Hus-Haus - Konstanz

Hus-Haus Konstanz – Wissenswertes für Ihren Besuch

Das Hus-Haus in Konstanz ist kleiner als erwartet – und genau das macht es so besonders. In dem mittelalterlichen Fachwerkhaus in der Hussenstraße, wenige Schritte vom Konzilgebäude und dem belebten Hafen entfernt, verbirgt sich eine der eindrucksvollsten Gedenkstätten Süddeutschlands. Wer sich Zeit nimmt, durch die beiden Ausstellungsräume zu schlendern, begegnet einem Mann, der im 15. Jahrhundert bereit war, für seine Überzeugungen zu sterben – und einer Ausstellung, die das erstaunlich lebendig erzählt.

Jan Hus war Theologe, Prediger und Hochschulrektor an der Karlsuniversität in Prag. In Konstanz endete sein Leben im Jahr 1415 auf dem Scheiterhaufen – verurteilt als Ketzer durch das Konzil, das in der Stadt am Bodensee die Christenheit reformieren wollte. Das Hus-Haus erinnert daran ohne Pathos, ohne Kitsch. Der Eintritt ist kostenlos, der Audioguide auf Wunsch in drei Sprachen erhältlich. Wer nach einem Besuch auch einen Kurzurlaub in Konstanz plant, findet passende Angebote direkt am Bodensee.

Bild: Internationale Bodensee Tourismus GmbH, Achim Mende

Was ist das Hus-Haus in Konstanz?

Das Hus-Haus ist Gedenkstätte und Museum zugleich. Es befindet sich in der Hussenstraße 64 – einer Straße, die nach Jan Hus selbst benannt wurde – und liegt in einem Fachwerkhaus aus dem Spätmittelalter mitten in der Konstanzer Altstadt. Lange galt das Gebäude als tatsächliche Unterkunft des Reformators während des Konstanzer Konzils. Neuere historische Nachforschungen zeigen, dass Hus wahrscheinlich in einem anderen Haus derselben Straße lebte, bevor er im November 1414 verhaftet und in den Turm Gottlieben gebracht wurde.

Die Prager Hus-Gesellschaft erwarb das Haus 1923, um des böhmischen Predigers zu gedenken. Heute wird es von der tschechischen Botschaft in Deutschland verwaltet. Seit 1980 beherbergt es eine Dauerausstellung über Leben und Werk des Reformators.

MerkmalInformation
TypMuseum und Gedenkstätte
AdresseHussenstraße 64, 78462 Konstanz
EintrittKostenlos
AudioguideDeutsch, Englisch, Tschechisch
Öffnung Sommer (April–Sept.)Di–So: 10–12 Uhr und 13–17 Uhr
Öffnung Winter (Okt.–März)Di–So: 10–12 Uhr und 13–16 Uhr
SchließtagMontag und ausgewählte Feiertage
BesonderheitInteraktive Multimedia-Station mit Touchscreen

Jan Hus und das Konstanzer Konzil

Um das Hus-Haus wirklich zu verstehen, muss man wissen, wer Jan Hus war – und warum Konstanz bis heute untrennbar mit seinem Namen verbunden ist. Hus wurde um 1370 in Böhmen geboren, studierte und lehrte an der Prager Karlsuniversität, deren Rektor er schließlich wurde. Er predigte in der Bethlehemskapelle in Prag – auf Tschechisch, was damals alles andere als selbstverständlich war – und forderte tiefgreifende Reformen innerhalb der katholischen Kirche: weniger Korruption, mehr Nähe zu den Gläubigen, eine Rückbesinnung auf die Bibel.

