Dom St. Marien

Dom St. Marien

Er ragt 81 Meter über die Dächer der Thüringer Landeshauptstadt und ist seit über 1.300 Jahren der spirituelle Mittelpunkt Erfurts: der Dom St. Marien. Von den mächtigen Domstufen aus blickt man auf den größten mittelalterlichen Freitreppensockel Deutschlands – und von hier aus auf eine Stadt, die Martin Luther, Kaiser und Bischöfe geprägt haben. Der Dom ist kostenlos zugänglich, beherbergt die größte freischwingende mittelalterliche Glocke der Welt und zählt zu den bedeutendsten Sakralbauten Mitteldeutschlands. Wer Erfurt besucht, beginnt hier.

Geschichte des Dom St. Marien – von Bonifatius bis in die Spätgotik

Die Geschichte des Erfurter Doms beginnt mit einem der bedeutendsten Kirchenmänner des frühen Mittelalters. Um das Jahr 725 ließ der Heilige Bonifatius auf dem Domberg eine erste Kirche errichten – den Ausgangspunkt einer Bautradition, die sich über mehr als ein Jahrtausend erstrecken sollte. Aus dieser schlichten Missionskirche entstand im Laufe der Jahrhunderte eine der gewaltigsten gotischen Kathedralen auf deutschem Boden.

Der Weg dahin war lang und von Rückschlägen geprägt. Im Jahr 1153 stürzte ein früher Steinbau ein; unmittelbar danach begann der Neubau einer romanischen Basilika mit dreischiffigem Langhaus, Querschiff und zwei östlichen Türmen. Die Arbeiten dauerten bis 1252. Den entscheidenden Entwicklungsschritt vollzog das 14. Jahrhundert: Ab 1349 wurde östlich des Langhauses der berühmte spätgotische Hochchor angelegt – ein kühner Bau, der den Domplatz um 15 Meter überragt und auf drei Kellergeschossen gegründet ist.

Der gotische Hochchor – ein Meisterwerk seiner Zeit

Der Hochchor, fertiggestellt zwischen 1370 und 1372, gilt als Meisterwerk der deutschen Hochgotik. Fünfzehn riesige Fenster aus der Zeit zwischen 1380 und 1420 zieren den Chorumgang und tauchen den Innenraum in ein Farbenspiel aus tiefem Blau, leuchtendem Rot und strahlendem Gold. Kaum eine andere Kirche in Deutschland bewahrt ein mittelalterliches Glasfensterprogramm in dieser Vollständigkeit und Qualität.

Nach einem erneuten Teileinsturz im Jahr 1452 wurde das romanische Langhaus vollständig abgebrochen. An seine Stelle trat ein spätgotischer Hallenbau, der 1455 begonnen und 1465 für den ersten Gottesdienst geweiht wurde. Mit diesem Schritt erhielt der Dom seine heutige Gestalt: eine harmonische Verbindung aus dem wuchtigen gotischen Hochchor im Osten und dem lichten Hallenbau im Westen, überspannt von drei Türmen, deren kupfergedeckte Hauben noch aus den Jahren 1970/71 stammen.

Steckbrief: Dom St. Marien Erfurt

MerkmalInformation
Erste Kirche auf dem Dombergum 725 (Bonifatius)
Neubau Basilikaab 1154, fertig 1252
Spätgotischer Hochchor1349–1372
Hallenbau (heutiges Langhaus)1455–1465
Höhe81,26 Meter
AdresseDomstufen 1, 99084 Erfurt
KonfessionRömisch-katholisch (Bistum Erfurt)
EintrittKostenlos

Was macht den Dom St. Marien so besonders? Architektur und Ausstattung

Der Dom St. Marien ist kein steriles Museumsgebäude, sondern eine lebendige Kathedrale mit außergewöhnlicher Ausstattung. Wer die Domstufen hinaufsteigt – 70 Stufen, die größte mittelalterliche Freitreppe Deutschlands –, betritt einen Kirchenraum, in dem jedes Jahrhundert seine Spuren hinterlassen hat.

Die Glasfenster: Leuchtendes Erbe des Mittelalters

Das Herzstück des Doms ist sein mittelalterliches Glasfensterprogramm. Zwischen 1380 und 1420 entstand im Hochchor ein zusammenhängendes Ensemble aus fünfzehn großen Fenstern, das Szenen aus dem Alten und Neuen Testament in leuchtenden Farben erzählt. Ergänzt wurden sie im Laufe der Jahrhunderte durch weitere Verglasungen, darunter Fenster des deutschen Malers Charles Crodel aus den 1960er Jahren, die mit ihrer modernen Formensprache einen spannenden Dialog mit der Gotik eingehen. Das Glasatelier des Doms pflegt diese Tradition bis heute aktiv.

