Volterra
Volterra liegt auf einem Felsplateau mitten in der Toskana – rund 550 Meter über dem Meeresspiegel, umgeben von sanften Hügeln und Weinbergen. Die Stadt gehört zu den am besten erhaltenen mittelalterlichen Städten Italiens und hat dennoch etwas, das viele berühmtere Orte in der Region verloren haben: ihre Ruhe. Wer hierher kommt, taucht ein in eine lebendige Geschichte, die bis in die Etruskerzeit zurückreicht, und entdeckt Handwerksbetriebe, die seit Jahrhunderten Alabaster bearbeiten. Volterra ist kein Urlaubsort für Schnellreisende – es ist ein Ort, an dem man verweilen möchte.
Eine etruskische Stadt mit 2.500 Jahren Geschichte
Die Geschichte Volterras reicht weiter zurück als die fast jedes anderen Ortes in der Toskana. Bereits im 4. Jahrhundert vor Christus war die Stadt eines der bedeutendsten Zentren der etruskischen Zivilisation. Aus dem Zusammenschluss mehrerer Siedlungen entstanden, wuchs Velathri – so der ursprüngliche etruskische Name – zu einer wohlhabenden Metropole mit bis zu 25.000 Einwohnern heran.
Die imposante Stadtmauer, die noch heute weitgehend intakt ist, stammt teilweise aus dieser Zeit. Besonders das Stadttor Porta dell'Arco, errichtet um 300 v. Chr., gilt als eines der besterhaltenen etruskischen Bauwerke überhaupt. In der Römerzeit verlor Volterra an Bedeutung, erlebte im Mittelalter aber eine Renaissance als freie Stadtrepublik – erkennbar am mächtigen Palazzo dei Priori, dem ältesten Kommunalpalast der Toskana aus dem Jahr 1208.
Die Festung der Medici, die seit dem 15. Jahrhundert das Stadtbild dominiert, diente im Laufe der Jahrhunderte verschiedenen Zwecken – zuletzt als Staatsgefängnis, was ihr bis heute einen leicht düsteren Charakter verleiht. Geschichte ist in Volterra keine Ausstellung hinter Glas, sondern gelebte Stadtstruktur.
Was kann man in Volterra sehen?
Volterra ist überschaubar, aber reich an Sehenswürdigkeiten. Wer ein Wochenende hier verbringt, kann die wichtigsten Orte zu Fuß erkunden – und das ist auch der einzig sinnvolle Weg durch die engen Gassen der Altstadt.
| Sehenswürdigkeit | Beschreibung | Tipp |
|---|---|---|
| Porta dellx27Arco | Etruskisches Stadttor aus dem 3. Jh. v. Chr. | Am schönsten am frühen Morgen ohne Touristengruppen |
| Piazza dei Priori | Mittelalterlicher Hauptplatz mit dem Palazzo dei Priori | Von der Loggia aus hat man einen schönen Blick über den Platz |
| Römisches Theater | Gut erhaltenes Theater aus dem 1. Jh. v. Chr. | Von der Via Lungo le Mura di Mandinga von oben betrachten |
| Museo Etrusco Guarnacci | Eines der ältesten Museen Europas mit etruskischen Artefakten | Den Ombra della Sera nicht verpassen |
| Alabaster-Werkstätten | Handwerkliche Betriebe mit langer Tradition | Viele bieten kostenlose Besichtigungen an |
| Palazzo Viti | Prächtiger Adelspalast aus dem 16. Jh. | Privat geführte Führungen empfehlenswert |
Neben den klassischen Sehenswürdigkeiten lohnt sich auch ein Spaziergang entlang der alten Stadtmauern – besonders der Abschnitt am Viale dei Ponti bietet spektakuläre Ausblicke über die toskanische Hügellandschaft.
Das Museo Etrusco Guarnacci
Das Museo Etrusco Guarnacci, 1731 von dem Bischof Mario Guarnacci gegründet, gehört zu den ältesten öffentlichen Museen Europas. Die Sammlung umfasst über 600 etruskische Graburnen aus Alabaster und Terrakotta, Votivstatuetten und Bronze-Skulpturen. Besonders bemerkenswert ist der sogenannte "Ombra della Sera" – eine schlanke, fast abstrakt wirkende Bronzefigur aus dem 3. oder 4. Jahrhundert v. Chr., die den Künstler Alberto Giacometti zu seinen berühmten Skulpturen inspiriert haben soll.
Das Museum liegt in der Via Don Minzoni und ist täglich geöffnet. In den Sommermonaten empfiehlt sich ein früher Besuch, um den Touristengruppen zuvorzukommen.
Alabaster – Volterras handwerkliches Erbe
Alabaster ist seit Jahrhunderten das Markenzeichen Volterras. Das weiche, milchig-weiße Gestein wird in der Umgebung der Stadt abgebaut und in rund 50 bis 60 Werkstätten zu Kunstgegenständen, Lampen, Skulpturen und Dekorationsobjekten verarbeitet. Die Tradition reicht bis in die Etruskerzeit zurück – schon damals wurden Graburnen bevorzugt aus Alabaster gefertigt.
