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Kurfürstliches Schloss Mainz
Kurfürstliches Schloss Mainz: Ein Blick in die kurfürstliche Vergangenheit
Wer zum ersten Mal am Mainzer Rheinufer entlangläuft und den Blick schweifen lässt, bleibt unweigerlich vor ihm stehen: dem Kurfürstlichen Schloss. Der rote Sandsteinbau erstreckt sich über 75 Meter entlang des Rheins und gilt als eines der bedeutendsten Renaissance-Bauwerke Deutschlands – ein Titel, den Kunsthistoriker dem Mainzer Schloss sogar bereitwilliger verleihen als dem bekannteren Heidelberger Schloss. Hier tagt das Landesparlament Rheinland-Pfalz, hier forscht ein weltberühmtes archäologisches Museum, und hier findet alljährlich Deutschlands bekannteste Karnevalssitzung statt. Das Kurfürstliche Schloss ist kein bloßes Postkartenmotiv – es ist ein lebendiges Stück Stadtgeschichte.
Bild: © Landeshauptstadt Mainz
Geschichte des Kurfürstlichen Schlosses
Die Geschichte des Kurfürstlichen Schlosses beginnt eigentlich mit einer Burg: der Martinsburg, die von 1478 bis 1480 als Residenz der Mainzer Erzbischöfe und Kurfürsten errichtet wurde. Was uns heute als Schloss bekannt ist, entstand jedoch erheblich später – und unter denkbar widrigen Umständen.
Der Grundstein für den heutigen Renaissancebau wurde 1627 unter Kurfürst Georg Friedrich von Greiffenklau zu Vollrads gelegt. Kaum hatte man begonnen, warf der Dreißigjährige Krieg die Baupläne durcheinander. Es sollte bis 1678 dauern, bis der Rheinflügel fertiggestellt wurde – und weitere Jahrzehnte, bis das Ensemble 1752 seine heutige Gestalt erhielt. Rund 125 Jahre Bauzeit für ein Gebäude: das sagt viel über die Wirren jener Epoche aus.
Einst gehörte dem Schloss auch eine prächtige Haupttreppe, entworfen von keinem Geringeren als Balthasar Neumann – dem Barockbaukünstler schlechthin. Die Franzosen, die Mainz 1792 besetzten, montierten sie kurzerhand ab. Was blieb, waren die beeindruckenden Außenfassaden. Und dann kam der Zweite Weltkrieg: Am 27. Februar 1945 wurde das Schloss bei einem Bombenangriff schwer getroffen. Nur die Außenmauern standen noch. Der Wiederaufbau von 1948 bis 1949 war erstaunlich schnell – und 1990 wurde die Fassade erneut im ursprünglichen Sandsteinrot gestrichen, das dem Gebäude noch heute seinen unverwechselbaren Charakter verleiht.
Zeittafel: Das Kurfürstliche Schloss im Wandel der Zeit
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1478–1480 | Bau der Martinsburg als erste Residenz der Mainzer Erzbischöfe |
| 1627 | Grundsteinlegung für den heutigen Renaissancebau |
| 1678 | Fertigstellung des Rheinflügels |
| 1752 | Endgültige Vollendung des Schlosses nach über 125 Jahren Bauzeit |
| 1792 | Französische Besetzung; Balthasar-Neumann-Treppe wird demontiert |
| 1806 | Ende des Kurfürstentums Mainz; Schloss wird Kaserne, Krankenhaus, Zollhaus |
| 1945 | Schwere Kriegsschäden durch Bombenangriff; nur Außenmauern erhalten |
| 1948–1949 | Wiederaufbau des Schlosses |
| 1990 | Neuanstrich der Fassaden im historischen Sandsteinrot |
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Architektur – Ein Renaissancebau am Rhein
Das Kurfürstliche Schloss ist ein Meisterstück der deutschen Spätrenaissance – und das im besten Sinne. Die Fassade mit ihren reich verzierten Fenstereinfassungen, den Ecktürmen und den charakteristischen Erkern ist ein Lehrbuchbeispiel für die Formensprache dieser Epoche. Kunsthistoriker bescheinigen dem Mainzer Schloss eine Reichhaltigkeit in der Gestaltung, die es sogar über das bekanntere Heidelberger Schloss stellt. Wer beide Gebäude besucht, kann sich selbst ein Urteil bilden – und dabei gleich zwei wunderschöne Rheinstädte kennenlernen.
