Sieben-Faulen-Brunnen - Bremen

Sieben-Faulen-Brunnen

An der Einmündung der Böttcherstraße, wenige Schritte vom Bremer Marktplatz entfernt, plätschert ein Brunnen, der so viel mehr ist als ein Wasserspiel. Der Sieben-Faulen-Brunnen in Bremen verbindet eine mittelalterliche Volkslegende mit einem der eigenwilligsten Kunstwerke des deutschen Expressionismus – und wer ihn kennt, versteht ein bisschen besser, warum die Hansestadt so stolz auf ihr anarchisches Selbstverständnis ist.

Sieben Brüder, bekannt für ihre Faulheit, die am Ende doch mehr leisteten als alle Fleißigen – das klingt nach einem klassisch bremischen Erfolgsprinzip. Der Brunnen, 1930 von Bildhauer Bernhard Hoetger geschaffen, erzählt diese Geschichte in sieben Terrakotta-Reliefs und lädt ein zur Zeitreise durch Stadtgeschichte, Sagenwelt und expressionistische Kunst. Alle Reiseangebote in Bremen auf spar-mit.com – damit der Besuch am Brunnen nicht der einzige Grund für die Reise bleibt.

Geschichte und Legende der Sieben Faulen

Die Geschichte der Sieben Faulen gehört zu den bekanntesten Bremer Lokalsagen und stammt aus der Feder des Bremer Schriftstellers Friedrich Wagenfeld (1810–1846). Veröffentlicht 1844 in seiner Sammlung „Bremens Volkssagen", erzählt sie von sieben Brüdern, die als Söhne eines verarmten Bauern westlich der alten Stadtmauern aufwuchsen – und deren Ruf als notorische Faulenzer ihnen die Türen Bremens versperrte.

Die Bremer wollten sie nicht. Also zogen die sieben Brüder fort – und kehrten nach Jahren als veränderte Menschen zurück. In der Zwischenzeit hatten sie Moore entwässert, Deiche gegen die Weser aufgeschüttet, Wege befestigt und Häuser gebaut. Kurz: Sie hatten die Landschaft westlich Bremens urbar gemacht. Und trotzdem nannten die Nachbarn sie weiter die Faulen – denn der einzige Grund, warum sie einen Brunnen gegraben hätten, sei doch gewesen, um sich das mühsame Wasserholen aus dem Fluss zu sparen. Die Moral liegt auf der Hand: Manchmal zählt nicht, was man geleistet hat, sondern welchen Ruf man einmal hatte.

Die Herkunft des Namens „Faulen"

Ein spannendes Sprachdetail: Das Bremer Faulenquartier mit seiner historischen Faulenstraße geht sprachlich gar nicht auf das deutsche Wort „faul" zurück. Der Name stammt vom niederdeutschen Wort „fuul", das schlicht „sumpfig" oder „moorig" bedeutet. Die sieben Brüder der Sage waren also nach einer Gegend benannt, die von jeher feucht und schwer zugänglich war – nicht nach ihrer vermeintlichen Trägheit. Das macht die Geschichte noch ein bisschen ironischer, denn am Ende entwässerten sie genau dieses sumpfige Land.

Bernhard Hoetger und sein Brunnenwerk

Bernhard Hoetger (1874–1949) war einer der prägendsten deutschen Bildhauer und Architekten des frühen 20. Jahrhunderts. Sein Wirken in der Böttcherstraße – finanziert und initiiert vom Bremer Kaufmann und Mäzen Ludwig Roselius – zählt zu den bedeutendsten expressionistischen Bauprojekten Deutschlands. Der Sieben-Faulen-Brunnen von 1930 zeigt sieben Relieffiguren aus Terrakotta in gemauerten Nischen, die je eine Arbeit der Brüder darstellen: Gräben ziehen, Deiche aufschütten, Wege befestigen, Häuser bauen, Brunnen graben. Das Wasser fließt durch bronzene Rohre, die mit Motiven der Bremer Stadtmusikanten verziert sind – ein stilles Zwiegespräch zweier großer Bremer Sagen an einem einzigen Kunstwerk.

MerkmalInformation
ErschafferBernhard Hoetger (1874–1949)
Entstehungsjahr1930
StilExpressionismus
MaterialRoter Backstein, Terrakotta, Bronze
Anzahl Figuren7 Terrakotta-Reliefs in Nischen
MotivquelleVolkssage von Friedrich Wagenfeld (1844)
LageBöttcherstraße, 28195 Bremen
EintrittKostenlos, öffentlich zugänglich

Wo befindet sich der Sieben-Faulen-Brunnen in Bremen?

Der Brunnen befindet sich in der Böttcherstraße im Bremer Stadtteil Mitte, fußläufig vom UNESCO-Welterbe Marktplatz mit Rathaus und Roland. Der Eingang zur Böttcherstraße liegt zwischen dem historischen Schütting-Gebäude und dem Haus Am Markt 1 – wer den Marktplatz mit dem Rathaus im Rücken betritt, sieht die Einfahrt zur Gasse direkt vor sich. Der Brunnen selbst liegt etwa in der Mitte der Gasse, im Hof des Paula-Becker-Modersohn-Hauses.

