Naturkundemuseum - Kassel

Naturkundemuseum: Ottoneum & Sammlungen entdecken

Wenn in Kassel die documenta alle fünf Jahre die Stadt zur Weltkunsthauptstadt macht, haben viele Besucher das Naturkundemuseum Kassel noch gar nicht auf dem Radar. Dabei steckt in diesem unscheinbaren Haus am Steinweg eine der ältesten naturhistorischen Sammlungen Europas – untergebracht im Ottoneum, dem ältesten erhaltenen Theaterbau des Kontinents. Hier trifft über 450 Jahre Sammlungsgeschichte auf Kuriositäten, die in dieser Form kein anderes Museum der Welt besitzt: ein Elefantenskelett, das Goethe für seine anatomische Forschung nutzte, eine Bibliothek aus 530 Büchern, die vollständig aus Holz gefertigt sind, und Deutschlands ältestes Herbarium.

Das Museum ist kein Aushängeschild für satte Etats oder spektakuläre Architektur – es ist ehrlich, dicht und hat mehr Charakter als manches Flagship-Museum in der Großstadt. Der Eintritt ist erschwinglich, die Dauerausstellung überraschend vielseitig, und das Gebäude selbst ist bereits ein Erlebnis. Alle weiteren Ausflugstipps und Hotelangebote in der Stadt findest du auf unserer Kassel-Reiseseite.

Geschichte und Bedeutung: Das Ottoneum als ältestes Theater Europas

Die Geschichte des Naturkundemuseums Kassel beginnt nicht im 19. Jahrhundert wie bei so vielen seiner Artgenossen, sondern bereits im Jahr 1568 – in einer Kunstkammer. Landgraf Wilhelm IV. von Hessen-Kassel legte damals eine Sammlung aus Kunstgegenständen, wissenschaftlichen Instrumenten und Naturkuriositäten an, die zu den bedeutendsten ihrer Zeit gehörte. Teile der Sammlung des niederländischen Naturkundlers Bernardus Paludanus (1550–1633) flossen über Ankäufe in den Bestand ein – eine der frühesten planmäßig aufgebauten naturhistorischen Sammlungen Nordeuropas.

Das Ottoneum: Vom Theater zum Naturkundemuseum

Das Gebäude, in dem das Museum heute untergebracht ist, hat eine mindestens ebenso faszinierende Geschichte. Das Ottoneum wurde zwischen 1604 und 1606 unter Landgraf Moritz von Hessen-Kassel erbaut – als erstes eigens für das Theater konzipiertes Gebäude auf dem europäischen Kontinent. 1606 wurde es feierlich eingeweiht. Doch die Karriere als Spielstätte war kurz: Bereits 1696 wurde das Ottoneum zur Aufbewahrung der Naturkundesammlung umgewidmet. Seitdem beherbergt es – mit kurzen Unterbrechungen – das Naturkundemuseum.

Vom Stadtmuseum zur eigenständigen Institution

Als unabhängige Institution besteht das Naturkundemuseum Kassel seit 1884. Es ist ein städtisches Museum der Stadt Kassel – nicht zu verwechseln mit der staatlichen Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK), die 2023 in „Hessen Kassel Heritage" umbenannt wurde. Das Naturkundemuseum operiert eigenständig unter dem Dach der Kasseler Stadtverwaltung und hat sich als bedeutende Forschungs- und Bildungseinrichtung etabliert.

JahrEreignis
1568Beginn der naturkundlichen Sammlung in der Kunstkammer Wilhelms IV.
1590erAnkauf von Teilen der Sammlung des Bernardus Paludanus
1604–1606Bau des Ottoneums unter Landgraf Moritz – erstes Theatergebäude Europas
1696Umwidmung des Ottoneums zur Aufnahme der Naturkundesammlung
1884Naturkundemuseum wird eigenständige Institution
HeuteÜber 785.000 Objekte, digitalisiert und für die Forschung zugänglich

Was gibt es im Naturkundemuseum Kassel zu sehen?

