Steigerwald

Der Steigerwald liegt mitten in Franken, wo sich Ober-, Mittel- und Unterfranken berühren. Dieses unaufdringliche kleine Mittelgebirge zwischen Bamberg und Würzburg hat einen eigenen Rhythmus – hier ticken die Uhren tatsächlich etwas langsamer. Hügeliges Land mit dichten Mischwäldern, glitzernden Fischteichen in den Tälern, blühenden Wiesen und Weindörfern, die man sonst nur aus Bilderbüchern kennt.

Was den Steigerwald von anderen Mittelgebirgen unterscheidet: Hier verlaufen Wein und Bier als gleichwertige Kulturgüter nebeneinander. Die Grenze zwischen dem fränkischen Weinland und der oberfränkischen Bierbrauertradition zieht sich mitten durch diese Region. Das fühlt man bei jedem Gasthausbesuch, jedem Marktbesuch und jeder Wanderung auf den sanften Hügeln, die kaum höher als 500 Meter ragen.

Steigerwald: Natur, Kultur und fränkische Lebensfreude

Der Naturpark Steigerwald erstreckt sich über rund 1.200 Quadratkilometer und ist eine der wenigen verbliebenen naturnahen Waldlandschaften Bayerns. Eingebettet zwischen den UNESCO-Welterbestätten Bamberg im Norden und Würzburg im Südwesten, bietet die Region ein ungewöhnlich dichtes Angebot an Natur, Kultur und Genuss.

MerkmalInformation
LageZwischen Bamberg und Würzburg, Franken (Bayern)
Höchster PunktGeiersberg (479 m ü. NN)
Größe Naturparkca. 1.200 km²
HauptorteIphofen, Prichsenstadt, Gerolzhofen, Bad Windsheim
Beste ReisezeitMai bis Oktober (Wandern, Radfahren, Weinlese)
Typisch regionalKarpfen, Frankenwein, Bier aus Kleinstbrauereien

Sehenswürdigkeiten im Steigerwald

Wer durch den Steigerwald reist, begegnet Kulturdenkmälern, die anderswo ganze Tagestouren rechtfertigen würden. Die Region ist so reich bestückt, dass man im Vorbeigehen über Perlen der Barock- und Romanikarchitektur stolpert. Eingerahmt von den UNESCO-Welterbestätten Bamberg und Würzburg, hat der Steigerwald selbst eine erstaunliche Dichte an historischen Bauwerken.

Schloss Weißenstein in Pommersfelden

Das Schloss Weißenstein in Pommersfelden gilt als eines der bedeutendsten Barockschlösser Deutschlands – und es ist kein Zufall, dass Balthasar Neumann es selbst als besonders gelungen bezeichnete. Der prunkvolle Kaisersaal mit seinen Deckenfresken, der imposante Treppenturm und die filigrane Stuckarbeit machen jeden Besuch zu einem Erlebnis. Das Schloss befindet sich noch immer im Privatbesitz der Grafen von Schönborn und kann im Rahmen von Führungen besichtigt werden.

Wer Pommersfelden besucht, sollte sich Zeit für den Schlosspark nehmen: Ein ruhiger Spaziergang durch die barocke Gartenanlage, das kleine Dorf drumherum – das ist Steigerwald pur, ohne Massenbesuch und ohne Hektik.

Kloster Ebrach und mittelalterliche Städtchen

Kloster Ebrach ist das älteste Zisterzienserkloster Frankens und beeindruckt durch seine romanische Grundstruktur und die gotische Klosterkirche mit ihren schlanken Fenstern. Die Führungen durch die Anlage geben einen faszinierenden Einblick in mehr als 800 Jahre Klostergeschichte.

Die mittelalterlichen Städtchen Iphofen, Prichsenstadt und Gerolzhofen sind echte Zeitkapseln: vollständig erhaltene Stadtmauern, Türme und Tore, verwinkelte Gassen und historische Marktplätze. Das Rödelseer Tor in Iphofen gilt als eines der schönsten erhaltenen Stadttore Deutschlands – ein Fotomotiv, das man nicht vergisst. In Prichsenstadt lohnt ein Bummel durch die Altstadt, die außerhalb der Saison beinahe menschenleer und umso authentischer wirkt.

Wandern und Radfahren im Steigerwald

Der Steigerwald ist Wanderland. Über 1.000 Kilometer ausgeschilderte Wege durchziehen den Naturpark, vom gemütlichen Tagesspaziergang bis zur mehrtägigen Tour. Der Steigerwald-Panoramaweg führt entlang der Höhenzüge und bietet immer wieder weite Ausblicke über Weinberge und Waldtäler. Besonders schön: die Herbstwanderungen, wenn die Buchenwälder in satten Rot- und Goldtönen leuchten und die Weinlese beginnt.

