Wenn wir nicht in 5 Minuten angerufen haben, schenken wir Ihnen einen 20-Euro-Reisegutschein. Bis gleich am Telefon!
Bratwurstmännle - Coburg
Bratwurstmännle Coburg – Wahrzeichen & Bratwurst-Legende
Wer in Coburg den Blick nach oben richtet, entdeckt ihn schon von Weitem: Hoch oben auf dem Rathausdach thront der Heilige Mauritius – im Volksmund liebevoll „Bratwurstmännle" genannt. In der Faust hält er einen Stab, der für die Coburger eine ganz besondere Bedeutung hat: Seit dem 17. Jahrhundert gilt er als das inoffizielle Maß für die ideale Länge einer Coburger Bratwurst. Eine lebendige Legende, die bis heute auf dem Marktplatz gegenwärtig ist – und die zeigt, wie eng Stadtgeschichte, Kulinarik und Humor in dieser fränkischen Stadt miteinander verwoben sind.
Unsere Reiseangebote in Coburg
Was macht das Bratwurstmännle so besonders?
Das „Bratwurstmännle" ist keine offizielle Bezeichnung – und genau das macht es so charmant. Der Name ist eine Erfindung des Volkes, eine liebevolle Aneignung eines Stadtpatrons, dem man kurzerhand die wichtigste kulinarische Aufgabe der Stadt übertragen hat: das Messen der perfekten Bratwurst.
Der Glaube ist im Stadtvolk tief verwurzelt: Eine ordentliche Coburger Bratwurst soll so lang sein wie der Marschallstab, den der Heilige Mauritius in seiner Faust hält. Über die exakte Länge haben die Coburger lange gerätselt – 35 bis 40 Zentimeter wurden immer wieder genannt. Das Mysterium gehörte zum Charme des Bratwurstmännles. Es gab kein offizielles Maß, nur den Blick nach oben und die feste Überzeugung: So lang muss sie sein.
Diese Verknüpfung von Heiligenverehrung, Stadtidentität und Bratwurst-Kulturgut ist typisch für Coburg. Nirgendwo sonst in Deutschland dient eine spätmittelalterliche Rathaus-Skulptur gleichzeitig als Bratwurst-Eichmaß und religiöses Symbol. Das macht das Bratwurstmännle zu mehr als einer Stadtsehenswürdigkeit – es ist gelebte Volkskultur.
Die Geschichte des Heiligen Mauritius
Wer war der Mann, der da oben auf dem Rathausdach die Bratwürste misst? Mauritius war kein Coburger – er war ein römischer Soldat, der um das Jahr 280 n. Chr. als Anführer der Thebäischen Legion die Geschichte des frühen Christentums mitschrieb.
Kaiser Maximian wollte die Legion zur Christenverfolgung einsetzen. Doch die Soldaten, größtenteils Christen, verweigerten den Befehl. Mauritius und seine Männer weigerten sich standhaft, ihre Glaubensgeschwister zu verfolgen. Daraufhin ließ der Kaiser sie bei Agaunum – dem heutigen Saint-Maurice im Schweizer Wallis – hinrichten. Der Überlieferung nach erlitt Mauritius dort den Märtyrertod.
Der Heilige Mauritius wurde schnell kanonisiert. Um 515 wurde am Ort seines Martyriums ein Kloster gegründet, das bis heute besteht. Mauritius wurde zum Schutzpatron mehrerer Ritterorden und im Laufe des Mittelalters auch zum Stadtpatron von Coburg und seiner Pfarrkirche St. Moriz.
Dass die Coburger sich Mauritius als dunkelhäutigen Krieger vorstellten – obwohl er aus dem Schweizer Wallis stammte – ist ein mittelalterliches Missverständnis. Man wusste nicht, wo Agaunum lag, und so stellte man sich den Heiligen nach der ikonografischen Tradition als Mohr vor. Diese volkstümliche Darstellung hat sich bis heute gehalten: Das Bratwurstmännle trägt diese Züge und ist zum liebevollen „Mohr von Coburg" geworden.
