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Schloss St. Emmeram (Thurn und Taxis)
Schloss St. Emmeram (Thurn und Taxis) – Fürstliches Schloss in Regensburg
Mitten in der UNESCO-Welterbestadt Regensburg erhebt sich ein Gebäude, das die Geschichte Europas wie in einem Brennglas bündelt: Schloss St. Emmeram, auch bekannt als Schloss Thurn und Taxis. Was einst als Benediktinerkloster begann, ist heute eines der größten bewohnten Privatschlösser Europas – und ein Ort, der jeden begeistert, der Geschichte nicht nur lesen, sondern wirklich erleben möchte.
Die Dimensionen sind beeindruckend: mehrere hundert Räume, ein weitläufiger Schlosspark, vier Museumsbereiche und eine Familiengeschichte, die das internationale Postsystem Europas mitbegründet hat. Wer Regensburg besucht und Schloss St. Emmeram auslässt, lässt die halbe Geschichte einfach liegen.
Bild: © Regensburg Tourismus GmbH
Geschichte: Vom Benediktinerkloster zum Fürstenpalast
Die Geschichte des Schlosses beginnt Jahrhunderte bevor die erste Kutsche der Thurn und Taxis durch Regensburg rollte. Das Kloster St. Emmeram zählt zu den ältesten und bedeutendsten Benediktinerklöstern Deutschlands – seine Wurzeln reichen bis ins frühe 8. Jahrhundert zurück, als der fränkische Missionsbischof Emmeram in Regensburg wirkte und hier begraben wurde.
Das Kloster: 1.000 Jahre monastisches Leben
- Gegründet im frühen 8. Jahrhundert zu Ehren des Hl. Emmeram, eines fränkischen Missionsbischofs
- Für Jahrhunderte eines der bedeutendsten Benediktinerklöster im Heiligen Römischen Reich
- Heimat bedeutender Schreibstuben: Mönche kopierten und illuminierten Handschriften von europäischem Rang
- Reichsunmittelbar – das Kloster unterstand direkt dem Kaiser, nicht dem Bischof
- Der angrenzende Kreuzgang stammt aus der romanisch-gotischen Bauphase des Mittelalters
- 1052 wurden die Gebeine des Hl. Emmeram in die neue Krypta überführt – ein bedeutendes Ereignis für das ganze Reich
Die Säkularisation und ein neues Kapitel
Das Ende der klösterlichen Gemeinschaft kam 1803 mit der Säkularisation: Im Zuge der Auflösung bayerischer Klöster und Stifte verloren die Benediktinermönche ihr Zuhause. Die Gebäude gingen an den bayerischen Staat. 1812 erhielt das Fürstenhaus Thurn und Taxis die gesamte Klosteranlage als Entschädigung für den Verlust seiner jahrhundertealten Posteinkünfte – und begann, sie in eine fürstliche Residenz umzuwandeln.
Die Familie Thurn und Taxis: Postadel auf Schloss-Format
Die Geschichte des Hauses Thurn und Taxis ist eng mit dem frühneuzeitlichen Kommunikationsnetz Europas verknüpft. Seit dem 15. und 16. Jahrhundert organisierte die Familie im Auftrag der Habsburger Kaiser den internationalen Postdienst – ein Monopol, das ihnen enormen Reichtum und politischen Einfluss einbrachte. Der Verlust dieses Postmonopols im 19. Jahrhundert brachte zwar finanzielle Einbußen, bescherte ihnen aber auch einen der prächtigsten Palastkomplexe Europas.
Im späten 19. Jahrhundert wurde die ehemalige Klosteranlage grundlegend umgestaltet: Die fürstliche Familie ließ prächtige Staatsräume im Neorenaissance- und Neorokoko-Stil einrichten. Das Ergebnis ist ein Palast, der sowohl klösterliche Stille als auch höfische Grandezza in sich vereint – eine Kombination, die in Europa ihresgleichen sucht. Heute umfasst der Komplex mehrere hundert Räume und zählt zu den größten noch bewohnten Privatschlössern des Kontinents.
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Was erwartet mich bei einer Besichtigung?