Chorgestühl, Barockaltäre und der Wolfram-Leuchter

Im Inneren des Hochchors befindet sich eines der schönsten Chorgestühle des norddeutschen Raums, entstanden um 1350. Die Misericordien – die kleinen Sitzstützen unter den Klappstühlen – zeigen eine Fülle mittelalterlicher Szenen voller Witz und Lebendigkeit: Handwerker, Jagdszenen, biblische Motive, groteske Wesen. Der Barockaltar von 1697 zeigt die thüringischen Schutzpatrone und verbindet das mittelalterliche Programm des Doms mit der Frömmigkeit des 17. Jahrhunderts.

Besonders bemerkenswert ist der bronzene Wolfram-Leuchter, entstanden um 1160. Die fast lebensgroße Figur eines Ritters trägt einen Kerzenleuchter – sie gilt als eines der ältesten erhaltenen Bronzewerke seiner Art in Deutschland und steht im direkten Zusammenhang mit der Gründungsgeschichte des Nordturms, dessen romanische Kapelle noch aus dieser Zeit stammt.

Die Schatzkammer

Wer tiefer in die Geschichte des Doms eintauchen möchte, besucht die Schatzkammer. Sie bewahrt liturgisches Gerät, Handschriften, Textilien und Reliquiare aus einem Jahrtausend kirchlicher Geschichte. Der Eintritt kostet 8 Euro, Führungen können vorab gebucht werden. Ein Highlight ist der Einblick in die romanische Nordturmkapelle aus dem 12. Jahrhundert – den ältesten erhaltenen Kirchenraum Erfurts.

Die Gloriosa – die größte mittelalterliche Glocke der Welt

Wer in Erfurt ist, wenn die Gloriosa läutet, vergisst diesen Moment nicht mehr. Der tiefe, weithin hörbare Klang der Glocke im Mittelturm des Doms ist mehr als ein religiöses Signal – er ist ein Ereignis. Kein Wunder, dass die Gloriosa als eine der schönsten und bedeutendsten Glocken der Welt gilt und in Fachkreisen auch die „Königin aller Glocken" genannt wird.

Gegossen wurde die Gloriosa in der Nacht vom 7. auf den 8. Juli 1497 von dem niederländischen Meistergießer Gerhard van Wou. Sie misst 2,56 Meter im Durchmesser, ist 2,62 Meter hoch und wiegt 11.450 Kilogramm. Damit ist sie die größte freischwingende Glocke des Mittelalters, die bis heute erhalten geblieben ist – und noch täglich in Betrieb ist.

Die Gloriosa läutet nicht bei jedem Gottesdienst; sie ist großen Festen vorbehalten. Wer ihren Klang live erleben möchte, sollte vorab prüfen, wann sie das nächste Mal erklingt – Informationen dazu veröffentlicht das Domteam auf der offiziellen Website. Im Rahmen von Glockenführungen (8 Euro) kann man dem Mittelturm einen Besuch abstatten und die Gloriosa aus unmittelbarer Nähe erleben.

Glocken-Fakten auf einen Blick

MerkmalDetails
NameGloriosa
Gussdatum7./8. Juli 1497
GießerGerhard van Wou (Niederlande)
Durchmesser2,56 Meter
Höhe2,62 Meter
Gewicht11.450 kg
BesonderheitGrößte freischwingende mittelalterliche Glocke der Welt
FührungGlockenführung 8 € pro Person

Besuch planen: Öffnungszeiten, Führungen und Anreise

Der Eintritt in den Dom St. Marien ist kostenlos – ein Alleinstellungsmerkmal unter den großen deutschen Kathedralen. Die Kirche ist eine aktive Pfarrkirche, die täglich für Besucher geöffnet ist. Für eine tiefere Auseinandersetzung mit Geschichte und Ausstattung empfehlen sich die regelmäßig angebotenen Führungen.

Öffnungszeiten

ZeitraumMontag–SamstagSonntag und Feiertage
Mai – Oktober9:30 – 18:00 Uhr13:00 – 18:00 Uhr
November – April9:30 – 17:00 Uhr13:00 – 17:00 Uhr

Führungen und besondere Angebote

  • Domführung: 8 Euro pro Person, buchbar für Gruppen und Einzelbesucher
  • Glockenführung: 8 Euro pro Person – Besuch des Mittelturms und der Gloriosa
  • Schatzkammer: 8 Euro Eintritt, liturgische Schätze aus 1.000 Jahren
  • Marienmosaik: 6 Euro – modernes Kunstwerk im Dominneren
  • Kinderführung mit Paul: Virtuelle und geführte Touren speziell für junge Besucher
  • Internationale Orgelkonzerte: Jährlich von Mai bis September im Rahmen der renommierten Domkonzertreihe

Anreise und praktische Hinweise

InformationDetails
AdresseDomstufen 1, 99084 Erfurt
Telefon+49 361 646-1265
Anreise BahnErfurt Hbf → ca. 15 Minuten zu Fuß durch die Altstadt
ICE-VerbindungenFrankfurt (ca. 1,5 Std.), Leipzig (ca. 40 Min.), München (ca. 2,5 Std.)
StraßenbahnLinien 3, 4, 6 bis Haltestelle Fischmarkt oder Domplatz
ParkenBegrenzt in der Altstadt; Parkhaus Anger und Parkhaus Benediktsplatz empfohlen
BarrierefreiheitTeilweise barrierefrei, Informationen beim Pfarramt erfragen

Tipp: Der Dom liegt direkt neben der Severikirche – ein Doppelbesuch auf dem Domberg lohnt sich immer. Beide Kirchen gemeinsam bilden das markanteste Ensemble im Stadtbild Erfurts.

