Zeche Nachtigall

Zeche Nachtigall: Über 350 Jahre Industriekultur

In Witten spürt man schon die Nähe zum Bergischen Land. Wald, Seen, Wiesen und Felder umgeben Besucher mit üppigem Grün. Fast ohne Steigung führt der Ruhrtal-Radweg durch die Landschaft des Muttentals. Doch wie fast überall im Ruhrgebiet: Die Schätze liegen hier auch unter der Erde. 30 Industriedenkmäler erstrecken sich entlang des neun Kilometer langen Bergbaurundwanderweg direkt am Radweg. Das wohl Faszinierendste ist die Zeche Nachtigall.

Mit der Bimmelbahn über das Gelände fahren, die gelben Helme der Bergarbeiter ausprobieren oder dem „Weg in die Tiefe“ folgen. Die Zeche Nachtigall ist ein großes, interaktives Museum und Schaubergwerk direkt an der Ruhr. Ob die riesige schwarze Fördermaschine mal in Aktion erleben, mehrere Ausstellungen mit Originalschaustücken erforschen oder im Nachtigallstollen die Enge des Untertagebergbaus erleben – hier sind Sie ganz nah dran an der spannenden Geschichte des Potts.

Querschnitt durch die Jahrhunderte

Lange bevor die industrielle Revolution sich durch Europa wälzte, gab es die Zeche mit dem wohlklingenden Namen schon: 1645 trieb man hier zum Kohlegewinn Stollen in die Erde. Später verlegte man sich auf den Tiefbau mit damals modernsten Methoden: Dampfmaschinen, Seilfahrt und Pferde halfen bei der Steinkohleförderung. Doch 1896 war Schluss damit; schuld war hauptsächlich das Wasser, das immer wieder in die Schächte eindrang. Eine zweite Karriere legte das Gelände als Ziegelei hin. In den 60ern war dann endgültig der Ofen aus. Seit 2003 ist das Gelände Teil des LWL-Industriemuseums.

Eindrücke unter Tage

Aus dem verwahrlosten Gelände wurde ein vielfältiges Denkmal für die Industriekultur, das mehr ist als nur ein Museum. Die Ausstellungen gehen unter die Haut, denn sie geben einen kleinen Einblick, wie hart der Alltag der Bergleute wirklich gewesen sein muss. Wer das Besucherbergwerk Nachtigallstollen betritt, wird erst mal mit Helm und Stirnlampe ausstaffiert. Schon beim ersten Schritt in den Querstollen wird klar, warum Ruhrdeutsche heute immer noch das Wort „Maloche“ benutzen, um die Arbeit im Bergwerk zu beschreiben: 12 Grad Celsius Lufttemperatur, die Decke so niedrig, dass man automatisch den Kopf einzieht, der Gang schmal und schlecht beleuchtet. Und doch ist es der Höhepunkt eines jeden Besuches und bleibt noch lange in Erinnerung. Neugierige dürfen bei Abbauhammer und Presslufthammer selbst einmal zugreifen, ein Experte demonstriert, wie die Brüder damals kriechend zu ihrem Arbeitsplatz kamen. Wie gut, dass man nach einer Stunde wieder an die frische Luft kann. Wer jetzt lieber über Tage bleiben möchte, kann das benachbarte Nationale Geotop Muttental oder das Kohletransportschiff „Ludwig Henz“, das beim Museum vor Anker liegt, erforschen. Junge Entdecker experimentieren und erfrischen sich auf dem Wasserspielplatz. Dies sind die kleinen und großen Schätze, die das Muttental ober- und unterirdisch zu bieten hat.

Adresse Zeche Nachtigall
Nachtigallstraße 35
58452 Witten

Öffnungszeiten Zeche Nachtigall
Dienstag – Sonntag und Feiertage 10.00 – 18.00 Uhr
Führungen: Dienstag bis Freitag 11.00, 12.00, 13.00, 15.00 und 16.30 Uhr, Samstag und Sonntag stündlich von 10.30 bis 16.30 Uhr

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