Anreise und praktische Infos im Überblick:

  • Adresse: Böttcherstraße, 28195 Bremen (nahe Marktplatz)
  • ÖPNV: Straßenbahn Linie 2 und 3, Haltestelle Am Brill oder Domsheide, ca. 5 Min. Fußweg
  • Bahn: Hauptbahnhof Bremen, ca. 15 Min. zu Fuß oder 5 Min. mit Tram
  • Auto: Parkhaus Am Brill oder Tiefer, je ca. 5–10 Min. Fußweg
  • Zugänglichkeit: Ganztägig, kostenlos begehbar
  • Barrierefreiheit: Die Böttcherstraße ist mit Rollstuhl und Kinderwagen befahrbar

Die Böttcherstraße lässt sich in etwa 30 Minuten gemächlich durchschlendern. Wer das Paula-Modersohn-Becker-Museum oder das Roselius-Haus besucht, sollte zwei bis drei Stunden einplanen. Der Sieben-Faulen-Brunnen ist kein Museum, sondern ein öffentliches Kunstwerk – er wartet immer auf euch, kostenlos und ohne Warteschlange.

Die Böttcherstraße – Ein expressionistisches Gesamtkunstwerk

Wer den Sieben-Faulen-Brunnen besucht, sollte sich die gesamte Böttcherstraße nicht entgehen lassen. Die rund 110 Meter lange Gasse zwischen Marktplatz und Schlachte wurde ab 1923 von Ludwig Roselius in Auftrag gegeben und von Bernhard Hoetger bis 1931 in ein expressionistisches Gesamtkunstwerk verwandelt. Heute ist sie eine der meistfotografierten Sehenswürdigkeiten der Hansestadt – und dabei weit mehr als eine hübsche Einkaufspassage.

Was Sie in der Böttcherstraße entdecken:

  • Paula-Modersohn-Becker-Museum – das erste Museum der Welt, das einer Künstlerin gewidmet war; über 80 Gemälde und 13 Plastiken der Worpswede-Malerin
  • Roselius-Haus – ein mittelalterliches Bremer Kaufmannshaus mit kunsthistorischer Sammlung (14.–17. Jahrhundert)
  • Glockenspielhaus – mit täglich dreimal klingendem Meissener Porzellan-Glockenspiel (12, 15 und 18 Uhr)
  • Atlantis-Haus – mit dem markanten expressionistischen Lichtbringer-Relief von Hoetger an der Fassade
  • Kunstgalerien, Cafés, Goldschmiedewerkstätten und Designläden

Historische Randnotiz: Die Nationalsozialisten stuften die Böttcherstraße in den 1930er Jahren zeitweise als „entartete Kunst" ein – ein Urteil, das heute mehr über die Urteilenden aussagt als über das Werk. Das Ensemble kandidiert inzwischen als Teil des erweiterten UNESCO-Welterbes der Freien Hansestadt Bremen. Ein Ort also, der nicht nur ästhetisch, sondern auch politisch Haltung zeigt.

Bremen hat weit mehr zu bieten als die Böttcherstraße. Das verträumte Schnoor-Viertel mit seinen mittelalterlichen Fachwerkhäuschen liegt nur wenige Gehminuten entfernt und ist eines der besterhaltenen historischen Quartiere Norddeutschlands. Wer den Tag ausklingen lassen möchte, zieht weiter zur Schlachte – Bremens lebendiger Weserpromenade mit Restaurants, Bars und dem Blick auf den Fluss, der die Stadt seit Jahrhunderten prägt.

Geheimtipp und häufige Fragen zum Sieben-Faulen-Brunnen

Unser Geheimtipp

Die meisten Besucher kommen tagsüber in die Böttcherstraße – zu Recht, denn das Tageslicht lässt die Terrakotta-Reliefs am besten zur Geltung kommen. Aber: Wer den Sieben-Faulen-Brunnen in den späten Abendstunden erlebt, wenn die Gasse warm ausgeleuchtet ist und die Touristengruppen längst beim Abendessen sitzen, erlebt ein ganz anderes Bremen. Die Böttcherstraße wird dann zur kleinen Bühne – und man versteht, warum Hoetger hier nicht einfach eine Straße gebaut, sondern eine Inszenierung entworfen hat.

Tipp für Familien mit Kindern: Es macht großen Spaß, die sieben Figuren am Brunnen zu suchen und jede Arbeit der Brüder gemeinsam zu benennen – ein kleines Ratespiel, das die Legende lebendig macht. Und wenn die Kinder fragen, warum der Brunnen „Sieben Faulen" heißt, obwohl die Brüder doch fleißig waren: Herzlichen Glückwunsch, genau das ist die eigentliche Pointe.

Mini-FAQ: Häufige Fragen zum Sieben-Faulen-Brunnen

Wer hat den Sieben-Faulen-Brunnen erschaffen?
Der Brunnen wurde 1930 von Bernhard Hoetger im Rahmen seiner expressionistischen Gestaltung der Böttcherstraße geschaffen. Auftraggeber war der Bremer Kaufmann Ludwig Roselius.
Was stellt der Brunnen dar?
Sieben Terrakotta-Relieffiguren zeigen die Arbeiten der legendären faulen Brüder: Gräben ziehen, Deiche bauen, Wege befestigen, Häuser bauen, Brunnen graben. Bezug auf die 1844 veröffentlichte Volkssage von Friedrich Wagenfeld.
Kostet der Besuch am Brunnen etwas?
Nein. Der Brunnen ist ein öffentlich zugängliches Kunstwerk und kann jederzeit kostenlos besichtigt werden. Die Böttcherstraße ist ganztägig begehbar.
Woher kommt der Name „Faulen"?
Das Bremer Faulenquartier trägt seinen Namen nicht wegen Faulheit, sondern vom niederdeutschen Wort „fuul" (sumpfig/moorig). Die Sage nutzte diesen Namen und webte daraus die Geschichte der sieben angeblich faulen Brüder.

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