Küstenstraßenbahn - von De Panne bis nach Knokke

Kusttram: Mit Belgiens Rekord-Straßenbahn unterwegs

Was die Küste angeht hat Belgien gegenüber seinen Nachbarn, den Niederlanden, den Kürzeren gezogen. Während sich die Holländer auf 450 Kilometer sonnen und im Wasser vergnügen können, bleiben den Belgiern gerade mal 67 Kilometern Küste. Das macht aber nichts, denn diese haben sie hervorragend genutzt: um die längste Straßenbahnlinie der Welt zu bauen.

69 Haltestationen auf 68 Kilometern, von De Panne nach Knokke. Das ist die belgische Rekord-Straßenbahn, die Kusttram. Nirgendwo sonst auf der Welt können Sie eine so lange Strecke Straßenbahn fahren, ohne umzusteigen. Die Tram braucht für die Fahrt entlang der Küste zwei Stunden und 23 Minuten. Im Sommer fährt sie zu den Stoßzeiten im Zehn-Minuten-Takt. Das Schönste an der Strecke ist aber nicht ihre Länge, sondern dass die Bahn zwischen Oostende und Middelkerke direkt am Meer entlang führt. So nahe, dass jeden Morgen ein Staubsauger die Schienen von Sand befreit, der über Nacht vom Strand hergeweht wurde.

Von den Niederlanden bis nach Frankreich

Die Kusttram (niederländisch für Küstenstraßenbahn) gibt es schon seit 1885, damals noch als Dampfstraßenbahn. In den letzten 130 Jahren wurde die Bahn elektrifiziert, die Verbindung ausgebaut und verbessert. Mittlerweile fahren Niedrigflurwagen, sodass das Einsteigen auch mit Kinderwagen, Rollator und Rollstuhl problemlos möglich ist. Besonders hübsch ist übrigens die historische Haltestelle in De Haan mit verzierten Säulen, Backsteinen und einem roten Dach – echt schmuck, echt Belle Epoque. Wie der ganze Ort mit seinen Strandvillen, Traditionshotels und dem breiten Sandstrand. Morgens sind es vor allem die Schüler, die mit der Tram zur Schule fahren, später am Tag die Touristen, die es in die Strandbäder zieht. Aber sie diente nicht immer dem Vergnügen der Sommerfrischler: Im Krieg nutze man sie zum Transport von Munition und Nachschub.

Kunst an der Schiene

Manch einer nimmt die Küstentram nicht nur, um zum Strand oder Shopping-Zentrum zu kommen, sondern auch, um das Kulturangebot der belgischen Küstenstädte kennenzulernen: In Oostende stehen an der Promenade die „Rock Strangers“ von Künstler Arne Quinze, eine Ansammlung roter Felsen. In Nieuwpoort-Bad hat es sich eine bronzene Riesenschildkröte von Jan Fabre im Sand gemütlich gemacht, in Middelkerke-Westende bewundern Sie einen filigranen Bagger. Der Ort Sint hat dem Surrealisten Paul Delvaux ein Museum gewidmet. Und auch die Tram ist ein Kunststück – zumindest wenn Sie mit den bildschön restaurierten historischen Straßenbahnen fahren. Die top-gepflegten Schätze dürfen im Sommer zu besonderen Gelegenheiten wieder auf die Schienen. Dann heißt es: „Goede reis!“ in Belgiens Rekord-Straßenbahn.

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