  • Steigerwald-Panoramaweg: ca. 160 km, auf den Höhenzügen des Steigerwaldes
  • Apfelweg Steigerwald: durch Streuobstwiesen und kleine Dörfer
  • Steigerwald-Radweg: familienfreundliche Route von Stadt zu Stadt
  • Walderlebnispfad Ebrach: ideal für Familien mit Kindern

Für Radfahrer gibt es gut ausgebaute Wege, die auch für Familien geeignet sind. Der Steigerwald-Radweg verbindet die mittelalterlichen Städtchen auf angenehm flachen Trassen und lässt sich bequem in Etappen mit Einkehr in Gasthöfen unterteilen. Wer im Frühling kommt, erlebt zusätzlich die Obstblüte in den Streuobstwiesen – ein Anblick, für den man keine Kamera braucht, aber gerne eine mitbringt.

Fränkische Küche: Karpfen, Frankenwein und Bier

Die Küche im Steigerwald ist bodenständig, ehrlich und saisonal. Karpfen und Forellen stehen auf fast jeder Speisekarte – die zahlreichen Fischteiche in den Tälern des Steigerwaldes sind die Grundlage dieser Tradition, die bis ins Mittelalter zurückreicht. Karpfen blau, Karpfen gebacken oder Forellenfilet mit Salzkartoffeln: Das ist Steigerwälder Gastlichkeit in ihrer ursprünglichsten Form.

Wein und Bier leben im Steigerwald friedlich nebeneinander. Im Süden und Westen des Gebirges gedeihen auf den Muschelkalk-Böden hervorragende Frankenweine – Silvaner, Müller-Thurgau und Riesling aus charakteristischen Bocksbeuteln. Im nördlichen Steigerwald, wo Oberfranken beginnt, prägen dagegen kleine Privatbrauereien das Bild, manche davon seit Generationen in Familienbesitz. An einem Tisch sitzen Weinkenner und Biertrinker ganz selbstverständlich zusammen – das ist fast schon symbolisch für diese Grenzregion.

Das Kurstädtchen Bad Windsheim mit seiner Franken-Therme bietet eine angenehme Kombination aus Erholung und Kulinarik. Der historische Ortskern und das Fränkische Freilandmuseum machen einen Tagesausflug besonders lohnend.

Warum lohnt sich ein Besuch im Steigerwald?

Weil der Steigerwald all das vereint, was Reisende suchen, die keine Massentourismus-Erfahrung wollen: echte Ursprünglichkeit, eine lebendige Regionalkultur und Landschaften, die man in sich aufnimmt, ohne dabei abgelenkt zu werden. Hier ist kein Themenpark, keine Eventregion – aber genau das macht den Steigerwald so besonders.

Schon Johann Wolfgang von Goethe schrieb aus dieser Region, hier beginne der Süden, hier sei der Himmel blauer. Der Blick über die sanft gewellten Weinbergshänge, die kleinen Fachwerkhäuser und die grünen Wälder gibt ihm Recht – auch heute noch. Wer Ruhe sucht, wer gut essen möchte, wer Kulturdenkmäler entdecken will, ohne Warteschlangen zu stehen: Der findet das im Steigerwald.

Ob im historischen Stadthotel oder im familiären Privathaus am Kurpark – die Gastgeber rund um Bad Windsheim und im Steigerwald pflegen eine Tradition der persönlichen Gastlichkeit, die man in Großstädten vergeblich sucht. Viele Häuser sind seit Generationen in Familienbesitz und das merkt man.

Häufig gestellte Fragen zum Steigerwald

Wo liegt der Steigerwald?

Der Steigerwald liegt in Franken (Bayern) zwischen Bamberg und Würzburg und erstreckt sich über Ober-, Mittel- und Unterfranken.

Was ist der Steigerwald?

Ein bewaldetes Mittelgebirge in Franken, als Naturpark ausgewiesen, bekannt für Mischwälder, Fischteiche, Weinberge und mittelalterliche Städtchen.

Was kann man im Steigerwald unternehmen?

Wandern, Radfahren, Weinproben und Kulturausflüge zu Schloss Weißenstein, Kloster Ebrach und den Städtchen Iphofen und Prichsenstadt.

Wann ist die beste Reisezeit?

Mai bis Oktober – Frühling für die Obstblüte, Sommer für Outdoor-Aktivitäten, Herbst für die Weinlese und leuchtende Buchenwälder.

Wie komme ich in den Steigerwald?

Mit dem Auto über die A3 oder A70, mit der Bahn nach Bamberg oder Würzburg, dann mit Regionalbahn oder Bus weiter.

Geheimtipp: Die Vogelsburg über den Weinbergen

Wer den Steigerwald abseits der bekannten Routen erkunden möchte, dem sei die Vogelsburg bei Volkach empfohlen. Hoch über den Mainschleifen thront diese ehemalige Wallfahrtskapelle auf einem Felsen mitten in den Weinbergen – ein Ort, der so aussieht, als hätte ihn jemand für ein Postkartenmotiv erfunden. Das Kloster Münsterschwarzach pflegt die Kapelle, die zu Fuß über die Weinbergswege erreichbar ist. Oben angekommen, ist der Blick auf die Mainkurve bei Volkach ein stiller Moment, den man nicht so schnell vergisst. Besonders empfehlenswert im Herbst, wenn die Reben in Rot und Gold leuchten und unten im Ort die Weinlese in vollem Gange ist.

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