Als das Konzil am Bodensee zwischen 1414 und 1418 zusammentrat, um die gespaltene Christenheit zu einen, erschien Hus unter kaiserlichem Geleitschutz in Konstanz – in der Hoffnung, seine Thesen öffentlich verteidigen zu können. Doch das Konzil dachte nicht daran, sich auf eine theologische Debatte einzulassen. Hus wurde verhaftet, monatelang festgehalten und schließlich am 6. Juli 1415 auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Sein Tod machte ihn zum Märtyrer und Nationalhelden in Böhmen. In Tschechien gilt der 6. Juli bis heute als nationaler Gedenktag – der Jan-Hus-Tag. Und in Konstanz erinnert neben dem Hus-Haus auch die Hussenstraße an den mutigen Prager Prediger, der lieber starb als seinen Überzeugungen abschwor.

Bild: © MTK-Dagmar-Schwelle

Die Dauerausstellung im Hus-Haus

Zwei Stockwerke Geschichte

Die Dauerausstellung erstreckt sich über zwei Stockwerke des historischen Fachwerkhauses und trägt den Titel „Johannes Hus – Mut zu denken, Mut zu glauben, Mut zu sterben". Sie wurde unter Leitung des Hussitenmuseums in Tábor (Tschechien) gestaltet und 1980 in ihrer heutigen Form eröffnet. Auf insgesamt fünf Räumen führt ein chronologischer Parcours durch das Leben des Reformators: von seiner Kindheit in Husinec über seine Studien- und Lehrjahre in Prag bis hin zum dramatischen Ende in Konstanz.

Texte, Reproduktionen historischer Dokumente, Karten und Illustrationen machen die Geschichte greifbar – auch für Besucher ohne Vorwissen. Die Ausstellung ist dreisprachig aufbereitet (Deutsch, Englisch, Tschechisch) und richtet sich an Erwachsene, Schulklassen und Reisende, die mehr als nur Sehenswürdigkeitenfotos nach Hause mitnehmen wollen.

Interaktiv und multimedial

Was das Hus-Haus von vielen historischen Gedenkstätten unterscheidet: Hier wird Geschichte nicht nur gezeigt, sondern erlebt. Ein interaktives Quiz lädt Besucher ein, ihr Wissen über Jan Hus zu testen – mit überraschenden Fragen, die auch Erwachsenen zu denken geben. Eine Multimedia-Station mit Touchscreen liefert vertiefende Informationen und audiovisuelle Einblicke. Wer lieber hört als liest, greift zum Audioguide in Deutsch, Englisch oder Tschechisch.

Das Ergebnis ist ein Museum, das trotz seiner überschaubaren Größe viel Substanz bietet. Wer sich wirklich damit befasst, braucht gut eine Stunde. Wer nur kurz reinschaut, sollte zumindest die Bildtafeln im ersten Stockwerk nicht verpassen – sie geben in konzentrierter Form einen sehr guten Überblick über das Konzil von Konstanz und die Zeit der Kirchenspaltung.

Bild: Internationale Bodensee Tourismus GmbH, Achim Mende

Sehenswürdigkeiten rund ums Hus-Haus

Das Konzilgebäude

Nur wenige Gehminuten vom Hus-Haus entfernt liegt das historische Konzilgebäude direkt am Hafen. Es ist eines der ältesten erhaltenen Kaufhäuser nördlich der Alpen und war während des Konzils von Konstanz (1414–1418) Schauplatz bedeutender Ereignisse – darunter die Papstwahl von Martin V., die erste und einzige Papstwahl nördlich der Alpen in der Geschichte der Kirche. Das Gebäude ist von außen jederzeit kostenlos zu bewundern; sein Anblick am Hafen bei Sonnenuntergang gehört zu den schönsten in Konstanz. Heute dient es als Kongress- und Konzerthalle.

