Mont Saint Michel (Frankreich)

Mont-Saint-Michel: Das Wunder im Wattenmeer

Mythischer Berg, Wunder des Abendlandes, spiritueller Leuchtturm: Mont-Saint-Michel, der Klosterberg mitten im Meer der Normandie, gibt es nur mit Superlativbezeichnungen. Er gehört neben dem Eiffelturm und dem Kloster von Versailles zu den großen Symbolen Frankreichs. Gegründet wurde das heutige UNESCO-Weltkulturerbe vor 1.300 Jahren, seitdem trotzt es den extremen Gezeiten. Mehr als drei Millionen Menschen besichtigen jedes Jahr das französische Nationaldenkmal. Man sollte sich darauf einstellen: Es ist immer voll hier in den engen Gassen. Aber es gibt Schlupfwinkel.

Himmlischer Auftrag

Für die Pilger des Mittelalters war der Weg zu Mont-Saint-Michel ein heikler: "Gehst du nach Saint-Michel, vergiss nicht, vorher dein Testament zu machen“, hieß es. Denn die Flut käme machtvoll wie ein galoppierendes Pferd. Warum sie es trotzdem auf sich nahmen? Die Geschichte um dieses Wunder ist selbst eins.

Der Legende nach soll dem Bischof von Avranches im Traum der Erzengel Michael erschienen sein - mit der Bitte, ihm zu Ehren genau hier, mitten im Meer, eine Kapelle zu errichten. Der Monsignore gab erst nach, als ihm Michael mit strafendem Finger ein Loch in den Schädel brannte. Die mühselige Arbeit begann, doch bald schnitt eine Sturmflut den Felsen vom Festland ab. Aufhören? Non! Die Bauarbeiten wurden weitergeführt. Die Benediktiner übernahmen im 10. Jahrhundert den Mont Saint-Michel und erweiterten die Anlage. Erst 800 Jahre nach dem Baubeginn wurde das "Wunder des Abendlandes" vollendet. Bewusst wurden Gassen und Wege auf eine irreführende, sich ständig kreuzende Weise angelegt. Nur so war es zu Zeiten der Raubzüge durch Normannen möglich, mit nur einer Handvoll Männern den Fels zu verteidigen. An den richtigen Stellen positioniert, konnten sie mit Ihren Armbrüsten ganze Armeen aufhalten.

Wasserhochzeit und Wattwandern

Bis heute zieht der Wallfahrtsort samt Mini-Dorf (rund 40 Einwohner) Millionen von Besuchern aus aller Welt an. Statt sich in den stark überfüllten Gassen langzuschieben, lohnt es, auf den äußeren Wällen entlangzuspazieren. Hier lässt sich der Gezeitenstrom (stärkster Tidenhub Europas) wunderbar beobachten und damit verbunden die sogenannte „Hochzeit der Gewässer“: die Vereinigung von anpreschender Flut und dem Fluss Couesnon, der hier in den Atlantik mündet. Auf eigene Faust Wattwanderungen zu unternehmen, ist gefährlich. Die Flut kommt in rasender Geschwindigkeit. Besser die geführte Tour buchen.

Die Geheimnisse des Mont

Aus der Ferne betrachtet sieht der Abtei-Felsen dem berühmten Walt-Disney-Schloss ähnlich. Längst nennen die Anwohner ihren Mont wegen des ganzen Trubels und verkaufsträchtigen Vermarktung ohnehin schon „Disneyland“. Im Sommer verwandelt sich die Abtei während der „Promenades Nocturnes“ nachts in einen poetischen Kultur- und Klangraum. Dann setzen Musiker am Cello und der Harfe sowie Videoinstallationen und stimmungsvolle Lichtspiele die Klosterräume ganz neu in Szene.

Achten Sie gut auf die hölzernen Fensterläden der Häuser. In den meisten findet sich – mal groß in der Mitte, mal klein im Eck – eine Aussparung in Schlüsselform. Das ist eines der gut gehüteten Geheimnisse des Mont-Saint-Michel. Unbedingt den Tourist-Guide danach fragen! Und wem hier viele Fallschirmspringer auffallen, der möge sich nicht wundern: St. Michel ist der Schutzpatron der (französischen) Luftlandeeinheiten. Jeder Fallschirmjäger sollte in seinem Leben mindestens einmal hier gesprungen sein. Glück ab!

Anfahrt Mont-Saint-Michel

Während im Mittelalter noch viele Pilger ertranken, weil sie bei Ebbe in Sickerstellen versanken oder von der Flut überrascht wurden, ist die heutige Anreise ungefährlich und das Parken gut organisiert. Der große Parkplatz für PKW und Reisebusse liegt 2,5 Kilometer vom magischen Klosterberg entfernt und ist rund um die Uhr geöffnet. Von hier aus fahren etwa alle 10 bis 15 Minuten kostenlose Shuttlebusse („Le passeur“) zum Mont Saint-Michel. Man kann auch zu Fuß hinauf. Unser Tipp: Lassen Sie die überfüllten Shuttlebusse links liegen und gehen etwa 20 bis 30 Minuten zu Fuß über die moderne Holzbrücke rüber zum Mont-Saint-Michel. Den Weg können Sie nicht verfehlen, er ist ausgeschildert. Und dann einfach nur genießen: die mittelalterliche Architektur vom karolingischen Stil des 10. Jahrhunderts über einen labyrinthartigen Komplex aus massiger Romanik bis zu himmelstürmender Flamboyantgotik des Klosters La Merveille, das mit sechs Sälen auf drei Etagen am Hang hängt. Merveilleux.

Öffnungszeiten Abtei Mont-Saint-Michel
1. Mai bis 31. August: 9.00 - 19.00 Uhr
1. September bis 30. April: 9.30 - 18:00 Uhr

am 1. Januar, 1. Mai und 25. Dezember geschlossen

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