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Walhalla
Hoch über dem Donautal thront sie wie ein griechischer Tempel aus einer anderen Zeit: die Walhalla bei Donaustauf, rund 11 Kilometer östlich von Regensburg. König Ludwig I. von Bayern ließ das monumentale Ruhmesdenkmal zwischen 1830 und 1842 errichten – als steinernes Gedächtnis für bedeutende Persönlichkeiten der deutschen Geschichte. Heute zählt die Walhalla zu den beeindruckendsten Bauwerken Bayerns und lockt jährlich Hunderttausende Besucher aus aller Welt an die Donau.
Wer einmal die 358 Marmorstufen hinaufgestiegen ist, versteht die Faszination sofort: Der Blick über das Donautal ist atemberaubend, und im Inneren empfängt einen eine stille Würde, die auch moderne Besucher nicht unberührt lässt. Die Stimmung früh morgens, wenn die Sonne gerade über dem Fluss aufgeht und die ersten Nebelfetzen durch das Tal ziehen, ist schlicht unvergesslich.
Geschichte und Entstehung der Walhalla
Die Idee zur Walhalla hatte Ludwig I. bereits als junger Kronprinz. Schon 1807 begann er damit, Büsten bedeutender Deutschen zu sammeln. Der Name ist programmatisch gewählt: In der germanischen Mythologie ist Walhall der Palast des Göttervaters Odin, in dem die tapfersten Krieger nach ihrem Tod Einzug halten. Ludwig übertrug diesen Gedanken auf die ruhmreichen Deutschen aller Epochen.
Den Auftrag zur Ausführung erhielt Hofarchitekt Leo von Klenze, der bereits durch die Glyptothek und den Königsplatz in München Bekanntheit erlangt hatte. Klenze orientierte sich am Parthenon auf der Akropolis in Athen – dem klassischen Vorbild dorischer Baukunst. Der Grundstein wurde 1830 gelegt, am 18. Oktober 1842 fand die feierliche Eröffnung statt – bewusst gewählt als Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig.
Die Walhalla steht in einer Reihe mit anderen Nationaldenkmälern des 19. Jahrhunderts: dem Niederwalddenkmal bei Rüdesheim, dem Völkerschlachtdenkmal in Leipzig, dem Hermannsdenkmal bei Detmold und der Berliner Siegessäule. In einer Zeit, als Deutschland noch in Dutzende Einzelstaaten zersplittert war, dienten solche Bauwerke als Symbole für ein gemeinsames nationales Gedächtnis – und als Reaktion auf die verheerenden Kriege gegen Napoleon.
Heute ist die Walhalla alles andere als ein Wallfahrtsort für Nationalisten. Sie ist ein offenes Denkmal, das Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft, Kunst und Literatur ehrt – unabhängig von Staatszugehörigkeit oder politischer Haltung. Auch Widerstandskämpfer wie Sophie Scholl fanden hier ihren Platz.
Architektur: Ein Tempel nach griechischem Vorbild
Die Walhalla ist ein Meisterwerk des Klassizismus – und ein Beleg für das handwerkliche Können der Baumeister des 19. Jahrhunderts. Leo von Klenze orientierte sich konsequent am Parthenon in Athen. Der Bau besteht fast vollständig aus Kelheimer Jurakalkstein und Carrara-Marmor und misst im Grundriss 66 mal 33 Meter.
Was den Bau besonders macht, ist seine landschaftliche Einbettung. Drei übereinanderliegende Terrassen wurden aus dem Bergabhang herausgearbeitet. Auf der untersten Terrasse liegt ein großes Wasserbecken, die mittlere trägt ein umlaufendes Plateau mit Säulenhallen, auf der obersten steht der eigentliche Tempelbau. Schon aus dem Donautal ist die Walhalla weithin sichtbar – ein bewusster Effekt des Architekten, der das Bauwerk als Teil der Landschaft verstehen wollte.
Architektonische Eckdaten im Überblick
- Baustil: Klassizismus nach dem Vorbild des Parthenon (dorische Ordnung)
- Architekt: Leo von Klenze (1784–1864)
- Bauzeit: 1830–1842
- Grundfläche: 66 × 33 Meter
- Material: Kelheimer Jurakalkstein, Carrara-Marmor
- Säulen: 52 außen, 8 innen (kannelierte Marmorsäulen)
- Treppenstufen: 358 vom Parkplatz Donaustauf bis zum Tempel
- Baukosten: ca. 8,5 Millionen Gulden
Das Innere des Tempels ist ebenso eindrucksvoll: Ein langer Mittelsaal wird von einem umlaufenden Fries aus 64 Reliefplatten geschmückt, der die Geschichte der Deutschen von den Kelten bis zur Neuzeit darstellt. Die Marmorbüsten und Gedenktafeln sind in Nischen und entlang der Wände angeordnet – jede einzelne von einem Künstler eigens geschaffen.
