Stephansdom Wien – Geschichte, Turm & Besucherinfos

Stephansdom

Bild: © WienTourismus / Christian Stemper

Der Stephansdom in Wien ist eines der bedeutendsten Gotteshäuser Mitteleuropas – ein gotisches Meisterwerk, das seit über 850 Jahren das Stadtbild der österreichischen Hauptstadt prägt. Mit seinem charakteristischen Zickzack-Muster auf dem Dach, dem 137 Meter hohen Südturm und der berühmten Pummerin-Glocke ist der „Steffl" weit mehr als nur eine Kirche: Er ist die Seele Wiens.

Geschichte des Stephansdoms

Die Geschichte des Stephansdoms reicht bis ins Jahr 1137 zurück, als an dieser Stelle die erste Kirche geweiht wurde. Der heutige Dom entstand jedoch hauptsächlich im 14. und 15. Jahrhundert – eine Epoche, in der Wien zur bedeutenden Metropole aufstieg. Bauherren, Handwerker und Künstler aus ganz Mitteleuropa schufen über Generationen hinweg dieses gotische Meisterwerk.

ZeitraumEreignis
1137Weihe der ersten romanischen Kirche am Stephansplatz
1230–1263Erneuerung und Erweiterung des Westbaus (Heidentürme)
1304–1340Bau des Albertinischen Chores unter den Habsburgern
1359Grundsteinlegung des gotischen Langhauses durch Rudolf IV.
1433Fertigstellung des 136,7 m hohen Südturms
1945Brand und Teilzerstörung im Zweiten Weltkrieg
1952Feierliche Wiedereröffnung nach dem Wiederaufbau

Die Pummerin – Wiens größte Glocke

Die Pummerin ist die größte Glocke Österreichs und mit rund 20 Tonnen Gewicht eine der schwersten Kirchenglocken Europas. Ihr tiefer, weithin hörbarer Klang läutet in Wien die großen Feste ein – Silvester, Ostern und besondere Staatsereignisse. Den Namen „Pummerin" verdankt sie eben jenem wuchtigen, dumpfen Ton.

Die ursprüngliche Pummerin wurde 1945 beim Brand des Stephansdoms zerstört und fiel aus dem Nordturm auf den Steinboden – sie zerschellte in tausend Teile. Die heutige Glocke wurde 1951 in Linz aus den Fragmenten der alten Pummerin gegossen und ist damit ein Symbol für den Wiederaufbau und die Widerstandskraft Wiens. Mit dem Fahrstuhl im Nordturm gelangen Besucher bequem in rund 60 Meter Höhe und können die imposante Glocke aus nächster Nähe erleben.

Bild: © WienTourismus / Manfred Horvath

Was kann man beim Stephansdom erleben?

Der Stephansdom bietet weit mehr als einen klassischen Kirchenbesuch. Führungen, Turmaufstiege und unterirdische Erkundungen machen ihn zu einem ganztägigen Ausflugsziel für alle Altersgruppen:

  • Kirchenschiff – kostenloser Zutritt, täglich geöffnet; mittelalterliche Kunstwerke und gotische Architektur
  • Nordturm (Pummerin) – Fahrstuhlfahrt zur größten Glocke Österreichs, ca. 60 m Höhe
  • Südturm (Türmerstube) – 343 Stufen, spektakuläres 360°-Panorama über Wien aus 72 m
  • Katakomben & Krypta – geführte Touren durch die mittelalterliche Gruft (Anmeldung empfohlen)
  • Schatzkammer – kostbare Reliquien und liturgische Kunstwerke aus mehreren Jahrhunderten
  • Dommuseum Wien – über 1.000 Jahre Kirchengeschichte, separater Eingang
  • Dom-Quiz für Kinder – interaktive Führungen für Familien mit Schatzsuche-Charakter

Katakomben und Krypta

Unter dem Stephansdom verbirgt sich ein weitverzweigtes Netz an Katakomben, das Besucher auf einer geführten Tour erkunden können. Im Mittelalter dienten diese Gewölbe als Begräbnisstätte: Zwischen 1732 und 1783 wurden hier die sterblichen Überreste von schätzungsweise 11.000 Wienern beigesetzt. Die Knochen wurden in der sogenannten Herzgruft und den Beinkammern aufbewahrt.

Besonders faszinierend ist die Herzgruft, in der die Eingeweide (nicht die Körper) der Habsburger ruhen – ein Brauch, der auf die mittelalterliche Tradition der Mehrfachbestattung zurückgeht. Die Körper der Habsburger befinden sich in der Kaisergruft der Kapuzinerkirche, ihre Herzen in der Augustinerkirche. Die Katakomben sind nur im Rahmen geführter Touren zugänglich, die täglich angeboten werden.

Turmbesteigung: Süd- und Nordturm

Zwei Türme, zwei ganz unterschiedliche Erlebnisse: Der Südturm ist mit 136,7 Metern das Wahrzeichen des Doms schlechthin. 343 Stufen führen durch enge Wendeltreppen hinauf zur Türmerstube – ein Aufstieg, der Kondition erfordert, aber mit einem atemberaubenden 360°-Panorama belohnt. Bei klarem Wetter reicht der Blick über die gesamte Wiener Innenstadt bis zu den Alpen im Süden und Westen.

Der Nordturm blieb historisch unvollendet – ursprüngliche Pläne sahen vor, ihn noch höher als den Südturm zu errichten. Heute ist er mit 68,3 Metern die bequemere Variante: Ein moderner Aufzug führt zur Aussichtsplattform, von der man direkten Blick auf die Pummerin und über das Wiener Stadtpanorama hat. Besonders empfehlenswert: den Besuch beider Türme zu kombinieren und die unterschiedlichen Perspektiven zu vergleichen.

