Historisches Rathaus Münster

Historisches Rathaus mit Friedenssaal

Wer durch Münsters historische Innenstadt schlendert, landet früher oder später unweigerlich auf dem Prinzipalmarkt – und dort, mittendrin, steht es: das Historische Rathaus mit seinem unverkennbaren spätgotischen Giebel. Was wie ein hübsches Stadtdenkmal aussieht, ist in Wirklichkeit einer der bedeutendsten politischen Gedenkräume Europas. Im Friedenssaal dieses Gebäudes wurde 1648 das Ende zweier der blutigsten Kriege der europäischen Geschichte besiegelt.

Kein Hologramm, keine nachgebaute Kulisse – der Raum, in dem sich die Gesandten von über 100 Staaten fast sechs Jahre lang den Kopf zerbrochen haben, ist original erhalten. Die Holzvertäfelung von 1577 steht noch genauso da wie damals. Und der Goldene Hahn, aus dem Ehrengäste noch heute trinken, macht das Ganze dann endgültig unwirklich real.

Geschichte: Gotik, Diplomatie und Westfälischer Friede

Die Geschichte des Historischen Rathauses beginnt unscheinbar: Um 1200 ließ die Bürgerschaft der aufstrebenden Handelsstadt Münster ein erstes Steingebäude errichten. Die charakteristische spätgotische Fassade, die heute das Stadtbild prägt, entstand zwischen 1320 und 1395. Die vier Bögen der Bogenhalle, 1395 vollendet, dienten ursprünglich als öffentlicher Gerichtssaal – damals buchstäblich open air. Eine Gerichtslaube wurde 1586 ergänzt, ein Wachhaus 1599.

Das wichtigste Kapitel schrieb das 17. Jahrhundert. Von 1643 bis 1648 tagte im heutigen Friedenssaal der Westfälische Friedenskongress. Die diplomatische Regelung war ausgetüftelt: Katholische Gesandte verhandelten in Münster, protestantische im benachbarten Osnabrück. Am 15. Mai 1648 wurde hier der Spanisch-Niederländische Friede unterzeichnet – das Ende des Achtzigjährigen Krieges. Am 24. Oktober 1648 folgte der Westfälische Friede, der den Dreißigjährigen Krieg beendete und die Grundlage des modernen Völkerrechts legte.

Der Zweite Weltkrieg hinterließ tiefe Spuren: Am 28. Oktober 1944 wurde das Rathaus durch Bombenangriffe fast vollständig zerstört. Dass der Friedenssaal heute noch so aussieht wie 1648, verdanken wir einer weitsichtigen Entscheidung: Die kostbare Renaissance-Holzvertäfelung von 1577 war bereits 1942 auf Schloss Lippe ausgelagert worden und überstand den Krieg unbeschadet. Der Wiederaufbau wurde 1958 abgeschlossen. 2015 erhielten das Historische Rathaus Münster und das Osnabrücker Rathaus gemeinsam das Europäische Kulturerbe-Siegel – erstmals wurden dabei zwei Gebäude in verschiedenen Städten als gemeinsamer Ort ausgezeichnet.

Warum gilt der Friedenssaal als Wiege des modernen Europa?

Ganz einfach: Im Friedenssaal endeten zwei große europäische Konflikte gleichzeitig. Die Verträge von 1648 legten nicht nur neue Grenzen fest, sondern begründeten erstmals das Prinzip der nationalen Souveränität und der Gleichberechtigung der Staaten – Grundpfeiler des heutigen Völkerrechts. Kein Wunder, dass der Raum noch heute als offizieller Empfangssaal der Stadt Münster genutzt wird.

Ein Detail am Rande: Einer der Chefmediatoren der Friedensverhandlungen war der päpstliche Nuntius Fabio Chigi. Er zog später nach Rom und wurde Papst Alexander VII. Der Friedenssaal ist also auch ein Raum, in dem ein späterer Papst einige seiner wichtigsten diplomatischen Verhandlungen führte – das weiß kaum jemand.

Was erwartet euch im Historischen Rathaus Münster?

Der Besuch beginnt im Erdgeschoss, in der sogenannten Bürgerhalle. Dort versammelten sich im Mittelalter die Bürger Münsters – und dort findet sich heute eine bemerkenswerte Sammlung mittelalterlicher Waffen aus der Zeit um 1550 bis 1600: Richtschwerter, Hellebarden und Bidenhänder, die die Doppelfunktion des Gebäudes als Rathaus und Gericht bezeugen. Wer genau hinschaut, entdeckt einen originalen Stein der Dresdner Frauenkirche, der 2005 als Symbol des Friedens eingemauert wurde.

Das Herzstück ist natürlich der Friedenssaal im Obergeschoss. Hier trifft die handwerkliche Meisterleistung der Spätrenaissance (Holzvertäfelung 1577) auf 37 Gesandtenporträts, die der Münsteraner Rat 1649 ankaufte – direkt im Jahr nach dem Frieden. Ganz unvermittelt steht man plötzlich vor einem vergoldeten Silberkelch in Form eines Hahns, dem Goldenen Hahn: ein Nürnberger Trinkgefäß aus dem frühen 17. Jahrhundert, das noch heute bei offiziellen Stadtempfängen kredenzt wird.