Mit rund 785.000 Objekten gehört das Naturkundemuseum Kassel zu den bedeutenden naturhistorischen Sammlungen Deutschlands. Drei Objekte stechen dabei als internationale Raritäten hervor:

  • Herbarium Ratzenberger (1556–1592): Drei ledergebundene Folianten mit über 700 gepressten Pflanzen – das älteste erhaltene Herbarium Deutschlands, angelegt von Caspar Ratzenberger und 1592 Landgraf Wilhelm IV. überreicht.
  • Schildbach-Holzbibliothek (1771–1799): 530 kunstvoll gearbeitete „Bücher", jedes aus dem Holz einer heimischen Baumart gefertigt. Carl Schildbach arbeitete fast 30 Jahre an diesem Werk – ein absolutes Unikat auf der Welt.
  • Goethe-Elefant: Das Skelett eines indischen Elefanten, der ab 1773 in der landgräflichen Menagerie lebte. Johann Wolfgang von Goethe untersuchte es 1784 für seine wegweisende Forschung zum Zwischenkieferknochen – eine Schlüsselentdeckung der vergleichenden Anatomie.
  • Mammut-Skelett: Ein originalgetreues Mammut-Skelett begrüßt Besucher im ersten Obergeschoss – ein Besuchermagnet für Groß und Klein.
  • Dauerausstellung „Erde und Naturgeschichte der Region": Vom Ozean-Boden über den Urwald bis zur Eiszeit-Steppe zeigt die Ausstellung originale Fossilien und Präparate aus der nordhessischen Region.

Aktuelle Sonderausstellungen

AusstellungLaufzeitThema
Mistviecher!?Okt. 2025 – Sep. 2026Tiere, die als Schädlinge gelten – und warum das oft falsch ist
Höher Schneller WeiterLaufendTiere als Bewegungskünstler: Rekorde aus allen Lebensräumen

Wie lange sollte man für das Naturkundemuseum Kassel einplanen?

Für einen entspannten Rundgang durch die Dauerausstellung inklusive der drei Highlight-Objekte sollte man mindestens 1,5 bis 2 Stunden einplanen. Wer die Sonderausstellungen dazunimmt oder die Sammlungstiefe wirklich auskosten möchte, kann leicht auf 3 Stunden kommen. Familien mit Kindern sollten etwas großzügiger kalkulieren – die interaktiven Stationen laden zum Verweilen ein.

Öffnungszeiten

TagÖffnungszeiten
Dienstag10:00 – 17:00 Uhr
Mittwoch10:00 – 20:00 Uhr (Abendöffnung!)
Donnerstag10:00 – 17:00 Uhr
Freitag10:00 – 17:00 Uhr
Samstag10:00 – 17:00 Uhr
Sonntag10:00 – 18:00 Uhr
MontagGeschlossen

Eintrittspreise

KategoriePreis
Erwachsene1,50 €
Ermäßigt1,00 €
Gruppen ab 10 Personen1,00 € pro Person
Schulkinder0,50 € pro Person
Kinder unter 6 JahrenKostenlos

Anreise & Adresse

InformationDetails
AdresseSteinweg 2, 34117 Kassel
ÖPNVFußläufig vom Kasseler Hauptbahnhof (ca. 10 Minuten)
ParkenParkhaus Friedrichsplatz oder Königsplatz in der Nähe
Kontaktnaturkundemuseum@kassel.de | Tel.: 0561-787-4066

Kassel entdecken: Was liegt rund ums Naturkundemuseum?

Das Naturkundemuseum liegt mitten in der Kasseler Innenstadt – ideal als Teil eines längeren Städtetrips. Die Kombination aus Ottoneum, Flanieren durch die Fußgängerzone und einem Ausflug in den Bergpark Wilhelmshöhe mit Schloss ergibt einen runden Kassel-Tag. Das UNESCO-Welterbe liegt nur eine Straßenbahnfahrt entfernt und bietet mit Herkules-Monument, Wasserspielen und Gemäldegalerie ein komplettes Gegenprogramm zur Naturkunde.

Wer nach dem Museumsbesuch etwas für Körper und Seele tun möchte, findet in der Kurhessen Therme die ideale Ergänzung: Thermal- und Saunalandschaft in zentraler Lage. Für Familien mit größeren Kindern ist auch die Grimmwelt – Kassels modernes Museum der Gebrüder Grimm – einen Abstecher wert. Kassel ist eben nicht nur eine Stadt, die alle fünf Jahre für die documenta lebt, sondern das ganze Jahr eine lohnende Kulturmetropole.

