Gent

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Gent, die drittgrößte Stadt Belgiens, liegt rund 55 Kilometer nordwestlich von Brüssel am Zusammenfluss von Schelde und Leie. Mit rund 265.000 Einwohnern ist sie eine lebendige Universitätsstadt – und gleichzeitig eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Städte Europas. Wer Gent besucht, trifft auf eine bemerkenswerte Mischung aus flämischer Geschichte, zeitgenössischer Kunst und einer Gastfreundschaft, die weit weniger auf Massentourismus ausgerichtet ist als in den bekannteren Nachbarstädten.

Keine andere Stadt in Belgien hat mehr offiziell gelistete Denkmäler. Die Altstadt ist wohltuend kompakt, bestens beschildert und lässt sich prima zu Fuß erkunden. Und nach Sonnenuntergang strahlt Gent noch einmal auf: Die meisten historischen Bauten werden bis Mitternacht angestrahlt, die drei Stadttürme sogar die ganze Nacht hindurch.

Geschichte und Architektur: Gents mittelalterliches Erbe

Gent blickt auf eine über tausendjährige Stadtgeschichte zurück. Im 9. Jahrhundert als Handels- und Textilzentrum gegründet, wurde die Stadt im späten Mittelalter zur wohlhabendsten und mächtigsten Stadt nördlich der Alpen – damals bedeutender als Paris. Dieser Reichtum hat Spuren hinterlassen, die heute noch sichtbar sind: Prächtige Gildegebäude, romanische Kirchen und gotische Kathedralen zeugen von einer Zeit, in der Gent das wirtschaftliche Herz Europas war.

Das historische Stadtzentrum erstreckt sich entlang der Flüsse Leie und Schelde und beherbergt eine außergewöhnliche Dichte an Kirchen, Klöstern, Patrizierhäusern und Bürgerhäusern. Besonders auffällig ist die charakteristische Stadtsilhouette: Drei mächtige mittelalterliche Türme ragen über die Dächer und geben der Stadt ihr unverwechselbares Gesicht.

Die drei Türme – Wahrzeichen von Gent

Die Turmreihe, die sich ab der St.-Michiels-Brücke entlangzieht, ist das Erkennungszeichen Gents. Sie besteht aus drei eigenständigen Türmen:

TurmHöheBesonderheit
Belfried (Belfort)91 mUNESCO-Welterbe seit 1999; Aufzug; Panoramablick über die Altstadt
St.-Bavo-Kathedraleca. 90 mHeimat des Genter Altars von Jan van Eyck; bedeutendste Kirche der Stadt
St.-Nikolauskircheca. 55 mÄlteste der drei Kirchen; gotischer Innenraum; kostenloser Eintritt

Der Belfried ist seit 1999 Teil des UNESCO-Welterbes „Belfriede von Belgien und Frankreich". Von seiner Plattform bietet sich ein unvergleichlicher Blick über Gents Altstadt.

Der Genter Altar von Jan van Eyck

In der St.-Bavo-Kathedrale befindet sich eines der bedeutendsten Kunstwerke des Abendlandes: das mehrteilige Ölgemälde „Die Anbetung des mystischen Lammes", bekannt als Genter Altar. 1432 von Jan van Eyck vollendet, gilt es als Meilenstein der abendländischen Malerei und zieht Kunstliebhaber aus aller Welt nach Gent. Das Werk besteht aus 24 Tafeln und ist heute in einem eigens gestalteten Ausstellungsraum der Kathedrale zu sehen.

Besonders bemerkenswert: Das Altargemälde hat eine turbulente Geschichte hinter sich. Es wurde gestohlen, ins Ausland verkauft und im Zweiten Weltkrieg von den Nationalsozialisten geraubt – und kehrte dennoch immer wieder nach Gent zurück. Aktuell läuft eine aufwendige Restaurierung einzelner Tafeln, die live im Museum verfolgt werden kann.

Sehenswürdigkeiten in Gent: Was du nicht verpassen solltest

Gent hat eine außergewöhnliche Dichte an Sehenswürdigkeiten – und das Schöne daran: Die meisten liegen fußläufig nah beieinander. Die Altstadt lässt sich ohne Auto bequem erkunden. Wer einen ersten Orientierungspunkt sucht, beginnt am besten auf der St.-Michiels-Brücke, von der aus sich die berühmte Turmreihe im besten Licht zeigt.

Gravensteen – Die mächtige Wasserburg

Das Gravensteen, die Burg der Grafen von Flandern, thront seit dem 12. Jahrhundert im Herzen von Gent. Die mächtige Wasserburg gehört zu den besterhaltenen mittelalterlichen Burgen Nordwesteuropas und beeindruckt mit ihren hohen Zinnen, wuchtigen Torgebäuden und dem romanischen Bergfried. Im Inneren informiert ein lebendiges Museum über das Leben im Mittelalter – und über weniger rühmliche Kapitel wie Folter und Rechtsprechung der damaligen Zeit.

Die Burg lässt sich komplett umrunden, und von der Zinne bietet sich ein atemberaubender Blick auf die Kanäle und Giebeldächer der Altstadt. Direkt im Schatten des Gravensteen liegt das Viertel Patershol mit seinen engen mittelalterlichen Gassen – eines der schönsten und lebendigsten Viertel der Stadt.

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Graslei und Korenlei – Die historischen Kaianlagen

Die beiden Ufer der Leie – Graslei auf der Ostseite und Korenlei auf der Westseite – gelten als die schönste Partie Gents. Mittelalterliche Gildegebäude und barocke Patrizierhäuser spiegeln sich im ruhigen Wasser des Flusses und bieten eine Kulisse, die man so schnell nicht vergisst. Im Sommer sind die Terrassen hier bis spät in die Nacht bevölkert.