Die Imperia

Wer am Hafen steht, übersieht sie garantiert nicht: Die Imperia ist eine neun Meter hohe Skulptur auf dem Konzilpier, geschaffen vom Konstanzer Künstler Peter Lenk und seit 1993 das wohl bekannteste Wahrzeichen der Stadt. Sie dreht sich langsam um die eigene Achse und hält auf ihren erhobenen Händen zwei kleine Männer – Papst und Kaiser. Die Figur ist eine satirische Hommage an die Kurtisanen des Konzils und kommentiert auf überaus freche Art die Machtspiele jener Zeit. Ein Foto mit der Imperia gehört zum Pflichtprogramm – und wer weiß, vielleicht denkt man dabei kurz auch an Jan Hus, der genau diesen Mächtigen zum Opfer fiel.

Die Hotels rund um Konstanz liegen oft direkt am Seeufer oder in fußläufiger Entfernung zur Altstadt – ideal für alle, die nach einem Besuch im Hus-Haus noch das Stadtbild genießen möchten. Das Hus-Haus selbst liegt nur wenige Minuten vom Bahnhof und dem Hafen entfernt, sodass es sich wunderbar in einen Stadtspaziergang integrieren lässt.

Praktische Informationen auf einen Blick

Das Hus-Haus lässt sich hervorragend in einen Stadtbummel durch die Konstanzer Altstadt einbauen. Vom Bahnhof aus läuft man in etwa zehn Minuten durch die historische Innenstadt bis zur Hussenstraße. Wer das Museum als Startpunkt wählt, hat von dort aus einen kurzen Weg zum Konzilgebäude am Hafen, zur Imperia und zum Konstanzer Münster.

Information Details
Adresse Hussenstraße 64, 78462 Konstanz
Telefon +49 7531 29042
Eintritt Kostenlos
Sommer (1. April – 30. September) Di–So: 10–12 Uhr und 13–17 Uhr
Winter (1. Oktober – 31. März) Di–So: 10–12 Uhr und 13–16 Uhr
Geschlossen Montag, 24./25./31. Dez., 1. Jan., Karfreitag, Ostermontag, Pfingstmontag, Schmutziger Donnerstag
Audioguide Deutsch, Englisch, Tschechisch
ÖPNV Bus Linie 1 oder 4, Haltestelle Bodanplatz
Parken Parkhaus Konzil (ca. 10 Minuten Fußweg)
Führungen Auf Anfrage buchbar

Bild: Achim Mende, TI Konstanz

FAQ: Häufige Fragen zum Hus-Haus

Ist der Eintritt kostenlos?
Ja, vollständig kostenlos. Kein Ticket, keine Reservierung nötig.

Wann hat das Hus-Haus geöffnet?
April–September: Di–So 10–12 und 13–17 Uhr. Oktober–März: Di–So 10–12 und 13–16 Uhr. Montag geschlossen.

Wer war Jan Hus?
Böhmischer Theologe und Kirchenreformator (ca. 1370–1415), der 1415 in Konstanz als Ketzer verbrannt wurde. Er gilt als wichtiger Vorläufer der Reformation – ein Mensch, der für seine Überzeugungen buchstäblich ins Feuer ging.

Wie lange brauche ich für den Besuch?
Rechnen Sie mit 45 bis 90 Minuten, je nach Intensität. Wer den Audioguide nutzt und beim Quiz nicht schummelt, ist leicht über eine Stunde beschäftigt.

Ist das Hus-Haus für Kinder geeignet?
Ja, besonders mit der interaktiven Multimedia-Station und dem Wissensquiz. Für Schulklassen gibt es spezielle Führungsangebote auf Anfrage beim Museum.

Unser Geheimtipp

Nach dem Museumsbesuch unbedingt die Hussenstraße weiterlaufen und dann in Richtung Hafen abbiegen – dort findet sich ein kleines Café mit einer der entspanntesten Terrassen der Konstanzer Altstadt, abseits des Touristenstroms.

Tipp für die Planung: Besuchen Sie das Hus-Haus möglichst werktags. Am Wochenende strömen zahlreiche Tagesbesucher aus der Schweiz in die Konstanzer Altstadt, was die Hussenstraße deutlich belebter – und die Parkplatzsuche deutlich mühsamer – macht.

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