronomiebetriebe am Brückenkopf.
Wie komme ich ohne Auto nach Sellin?Per Bahn nach Bergen auf Rügen, dann weiter mit dem Bus oder dem Rasenden Roland direkt nach Sellin.
Ist die Seebrücke barrierefrei?Ja, ein Aufzug von der Brücke hinunter zum Strand ist vorhanden.

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