LWL-Museum für Kunst und Kultur Münster

LWL-Museum für Kunst und Kultur Münster | Tipps & Infos

Das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster gehört zu den bedeutendsten Kunstmuseen Deutschlands – und ist dabei genau das Gegenteil von dem, was viele mit "bedeutendem Kunstmuseum" verbinden: kein einschüchterndes Tempel-Bauwerk, sondern ein offenes, stadtdurchwobenes Haus direkt am Domplatz. Hier trifft mittelalterliches Meisterwerk auf moderne Malerei, und zwar auf eine Art, die auch Menschen begeistert, die normalerweise lieber ins Kino gehen.

Die Sammlung umfasst rund 450.000 Objekte aus acht Jahrhunderten – von romanischer Glasmalerei des 12. Jahrhunderts bis zur Gegenwartskunst von Gerhard Richter. Mit dem Neubau, der im September 2014 eröffnet wurde, hat das Museum nicht nur neue Räume bekommen, sondern auch eine neue Identität: Die 100 Meter lange Passage, die durch das Gebäude führt, ist öffentlich zugänglich und verbindet zwei Münsteraner Stadtplätze miteinander. Wer also auch nur zum Schlendern durch die Stadt kommt, läuft fast unweigerlich durch das Museum hindurch – und bleibt meistens länger als geplant.

Wenn du einen Kurzurlaub in Münster planst, sollte das LWL-Museum definitiv auf deiner Liste stehen. Dieser Artikel gibt dir alle Infos für deinen Besuch – von Öffnungszeiten über die Highlights der Sammlung bis zu einem echten Insider-Tipp, den viele Besucher verpassen.

Was macht das LWL-Museum für Kunst und Kultur so besonders?

Drei Dinge heben das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster aus der Menge heraus – und alle drei sind eigentlich ziemlich untypisch für ein großes Kunstmuseum:

Erstens: Das Soester Antependium. Dieses um 1170 entstandene Tafelbild gilt als ältestes Tafelbild nördlich der Alpen – ein Stück Kunstgeschichte, das man so nur hier sehen kann. Es ist ein Altarretabel aus vergoldetem Kupfer, mit Emaille und Edelsteinen besetzt, aus dem Westfalen des 12. Jahrhunderts. Wer davor steht, ahnt, welche handwerkliche und spirituelle Energie ins Mittelalter geflossen ist.

Zweitens: Der Spagat zwischen Epochen gelingt hier ungewöhnlich gut. Das Museum zeigt keine bruchlose Chronologie, sondern inszeniert Kontraste: romanische Skulptur neben expressionistischer Malerei, Conrad von Soest neben Emil Nolde. Das irritiert zunächst – und regt dann zum Nachdenken an.

Drittens: Der Bau selbst. Staab Architekten haben 2014 keinen weißen Klotz gebaut, sondern ein Gebäude, das sich in die Münsteraner Altstadt einschreibt. Die Sandsteinfassade, die Innenhöfe und die 14 Meter hohe Eingangshalle sind selbst sehenswert – unabhängig von dem, was drinnen hängt. Dazu kommt die 100 Meter lange öffentliche Passage, die das Museum mit der Stadt verbindet und es für alle zugänglich macht, auch ohne Eintrittskarte.

Bild: © Presseamt Stadt Münster / Bernhard Fischer

Die Sammlung: 450.000 Objekte aus acht Jahrhunderten

Mittelalterliche Meisterwerke

Der stärkste Teil der Sammlung liegt eindeutig im Mittelalter. Das Soester Antependium ist das Herzstück – aber es ist nicht das einzige Highlight. Romanische Glasmalereien des Meisters Gerlachus (ehemals aus der Sammlung Baron vom Stein) aus dem 12. Jahrhundert zeigen eine Bildsprache, die weit komplexer ist, als man es auf den ersten Blick erwartet. Conrad von Soest, der um 1400 die westfälische Tafelmalerei maßgeblich geprägt hat, ist mit mehreren Werken vertreten.

Auch die Druckgrafik-Sammlung verdient besondere Aufmerksamkeit: Israhel van Meckenem und Heinrich Aldegrever – zwei der wichtigsten Kupferstecher des 15. und 16. Jahrhunderts aus dem westfälischen Raum – sind mit umfangreichen Werkgruppen vertreten. Wer Grafik bislang für ein Randthema hält, wird hier eines Besseren belehrt.

Moderne Galerie

Im zweiten großen Sammlungsschwerpunkt, der modernen Malerei, trifft man auf bekannte Namen: August Macke, Emil Nolde und Franz Marc (Expressionismus / Blauer Reiter) hängen neben Werken aus der Bauhaus-Zeit und schließlich Gerhard Richter als Brücke zur Gegenwartskunst. Die Hängung ist nicht chronologisch, sondern thematisch-assoziativ – was manchmal verwirrt, aber häufiger überraschende Verbindungen sichtbar macht.

Weitere Sammlungsschwerpunkte

Das Porträtarchiv Diepenbroick enthält eine der bedeutendsten Porträtsammlungen Deutschlands mit Grafiken des 16. bis 19. Jahrhunderts. Und die Plakatsammlung ist eine unterschätzte Fundgrube für alle, die sich für Designgeschichte und visuelle Kommunikation interessieren – von der Jugendstil-Ästhetik bis zum politischen Plakat der Weimarer Republik.

