Kunsthaus Graz

Kunsthaus Graz

Ein futuristisches Raumschiff, mitten in der Altstadt gelandet – das Kunsthaus Graz ist wohl Österreichs provokantestes Museumsgebäude. Was 2003 noch wie ein gewagtes Experiment wirkte, gehört heute genauso zu Graz wie der Schlossberg und der Uhrturm. Der „Friendly Alien" am Murufer ist zum Markenzeichen einer Stadt geworden, die weiß, dass Kultur auch ein bisschen wehtun darf.

Das Kunsthaus ist kein klassisches Museum mit fest installierter Sammlung. Es ist ein Ausstellungshaus für internationale zeitgenössische Kunst – offen, wechselnd, manchmal irritierend und immer wieder überraschend. Wer Graz als Kulturreiseziel entdecken möchte, findet hier einen der aufregendsten Startpunkte der Steiermark.

Graz hat so einiges zu bieten – und das Kunsthaus ist nur der Anfang. Bevor wir tiefer in die Stadt eintauchen, lohnt sich ein genauerer Blick auf das außergewöhnliche Herzstück am Murufer, das die österreichische Kulturszene seit 2003 prägt.

Die Geschichte des Kunsthauses Graz

Die Geschichte des Kunsthauses beginnt mit einem europäischen Paukenschlag: Graz wurde zur Kulturhauptstadt Europas 2003 gekürt – und beschloss, diesen Moment mit einem Bauwerk zu feiern, das die Stadt für Jahrzehnte prägen sollte. Der internationale Architekturwettbewerb wurde von den britischen Architekten Peter Cook und Colin Fournier gewonnen, die mit ihrem Entwurf eines biomorphen Baukörpers für gehöriges Aufsehen sorgten.

Am 26. Oktober 2003 – dem österreichischen Nationalfeiertag – öffnete das Haus seine Pforten. Der Bau war ein bewusstes Statement: Graz wollte zeigen, dass eine Stadt mit UNESCO-Welterbe-Altstadt und mittelalterlichem Schlossberg auch die Gegenwart wagt. Das Kunsthaus sollte kein ehrwürdiger Kunsttempel sein, sondern ein lebendiger Organismus – und genau das ist es geworden.

Heute gehört das Kunsthaus zum Universalmuseum Joanneum, dem ältesten österreichischen Landesmuseum mit 20 Museen an 14 Standorten. Es hat sich als einer der wichtigsten Ausstellungsräume für zeitgenössische Kunst im deutschsprachigen Raum etabliert – und ist längst kein Experiment mehr, sondern Herzstück der Grazer Kulturszene.

Der Friendly Alien – wenn Architektur polarisiert

Wer das Kunsthaus zum ersten Mal sieht, schaut zweimal hin. Die blaue, biomorphe Blase, die sich über dem gläsernen Erdgeschoss erhebt, erinnert je nach Betrachter an einen riesigen Wal, ein Nilpferd, eine Meeresschnecke – oder eben an einen außerirdischen Besucher, der es sich auf einem Grazer Grundstück gemütlich gemacht hat. Der Spitzname „Friendly Alien" stammt übrigens vom Architekten Colin Fournier selbst. Er beschrieb seinen Entwurf als „ein biomorphes, nicht definierbares Etwas, ein Hybrid, fremd und vertraut zugleich". Das trifft es ziemlich gut.

MerkmalDetail
ArchitektenPeter Cook & Colin Fournier (London)
Eröffnung26. Oktober 2003
Fassade1.288 blaue Acrylglaspaneele
Gebäudebreitebis zu 60 Meter
AusstellungsflächeSpace01 und Space02
AdresseLendkai 1, 8020 Graz

Die Außenhaut besteht aus 1.288 blau getönten, halbtransparenten Acrylglaspaneelen – 1.100 außen, 188 innen. Das Tragwerk darunter ist eine Stahlbetonkonstruktion über zwei Etagen, die Ausstellungsflächen werden über Rolltreppen erschlossen und bieten dabei spektakuläre Ausblicke auf die Grazer Innenstadt.