Ausflugsziele in der Umgebung des Naturkundemuseums

AusflugszielEntfernung / Hinweis
Bergpark Wilhelmshöhe (UNESCO-Welterbe)Ca. 5 km / Straßenbahn Linie 1
GrimmweltCa. 2 km / Fußweg möglich
Kurhessen ThermeCa. 2 km / Bus oder Taxi
Neue Galerie (documenta-Archiv)Ca. 1 km / Fußweg
FridericianumCa. 500 m / Fußweg

Geheimtipp: Was die meisten Besucher im Naturkundemuseum Kassel verpassen

Die meisten Besucher steuern direkt auf Mammut-Skelett und Goethe-Elefant zu – völlig verständlich. Aber wer Zeit mitbringt, sollte unbedingt einen Blick in die Schildbach-Holzbibliothek werfen, die oft im mittleren Ausstellungsbereich fast übersehen wird. Die 530 Bände, jeder aus dem Holz eines anderen heimischen Baumes gefertigt, sind bei näherer Betrachtung atemberaubend handwerklich: Der Buchrücken täuscht eine lederne Bindung vor, aber alles – wirklich alles – ist aus dem entsprechenden Holz geschnitzt, geschliffen und gefärbt. Carl Schildbach arbeitete fast 30 Jahre an diesem Werk. Es ist das einzige seiner Art auf der Welt.

Ein weiterer Tipp: Besuche das Museum mittwochs – dann hat es bis 20:00 Uhr geöffnet. So kann man abends in Ruhe durch die Dauerausstellung schlendern, wenn der Tagesandrang der Schulklassen längst vorbei ist. Für den Abend empfiehlt sich anschließend ein Spaziergang zum Friedrichsplatz und ein Blick auf das beleuchtete Fridericianum. Wer die documenta-Seele Kassels kennenlernen möchte, schaut auch bei der Neuen Galerie vorbei, die nur wenige hundert Meter entfernt liegt.

FAQ zum Naturkundemuseum Kassel

Was ist das Besondere am Naturkundemuseum Kassel?

Das Naturkundemuseum Kassel vereint drei international einzigartige Sammlungsobjekte: das älteste Herbarium Deutschlands (Herbarium Ratzenberger, 1556–1592), die Schildbach-Holzbibliothek (530 handgefertigte Bücher aus heimischen Hölzern, 1771–1799) und den sogenannten Goethe-Elefanten – das Skelett eines Elefanten, das Goethe 1784 für seine anatomischen Forschungen nutzte. Es ist untergebracht im Ottoneum, dem ältesten erhaltenen Theaterbau Europas.

Was kostet der Eintritt ins Naturkundemuseum Kassel?

Die Eintrittspreise sind außergewöhnlich günstig: Erwachsene zahlen 1,50 €, ermäßigt 1,00 €. Schulkinder kommen für 0,50 € rein, Kinder unter 6 Jahren haben freien Eintritt. Damit zählt das Museum zu den günstigsten naturhistorischen Museen in Deutschland.

Wann hat das Naturkundemuseum Kassel geöffnet?

Das Museum ist dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr, samstags bis 17 Uhr, sonntags bis 18 Uhr und mittwochs bis 20 Uhr geöffnet. Montags bleibt es geschlossen. Der Mittwochabend-Slot ist besonders empfehlenswert für einen ruhigen Besuch ohne Schulklassen.

Wie komme ich zum Naturkundemuseum Kassel?

Das Museum befindet sich zentral in der Kasseler Innenstadt, Steinweg 2, 34117 Kassel. Vom Kasseler Hauptbahnhof ist es fußläufig in etwa 10 Minuten erreichbar. Mit dem Auto sind Parkhäuser am Friedrichsplatz und Königsplatz in unmittelbarer Nähe.

Ist das Naturkundemuseum Kassel für Kinder geeignet?

Ja, das Museum ist ausdrücklich familienfreundlich. Das Mammut-Skelett, die interaktiven Stationen und die Sonderausstellungen begeistern Kinder ab Grundschulalter. Die niedrigen Eintrittspreise machen einen Familienbesuch besonders attraktiv.

Das Naturkundemuseum Kassel ist eine jener Institutionen, die man einmal besucht hat und nicht mehr vergisst – nicht wegen eines pompösen Auftritts, sondern wegen der Dichte an echten Raritäten. Von der Kunstkammer des 16. Jahrhunderts bis zur modernen Dauerausstellung über die Naturgeschichte der Region erzählt dieses Museum eine Geschichte, die weit über Kassel hinausreicht. Wer die Stadt weiter erkunden möchte, findet auf unserer Hessen-Reiseseite weitere Ideen und Ausflugstipps für ganz Nordhessen.

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