Rathaus Aachen

Rathaus: Krönungssaal und kaiserliche Geschichte am Marktplatz entdecken

Wer durch die Altstadt von Aachen schlendert, kommt an ihm nicht vorbei: das Rathaus Aachen thront seit dem 14. Jahrhundert am historischen Marktplatz und erzählt von einer Stadt, die einmal Mittelpunkt eines europäischen Weltreiches war. Errichtet auf den Fundamenten von Karls des Großen einstiger Pfalz, verbindet das gotische Bauwerk Geschichte und Gegenwart auf eine Weise, die auch hartgesottene Städtereisende ins Staunen versetzt.

Aachen war Karls Lieblingsresidenz – und das merkt man der Stadt bis heute an. Ob im prunkvollen Krönungssaal, der mit originalgetreuen Nachbildungen der Reichsinsignien glänzt, oder auf dem lebhaften Marktplatz davor: Das Rathaus ist das steinerne Gedächtnis von Aachen. Hier wurde Geschichte nicht nur gemacht – hier kann man sie heute noch anfassen.

Geschichte des Rathauses Aachen

Die Geschichte des Rathauses Aachen beginnt weit vor seiner Erbauung. Bereits im frühen 9. Jahrhundert ließ Karl der Große (um 747–814) in Aachen seine Pfalz errichten – eine prächtige Residenzanlage mit Thronraum (Aula Regia), Kapelle und weitläufigen Gebäuden. Aachen war damit für Jahrzehnte das Zentrum des Fränkischen Reiches. Nach Karls Tod 814 verlor die Pfalz an Bedeutung, verfiel langsam und wurde schließlich weitgehend abgetragen.

Im 14. Jahrhundert beschlossen die Bürger Aachens, an eben dieser historischen Stelle ein neues Stadtrathaus zu bauen – ein selbstbewusstes Symbol bürgerlicher Macht und zugleich ein bewusstes Bekenntnis zum karolingischen Erbe. Der Bau begann um 1330 und war gegen 1370 im Wesentlichen abgeschlossen. Der Granusturm im Nordosten des Gebäudes ist dabei das älteste Element: Er stammt noch aus karolingischer Zeit und war vermutlich Bestandteil von Karls Pfalzanlage.

Wichtige Stationen in der Geschichte des Rathauses

  • um 794: Karl der Große errichtet seine Pfalz in Aachen; die Aula Regia wird Herzstück der Residenz
  • um 1330: Baubeginn des gotischen Rathauses auf den Fundamenten der karolingischen Pfalz
  • 1356: Im Krönungssaal finden erstmals festliche Krönungsbankette für deutsche Könige statt
  • 1656: Schwerer Brand zerstört Dach und Teile des Innenraums; anschließend Wiederaufbau
  • 1839–1850: Umfassende Restaurierung und Neugestaltung des Krönungssaals mit 15 historisierenden Wandgemälden
  • 1944: Im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt; mühevolle Restaurierung in den Folgejahrzehnten
  • 1950: Erstmalige Verleihung des Karlspreises im Krönungssaal – eine Tradition, die bis heute fortbesteht
Epoche Ereignis
um 794 Errichtung der karolingischen Pfalz
um 1330–1370 Bau des gotischen Rathauses
1356 Erste Krönungsbankette
1656 Brand und Wiederaufbau
1839–1850 Restaurierung und Wandgemälde
1944 Kriegsschäden
1950 Erste Karlspreis-Verleihung

Ein direkter Ausflug lohnt sich: Unmittelbar neben dem Rathaus befindet sich der Aachener Dom – das erste deutsche UNESCO-Weltkulturerbe und die einstige Krönungskirche der deutschen Könige. Gemeinsam bilden Rathaus und Dom ein einmaliges historisches Ensemble.

Das Rathaus Aachen steht inmitten eines der am dichtesten mit Geschichte aufgeladenen Stadtbilder Deutschlands. Wer die Pakete entdeckt hat und nun mehr über das Bauwerk erfahren möchte, liest weiter – denn hinter der gotischen Fassade steckt weit mehr, als das bloße Auge vermuten lässt.

Architektur und Baustil des Rathauses

Das Rathaus Aachen ist ein eindrucksvolles Beispiel gotischer Baukunst, das über Jahrhunderte hinweg wuchs, brannte, restauriert und weiterentwickelt wurde. Die heutige Westfassade – das markante Gesicht des Gebäudes zum Marktplatz hin – zeigt einen geschlossenen Baukörper mit zwei charakteristischen Türmen: dem Marktturm im Südwesten und dem bereits genannten Granusturm im Nordosten, dem ältesten erhaltenen Teil des Komplexes.