Schloss St. Emmeram ist kein Museum zum schnellen Durcheilen. Vier eigenständige Bereiche laden zur Entdeckung ein – und jeder davon hat seinen unverwechselbaren Charakter. Wer alles sehen möchte, sollte mindestens einen halben Tag einplanen.
| Bereich | Zugang | Highlights |
|---|---|---|
| Prunkräume | Nur mit Führung (ca. 90 Min.) | Barocksaal, Marmortreppenhaus, Rokoko-Ausstattung |
| Kreuzgang St. Emmeram | In Schlossführung enthalten | Mittelalterlicher Kreuzgang, neo-gotische Gruftkapelle |
| Marstallmuseum | Freier Eintritt mit Audioguide | Fürstliche Prunkwagen, historische Kutschen |
| Fürstliche Schatzkammer | Freier Eintritt mit Audioguide | Schmuck, Kunstschätze, Silbergeschirr aus 500 Jahren |
Prunkräume und Kreuzgang: Das Herzstück der Schlossführung
Die 90-minütige Führung durch Prunkräume und Kreuzgang ist das absolute Highlight. Man betritt das Schloss durch ein mächtiges Portal, folgt dem Führerguide durch das repräsentative Marmortreppenhaus im Südflügel und taucht ein in eine Welt aus vergoldeten Decken, wertvollen Wandteppichen und historischen Gemälden. Der Barocksaal – auch Rokoko-Saal genannt – kombiniert die ursprüngliche Einrichtung des ehemaligen Frankfurter Palais der Familie mit Neorokoko-Elementen zu einem schwindelerregend opulenten Gesamtbild.
Im Anschluss geht es in den Kreuzgang: Hier schlägt die Stimmung völlig um. Die kühle, klösterliche Stille steht in starkem Kontrast zur fürstlichen Pracht der Staatsräume. In der neo-gotischen Gruftkapelle erhalten Besucher Einblick in die Bestattungsriten einer der bedeutendsten deutschen Adelsfamilien – eine unerwartete, sehr beeindruckende Erfahrung.
Marstallmuseum: Mobilität auf fürstlichem Niveau
Im Marstallmuseum dreht sich alles um Fortbewegung mit Stil. Die Sammlung historischer Kutschen, Prunkschlitten und Reisekarosserien gibt einen einzigartigen Einblick in den Alltag der Thurn-und-Taxis-Familie auf Reisen. Manche dieser Gefährte wirken mehr wie Theaterstücke aus einer anderen Welt – genau das macht sie so faszinierend.
Fürstliche Schatzkammer: 500 Jahre Familienglanz
Wer Schmuck, Gold und Kunsthandwerk liebt, ist in der Fürstlichen Schatzkammer richtig. Seit 2021 wird sie als Zweigstelle des Bayerischen Nationalmuseums betrieben – ein Qualitätsmerkmal, das die museale Präsentation widerspiegelt. Die Schätze aus fünf Jahrhunderten Familiengeschichte sind beeindruckend: juwelenbesetzte Armbänder, Silberservices, Pokale und Gemälde, die europäische Kulturgeschichte unmittelbar erfahrbar machen. Tickets und Führungszeiten gibt es direkt auf der offiziellen Website des Schlosses.
Bild: © www.bayern.by
Öffnungszeiten und Eintrittspreise im Überblick
Öffnungszeiten
| Bereich | Saison | Tage | Uhrzeiten |
|---|---|---|---|
| Prunkräume & Kreuzgang | Ende März – Anfang November | Täglich | 10:30, 12:30, 14:30, 16:30 Uhr |
| Prunkräume & Kreuzgang | November – März | Sa, So, Feiertage | 10:30, 12:30, 14:30 Uhr |
| Marstall & Schatzkammer | Ganzjährig | Do – So, Feiertage | 11:00 – 16:00 Uhr |
Eintrittspreise
| Ticket | Regulär | Ermäßigt |
|---|---|---|
| Prunkräume & Kreuzgang (Führung, ca. 90 Min.) | 17,00 € | 14,00 € |
| Marstallmuseum & Schatzkammer | 6,00 € | 4,00 € |
| Kinder bis 10 Jahre | kostenlos | – |
| Gruppenführung (ab 10 Personen) | ab 14,00 € p.P. | – |
Adresse: Emmeramsplatz 5, 93047 Regensburg | Tel.: 0941 / 504 813 3
Hinweis: Für die Schlossführungen empfiehlt sich eine Online-Buchung im Voraus – besonders in der Hauptsaison von April bis Oktober sind die Führungen oft ausgebucht. Das Schloss ist leider nicht barrierefrei zugänglich.