Besonders markant ist die rote Sandsteinfassade, die dem Schloss seinen Volksmund-Beinamen eingebracht hat: das „rote Schloss". Mit rund 75 Metern Länge entlang des Rheinufers beherrscht es die Mainzer Waterfront. Keine Überraschung also, dass es auf kaum einem Mainz-Foto fehlt – ob bei Tageslicht oder im goldenen Abendlicht.
Architekturfakten auf einen Blick
| Merkmal | Details |
|---|---|
| Baustil | Spätrenaissance |
| Baumaterial | Roter Sandstein |
| Länge entlang des Rheins | ca. 75 Meter |
| Ecktürme | An allen vier Ecken |
| Besondere Zierdetails | Reich gerahmte Fenster, Erkerfenster, barocke Dekorelemente |
| Verlorene Innenausstattung | Balthasar-Neumann-Treppe (1792 von Franzosen entfernt) |
| Heutiger Erhaltungszustand | Außenmauern original; Innenraum nach 1945 wiederaufgebaut |
| UNESCO-Relevanz | Teil der historischen Mainzer Rheinfront, Kandidat für UNESCO-Erbe |
Bild: © Landeshauptstadt Mainz
Was ist heute im Kurfürstlichen Schloss zu erleben?
Das Kurfürstliche Schloss ist kein Museum zum Durchschreiten, das man nach 45 Minuten abhakt – es ist ein Ort, an dem Geschichte auf lebendigem Alltag trifft. Gleich drei Institutionen haben hier ihren Platz gefunden:
- Landtag Rheinland-Pfalz (Westflügel): Das Parlament des Bundeslandes tagt im historischen Gemäuer. Bei öffentlichen Sitzungen sind Besuchergalerien zugänglich – Demokratie hautnah, umgeben von Jahrhunderten Geschichte.
- Römisch-Germanisches Zentralmuseum – RGZM (Ostflügel): Eines der bedeutendsten archäologischen Forschungsmuseen Europas mit Originalfunden von der Steinzeit bis ins Mittelalter. Das Beste: Eintritt frei, Di–So 10–18 Uhr. Selten bekommt man so viel Geschichte für so wenig Geld.
- Mainz Congress (Nordflügel): Rund 2.500 m² Veranstaltungsfläche mit acht Sälen für bis zu 800 Personen. Kongresse, Messen, Kulturveranstaltungen – der historische Rahmen verleiht jedem Event ein besonderes Flair.
Das absolute Highlight im Jahreskalender ist jedoch „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht": die traditionsreiche Karnevalssitzung, die jährlich live im ZDF übertragen wird und bundesweit Millionen Zuschauer begeistert. Wer einmal live dabei sein möchte – Karten sind heiß begehrt und meist schnell vergriffen.
Auch wer keine Veranstaltung besucht: Der Schlosshof und das Rheinufer sind kostenlos und jederzeit zugänglich. Einfach vorbeischlendern, die Fassade auf sich wirken lassen und den Rhein genießen.
