Unterlinden Museum - Colmar (Frankreich)

Unterlinden Museum Colmar – Isenheimer Altar und Kunstschätze

Das Unterlinden-Museum in Colmar zählt zu den meistbesuchten Museen Frankreichs außerhalb von Paris – rund 180.000 Besucherinnen und Besucher kommen jährlich. Der Grund liegt auf der Hand: Wer einmal vor dem Isenheimer Altar von Matthias Grünewald gestanden hat, vergisst diesen Anblick nicht mehr. Das spätgotische Meisterwerk, entstanden zwischen 1512 und 1516, gehört zu den eindringlichsten Werken abendländischer Malerei. Doch das Museum bietet weit mehr: In einem ehemaligen Dominikanerinnenkloster aus dem 13. Jahrhundert, erweitert durch einen architektonisch spektakulären Neubau des Schweizer Büros Herzog & de Meuron, spannt sich die Sammlung vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Geschichte, Architektur und Kunst vereinen sich hier auf 8.000 Quadratmetern zu einem der bedeutendsten Kulturerlebnisse im Elsass.

Geschichte und Architektur: Das Museum im Wandel der Zeit

Das Unterlinden-Museum hat seinen Ursprung in einem Dominikanerinnenkloster, das im Jahr 1232 gegründet wurde. Der Name leitet sich vom lateinischen sub tilia ab – „unter den Linden". Seit 1853 beherbergt die ehemalige Klosteranlage ein Museum. Kirche, Kreuzgang und Konventgebäude sind bis heute weitgehend erhalten und verleihen dem Ort eine ganz besondere Atmosphäre.

Der Umbau 2012–2015: Verdopplung auf 8.000 m²

Von 2012 bis Ende 2015 wurde das Museum grundlegend renoviert und erweitert. Das renommierte Schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron entwarf einen Neubau aus Kupfer und Backstein, der sich harmonisch in das historische Stadtbild von Colmar einfügt. Das Ergebnis: Die Ausstellungsfläche verdoppelte sich auf 8.000 Quadratmeter. Am umgestalteten Place Unterlinden und im ehemaligen Stadtbad von 1906 zeigt das Museum die ältere Sammlung, im Neubau moderne und zeitgenössische Kunst sowie Sonderausstellungen.

Die Sammlung: Vom Mittelalter bis zur Gegenwart

Die Sammlung des Unterlinden-Museums umfasst rund 100.000 Objekte und reicht von der Vorgeschichte bis zur zeitgenössischen Kunst. Ein Rundgang durch das Museum gleicht einer Zeitreise durch die Kunstgeschichte des Oberrheins und darüber hinaus.

Rheinische Kunst des Mittelalters und der Renaissance

Gleich nach dem Eingang erwartet die Besucherinnen und Besucher die Glanzzeit der rheinischen Malerei: Gemälde, Skulpturen, Wandteppiche, Glasmalereien und Goldschmiedearbeiten erzählen von der künstlerischen Blüte zwischen Straßburg und Basel. Höhepunkt bleibt unbestreitbar der Isenheimer Altar in der ehemaligen Kapelle – ein acht Meter breites Meisterwerk, das in seiner Wirkung kaum zu übertreffen ist.

Archäologie des Elsass

Im Erdgeschoss zeigt das Museum beeindruckende Fundstücke aus der Kelten- und Römerzeit: Geschmeide, Alltagsgegenstände und Waffen dokumentieren das frühe Leben im Elsass. Diese Abteilung ist besonders für Familien und Schulklassen ein spannender Ausgangspunkt.

BereichHighlights
Rheinische Kunst (Mittelalter)Isenheimer Altar, Skulpturen, Goldschmiedearbeiten
Archäologie ElsassKeltenschmuck, Römerartefakte
19. JahrhundertLandschaftsmalerei, regionale Meister
Moderne (20./21. Jh.)Picasso, Dubuffet, Nicolas de Staël

Moderne und zeitgenössische Kunst im Neubau

Im Neubau von Herzog & de Meuron zeigt das Museum seine Sammlung des 20. und 21. Jahrhunderts. Sehenswert sind Arbeiten von Jean Dubuffet, die expressiven Farbfelder von Nicolas de Staël sowie Skulpturen aus den 1930er Jahren bis in die Gegenwart. Regelmäßige Sonderausstellungen sorgen dafür, dass auch Wiederholungsbesuche lohnenswert bleiben.

Was macht den Isenheimer Altar so besonders?

Der Isenheimer Altar wurde nicht zur reinen Erbauung geschaffen – er hatte eine therapeutische Funktion. Die Antoniter betrieben in Isenheim ein Spital für Pestkranke und an Ergotismus (Antonius-Feuer) Erkrankte. Die verzerrten, leidenden Körper auf dem Altar sollten den Patientinnen und Patienten zeigen: Christus leidet wie du – und ist dennoch auferstanden. Diese Verbindung von Trost und Kunst macht das Werk bis heute so bewegend.