Raum / ObjektHighlight
Bürgerhalle (EG)Waffensammlung 1550–1600, Stein der Dresdner Frauenkirche
Friedenssaal (OG) – HolzvertäfelungOriginal-Renaissance-Schnitzwerk von 1577
Friedenssaal – Gesandtenporträts37 Bildnisse aus dem Jahr 1649
Goldener HahnVergoldetes Trinkgefäß (Nürnberg, ~1600–1621), noch heute aktiv genutzt
Vitrine im FriedenssaalMumifizierte Hand, Schuh aus dem 17. Jh. (→ Geheimtipp)

Führungen dauern 45 bis 60 Minuten. Ein Audioguide in Deutsch, Englisch und Niederländisch ist an der Kasse erhältlich – praktisch, weil niederländische Schulklassen den Friedenssaal als Pflichtstoff kennen und der Westfälische Friede eng mit der Unabhängigkeit der Niederlande verknüpft ist.

Bild: © Presseamt Münster

Besucherinfos: Öffnungszeiten, Eintritt & Anreise

Historisches Rathaus Münster – Friedenssaal
Adresse: Prinzipalmarkt 10, 48143 Münster
Telefon: +49 (0)251 / 492-2724
E-Mail: friedenssaal@stadt-muenster.de
Anreise: Kein eigener Parkplatz – nächste Parkhäuser: Domplatz oder Aegidii

Öffnungszeiten Friedenssaal

TagUhrzeit
MontagGeschlossen
Dienstag – Freitag10:00 – 17:00 Uhr
Samstag, Sonntag & Feiertage10:00 – 16:00 Uhr

Hinweis: Der Friedenssaal kann kurzfristig wegen offizieller Stadtempfänge oder Trauungen geschlossen sein. Vorher anrufen lohnt sich.

Eintrittspreise

KategoriePreis
Erwachsene3,00 €
Ermäßigt (Studenten, Senioren ab 65, Menschen mit Behinderung)2,00 €
Kinderkostenlos
Gruppen ab 10 Personen (Erwachsene)2,00 €
Gruppen ab 10 Personen (Ermäßigt)1,50 €

Bild: © Presseamt Münster / Britta Roski

Sehenswürdigkeiten in der Nähe des Historischen Rathauses

Wer das Historische Rathaus besucht, steht bereits mitten in einer der besterhaltenen mittelalterlichen Altstädte Deutschlands. Münster eignet sich hervorragend als Ausgangspunkt für eine Reise durch Nordrhein-Westfalen.

  • St.-Paulus-Dom: Nur fünf Gehminuten vom Rathaus entfernt. Der romanisch-gotische Dom beeindruckt vor allem mit seiner astronomischen Uhr aus dem 16. Jahrhundert – ein Meisterwerk der Uhrmacherkunst.
  • St. Lambertikirche: Direkt am Prinzipalmarkt gelegen. An ihrem Turm hängen noch heute drei eiserne Käfige – die Überreste der öffentlichen Zurschaustellung der Täuferführer nach dem gescheiterten Täuferreich von 1536.
  • LWL-Museum für Kunst und Kultur: Eines der größten Landesmuseen Deutschlands, einen Steinwurf vom Rathaus entfernt. Von Lucas Cranach bis zur Gegenwart.
  • Graphikmuseum Pablo Picasso Münster: Eine der weltweit größten Sammlungen von Picasso-Druckgrafiken, eigens für diese Kollektion gebaut.
  • Promenade (Promenadenring): Münsters fahrradfreundliches Alleinstellungsmerkmal: ein von Kastanien und Linden gesäumter Boulevard auf den ehemaligen Stadtmauern – per Fahrrad in rund 45 Minuten zu umrunden.

Wer ein verlängertes Wochenende plant, findet bei unseren Städtereisen in Nordrhein-Westfalen weitere Inspirationen für die gesamte Region.

Münster übernachtet man am besten in der Nähe des Stadtzentrums – so hat man alle wichtigen Sehenswürdigkeiten zu Fuß oder per Fahrrad bequem erreichbar. Die Universitätsstadt bietet eine lebhafte Gastronomie- und Kulturszene, die weit über das Historische Rathaus hinausgeht.

Bild: © Presseamt Münster, Tilman Roßmöller

Geheimtipp & Mini-FAQ zum Historischen Rathaus Münster

Geheimtipp: Die mumifizierte Hand im Friedenssaal

In einer schlichten Vitrine, fast unbemerkt zwischen den großen Diplomatenporträts, liegt sie: eine echte mumifizierte Hand aus dem frühen 17. Jahrhundert. Sie stammt aus der Zeit, als der Friedenssaal noch Gerichtssaal war und Todesurteile gesprochen wurden. Wer den Führungen zuhört, bekommt meist die große Friedensgeschichte präsentiert – die kleinen, makabren Details erzählt der Audioguide nur auf Nachfrage. Direkt daneben: ein Schuh aus ebendieser Epoche, dessen genaue Herkunft bis heute nicht vollständig geklärt ist. Augen auf in der Vitrine!

Mini-FAQ

  • Ist der Eintritt kostenlos?
    Nein – Erwachsene zahlen 3,00 €, Ermäßigte 2,00 €, Kinder haben freien Eintritt.
  • Besuch ohne Führung möglich?
    Ja, per Audioguide in Deutsch, Englisch & Niederländisch, erhältlich an der Kasse.
  • Wie lange dauert ein Besuch?
    30–45 Min. ohne Führung, 45–60 Min. mit Führung.
  • Öffnungszeiten?
    Di–Fr 10–17 Uhr, Sa/So & Feiertage 10–16 Uhr. Montag geschlossen.

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