Besuch planen: Öffnungszeiten, Eintritt & praktische Tipps

Öffnungszeiten

TagÖffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag10:00 – 18:00 Uhr
MontagGeschlossen
2. Freitag im Monat10:00 – 24:00 Uhr (ab 18 Uhr freier Eintritt)
24., 25. und 31. DezemberGeschlossen

Eintrittspreise

KategoriePreis
Erwachsene10,00 €
Ermäßigt (Studenten, Rentner u. a.)5,00 €
Kinder und Jugendliche bis 17 JahreKostenlos
Gruppen ab 16 Personen7,00 € pro Person

Praktische Tipps vor dem Besuch

  • Adresse: Domplatz 10, 48143 Münster – direkt am Dom, mitten in der Altstadt.
  • Anreise mit dem Fahrrad: Münster ist eine der fahrradfreundlichsten Städte Deutschlands. Ein Leihrad vom Hauptbahnhof bis zum Museum dauert keine 10 Minuten.
  • Parken: Die Innenstadt ist für Autos wenig geeignet. Mehrere Parkhäuser in der Nähe des Doms, aber der Zug ist komfortabler.
  • Audioguides: Auf Deutsch und Englisch erhältlich – besonders empfehlenswert für die mittelalterliche Abteilung, wo der Kontext viel erklärt.
  • Barrierefreiheit: Das Gebäude ist vollständig barrierefrei zugänglich.
  • Museumsrestaurant: Auf dem südlichen Museumsplatz gibt es ein Restaurant – ein guter Abschluss nach einem ausgedehnten Rundgang.

Das LWL-Museum liegt im Herzen von Nordrhein-Westfalen und lässt sich gut mit anderen Sehenswürdigkeiten der Region kombinieren.

Münster rund ums Museum: Was du noch erleben kannst

Das LWL-Museum liegt direkt am Domplatz – und damit an einem der schönsten Plätze Münsters. Der St.-Paulus-Dom ist keine 50 Meter entfernt und lohnt einen Abstecher: Der romanisch-gotische Bau beherbergt selbst Kunstwerke, die thematisch gut zum Museum passen.

Vom Domplatz aus sind es zu Fuß nur wenige Minuten bis zum Prinzipalmarkt, der gotischen Häuserzeile, die das Postkartenbild Münsters definiert. Hier reihen sich historische Giebelhäuser mit Arkaden aneinander, und sonntags ist die Straße gesperrt – dann gehört sie den Fußgängern und Radfahrern.

Wer mehr Zeit hat: Der Aasee, Münsters großer Freizeitsee im Stadtpark, ist mit dem Fahrrad in 15 Minuten vom Museum erreichbar. Der Allwetterzoo liegt direkt daneben. Münster ist eine Fahrradstadt par excellence – wer ohne eigenes Rad anreist, sollte sich am Hauptbahnhof oder in der Innenstadt eins leihen.

Ein Tipp für kulturell Interessierte: Das Stadtmuseum Münster liegt nur wenige Gehminuten entfernt und erzählt die Stadtgeschichte aus einer anderen Perspektive als das LWL-Museum – gut als Ergänzung am gleichen Tag.

Bild: © Presseamt Münster

FAQ: Häufige Fragen zum LWL-Museum Münster

Wann ist das LWL-Museum geöffnet?
Di–So 10–18 Uhr, montags geschlossen. Am 2. Freitag im Monat bis 24 Uhr geöffnet, ab 18 Uhr kostenlos.
Was kostet der Eintritt?
Erwachsene 10 €, ermäßigt 5 €, Kinder bis 17 Jahre kostenlos, Gruppen 7 € p. P.
Was ist das bekannteste Exponat?
Das Soester Antependium (ca. 1170) – ältestes Tafelbild nördlich der Alpen.
Wie komme ich am besten hin?
Mit dem Zug zum Münster Hauptbahnhof, dann zu Fuß (15 Min.) oder per Leihrad. Adresse: Domplatz 10, 48143 Münster.

Geheimtipp: Die Lange Nacht des LWL-Museums

Der zweite Freitag im Monat trägt offiziell keinen besonderen Namen, aber inoffiziell ist er so etwas wie die Lange Nacht des LWL-Museums: Das Haus ist von 10 bis 24 Uhr geöffnet, und ab 18 Uhr ist der Eintritt kostenlos.

Was sich dann ändert: Weniger Schulklassen, weniger Gruppenführungen, mehr neugierige Einzelbesucher. Die Ausstellung bei gedämpftem Kunstlicht wirkt anders als bei Tageslicht – die romanischen Glasmalereien bekommen eine fast meditative Qualität, und die expressionistischen Gemälde im Obergeschoss leuchten satter. Oft gibt es an diesen Abenden Sonderveranstaltungen: Vorträge, Konzerte oder Themenführungen, die im normalen Programmbetrieb nicht stattfinden würden.

Wer das LWL-Museum zum ersten Mal besucht, sollte für den Überblick tagsüber kommen. Aber der zweite Besuch – und ein zweiter Besuch lohnt sich – gehört eindeutig in den Abend. Es ist eine andere Art, das gleiche Museum zu sehen.

Tipp für den Abend: Kombiniere den Museumsabend mit einem Spaziergang über den Domplatz, der nach Einbruch der Dunkelheit besonders stimmungsvoll beleuchtet ist. Münster hat im Sommer eine lebendige Außengastronomie – direkt am Museumsplatz und im Quartier hinter dem Dom.

Reisepakete werden geladen