Grazer Landhaus

Grazer Landhaus

Wer die Innenstadt von Graz erkundet, stößt unweigerlich auf die Herrengasse – und dort, zwischen Kaffeehäusern und Fußgängergewühl, auf ein Gebäude, das einen kurz aus dem Schritt bringt. Das Grazer Landhaus ist einer jener seltenen Orte, an denen Geschichte nicht hinter Glas sitzt, sondern einfach da ist. Der dreistöckige Arkadenhof, erbaut im Stil eines venezianischen Palazzo, gehört zu den bedeutendsten Renaissancebauten nördlich der Alpen – und der Eintritt? Kostenlos.

Graz trägt seinen UNESCO-Welterbe-Status seit 1999 und ist gleichzeitig UNESCO City of Design. Das Landhaus ist dabei kein Museumsstück, sondern aktives politisches Zentrum: Hier tagt noch heute der steirische Landtag. Wer also auf seiner Österreich-Reise in Graz aufschlägt, sollte einen Abstecher einplanen.

Geschichte: Das Renaissancejuwel der steirischen Landstände

Die Geschichte des Grazer Landhauses beginnt nicht mit einem großen Knall, sondern mit einem eher bürokratischen Akt: Im Jahr 1494 erwarben die steirischen Landstände ein Haus an der damaligen Bürgergasse – heute Herrengasse – als Kanzlei und Kapelle. Dass daraus einmal einer der schönsten Renaissancehöfe Europas werden würde, ahnte damals vermutlich niemand.

Der eigentliche Bau entstand in Phasen. Ab 1527 wurde ein erster Renaissanceflügel errichtet, der prachtvolle Arkadenhof folgte ab 1557. Verantwortlich war der aus Norditalien stammende Baumeister Domenico dell'Allio, der die venezianische Palastarchitektur direkt an die Mur brachte. Das Ergebnis: drei Stockwerke übereinander gereihte Arkadengänge mit kupfernen Wasserspeiern aus dem 16. Jahrhundert – eine Kulisse, die frappierend an den Dogenpalast in Venedig erinnert.

Zeitstrahl: Entstehung des Grazer Landhauses

JahrEreignis
1494Erwerb des Grundstücks durch die steirischen Landstände
1527–1531Bau des ersten Renaissanceflügels
1557Beginn des Hauptgebäudes und Arkadenhofs (Baumeister: Domenico dell'Allio)
1588Erlass der „Rumortafeln" – Lärm- und Streitverbot, bis heute gültig
19. Jh.Ergänzung barocker Elemente (Stuckaturen, Kapellenaltar)
1999Graz erhält UNESCO-Welterbestatus; Landhaus Teil der Kernzone
HeuteSitz des steirischen Landtags, kostenlos zugänglicher Arkadenhof

Sehenswürdigkeiten im Landhaushof

Ein Besuch im Grazer Landhaus ist mehr, als schnell durchzulaufen und ein Foto zu schießen. Der Komplex hat mehrere Schichten, die es zu entdecken gilt.

Der Arkadenhof

Herzstück des Landhauses ist zweifellos der Landhaushof mit seinen drei Arkadengeschossen. Die kupfernen Wasserspeier an den Brüstungen stammen noch aus dem 16. Jahrhundert – und wirken dennoch erstaunlich frisch. Eine Bronzefontäne von Bartolomeo di Bosio steht im Zentrum des Hofs und gilt als manieristisches Meisterwerk. Das Beste: Der Hof ist rund um die Uhr kostenlos zugänglich.

Rittersaal und Kapelle

Im Inneren des Landhauses befinden sich der Rittersaal mit Tierkreiszeichen-Malereien sowie eine gotische Kapelle mit einem schwarzgoldenen Altar. Der Zugang zu diesen Räumen ist während Parlamentssitzungen eingeschränkt, geführte Touren werden aber regelmäßig angeboten.

Veranstaltungen im Landhaushof

Der Innenhof ist nicht nur Touristenattraktion, sondern lebendiger Veranstaltungsort: Konzerte, Theater, Filmvorführungen und im Advent eine Eiskrippenausstellung – die Stimmung dort ist abends bemerkenswert. Wer seinen Graz-Besuch zeitlich gut plant, kann den Hof in ganz anderem Licht erleben.

  • Kostenloser Zugang zum Arkadenhof (24/7)
  • Bronzefontäne von Bartolomeo di Bosio (Manierismus, 16. Jh.)
  • Kupferne Wasserspeier aus dem 16. Jahrhundert (Original)
  • Rittersaal mit Tierkreiszeichen-Fresken
  • Gotische Kapelle mit schwarzgoldenem Barockaltar
  • Regelmäßige Veranstaltungen: Konzerte, Advent-Krippe, Theateraufführungen

Lohnt sich ein Besuch im Grazer Landhaus?

Kurze Antwort: Ja – und zwar ziemlich lohnenswert.

