Augustinerkloster Erfurt

Augustinerkloster Erfurt

Manche Orte haben eine ganz eigene Stille – eine, die sich durchsetzt, sobald man durch das Tor tritt. Das Augustinerkloster in Erfurt ist so ein Ort. Mitten in der quirligen Altstadt, ein paar hundert Meter von der berühmten Krämerbrücke entfernt, hat dieses mittelalterliche Gemäuer fast acht Jahrhunderte überstanden: Reformation, Dreißigjährigen Krieg, barocke Umbaupläne, sozialistischen Alltag und heute neugierige Touristen aus aller Welt. Hier hat ein junger Jurastudent namens Martin Luther am 15. Juli 1505 ein Leben als Mönch begonnen – getrieben von einem Gewitter und einem Versprechen an die Heilige Anna. Und hier reifte jene innere Unruhe, die schließlich Europa nachhaltig veränderte.

Das Kloster ist heute kein Museum im klassischen Sinne, sondern ein lebendiger Ort: evangelisches Gemeindeleben, Tagungsstätte, Gästehaus und historisches Denkmal zugleich. Es trägt das Europäische Kulturerbe-Siegel und empfängt jährlich tausende Besucher, die alle eines gemeinsam haben – die meisten sind überrascht, wie viel Atmosphäre diese Mauern noch immer ausstrahlen. Wer Erfurt besucht, sollte diesem Ort unbedingt Zeit einplanen. Alle Infos zu Unterkünften und weiteren Highlights der Stadt gibt es auf unserer Erfurt-Seite.

Bild: © Toma Babovic, Thüringer Tourismus GmbH

Geschichte & Bedeutung des Augustinerklosters

Die Geschichte des Augustinerklosters reicht bis ins späte 13. Jahrhundert zurück. Um 1276 begannen die Augustiner-Eremiten – ein Bettelorden, der im 13. Jahrhundert in ganz Europa expandierte – mit dem Bau eines Klosters in Erfurt. Um 1300 war der Gebäudekomplex weitgehend fertiggestellt: Kirche, Kreuzgang, Konventsgebäude und Wirtschaftsbauten bildeten ein in sich geschlossenes mittelalterliches Ensemble, das heute zu den am besten erhaltenen Klosteranlagen Deutschlands zählt. Die dreischiffige Basilika, drei Innenhöfe und die verwinkelten Gänge vermitteln noch heute das Raumgefühl einer mittelalterlichen Ordensgemeinschaft.

Berühmt wurde das Kloster durch seinen wohl prominentesten Bewohner: Martin Luther trat am 15. Juli 1505 in den Augustinerorden ein – als 21-Jähriger, nach einem Gewitter bei Stotternheim, in dem er der Heiligen Anna sein Leben versprochen hatte. Er lebte hier als Mönch von 1505 bis 1511, legte seine Gelübde ab und wurde am 2. Mai 1507 in der Klosterkirche zum Priester ordiniert. Seine erste Heilige Messe – die sogenannte Primiz – feierte er ebenfalls hier in Erfurt. Die sechs Klosterjahre waren für Luther eine Zeit intensiver religiöser und intellektueller Auseinandersetzung: Fragen nach Schuld, Gnade und dem Verhältnis des Menschen zu Gott, die schließlich den Anstoß zur Reformation gaben.

Luther selbst lobte Erfurt mit einem Satz, der heute noch auf dem Domplatz nachklingt: „Erfurt liegt an der besten Stelle." Nach der Reformation wechselte das Kloster mehrfach die Besitzverhältnisse, diente zeitweise als Lazarett und Magazin und wurde ab 1988 schrittweise saniert und wiederbelebt. Heute ist das Evangelische Augustinerkloster zu Erfurt eine aktive Gemeinde, ökumenische Begegnungsstätte und eine der bedeutendsten Reformationsgedenkstätten Deutschlands – ausgezeichnet mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel.

Was gibt es im Augustinerkloster zu sehen?