Wie lang ist eine Coburger Bratwurst wirklich?
Die Frage nach der genauen Länge des Mauritius-Stabs – und damit der Ur-Coburger-Bratwurst – bewegte die Stadt über Jahrhunderte. Die Antwort kam schließlich nicht durch einen Historiker, sondern durch die Coburger Feuerwehr.
1982 nutzte die Feuerwehr die Präsentation einer neuen Drehleiter, um das Rätsel ein für alle Mal zu lösen: Mauritius hält einen Stab von 31 Zentimetern Länge. Das ist das Rohmaß – also die Länge der Bratwurst, bevor sie über die typische Kiefernzapfenglut gegrillt wird.
Das Grillen über Kiefernzapfen ist nicht nur eine kulinarische Tradition, sondern die technische Ursache für die charakteristische Längenveränderung: Hitze und Dampf entweichen, Fett tritt aus, und die Bratwurst zieht sich zusammen. Je nach Grilldauer kann sie auf 25 bis 28 Zentimeter schrumpfen.
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Länge des Mauritius-Stabs | 31 cm (gemessen 1982) |
| Länge der Bratwurst (roh) | ca. 31 cm |
| Länge nach dem Grillen | ca. 25–28 cm |
| Grillmethode | Kiefernzapfenglut (traditionell) |
| Darm | Schweinedarm (traditionell) |
| Typische Beilage | Brötchen und Senf |
Nicht vergessen: 1939 wäre eigentlich die perfekte Gelegenheit gewesen, das Maß direkt zu nehmen. In einer stürmischen Märznacht stürzte der Heilige Mauritius vom Rathausdach und lag schwer beschädigt auf dem Marktplatz. Das Entsetzen war groß – und schnell wurde er notdürftig zusammengeflickt und wieder hinaufgehievt. Das Maß blieb also auch danach noch ein Geheimnis.
Sehenswürdigkeiten rund um den Marktplatz
Das Bratwurstmännle ist der prominenteste Bewohner des Coburger Marktplatzes – aber er ist bei weitem nicht der einzige Grund, hier zu verweilen. Der Marktplatz von Coburg gehört zu den schönsten in ganz Franken und bietet eine beeindruckende Dichte an historischen Bauten.
- Stadthaus (Rathaus): Das spätgotische Rathaus aus dem 14. Jahrhundert ist der Sockel des Bratwurstmännles. Die reich verzierte Fassade mit ihren Erkern und Türmen ist ein Muss für jeden Coburg-Besuch.
- Veste Coburg: Sichtbar von fast überall in der Stadt – die mittelalterliche Festung thront über Coburg und beherbergt eine der bedeutendsten Kunstsammlungen Deutschlands. Martin Luther lebte hier 1530 während des Augsburger Reichstags.
- Ehrenburg: Das Stadtschloss der Coburger Herzöge ist ein barocker Prachtbau direkt in der Innenstadt. Queen Victoria besuchte es mehrfach – ihr Ehemann Prinz Albert stammte schließlich aus dem Haus Sachsen-Coburg.
- St.-Moriz-Kirche: Die spätgotische Stadtkirche ist dem Heiligen Mauritius geweiht – dem Original-Mauritius, nicht seinem kleinen Bruder auf dem Rathausdach. Lucas Cranach der Ältere hinterließ hier bedeutende Werke.
- Hofgarten: Der weitläufige Stadtpark direkt neben der Ehrenburg lädt zu Spaziergängen ein und bietet einen schönen Blick auf die Veste Coburg.
All das lässt sich bequem zu Fuß erkunden. Coburg ist eine kompakte, gut zu Fuß erlebbare Stadt – ideal für einen Kurzurlaub in Franken.
Praktische Informationen zum Besuch
Das Bratwurstmännle ist eine Außenskulptur und rund um die Uhr kostenlos zu besichtigen – man muss nur den Blick nach oben richten. Einen Besuch im Inneren des Rathauses gibt es nach Voranmeldung beim Stadtarchiv.
