Glasmuseum Moser

Meisterkelche von Moser: Böhmens edle Luxusmarke

Seit mehr als 160 Jahren schauen die Herrscher dieser Welt in Moser-Gläser. Obama tat es, die europäischen Königshäuser tun es immer noch, sogar der Papst. Im Glasland Böhmen gehört Moser zu den Top-Marken. Kein geringerer Anspruch als: "König der Gläser - Glas der Könige". Moser-Produkte sind bis heute offizielles tschechisches Staatsgeschenk. In der Karlsbader Glashütte wird gezeigt, was Meister draufhaben.

Ein Weinglas für 200 Euro. Eine Vase für 2.000 Euro. Skala nach oben offen - Moser-Kristall ist purer Luxus. Seit 1857 produziert die tschechische Glasmanufaktur in Karlsbad. Nur die begabtesten Künstler, Glasbläser und Graveure des Landes arbeiten hier, das sind 350 Angestellte, eine Produktion ohne Pause. Nicht mal feiertags. Im Karlsbader Besucherzentrum wird der besondere Moser-Stil anschaulich erklärt und demonstriert - Schliff, Gravur, Bleifreiheit. Auch die berühmte Kundschaft ziert eindrucksvoll die Wände: Robert Redford, Königin Elisabeth II., Papst Pius XI. und Elton John nippen ebenso aus böhmischen Luxusgläsern wie Ornella Muti und Gérard Depardieu. Und noch einer hat sich für sein Porträt in Schale geworfen: der einstige Firmengründer Ludwig Moser.

Persischer Hoflieferant, Luxusmarke hinterm Eisernen Vorhang

Als Geselle kam der Deutschböhme bis nach Leipzig und Berlin. In Prag studierte Moser an der Kunstakademie, 1857 eröffnete er sein Gravurgeschäft in Karlsbad und ging viel auf Reisen - nach Wien, England, Frankreich, Russland. Dort saßen die wichtigen Kunden. Alle wollten seine Gravuren, die Habsburger, der englische und der persische Hof. Kaiser und Könige lässt man nicht warten. Als es Probleme mit den Lieferanten gab, gründete er seine eigene Glasfabrik. Den wirtschaftlichen Zenit erlebte der böhmische Glasveredler in den 20er Jahren. Nicht nur die bleifreie Kristallherstellung machte Furore, 1929 präsentierte Moser zur Leipziger Frühjahrsmesse "Lebende Gläser". Das schwere, geometrisch geschliffene und gefärbte Kristallglas ist seither die unverwechselbare Handschrift des Unternehmens. Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs kam das Nachfrage-Loch im eigenen Land, auch die Käufer der osteuropäischen Länder drifteten für eine Zeit ab. Doch das fernere Ausland sprang ein, der Luxus-Betrieb kam wieder auf die Beine.

Tief Luft holen

Im Moser-Museum steht also die Elite der Kristallkunst. Extravagante Vasen und dekorative Designerstücke, sogar das Hochzeitsgeschenk an Prinzessin Elisabeth. Mehr als 1.000 Exponate sind ausgestellt. Wem Schauen nicht reicht, darf sich einmal an der Glaspfeife versuchen. Dicke Backen gemacht haben hier schon viele Gäste. Aus 1.200 °C Rohmasse ein Glas formen - na, versuchen Sie ihr Glück. Auf Talentsuche ist die Glashütte Moser nach wie vor. Vom schweißtreibenden Fabrikeinsatz erstmal ins gemütliche Museumscafé rüber. Und einen Entschluss fassen: Ein Schnapsgläschen erstehen, oder nicht? So einen Winzling gibt es dann doch schon für knapp 30 Euro.

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