Das Augustinerkloster ist mehr als ein einzelner Raum – es ist ein ganzer Gebäudekomplex mit mehreren Sehenswürdigkeiten, die sich in einem Rundgang gut kombinieren lassen. Geführte Touren finden täglich um 11 Uhr statt und sind der empfohlene Einstieg für Erstbesucher. Wer individuell erkunden möchte, kann die öffentlich zugänglichen Bereiche auch auf eigene Faust besichtigen.

HighlightBeschreibung
LutherzelleDas originale Zimmer, in dem Luther als Mönch lebte – sparsam möbliert, historisch authentisch und eine der eindrücklichsten Stätten der Reformationsgeschichte
KreuzgangDer mittelalterliche Kreuzgang verbindet drei Innenhöfe und bietet eine ungewöhnliche Ruhe mitten in der Stadt – ideal für einen stillen Moment
Historische BibliothekRund 60.000 Bände, darunter 3.500 Bücher aus dem 17. Jahrhundert und mittelalterliche Handschriften sowie Schriften zur Reformation
KlosterkircheDreischiffige Basilika mit frühen Glasfenstern aus dem 14. Jahrhundert – ein vollständiger Bilderzyklus zum Leben des Heiligen Augustinus
KlostergartenRuhige Gartenanlage mit mediterranen Pflanzen, Lavendel und Rosen – eine grüne Oase im Stadtgetümmel, die kaum jemand kennt
Ausstellung „Frust und Freiheit"In den ehemaligen Mönchsgemächern: eine Ausstellung zur Geschichte der Demokratiebewegung in Deutschland

Besonders empfehlenswert ist ein Besuch der Klosterkirche, die noch heute als aktive evangelische Kirche genutzt wird. Die frühen Glasfenster aus dem 14. Jahrhundert zählen zu den ältesten erhaltenen Glasmalereien Thüringens und erzählen in Bildern die Geschichte des Heiligen Augustinus – eine stille, aber eindringliche Form der Überlieferung. Wer möchte, kann im Kloster sogar übernachten: Das Gästehaus bietet 51 Zimmer an – schlicht, ohne Fernseher und Telefon, dafür mit einer Atmosphäre, die man sich woanders kaufen könnte, aber nicht findet.

Bild: © Toma Babovic, Thüringer Tourismus GmbH

Besuchsinfos: Öffnungszeiten & Eintritt

Wer das Augustinerkloster besuchen möchte, hat gute Chancen, auch spontan hereinzukommen. Führungen finden täglich statt und sind ohne Voranmeldung buchbar. Der Weg vom Erfurter Hauptbahnhof ist kurz – zehn Minuten zu Fuß durch die Altstadt, und man ist mittendrin.

InformationDetails
AdresseAugustinerstraße 10, 99084 Erfurt
ÖffnungszeitenMo–Fr 8–18 Uhr | Sa–So 8–16 Uhr
FührungenTäglich 11 Uhr (ohne Voranmeldung)
Eintritt Führung7,50 € (ermäßigt 4,00 €)
Mit Ausstellung8,50 € pro Person
GruppenführungenAb 195,00 € (auf Anfrage buchbar)
Anfahrt10 Min. Fußweg vom Hauptbahnhof | Parkplätze vorhanden (gebührenpflichtig)
Kontaktinfo@augustinerkloster.de | Tel. 0361 57660-0

Für Gruppen und Schulklassen empfiehlt sich eine frühzeitige Voranmeldung – gerade in der Hochsaison zwischen April und Oktober sind die Führungen gut besucht. Wer lieber in kleiner Runde kommt, liegt mit dem regulären Tagestermin um 11 Uhr gut. Die offizielle Website augustinerkloster.de bietet auch Online-Buchung für Gruppenführungen und aktuelle Veranstaltungshinweise.

Bild: © Toma Babovic, Thüringer Tourismus GmbH

Was liegt rund ums Augustinerkloster?