Die Fassade ist reich mit gotischen Elementen verziert: spitzbogige Fenster, Fialen, ornamentaler Figurenschmuck und die markanten Königsfiguren – 50 deutsche Herrscher blicken von der Westfassade auf den Marktplatz herab. Im Inneren beeindruckt vor allem der zweigeschossige Weiße Saal (Erdgeschoss) sowie der große Krönungssaal im Obergeschoss, der mit über 1.200 Quadratmetern Fläche zu den imposantesten weltlichen Innenräumen des deutschen Mittelalters zählt.

Wer sich für das mittelalterliche Kunsthandwerk interessiert, das auch in der unmittelbaren Umgebung des Rathauses zu finden ist, sollte unbedingt auch einen Blick in die Aachener Domschatzkammer werfen – eine der bedeutendsten kirchlichen Schatzkammern nördlich der Alpen.

Was ist im Rathaus Aachen zu sehen?

Das Rathaus Aachen öffnet seinen Besuchern mehrere Raumebenen, von denen der Krönungssaal unbestritten den Höhepunkt bildet. Doch auch die anderen Bereiche haben einiges zu bieten.

Die Highlights im Überblick

  • Krönungssaal: Der prunkvollste Saal, mit originalgetreuen Nachbildungen der Reichsinsignien (Krone, Zepter, Reichsapfel) und 15 historisierenden Wandgemälden aus dem 19. Jahrhundert
  • Reichsinsignien-Nachbildungen: Die Originale lagern heute in Wien – Aachen zeigt hochwertige Kopien, die einen unmittelbaren Eindruck der kaiserlichen Pracht vermitteln
  • Wandgemälde von Alfred Rethel: Der Düsseldorfer Maler schuf im 19. Jahrhundert einen bildgewaltigen Zyklus über das Leben Karls des Großen
  • Marktturm und Granusturm: Von außen sichtbar, teils zugänglich – historische Türme mit Blick über Aachens Altstadt
  • Weißer Saal: Der schlichtere, aber nichtsdestotrotz beeindruckende Erdgeschosssaal
  • Marktplatz: Der Platz davor mit dem Karlsbrunnen (Karl-der-Große-Denkmal) gehört zur Erfahrung dazu

Nach dem Besuch des Rathauses lohnt sich ein Abstecher in die Aachener Altstadt. Ein Muss: das traditionsreiche Café-Stuben Van den Daele am Büchel – seit über 130 Jahren eine Institution für Aachener Printen und barockes Café-Flair.

Der Krönungssaal – Herzstück des Rathauses

Im Ersten Obergeschoss des Rathauses liegt das eigentliche Herzstück: der Krönungssaal (auch Kaisersaal genannt), ein rund 1.200 Quadratmeter großer Festsaal, der seit dem 14. Jahrhundert Schauplatz königlicher Bankette war. Nach der Krönung im nahegelegenen Dom zogen die frisch gekrönten deutschen Könige hierher, um das Fest zu begehen – eine Tradition, die sich über Jahrhunderte hielt.

Die heutige Raumgestaltung geht größtenteils auf die umfassende Restaurierung zwischen 1839 und 1850 zurück. Der Maler Alfred Rethel (und nach dessen Erkrankung sein Schüler Joseph Kehren) schuf 15 monumentale Wandgemälde, die das Leben und Wirken Karls des Großen darstellen – von seiner Kaiserkrönung durch Papst Leo III. in Rom im Jahr 800 bis zu seinem Tod 814. Die Gemälde sind von einer Präzision und Dramatik, die den Raum förmlich zum Leben erweckt.

Seit 1950 wird im Krönungssaal jährlich der Internationale Karlspreis zu Aachen verliehen – eine der ältesten und renommiertesten europäischen Auszeichnungen für besondere Verdienste um die europäische Einigung. Zu den bisherigen Preisträgern zählen Konrad Adenauer, Winston Churchill, Bill Clinton, die Gründer des Euro sowie zuletzt diverse Vertreter europäischer Demokratie und Zivilgesellschaft. Der Krönungssaal trägt damit nicht nur mittelalterliche, sondern auch lebendige europäische Geschichte in sich.

Aachen bietet nicht nur Geschichte, sondern auch hervorragende Möglichkeiten zum Übernachten und Verweilen. Die Hotels in der Innenstadt ermöglichen es, das Rathaus und andere Sehenswürdigkeiten bequem zu Fuß zu erkunden – und abends noch einen Ausblick über die Dächer der Kaiserstadt zu genießen.