Hinzu kommt die schiere Größe: Jeder Flügel misst fast drei Meter in der Höhe. Die Farbintensität – das leuchtende Gelb der Auferstehung, das tiefe Blau der Gewänder – wirkt in natura völlig anders als auf Reproduktionen. Wer das Original einmal gesehen hat, versteht, warum der Isenheimer Altar zu den bedeutendsten Werken der abendländischen Malerei zählt.

Praktische Informationen für den Besuch

Adresse Unterlindenmuseum Colmar
1 Rue des Unterlinden, 68000 Colmar

Öffnungszeiten Unterlindenmuseum Colmar
Die aktuellen Öffnungszeiten finden Sie hier

KategorieInformation
Adresse1 Rue des Unterlinden, 68000 Colmar
Regulärer Eintrittca. 13 € (Erwachsene)
Kinder unter 12 Jahrenkostenlos
Audioguidekostenlos, auch auf Deutsch
Museumsshop & Caféim Neubau (Herzog & de Meuron)
BarrierefreiheitNeubau vollständig barrierefrei; Aufzüge im Altbau
Anreise (Bahn)ca. 10–15 Min. Fußweg vom Bahnhof Colmar
Beste ReisezeitMärz–Juni und September–November (weniger Andrang)

Audioguide und Führungen

Der kostenlose Audioguide ist auf mehreren Sprachen – darunter Deutsch – erhältlich und führt thematisch durch die Highlights. Wer tiefer einsteigen möchte, kann Gruppenführungen vorbuchen. Besonders empfehlenswert ist die Themenführung zum Isenheimer Altar, die den historischen und religiösen Kontext lebendig macht.

Das Unterlinden-Museum liegt im Herzen der Colmarer Altstadt, nur wenige Gehminuten vom berühmten „Klein-Venedig" – der malerischen Gerbervorstadt an der Lauch – und dem historischen Kaufhaus entfernt. Von Colmar aus lässt sich die gesamte Elsässische Weinstraße erkunden: von den romantischen Fachwerkhäusern in Kaysersberg über die Weinberge des Haut-Rhin bis zum Münster in Straßburg. Wer mehrere Tage im Elsass verbringt, kombiniert den Museumsbesuch ideal mit einer Weinprobe in einem der umliegenden Dörfer oder einer Wanderung durch die Vogesen.

Häufig gestellte Fragen zum Unterlinden Museum

Wann wurde das Unterlinden Museum gegründet?

Das Museum wurde 1853 gegründet – in den Gebäuden eines Dominikanerinnenklosters, das bereits 1232 gestiftet wurde. Es gehört damit zu den ältesten Museen Frankreichs.

Wie lange dauert ein Besuch im Unterlinden Museum?

Für einen guten Überblick sollten mindestens 2–3 Stunden eingeplant werden. Wer alle Ausstellungsbereiche und Sonderausstellungen besichtigen möchte, kann leicht 4 Stunden verbringen.

Gibt es einen kostenlosen Audioguide?

Ja, der Audioguide ist im Eintrittspreis enthalten und steht auf mehreren Sprachen – darunter Deutsch und Französisch – zur Verfügung. Er führt zu allen bedeutenden Ausstellungsstücken, einschließlich des Isenheimer Altars.

Wie kommt man zum Unterlinden Museum?

Das Museum befindet sich im Zentrum von Colmar am Place Unterlinden. Vom Bahnhof Colmar sind es zu Fuß etwa 10–15 Minuten. Mit dem Auto empfiehlt sich das Parken in einem der nahe gelegenen Parkhäuser in der Altstadt.

Ist das Museum barrierefrei zugänglich?

Der Neubau von Herzog & de Meuron ist vollständig barrierefrei. Für den historischen Teil des Museums stehen Aufzüge und Rampen zur Verfügung, sodass alle Ausstellungsbereiche erreichbar sind.

Geheimtipp: Der gotische Kreuzgang – das stille Herz des Museums

Viele Besucherinnen und Besucher eilen durch den mittelalterlichen Kreuzgang des ehemaligen Dominikanerinnenklosters hindurch – auf dem Weg zum Isenheimer Altar. Dabei lohnt sich ein bewusster Halt unter den gotischen Arkaden: Die steinernen Kapitelle zeigen filigrane Reliefs aus dem Leben der Heiligen, und im Sommer liegt eine besondere Stille in der Luft, die kaum einem anderen Ort des Museums eigen ist. Der Kreuzgang gilt als einer der schönsten erhaltenen gotischen Kreuzgänge im gesamten Elsass – und ist im Eintrittspreis inbegriffen.

Tipp: Komm kurz nach der Öffnung (10 Uhr), bevor die ersten Reisegruppen eintreffen. Dann hast du den Kreuzgang oft ganz für dich allein – ein seltenes Erlebnis in einem der meistbesuchten Museen Frankreichs.

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