Die BIX Medienfassade – wenn die Außenwand zum Kunstwerk wird

Nachts verwandelt sich das Kunsthaus in eine riesige Leinwand. Die BIX Medienfassade – ein Kunstwort aus „Big" und „Pixel" – ist seit der Eröffnung 2003 fester Bestandteil des Gebäudes. 926 kreisförmige Leuchtstofflampen sind einzeln ansteuerbar und können bis zu 24 Mal pro Sekunde ein- und ausgeschaltet werden. Das ergibt eine Auflösung von 56 × 25 Pixeln – bescheiden nach heutigen Smartphone-Maßstäben, aber auf einer Fassade von 60 Metern Breite absolut beeindruckend. Entwickelt vom Berliner Architekturbüro realities:united, nutzen Künstler und Kuratoren die Fassade als eigenständiges Kommunikationsmedium im Stadtraum.

Was zeigt das Kunsthaus Graz?

Eine einfache Antwort auf diese Frage gibt es nicht – und das ist gewollt. Das Kunsthaus Graz ist kein sammelndes Museum, sondern ein reines Ausstellungshaus. Es gibt keine Dauerpräsentation, die man Jahr für Jahr wiederentdecken könnte. Stattdessen wechseln die Inhalte regelmäßig: Internationale zeitgenössische Kunst auf hohem Niveau, mit klarem kuratorischen Standpunkt und bewusster Verbindung zu regionalen Themen.

Zwei große Ausstellungshallen – Space01 und Space02 – bieten Platz für ambitionierte Einzelausstellungen ebenso wie spartenübergreifende Gruppenprojekte. Die thematische Bandbreite reicht von Videoinstallationen über Skulptur und Malerei bis hin zu performativen und partizipativen Formaten. Wer wissen möchte, was aktuell läuft, sollte vorab die offizielle Website des Hauses unter museum-joanneum.at/kunsthaus-graz besuchen.

Camera Austria – Fotografie auf Weltniveau im selben Haus

Ein besonderer Bonus: Das Eintrittticket fürs Kunsthaus gilt gleichzeitig für die Ausstellungsräume von Camera Austria im zweiten Obergeschoss des benachbarten Eisernen Hauses. Camera Austria ist eine der renommiertesten Zeitschriften für zeitgenössische Fotografie weltweit – und zeigt hier vor Ort die dazugehörigen Ausstellungen. Zwei für eins, sozusagen – und ein echter Mehrwert für alle, die tiefer in die zeitgenössische Bildwelt eintauchen wollen.

Vermittlung und Führungen

Das Kunsthaus bietet umfangreiche Kunstvermittlungsprogramme für Schulen und Kindergärten sowie englischsprachige Führungen für internationale Besucherinnen und Besucher. Wer nicht einfach nur durchlaufen möchte, sondern die Werke wirklich verstehen will, findet hier kompetente Begleitung.

Rund ums Kunsthaus – Graz auf eigene Faust entdecken

Das Kunsthaus liegt am Lendkai, direkt am Ufer der Mur – und damit in bester Lage, um Graz zu Fuß zu erkunden. Ein paar Minuten flussaufwärts liegt die Murinsel, eine schwimmende Stahl-Glas-Plattform des New Yorker Künstlers Vito Acconci, ebenfalls ein Überbleibsel aus dem Kulturhauptstadtjahr 2003. Wer von der Murinsel in Richtung Innenstadt blickt, sieht, wie alt und neu in Graz Seite an Seite existieren.

Von dort sind es kaum zehn Gehminuten in die historische Altstadt, die als größte erhaltene mittelalterliche Innenstadt Europas gilt und seit 1999 zum UNESCO-Welterbe gehört. Der Schlossberg – der markante Felsen mitten in der Stadt – ist zu Fuß über den Schlossberg-Lift oder per Standseilbahn erreichbar und bietet einen fantastischen Panoramablick über die Dächer von Graz.

  • Murinsel (Vito Acconci, 2003) – wenige Gehminuten vom Kunsthaus
  • Schlossberg mit Uhrturm – das Wahrzeichen von Graz
  • Altstadt (UNESCO-Welterbe) – mittelalterliches Flair auf engstem Raum
  • Joanneumsviertel – weitere Museen des Universalmuseums Joanneum
  • Lend-Viertel – lebendige Gastro- und Kulturszene direkt um die Ecke
  • Schloss Eggenberg – barockes Welterbe-Ensemble im Westen der Stadt

Wer die Kulturmeile komplettieren möchte, besucht auch das Joanneumsviertel mit Naturkundemuseum und dem historischen Landeszeughaus, einer der weltweit größten historischen Waffensammlungen. Für Genießer: Der Lendplatz mit seinem bunten Marktangebot und die aufstrebende Lend-Gastroszene sind direkt um die Ecke – idealer Abschluss nach einem Nachmittag mit zeitgenössischer Kunst.