Das Grazer Landhaus ist kein Ort, der eine halbe Stunde Einplanung wert wäre und dann enttäuscht. Der Arkadenhof allein rechtfertigt den Umweg durch die Herrengasse. Wer sich für die Geschichte der steirischen Landstände, Renaissancearchitektur oder einfach für atmosphärische Innenhöfe begeistert, wird hier fündig.

Wer mehr sehen möchte, als der freie Hof bietet, kann eine Führung buchen – der steirische Landtag öffnet dann seine historischen Säle. Das ist besonders empfehlenswert, wenn man nachvollziehen möchte, wie sich Barockstuck und aktive Parlamentsarbeit in einem Gebäude vertragen. (Erstaunlich gut, übrigens.)

Praktisch: Das Landhaus liegt an der zentralen Herrengasse, keine 200 Meter vom Hauptplatz entfernt. Wer in Graz ist, kommt fast zwangsläufig daran vorbei.

Öffnungszeiten, Eintritt und Anfahrt

Alle Infos auf einen Blick

InformationDetails
AdresseHerrengasse 16, 8010 Graz, Österreich
Arkadenhof (Eintritt)Kostenlos, 24/7 geöffnet
Touristinfo im HausTäglich 10:00–18:00 Uhr
Geführte TourenAuf Anfrage, Anmeldung empfohlen
Empfohlene Besuchszeit20–90 Minuten
Anreise (ÖPNV)Straßenbahn 1, 3, 4, 6, 7, 13 – Haltestelle Herrengasse
Entfernung Hauptplatzca. 200 m (5 Min. Fußweg)
BarrierefreiTeils; Arkadenhof zugänglich

Hinweis: Während Parlamentssitzungen kann der Zugang zu Teilen des Innenbereichs eingeschränkt sein. Der Arkadenhof ist davon nicht betroffen.

Graz entdecken: Was die Stadt rund ums Landhaus noch bietet

Das Grazer Landhaus liegt so zentral, dass sich eine ganze Entdeckungstour durch die Altstadt fast von selbst ergibt. Wenige Gehminuten trennen es von mehreren weiteren Höhepunkten der Stadt.

Landeszeughaus – Weltrekord gleich nebenan

Direkt neben dem Landhaus befindet sich das Landeszeughaus (Herrengasse 16) – die größte erhaltene historische Rüstkammer der Welt mit über 30.000 Waffen und Rüstungen aus dem 15. bis 17. Jahrhundert. Eine Besichtigung dauert gut eine Stunde und ist absolut empfehlenswert.

Schlossberg – Grüne Lunge über der Stadt

Der Schlossberg ist der Hausberg von Graz und mit der Schlossbergbahn oder zu Fuß erreichbar. Oben wartet der Uhrturm – das Wahrzeichen der Stadt – und ein Panoramablick auf die Altstadt und die Kärntner Berge am Horizont. Kostenlos und zu jeder Tages- und Nachtzeit zugänglich.

Kunsthaus Graz und Murinsel

Wer moderne Architektur schätzt, findet in Graz seine Gegengewichte zur Renaissance: Das Kunsthaus Graz (umgangssprachlich „der Friendly Alien") überrascht mit einer futuristischen Fassade aus blauen Acrylkacheln. Die Murinsel – eine schwimmende Insel in der Mur – ist ein architektonisches Experiment und Café in einem. Beide sind in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar.

  • Landeszeughaus: Weltgrößte erhaltene historische Rüstkammer (Herrengasse 16)
  • Schlossberg & Uhrturm: Panorama über Graz (kostenloser Zugang)
  • Kunsthaus Graz: Zeitgenössische Kunst in ikonischer Architektur
  • Murinsel: Schwimmendes Café und Veranstaltungsort in der Mur
  • Hauptplatz: Historisches Zentrum mit Erzherzog-Johann-Brunnen

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Geheimtipp und Fazit

Geheimtipp: Der Landhaushof am Abend

Das Grazer Landhaus ist tagsüber gut besucht – nachts gehört der Innenhof dagegen fast nur euch. Die Arkadengänge sind beleuchtet, die Atmosphäre bemerkenswert still für einen Ort mitten in einer Großstadt. Wer zufällig auf ein Konzert oder eine Sommertheatervorstellung trifft, erlebt einen dieser Abende, die man lange nicht vergisst. Den Veranstaltungskalender vorher zu checken, lohnt sich also.

Und noch ein Tipp, der wenig bekannt ist: Die „Rumortafeln" von 1588, die Lärm und Streit im Landhaus verbieten, sind bis heute formal in Kraft. Also: Geräuschpegel niedrig halten – auch wenn es angesichts der Schönheit des Hofs schwerfällt.

Fazit

Das Grazer Landhaus ist kein Pflichtprogramm, das man lustlos abhakt. Es ist einer der stillen Superstars der Altstadt – kostenlos, zentral und überraschend lebendig. Wer in Graz ist und das Landhaus auslässt, verpasst buchstäblich den schönsten Innenhof nördlich der Alpen. Mehr rund um Urlaub in Österreich sowie aktuelle Angebote für eine Städtereise nach Graz findet ihr bei spar-mit.com.

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