- Lage: Marktplatz Coburg, auf dem Dach des historischen Stadthauses
- Eintritt: Kostenlos (Außenansicht)
- Anfahrt mit dem Auto: Coburg liegt an der A73 (Nürnberg–Thüringen), Ausfahrt Coburg-Mitte; Parkhäuser am Marktplatz vorhanden
- Mit dem Zug: Coburg hat einen eigenen Bahnhof mit ICE-Halt; Fußweg zum Marktplatz ca. 10 Minuten
- Beste Reisezeit: Ganzjährig – besonders reizvoll im Sommer beim Coburger Sambafestival oder im Advent mit dem stimmungsvollen Weihnachtsmarkt direkt am Marktplatz
- Tipp: Gleich am Marktplatz und in der Umgebung gibt es mehrere Bratwurst-Stände, die nach traditioneller Coburger Art über Kiefernzapfenglut grillen
Unsere Hotels in Coburg
Coburg bietet eine gute Auswahl an Hotels direkt in der Innenstadt oder in unmittelbarer Nähe des Marktplatzes. Wer ein verlängertes Wochenende plant, kann das Bratwurstmännle, die Veste Coburg und das Stadtschloss Ehrenburg bequem an zwei Tagen erkunden – und dabei natürlich auch die fränkische Küche genießen.
FAQ zum Bratwurstmännle Coburg
Was ist das Bratwurstmännle in Coburg?
Das Bratwurstmännle ist der volkstümliche Name für die Statue des Heiligen Mauritius auf dem Dach des Coburger Rathauses. Der Heilige hält in seiner Faust einen Stab, der traditionell als Maßstab für die Länge der Coburger Bratwurst gilt.
Wie lang ist der Stab des Bratwurstmännles?
Der Stab des Heiligen Mauritius misst 31 Zentimeter. Die Coburger Feuerwehr hat die Länge im Jahr 1982 anlässlich der Vorführung einer neuen Drehleiter exakt ausgemessen.
Wer ist der Heilige Mauritius und warum ist er das Wahrzeichen von Coburg?
Mauritius war Anführer der Thebäischen Legion und erlitt um 280 n. Chr. den Märtyrertod, weil er sich weigerte, Christen zu verfolgen. Im Mittelalter wurde er Schutzpatron von Coburg und seiner Stadtkirche St. Moriz. Die Coburger stellten ihn als dunkelhäutigen Krieger dar und nannten ihn liebevoll den „Mohr von Coburg".
Was macht die Coburger Bratwurst besonders?
Die Coburger Bratwurst wird traditionell über Kiefernzapfenglut gegrillt, was ihr ein unverwechselbares Raucharoma verleiht. Sie ist roh rund 31 Zentimeter lang und schrumpft beim Grillen auf etwa 25 bis 28 Zentimeter – und gehört damit zu den längsten Bratwürsten Deutschlands.
Ist der Besuch beim Bratwurstmännle kostenlos?
Ja, das Bratwurstmännle ist eine Außenskulptur auf dem Rathausdach und kann jederzeit kostenlos besichtigt werden. Der Coburger Marktplatz ist frei zugänglich.
Geheimtipp: Das besondere Erlebnis in Coburg
Wer das Bratwurstmännle wirklich verstehen will, wartet auf die Abenddämmerung. Wenn die Beleuchtung des Rathauses einsetzt und der Marktplatz ruhiger wird, wirkt die Silhouette des Mauritius-Stabs besonders eindrucksvoll. Genau dann stellen sich viele Coburger Locals auf eine ihrer berühmten Bratwürste an – an den kleinen Ständen hinter dem Rathaus, die abends oft bis spät geöffnet haben.
Unser Tipp: Bratwurst kaufen, auf einer der Bänke am Marktplatz Platz nehmen und dabei den Blick nach oben richten. Man hat dann den direkten Vergleich – die Bratwurst in der Hand und das Original-Maß hoch oben in Mauritius' Faust. So schmeckt Coburg am besten.