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Die Geehrten: Wer hat einen Platz in der Walhalla?
Im Inneren der Walhalla reihen sich die Marmorbüsten und Gedenktafeln in Nischen und Wandreihen aneinander – eine Art steinernes Who's-who der deutschsprachigen Geschichte. Seit der Eröffnung 1842 wächst die Liste kontinuierlich. Aktuell werden 128 Büsten und 65 Gedenktafeln gezeigt, die an insgesamt 193 Personen und Gruppen erinnern.
Die Entscheidung, wer aufgenommen wird, liegt beim Bayerischen Ministerrat. Die Kriterien: herausragende Verdienste um Sprache, Geschichte oder Kultur des deutschsprachigen Raums. Spannend ist dabei, dass die Walhalla ausdrücklich keine politische Einrichtung sein soll – auch Kritiker des deutschen Nationalismus fanden hier ihren Platz.
Geehrte nach Kategorien (Auswahl)
| Kategorie | Beispiele |
|---|---|
| Dichter & Philosophen | Goethe, Schiller, Kant, Hegel, Heine |
| Musiker & Komponisten | Bach, Beethoven, Mozart, Schubert, Händel |
| Wissenschaftler & Erfinder | Kepler, Gauß, Gutenberg, Röntgen, Dürer |
| Herrscher & Staatsmänner | Karl der Große, Friedrich II., Adenauer |
| Widerstandskämpfer | Sophie Scholl, Claus von Stauffenberg |
Jedes Jahr kann der Ministerrat neue Persönlichkeiten benennen. Die letzte Aufnahme sorgte wie immer für öffentliche Diskussionen: Wer verdient einen Platz – und wer nicht? Diese lebhafte Debatte macht die Walhalla zu einem lebendigen Teil der deutschen Erinnerungskultur, nicht zum eingestaubten Museum.
Was ist der beste Zeitpunkt für einen Besuch der Walhalla?
Die Walhalla ist das ganze Jahr über geöffnet – doch wann lohnt sich der Besuch besonders? Im Frühjahr und Sommer zeigt sich das Donautal von seiner schönsten Seite: Die Aussicht vom Tempel über das grüne Flusstal ist bei klarem Himmel schlicht atemberaubend. Die Sommermonate sind erwartungsgemäß die touristisch stärksten Zeiten; wer Menschenmassen meiden möchte, kommt am besten früh morgens kurz nach der Öffnung oder am späten Nachmittag.
Im Herbst rahmt das bunte Laub das Donautal besonders malerisch ein. Im Winter sind die Öffnungszeiten kürzer (Oktober bis März), dafür hat man die Anlage fast für sich allein. Ein schneebedeckter Tempel über dem Dunst des Flusstals – wer das erlebt, versteht, warum Nachteulen und Romantiker die Walhalla zu jeder Jahreszeit lieben.
Praktische Tipps für Ihren Besuch
- Mit dem Auto: Über die B8 Richtung Donaustauf, Parkplatz direkt unterhalb der Anlage
- Mit dem Bus: Buslinie 5 ab Regensburg Hauptbahnhof bis Donaustauf (ca. 25 Min.)
- Mit dem Schiff: Donau-Schifffahrt ab Regensburg (April–Oktober), romantischste Option
- Zu Fuß: Vom Parkplatz bis zum Tempel 358 Marmorstufen – festes Schuhwerk empfohlen
- Tipp: Audiowalk vor Ort erhältlich, der die Geschichte der Geehrten lebendig macht
- Kombination: Die Walhalla lässt sich gut mit einem Tagesausflug nach Regensburg verbinden
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Anreise und praktische Informationen
Adresse Walhalla
Walhallastraße 48, 93093 Donaustauf
Öffnungszeiten Walhalla
April – September: täglich 9:00 – 17:45 Uhr
Oktober: täglich 9:00 – 16:45 Uhr
November – März: täglich 10:00 – 11:45 Uhr und 13:00 – 15:45 Uhr
Eintritt
Erwachsene: 4,50 €
Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren: kostenlos
Ermäßigt (Gruppen ab 15 Pers.): 3,50 € pro Person
Weitere Informationen
Aktuelle Öffnungszeiten: Bayerische Schlösserverwaltung
Häufige Fragen zur Walhalla
Geheimtipp Walhalla: Früh aufstehen lohnt sich. Wer kurz nach der Öffnung – oder noch besser: kurz vor Sonnenaufgang – die Stufen hinaufsteigt, erlebt etwas Besonderes: Die Morgensonne taucht den Tempel in goldenes Licht, Nebel zieht durch das Donautal, und die Anlage gehört fast einem allein. Zu dieser Stunde entfaltet die Walhalla eine fast mystische Stille, die im Hochbetrieb des Sommers nicht zu finden ist. Wer den Weg scheut: Schon von der Donau aus, vom Schiff oder vom Ufer, bietet die Walhalla zu jeder Tageszeit einen unvergesslichen Anblick.