Schneekoppe

Tschechischer Riese im sagenhaften Gebirge

Das Riesengebirge krönt ein ganz besonderer Rekordhalter: die Schneekoppe, der größte Berg Tschechiens (1.603 m). Auch wenn sich eigentlich Polen den höchsten Punkt geschnappt hat, dem Wanderer kann die Staatsgrenze egal sein, er wird belohnt – mit Schweifblicken so romantisch wie Caspar David Friedrichs Gemälde. Ein bisschen Nebel gehört halt immer dazu.

Gleich vorweg: Die Werbung, die der tschechisch-polnische Riese durch das gleichnamige Lebensmittel-Unternehmen bekommt, hat er nicht nötig. 1.603 Meter reckt sich die Schneekoppe im Riesengebirge gen Himmel und gilt als höchster Berg Tschechiens - auch wenn er sich auf dem Gipfel die Staatsgrenze mit Polen teilt (tschechisch Snežka, polnisch Sniezka). Der höchste Punkt, nahe der Kapelle, liegt auf polnischem Gebiet. Aber Schwamm drüber. Die Ehre als eines der Symbole Tschechiens nimmt der Schneekoppe sicherlich niemand.

Wanderers Liebling

Seit 1465 besteigen Menschen diesen Gipfel. Die Wanderlust ist ungebrochen - trotz Jahresdurchschnittstemperatur von nur 0,4 Grad Celsius Hinauf geht‘s auf mindestens drei Wegen. Der bequemste: Von Pec pod Snežkou mit der Seilbahn hinauf, der Sessellift endet knapp unterhalb des Gipfels. Die Wanderrouten: von Schreiberhau (Szklarska Poreba) aus, oder von Spindlermühle (Špindleruv Mlýn). Steinig geht es den Berg hinauf, während das Panorama des Riesengebirges immer imposanter wird. Besonders im Herbst zeigt sich die Natur mit ihren prächtigen Farbspielen von der schönsten Seite.

Kalt und neblig? Schnuppe!

Irgendwann geht der Fichtenwald in Krummholz über. Für die Fichten wird es dann etwas zu frisch. Pack-Tipp: Selbst bei schönstem Wetter für den Aufstieg noch eine wärmende Jacke mitnehmen. Obwohl das Riesengebirge nur zu den Mittelgebirgen zählt, herrschen klimatische Bedingungen wie in einem Hochgebirge. Zwischen lichtem Baumbestand und Nebelschwaden wird es sehr rasch kühl. Ja, der berühmte Dunst. Man sagt, die Schneekoppe soll nur an 30 Tagen im Jahr nebelfrei sein. Ach, ist doch schnuppe. Wer den Nebel gesehen hat, hat auch die wahre Schneekoppen-Taufe erlebt.

Rübezahls Reich

Und wer hätte gedacht, was auf dem Gipfel alles stationiert ist: Wetterstation, Postamt, Kapelle, Schutzhütte und natürlich die Seilbahn-Station. In der Laurentius Kapelle, im 16. Jahrhundert von den Grafen von Schaffgotsch errichtet, versammelten sich überwiegend die Bergbewohner für Gottesdienste, dann wurde sie zur Herberge umgekrempelt. Nach dem Bau eines Gasthauses erhielt die Kapelle wieder ihre ursprüngliche Weihe. Als besonders prominenter Gast erklomm 1790 übrigens Johann Wolfgang von Goethe den Gipfel der Schneekoppe. Und einer wacht hier sowieso immer über die Berggäste: Rübezahl, der mal milde, mal launische Berggeist. Die Polen nennen ihn Duch Gór, Karkonosz, Rzepiór, Rzepolicz, Liczyrzepa, die Tschechen Krakonoš, Krkonoš und Herr Johann (Dominus Johannes). Was eigentlich das Unternehmen mit dem weißen Berggipfel im Logo und dem markanten "Schneeeeekoppe"-Ruf mit dem Berg zu tun hat? Firmengründer Fritz Klein wohnte einst in der Nähe und als Symbol für die Naturreinheit der Produkte erwies sich der Gipfel als perfekt. Was aber in jedem Fall eine Müsli-Stärkung toppt, ist ein Teller Gulasch mit böhmischen Knödeln - in einer typisch urigen Bergbaude, mit geschnitztem Rübezahl an der Wand. Der Nebel darf draußen bleiben.

Fotos: Reinhard Mederer, Landkreis Neumarkt i.d.OPf.

Reisepakete werden geladen