Das Augustinerkloster liegt nicht auf der sprichwörtlichen grünen Wiese – rund um das Kloster wartet eine der schönsten mittelalterlichen Altstädte Deutschlands. Wer Zeit mitbringt, kann den Besuch gut mit einem Stadtbummel kombinieren. Erfurt hat mehr zu bieten, als man auf den ersten Blick vermuten würde.

  • Krämerbrücke: Nur wenige Minuten entfernt und eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Thüringens – die einzige nördlich der Alpen, auf der noch heute Menschen wohnen und kleine Läden betreiben. Unbedingt flanieren.
  • Erfurter Dom & Severikirche: Das imposante Duo auf dem Domberg thront über der Altstadt und ist vom Kloster aus bequem zu Fuß erreichbar. Die DomStufen-Festspiele im Sommer sind ein kulturelles Highlight.
  • Petersberg Zitadelle: Eine der am besten erhaltenen Barockfestungen Mitteleuropas – kostenloser Eintritt auf die Anlage, lohnenswert schon allein für den Ausblick über Erfurt.
  • Alte Synagoge: Eine der ältesten erhaltenen Synagogen Europas, ebenfalls in der Altstadt gelegen – ein beeindruckendes Zeugnis jüdischer Geschichte in Thüringen.
  • Egapark Erfurt: Der weitläufige Garten- und Freizeitpark auf dem Cyriaksberg bietet botanische Highlights und einen schönen Ausblick über die Stadt.

Erfurt ist eine Stadt, die man sich am besten zu Fuß erschließt – die Altstadt ist kompakt, die Wege kurz und gut ausgeschildert.

Häufig gestellte Fragen zum Augustinerkloster Erfurt

Wie lange braucht man für das Augustinerkloster?

Für eine Führung etwa 60–90 Minuten. Wer die Ausstellung und den Klostergarten dazunimmt, kommt locker auf zwei bis drei Stunden – und fragt sich hinterher, wo die Zeit geblieben ist.

Kann man im Augustinerkloster übernachten?

Ja, das Kloster bietet 51 Gästezimmer an. Bewusst schlicht: kein Fernseher, kein Telefon, dafür eine Ruhe, die man in der Innenstadt selten findet. Buchung über die offizielle Website möglich.

Ist das Augustinerkloster für Kinder geeignet?

Durchaus. Die Lutherzelle und der mittelalterliche Kreuzgang wecken bei vielen Kindern echte Neugier. Für sehr kleine Kinder empfiehlt sich ein freier Rundgang statt Führung.

Was hat Luther hier gemacht?

Er lebte sechs Jahre als Mönch hier (1505–1511), legte seine Gelübde ab und feierte seine erste Messe. Das Kloster gilt als einer der Ursprungsorte von Luthers Reformationsgedanken – authentischer geht es kaum.

Bild: © Toma Babovic, Thüringer Tourismus GmbH

Geheimtipp: Das solltest du nicht verpassen

Wer das Augustinerkloster wirklich in Ruhe erleben möchte, sollte es an einem Wochentag am frühen Morgen besuchen – kurz nach 8 Uhr, wenn die Führungsgruppen noch nicht angekommen sind. Zu dieser Stunde liegt der Kreuzgang fast verlassen im Morgenlicht, die Klosterkirche ist geöffnet, und die einzigen Geräusche kommen von den Tauben auf den Dächern. Es ist einer jener Momente, in denen man versteht, warum Luther hier geblieben ist – und gleichzeitig, warum es so schwer war, ihn wieder loszuschicken.

Ein weiterer Tipp: Im Klosterladen gibt es handgemachte Produkte aus dem Klosterbetrieb – darunter Kräutertees, Bienenwachskerzen und Bücher zur Reformationsgeschichte, die man so anderswo kaum findet. Wer nach dem Besuch noch etwas von der Stimmung mit nach Hause nehmen möchte, ist hier genau richtig. Und wer sich fragt, warum er nicht schon früher nach Erfurt gereist ist, dem sei gesagt: Jetzt ist immer ein guter Zeitpunkt.

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