Graz lässt sich am besten über Nacht genießen – und wer bleibt, erlebt die Stadt am Abend von ihrer entspanntesten Seite: die BIX Fassade im Dunkeln, ein Abendessen im Lend-Viertel und am nächsten Morgen beim Schlossberg-Aufstieg den Nebelmorgen über den Dächern.

Praktische Infos für deinen Besuch im Kunsthaus Graz

Öffnungszeiten und Eintritt

InformationDetail
ÖffnungszeitenDi – So und Feiertage, 10:00 – 18:00 Uhr
MontagGeschlossen
AdresseLendkai 1, 8020 Graz, Österreich
Telefon+43-316/8017-9200
KategorieEintrittspreis
Erwachsene13,00 €
Kinder und Jugendliche unter 19 Jahrenkostenlos
Senioren / Behindertenausweis / Gruppen ab 12 Pers.11,00 €
Studierende, Lehrlinge (19–25 Jahre)6,50 €
Schülergruppen / soziale Einrichtungen3,00 €
Jahreskarte (alle 20 Joanneum-Museen, 12 Monate)32,00 €

Das Ticket gilt auch für die Camera Austria-Ausstellungsräume im selben Gebäude. Das Haus ist vollständig barrierefrei zugänglich.

Anreise

Die nächste Straßenbahnhaltestelle ist Südtiroler Platz (Linien 1, 3, 6, 7). Das Kunsthaus selbst verfügt über keine eigene Parkgarage; Parkhäuser in der Grazer Innenstadt sind fußläufig erreichbar. Wer aus der Steiermark anreist, findet das Kunsthaus direkt im Herzen der Landeshauptstadt.

Häufige Fragen zum Kunsthaus Graz

Wann wurde das Kunsthaus Graz eröffnet?
Am 26. Oktober 2003, dem österreichischen Nationalfeiertag, als Herzstück des Kulturhauptstadtjahres Graz 2003.
Was kostet der Eintritt?
Erwachsene zahlen 13 Euro, Kinder unter 19 Jahren kommen kostenlos rein. Das Ticket gilt auch für Camera Austria im selben Haus.
Warum heißt es „Friendly Alien"?
Architekt Colin Fournier prägte den Namen selbst – das biomorphe Gebäude wirkt fremd und vertraut zugleich, wie ein wohlmeinender Gast aus einer anderen Welt.
Hat das Kunsthaus eine Dauerausstellung?
Nein – das Kunsthaus sammelt nicht selbst. Das Programm wechselt mehrmals jährlich mit internationaler zeitgenössischer Kunst.
Ist das Kunsthaus barrierefrei zugänglich?
Ja, das Kunsthaus Graz ist vollständig barrierefrei zugänglich.

Geheimtipp: Die BIX Fassade bei Einbruch der Dunkelheit

Klar, das Kunsthaus bei Tag zu besuchen ist wunderbar. Aber der wahre Moment ist abends, wenn die Lichter der Stadt ausgehen und die BIX Medienfassade ihr Nachtprogramm startet. Stell dich ans Murufer – auf die Seite gegenüber des Kunsthauses – und lass die 926 Leuchtpunkte einfach auf dich wirken. Du bist nicht auf einem Science-Fiction-Set, du stehst mitten in Graz. Für ein paar Minuten fühlt sich das wie ein kleines Privileg an.

Wer die Kombination aus Kultur, Genuss und Überraschung sucht, ist in Graz genau richtig. Ein Abend, an dem man zuerst durchs Kunsthaus schlenbert, dann auf der Murinsel einen Kaffee trinkt und schließlich im Lend-Viertel zu Abend isst – das ist Graz, wie es wirklich ist. Die ganze Region hat noch viel mehr zu bieten: Auf der Steiermark-Reiseseite findest du weitere Ideen für deinen Ausflug ins grüne Herz Österreichs.

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