Heute ist das Handwerk lebendig wie eh und je. Entlang der Via Gramsci und der Via Porta all'Arco reihen sich kleine Werkstätten an Galerien. Viele Betriebe lassen Besucher beim Arbeiten zuschauen, und wer genug Zeit mitbringt, kann sogar an einem Alabaster-Kurs teilnehmen. Die fertigen Objekte – von minimalistischen Vasen bis hin zu kunstvoll gestalteten Skulpturen – sind qualitativ und preislich sehr unterschiedlich. Wer etwas Echtes sucht, sollte eher in die kleineren Hinterhof-Werkstätten als in die touristischen Läden am Hauptplatz gehen.
Unsere Reiseangebote in der Toskana
Volterra als Ausgangspunkt: Die Toskana erkunden
Volterra liegt außergewöhnlich zentral in der Toskana, was es zu einem idealen Ausgangspunkt für Tagesausflüge macht. Die Distanzen zu den bekanntesten Städten der Region sind überraschend kurz:
- Siena: ca. 50 km – rund 40 bis 50 Minuten Fahrt. Ideal für einen Halbtagesausflug.
- Florenz: ca. 75 km – etwa eine Stunde mit dem Auto. Die Geburtsstadt der Renaissance ist ein Pflichtbesuch.
- Pisa: ca. 60 km – rund eine Stunde. Der schiefe Turm lockt, aber auch das Baptisterium und der Camposanto sind sehenswert.
- Küste beim Golf von Baratti: ca. 50 km – etwa eine Stunde. Einer der schönsten Strände in dieser Ecke der Toskana, weniger überlaufen als die Küste weiter nördlich.
Wer mit dem Auto anreist, ist klar im Vorteil: Viele der schönsten Dörfer und Landschaften liegen abseits der Bahnlinien. Die Straßen durch die toskanische Hügellandschaft sind kurvenreich und wunderschön – und das Fahren an sich wird hier zur Freude.
San Gimignano und die Weinregion Chianti
Besonders lohnenswert ist ein Abstecher nach San Gimignano, das mit seinen mittelalterlichen Geschlechtertürmen UNESCO-Weltkulturerbe ist und nur rund 30 Kilometer von Volterra entfernt liegt. Die "mittelalterliche Manhattan" ist touristisch deutlich belebter als Volterra – was umso mehr für die ruhige Alternative spricht. Wer den Trubel dennoch in Kauf nimmt: Der Weißwein Vernaccia di San Gimignano, der erste mit dem DOC-Siegel in ganz Italien, ist hier direkt beim Winzer zu verkosten.
Etwas weiter südöstlich liegt das Chianti-Gebiet, das zwischen Florenz und Siena für seine Rotweine weltberühmt ist. Eine Fahrt durch den Chianti Classico – die Kernzone mit dem schwarzen Hahn als Qualitätsmerkmal – ist mehr als nur ein Weinausflug: Die Landschaft mit ihren Zypressen-Alleen, Olivenhainen und Weinbergen ist das Toskana-Bild schlechthin.
Häufige Fragen zu Volterra
Wie kommt man nach Volterra?
Volterra ist am bequemsten mit dem Auto zu erreichen. Von Florenz und Siena dauert die Fahrt jeweils etwa eine Stunde, von Pisa rund 50 Minuten. Mit dem Zug reist man bis Cecina oder Saline di Volterra und fährt von dort mit dem Bus weiter. Direkte Zugverbindungen gibt es nicht.
Wann ist die beste Reisezeit?
Frühjahr (April bis Juni) und Herbst (September bis Oktober) sind ideal: angenehme Temperaturen, weniger Touristen und wunderschöne Landschaft. Im Sommer kann es sehr heiß und voller werden.
Was kostet der Museumseintritt?
Das Museo Etrusco Guarnacci kostet rund 10 Euro Eintritt. Ein Kombiticket für mehrere Museen in Volterra ist günstiger und empfehlenswert für Kulturbegeisterte.
Gibt es Parkmöglichkeiten?
Der historische Kern ist für den Autoverkehr gesperrt. Kostenlose Parkplätze befinden sich am Stadtrand, z. B. am Borgo San Lazzaro. Von dort ist die Altstadt gut zu Fuß erreichbar.
Unsere Hotels in der Toskana
In der Toskana rund um Volterra spiegeln die Unterkünfte den besonderen Charakter der Region wider – von Agriturismos auf dem Weingut bis hin zu kleinen Stadthotels mit Blick über die Hügel. Wer inmitten der Natur übernachten möchte, findet hier eine Vielfalt, die weit über das Standardangebot hinausgeht.
Geheimtipp: Die Balze – wo die Erde Volterra aufzufressen droht
Wer die offiziellen Sehenswürdigkeiten Volterras kennt, sollte sich Zeit nehmen für die Balze – eine außergewöhnliche Erosionslandschaft am nordwestlichen Stadtrand. Jahrtausende lang haben Regen und Wind den Tonboden ausgehöhlt und dabei bizarre Schluchten geformt, an deren Rand Teile der etruskischen Stadtmauer und sogar Gebäude zu versinken drohen. Ein Kloster, das Ende des 19. Jahrhunderts hier stand, wurde bereits von der Erosion verschluckt.
Der Blick auf die Balze bei Sonnenuntergang ist einer der unvergesslichsten Momente, die Volterra zu bieten hat – und kaum ein Reiseführer erwähnt ihn als erstes. Zum Aussichtspunkt gelangt man zu Fuß vom Stadtrand aus in etwa 15 Minuten. Wer etwas Besonderes sucht und die gewöhnlichen Touristenpfade hinter sich lassen möchte, ist hier genau richtig.