Besonders beliebt sind die Kanalrundfahrten, die von der Graslei aus starten und die Stadt vom Wasser aus zeigen. Dabei kommt man an Brücken, Burgtürmen und verwinkelten Gässchen vorbei, die man zu Fuß leicht übersehen würde. Eine Bootsfahrt lohnt sich besonders in den Abendstunden, wenn die Gebäude angestrahlt werden.

Wie komme ich nach Gent?

Gent ist aus Deutschland und Österreich bequem per Bahn oder Auto erreichbar. Die Stadt liegt an der wichtigen Bahnstrecke Brüssel–Brügge und eignet sich auch hervorragend als Tagesausflug von beiden Städten aus.

VerkehrsmittelVonDauer (ca.)
Thalys / ICEKölnca. 2,5 Stunden
BahnBrüssel-Midica. 30 Minuten
BahnBrüggeca. 25 Minuten
Auto (A40 / E40)Aachenca. 2 Stunden
FlugzeugFrankfurt → Brüssel-Airport1 Std. Flug + ca. 1 Std. Transfer

Der Hauptbahnhof Gent-Sint-Pieters liegt rund zwei Kilometer südlich des historischen Zentrums. Von dort bringen Straßenbahn und Bus die Besucher bequem in die Innenstadt. Das Stadtzentrum selbst ist weitgehend autofrei – eine Entscheidung, die dem Stadtbild sehr zugute kommt.

Gent praktisch: Tipps für deinen Besuch

Gent ist das ganze Jahr über einen Besuch wert. Im Sommer locken Open-Air-Festivals und eine pulsierende Terrassenkultur, im Herbst und Winter verwandelt sich die Stadt in eine gemütliche Kulisse mit stimmungsvoll beleuchteten Gassen. Im Juli findet die berühmte Gentse Feesten statt – zehn Tage lang verwandelt sich die gesamte Innenstadt in eine riesige Freiluftbühne. Der Eintritt ist kostenlos.

SehenswürdigkeitÖffnungszeitenEintritt (ca.)
Gravensteentägl. 10–18 Uhr (Apr–Okt); 10–17 Uhr (Nov–März)14 €
Belfriedtägl. 10–18 Uhr10 €
St.-Bavo-Kathedrale (Genter Altar)Mo–Sa 9:30–17 Uhr, So 13–17 Uhr4–8 €
Design Museum GentDi–So 10–18 Uhr10 €
SMAK (Museum zeitgenöss. Kunst)Di–Fr 9:30–17:30 Uhr, Sa–So 10–18 Uhr10 €

Patershol – Das kulinarische Herz der Stadt

Im Schatten des Gravensteen versteckt sich Patershol, eines der ältesten erhaltenen Stadtviertel Gents. Die engen, mittelalterlichen Gassen sind seit Jahrhunderten nahezu unverändert geblieben – heute finden sich hier einige der besten Restaurants der Stadt. Wer authentische flämische Küche sucht, ist hier richtig.

Kulinarische Spezialitäten, die man in Patershol zuverlässig findet:

  • Waterzooi: Der Klassiker – ein cremiger Eintopf mit Gemüse und Huhn oder Fisch; ursprünglich eine Genter Erfindung
  • Stoofvlees: Flamänder Schmorbraten in dunklem Bier, serviert mit Fritten
  • Gentse Mokken: Harte Karamellbonbons mit Lebkuchengeschmack; das Mitbringsel aus Gent schlechthin
  • Sirop de Liège: Dunkler Fruchtaufstrich – traditionell auf Brot, hier oft auf Käse serviert

Häufige Fragen zu Gent

Was ist die bekannteste Sehenswürdigkeit in Gent?
Der Genter Altar in der St.-Bavo-Kathedrale gilt als bedeutendstes Kunstwerk der Stadt. Daneben sind Gravensteen, Belfried sowie die Kaianlagen Graslei und Korenlei absolute Pflichtprogramme.

Wie viele Tage sollte ich für Gent einplanen?
Für einen ersten Besuch sind zwei bis drei Tage ideal. So bleibt Zeit für die wichtigsten Sehenswürdigkeiten, einen Kanalrundgang und das kulinarische Viertel Patershol.

Ist Gent teurer als Brügge?
Gent ist insgesamt etwas günstiger als Brügge. Die Atmosphäre ist authentischer und weniger auf Massentourismus ausgerichtet.

Wann findet die Gentse Feesten statt?
Die Gentse Feesten finden jedes Jahr im Juli statt – zehn Tage, freier Eintritt, die gesamte Innenstadt als Bühne.

Wie ist die Anreise aus Deutschland?
Per Bahn ab Köln etwa 2,5 Stunden. Mit dem Auto ab Aachen circa zwei Stunden über die A40/E40.

Geheimtipp: Der Korenmarkt bei Nacht

Tagsüber ist der Korenmarkt, der zentrale Platz vor der St.-Nikolauskirche, von Besuchergruppen und Fahrrädern bevölkert. Abends aber, wenn die Beleuchtung einsetzt und die Massen in Restaurants und Bars verschwunden sind, verwandelt sich der Platz in etwas Magisches. Die drei Türme strahlen, die Reflexionen spielen auf dem Kopfsteinpflaster – und man hat das Gefühl, die Stadt ganz für sich allein zu haben.

Noch einen Schritt weiter: Der Leie-Kanal rund um das Viertel Sint-Pieters-Aalst, etwas abseits der bekannten Touristenpfade gelegen, zeigt das stille, unverstellte Gent. Alte Lagerhäuser, schmale Holzbrücken, kaum Touristen – und eine Atmosphäre, die an das romantische Brügge erinnert, ohne dessen Menschenmassen.

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