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Regensburg entdecken: Sehenswürdigkeiten rund um das Schloss
Schloss St. Emmeram liegt mitten im Herzen Regensburgs – und wer einmal hier ist, sollte die Stadt ausgiebig erkunden. Regensburg zählt zu den am besten erhaltenen mittelalterlichen Städten Deutschlands und wurde 2006 als UNESCO-Welterbe ausgezeichnet. Die folgenden Sehenswürdigkeiten sind alle bequem zu Fuß vom Schloss erreichbar:
- Basilika St. Emmeram: Direkt neben dem Schloss gelegen, eine der ältesten Kirchen Bayerns mit bedeutender Krypta und kunsthistorisch wertvollen Innenräumen
- Dom St. Peter: Bayerns einziger gotischer Dom, nur wenige Gehminuten entfernt – mit beeindruckenden Glasfenstern und dem berühmten Domschatz
- Steinerne Brücke: Das mittelalterliche Wahrzeichen Regensburgs über die Donau, erbaut im 12. Jahrhundert und einst als Wunder des Mittelalters gefeiert
- Historische Wurstkuchl: Direkt an der Steinernen Brücke, seit über 500 Jahren ein gastronomisches Regensburger Original – die Bratwürste vom Holzkohlegrill sind Pflicht
- Porta Praetoria: Überreste des römischen Nordtors aus dem 2. Jahrhundert nach Christus – Regensburg war einst ein bedeutendes Römerkastell
- Altstadtgassen: Regensburgs mittelalterliche Kaufmannstürme und Geschlechtertürme erinnern an den einstigen Reichtum der freien Reichsstadt
- Walhalla bei Donaustauf: Das imposante Säulentempel-Denkmal mit Blick auf die Donau, nur eine kurze Fahrt flussabwärts entfernt
Regensburg eignet sich hervorragend als Basis für einen Städteurlaub in Ostbayern. Von hier aus lassen sich auch die Donauschifffahrt bis Passau, der Bayerische Wald und die romantische Altmühltal-Schlucht bequem erkunden.
Bild: © Peter Ferstl / Regensburg Tourismus GmbH
Praktische Tipps für euren Schlossbesuch
Mit ein paar Vorüberlegungen lässt sich der Besuch in Schloss St. Emmeram deutlich entspannter gestalten:
- Tickets im Voraus buchen: In der Hauptsaison (April bis Oktober) sind die Schlossführungen häufig ausgebucht – eine Online-Buchung über die offizielle Website lohnt sich.
- Zeitplanung: Für Schlossführung, Marstallmuseum und Schatzkammer zusammen sollte man mindestens 3 bis 4 Stunden einplanen.
- Sprache: Führungen durch Prunkräume und Kreuzgang finden auf Deutsch statt; für Marstall und Schatzkammer stehen Audioguides in mehreren Sprachen bereit.
- Fotografierverbot: Während der Führungen ist das Fotografieren nicht erlaubt – im Schlosshof und Schlosspark dagegen kein Problem.
- Anreise mit dem Auto: Empfehlenswert sind das Parkhaus Dachauplatz oder der Parkplatz am Fürst-Thurn-und-Taxis-Platz direkt vor dem Schloss.
- Anreise mit dem Zug: Vom Hauptbahnhof Regensburg sind es rund 15 Minuten zu Fuß durch die historische Altstadt – ein schöner Einstieg in den Besuch.
- Kombinations-Tag: Schlossführung am Vormittag, Mittagessen an der Historischen Wurstkuchl, nachmittags Dom und Steinerne Brücke – ein rundes Regensburg-Programm.
Geheimtipp: Der Schlosspark zur blauen Stunde
Den meisten Besuchern ist der weitläufige Schlosspark rund um Schloss St. Emmeram kaum bekannt – dabei ist er einer der schönsten Flecken der Stadt. Der Park ist für Spaziergänger frei zugänglich und besonders zur blauen Stunde kurz nach Sonnenuntergang ein echter Geheimtipp: Das Schloss leuchtet dann im letzten Tageslicht, die meisten Tagesbesucher sind längst abgereist, und die Ruhe ist fast schon unwirklich. Wer in Regensburg übernachtet und sich diese Stunde im Park gönnt, erlebt die Stadt von ihrer stillen, fast magischen Seite – und das findet sich in keinem Standard-Reiseführer.