Besucherinformationen: Öffnungszeiten und Eintritt

Ein Besuch des Rathauses Aachen lässt sich bequem mit weiteren Sehenswürdigkeiten kombinieren. Dom, Domschatzkammer und Altstadt liegen alle im Fußmarsch. Hier die wichtigsten Informationen im Überblick:

InformationDetails
AdresseMarkt 39, 52062 Aachen
ÖffnungszeitenMontag–Freitag 10:00–17:00 Uhr, Samstag–Sonntag 10:00–18:00 Uhr
Eintritt Erwachseneca. 5,00 € (ggf. mit Führung)
Eintritt ermäßigtca. 3,00 € (Schüler, Studenten, Senioren)
FührungenRegelmäßig auf Anfrage und nach Programm
Anreise ÖPNVBus/Bahn bis Aachen Hbf, dann ca. 10 Gehminuten
ParkenParkhaus Markt oder Elisenbrunnen (kostenpflichtig)
Besuchsdauerca. 1–2 Stunden empfohlen

Tipp: Kombiniere den Rathausbesuch mit einer Städtereise nach Aachen – die kompakte Innenstadt macht es leicht, innerhalb eines Tages Dom, Rathaus und Altstadt zu erkunden.

Häufige Fragen zum Rathaus Aachen

Häufige Fragen zum Rathaus Aachen

Wann hat das Rathaus Aachen geöffnet?
Montags bis freitags von 10:00 bis 17:00 Uhr, samstags und sonntags von 10:00 bis 18:00 Uhr. An Feiertagen und bei Sonderveranstaltungen können die Zeiten abweichen – am besten vorher kurz bei der Touristinformation Aachen nachfragen.

Was kostet der Eintritt ins Rathaus Aachen?
Der reguläre Eintrittspreis liegt bei circa 5,00 € für Erwachsene; ermäßigt (Schüler, Studenten, Senioren) rund 3,00 €. Führungen sind gegen Aufpreis buchbar.

Was ist der Krönungssaal und warum lohnt er sich?
Der Krönungssaal im Obergeschoss ist das Herzstück des Rathauses: rund 1.200 Quadratmeter, originalgetreue Nachbildungen der Reichsinsignien, 15 Wandgemälde über Karl den Großen und seit 1950 Verleihungsort des Internationalen Karlspreises – ein Raum, der europäische Geschichte atmet.

Wie komme ich zum Rathaus Aachen?
Adresse: Markt 39, 52062 Aachen. Mit dem Zug bis Aachen Hauptbahnhof, dann 10 Gehminuten durch die Fußgängerzone. Mit dem Auto: Parkhäuser am Markt oder Elisenbrunnen (kostenpflichtig).

Gibt es Führungen durch das Rathaus?
Ja – neben regulären Tagesführungen gibt es auch Abendveranstaltungen im Krönungssaal, teils mit historischen Kostümen und Kerzenlicht. Buchung über die Aachener Touristinformation, Vorabreservierung empfohlen.

Was kann ich in der Nähe des Rathauses noch besichtigen?
Direkt daneben: der Aachener Dom (UNESCO-Weltkulturerbe) und die Domschatzkammer. Ebenfalls fußläufig: Altstadt, Karlsbrunnen, Café Van den Daele und weitere Museen. Der gesamte historische Kern ist gut in einem Halbtagesausflug zu erkunden.

Geheimtipp: Das Rathaus im ersten Morgenlicht

Die meisten Besucher kennen den Marktplatz vor dem Rathaus – aber nur wenige wissen, dass sich die schönste Perspektive auf die gotische Westfassade von der gegenüberliegenden Seite des Marktes bietet: mit einem heißen Kaffee in der Hand, am frühen Morgen, wenn die Touristenströme noch ausbleiben. Die Beleuchtung in den Morgenstunden taucht die Figuren der 50 Königsstatuen in ein weiches Licht, das mittags völlig anders wirkt.

Wer tiefer in die Geschichte eintauchen möchte, bucht eine der geführten Abendveranstaltungen im Krönungssaal – einige finden mit Kerzenlicht und historischen Kostümen statt und sind ein unvergessliches Erlebnis. Informationen dazu gibt es direkt bei der Aachener Touristinformation.

Und wer noch mehr vom westlichen Nordrhein-Westfalen erkunden möchte: Nordrhein-Westfalen hat zahlreiche weitere historische Städte und Sehenswürdigkeiten zu bieten – von der Domstadt Köln bis zum idyllischen Münsterland.

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