Erfurt entdecken: Sehenswürdigkeiten rund um den Dom

Der Dom St. Marien steht im Herzen einer mittelalterlichen Altstadt, die zu den besterhaltenen Deutschlands gehört. Vom Domplatz aus erreicht man zu Fuß in wenigen Minuten die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt – und entdeckt dabei, warum Erfurt zu den schönsten Städtereisezielen Deutschlands zählt.

Severikirche

Direkt neben dem Dom steht die Severikirche, eine fünfschiffige gotische Hallenkirche aus dem 14. Jahrhundert. Gemeinsam mit dem Dom bildet sie das berühmte Ensemble auf dem Domberg, das auf dem historischen Stadtpanorama Erfurts unverwechselbar ist. In der Severikirche befindet sich das Grab des Heiligen Severus sowie ein gotischer Taufstein aus dem Jahr 1467 – beide für sich allein den Besuch wert.

Krämerbrücke

Nur wenige Gehminuten vom Dom entfernt liegt die Krämerbrücke, die einzige nördlich der Alpen noch vollständig mit Häusern besetzte Brücke. Seit dem Mittelalter ist sie der Ort, an dem Händler und Handwerker ihre Waren feilboten. Heute findet man hier Antiquariate, Kunsthandwerk, Galerien und kleine Cafés – ein Erlebnis für alle Sinne.

Fischmarkt und Rathaus

Das neogotische Rathaus am Fischmarkt ist von außen beeindruckend und von innen überraschend: Wandfresken aus dem 19. Jahrhundert erzählen thüringische Geschichte und Sagenwelt. Der Fischmarkt selbst ist einer der schönsten Stadtplätze Erfurts, umgeben von Fachwerkhäusern und dem Roland-Denkmal.

Augustinerkloster

Das Augustinerkloster, in dem Martin Luther von 1505 bis 1511 als Mönch lebte und studierte, ist ein unverzichtbarer Halt für alle, die die Geschichte der Reformation verstehen wollen. Regelmäßige Führungen vermitteln Luthers Erfurter Jahre – eine Station auf dem Lutherweg, der durch ganz Thüringen führt.

Zitadelle Petersberg

Wer den Blick über Erfurt genießen möchte, geht auf die Zitadelle Petersberg – eine der am besten erhaltenen Barockfestungen Europas. Von hier oben sieht man Dom und Severikirche in perfekter Achse und versteht, warum Erfurts Stadtpanorama so unverwechselbar ist.

Häufige Fragen zum Dom St. Marien in Erfurt

Was kostet der Eintritt in den Dom St. Marien?
Der Eintritt ist kostenlos. Führungen (Dom, Glocken, Schatzkammer) kosten jeweils 8 Euro, das Marienmosaik 6 Euro.

Wann ist der Dom geöffnet?
Mai–Oktober: Mo–Sa 9:30–18:00 Uhr, So/Feiertag 13:00–18:00 Uhr. November–April: Mo–Sa 9:30–17:00 Uhr, So/Feiertag 13:00–17:00 Uhr.

Was ist die Gloriosa?
Die größte freischwingende mittelalterliche Glocke der Welt, gegossen 1497 von Gerhard van Wou, Gewicht 11.450 kg. Glockenführung: 8 Euro.

Wie kommt man zum Dom?
Erfurt Hbf, 15 Minuten Fußweg. Straßenbahn Linie 3, 4 oder 6 bis Fischmarkt oder Domplatz. ICE-Anschluss aus Frankfurt (1,5 Std.) und Leipzig (40 Min.).

Was gibt es in der Umgebung zu sehen?
Severikirche direkt nebenan, Krämerbrücke, Rathaus am Fischmarkt, Augustinerkloster (Martin Luther), Zitadelle Petersberg – alles bequem zu Fuß erreichbar.

Geheimtipp: Die Domstufen nach Einbruch der Dunkelheit

Über 100.000 Menschen besteigen die 70 Domstufen jährlich – fast alle tagsüber. Wer abends nach dem Sonnenuntergang auf die Treppe zurückkehrt, erlebt eine völlig andere Stadt: Der Dom und die Severikirche werden von unten angestrahlt, der Domplatz liegt in warmem Licht, und die Treppen sind fast menschenleer. In den Sommermonaten sind die Domstufen bis spät in den Abend zugänglich. Kein Eintritt, keine Warteschlange – nur die größte mittelalterliche Freitreppe Deutschlands, zwei erleuchtete Kirchtürme und Erfurt zu Füßen. Das ist einer jener Momente, für die man eine Städtereise nicht bereut.

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