Bild: © WienTourismus / Daniela Stallinger

Architektur und Kunstwerke

Der Stephansdom vereint Baustile verschiedener Epochen zu einem harmonischen Gesamtkunstwerk. Der älteste erhaltene Teil ist das Riesentor aus dem 13. Jahrhundert – ein romanisches Prachtportal mit reichen Skulpturen, das Besucher noch heute in Staunen versetzt. Die flankierenden Heidentürme wurden ursprünglich als Westfassade der romanischen Kirche errichtet und blieben beim gotischen Neubau erhalten.

Die spätgotische Kanzel

Als kunsthandwerkliches Meisterwerk gilt die spätgotische Kanzel von 1515. Meister Anton Pilgram verewigte sich in einem versteckten Selbstbildnis: Der sogenannte „Fenstergucker" schaut verborgen zwischen Kanzel und Orgelfuß hervor – ein humorvolles Detail für aufmerksame Besucher. Der Handlauf der Kanzel ist filigran mit Fröschen, Schlangen und Lurchen verziert; ein kleiner Wachhund hält Wacht gegen das Böse.

Die vier Kirchenväter Ambrosius, Augustinus, Hieronymus und Gregor sind in Stein gehauen ebenfalls an der Kanzel zu finden – jeder in nachdenklicher Pose, als würde er gerade die Predigt des Priesters kommentieren.

Das Dach – 230.000 Glasurziegel im Zickzack-Muster

Das bekannteste visuelle Merkmal des Stephansdoms ist sein farbenprächtiges Dach: Rund 230.000 glasierte Dachziegel in Rot, Gelb, Weiß und Schwarz bilden ein weithin sichtbares Zickzack-Mosaik. Dieses Muster ist kein Zufall – es folgt einer mittelalterlichen Tradition, die Schutz und Stärke symbolisieren sollte.

Auf der Südseite des Dachs sind das Wappen Österreichs und das Wappen der Stadt Wien in Ziegeln eingelegt. Diese patriotischen Details wurden nach dem Wiederaufbau 1952 hinzugefügt und sind ein stummer Dank der Bevölkerung, die den Dom gemeinsam aus den Trümmern des Zweiten Weltkriegs wiederaufgebaut hat. Am besten zu sehen ist das Dach vom Aussichtspunkt auf dem Haas-Haus oder aus einem der umliegenden Hoteldächer.

Bild: © WienTourismus / Peter Rigaud

Rund um den Stephansplatz

Der Stephansplatz ist das lebendige Herz Wiens – ein Platz, auf dem sich Jahrhunderte von Geschichte begegnen. Unmittelbar neben dem Dom fällt das Haas-Haus ins Auge: Hans Holleins postmodernes Glasgebäude aus dem Jahr 1990 spiegelt den Dom spektakulär in seiner geschwungenen Fassade. Bei der Eröffnung hochumstritten, gilt es heute als gelungenes Beispiel zeitgenössischer Stadtarchitektur im Dialog mit historischer Substanz.

Wer im Pflaster des Stephansplatzes genau hinschaut, entdeckt rote und weiße Markierungen: Sie zeigen die Umrisse der mittelalterlichen Magdalenenkapelle (rot) und der Virgilkapelle (weiß), die sich unter dem Platz befinden. Die Virgilkapelle wurde 1978 beim U-Bahn-Bau zufällig entdeckt und stammt aus dem 13. Jahrhundert. Über ein Schaufenster in der U-Bahn-Station Stephansplatz kann man in die Kapelle blicken – ein beeindruckendes Fenster in mittelalterliche Geschichte, mitten im heutigen Stadtgetriebe.

Rund um den Stephansplatz befinden sich das Dommuseum Wien, das Erzbischöfliche Palais sowie das berühmte Kaffeehaus Zum Dom. Die Lage im Herzen der Wiener Inneren Stadt macht den Stephansdom zum idealen Ausgangspunkt für Spaziergänge durch die verwinkelten Gassen des 1. Bezirks.

Adresse Stephansdom Wien
Stephansplatz 3, 1010 Wien

Öffnungszeiten Stephansdom Wien
Montag - Samstag 9.00 - 11.30 Uhr und 13.00 - 16.30 Uhr, Sonn-/Feiertag 13.00 - 16.30 Uhr

Häufig gestellte Fragen zum Stephansdom

Geheimtipp: Der frühmorgendliche Stephansplatz

Die meisten Wien-Besucher erreichen den Stephansplatz gegen 10 Uhr vormittags – dann, wenn die Touristengruppen bereits in Warteschlangen stehen. Wer den Dom in seiner ganzen Stille erleben möchte, sollte schon um 7:30 Uhr dort sein: Das Kirchenschiff öffnet früh für Morgengebete, und der Stephansplatz ist zu dieser Zeit nahezu menschenleer.

In den ersten Morgenstunden tauchen die Sonnenstrahlen das Zickzack-Mosaik des Dachs in warmes Licht, lange Schatten zeichnen die gotischen Fialen nach, und der Dom wirkt dabei fast unwirklich groß und still. Besonders schön ist dann der Blick durch die enge Schönlaterngasse, die in ein paar Minuten Fußweg zu erreichen ist: Von dort aus erscheint der Stephansturm wie ein Gemälde am Ende der Gasse – ein Anblick, der sich fest ins Gedächtnis brennt und den Hochglanzmotiven aller Reiseführer die Stirn bietet.

Bild: © WienTourismus / Peter Rigaud

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