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Mainz rund ums Schloss – Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Das Kurfürstliche Schloss liegt zentral am Mainzer Rheinufer – und die Umgebung hat einiges zu bieten. Wer nach dem Schlossbesuch weiterschlendert, stößt schnell auf weitere Highlights der Stadt. Mainz ist eine Stadt, die man sich am besten zu Fuß erschließt: Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten sind alle innerhalb von maximal 15 Gehminuten erreichbar.
| Sehenswürdigkeit | Entfernung | Highlight |
|---|---|---|
| Mainzer Dom (St.-Martin-Dom) | ca. 700 m | Einer der bedeutendsten romanischen Dome Deutschlands, über 1.000 Jahre Geschichte, kostenloser Eintritt |
| Gutenberg-Museum | ca. 800 m | Weltberühmtes Museum zur Geschichte des Buchdrucks – mit echter Gutenberg-Bibel |
| St. Stephan Kirche (Chagall-Fenster) | ca. 1,1 km | Leuchtend blaue Glasfenster von Marc Chagall – ein Kunstgenuss der Sonderklasse |
| Schillerplatz | ca. 500 m | Historisches Zentrum mit Fachwerkarchitektur, Cafés und lebhaftem Markt |
| Rheingoldhalle | angrenzend | Modernes Kongresszentrum direkt neben dem Schloss, mit Rheinblick-Terrasse |
| Mainzer Altstadt | ca. 400 m | Kleine Gassen, urige Weinstuben, Cafés und Boutiquen – ideal zum Bummeln |
| Rheinufer-Promenade | direkt angrenzend | Entspanntes Flanieren mit Blick auf den Rhein und die Schloss-Fassade |
Wer die Stadt mit etwas mehr Tiefe entdecken möchte, sollte eine der zahlreichen geführten Stadtführungen buchen – viele starten direkt am Kurfürstlichen Schloss und nehmen das Gebäude als Ausgangspunkt für einen Rundgang durch 2.000 Jahre Stadtgeschichte.
Bild: © Landeshauptstadt Mainz
Anreise und praktische Informationen
Das Kurfürstliche Schloss ist gut erreichbar – egal ob mit Bahn, Bus oder Auto. Die Adresse: Peter-Altmeier-Allee 9, 55116 Mainz.
| Anreiseart | Details |
|---|---|
| Mit dem Zug | Mainz Hauptbahnhof, dann Straßenbahn (Linie 50/51) oder 15 Min. Fußweg entlang der Rheinpromenade |
| Mit dem Bus | Buslinien 6, 6A oder 9 ab Hauptbahnhof bis Haltestelle „Landtag" – direkt vor dem Schloss |
| Mit dem Auto | Autobahn A60/A63, Ausfahrt Mainz-Zentrum; Parken: Rheinufergarage (1 Gehminute, 497 Plätze), Parkhaus Rathaus (6 Gehminuten, 545 Plätze) |
| Mit dem Schiff | Rhein-Anleger Mainz direkt an der Promenade nahe dem Schloss – Tagesausflüge per Schiff sehr empfehlenswert |
Öffnungszeiten und Eintritt
| Bereich | Öffnungszeiten | Eintritt |
|---|---|---|
| Schlosshof und Außenanlage | Jederzeit zugänglich | Kostenlos |
| RGZM (Röm.-Germ. Zentralmuseum) | Di–So, 10:00–18:00 Uhr | Kostenlos |
| Landtag Rheinland-Pfalz | Bei öffentlichen Sitzungen | Kostenlos (Besuchergalerie) |
| Mainz Congress (Veranstaltungen) | Je nach Veranstaltung | Je nach Veranstaltung |
Bild: © Landeshauptstadt Mainz
Häufige Fragen zum Kurfürstlichen Schloss Mainz
Antworten auf die häufigsten Fragen
Wann wurde das Schloss gebaut? Die Ursprünge reichen bis zur Martinsburg von 1478 zurück. Der heutige Renaissancebau entstand zwischen 1627 und 1752.
Öffentlich zugänglich? Ja! Schlosshof und Außenanlagen kostenlos, jederzeit. Das RGZM ist Di–So 10–18 Uhr kostenlos geöffnet.
Was befindet sich heute darin? Landtag Rheinland-Pfalz (Westflügel), RGZM-Museum (Ostflügel) und Mainz Congress (Nordflügel).
Wie komme ich hin? Bus 6, 6A oder 9 bis Haltestelle „Landtag". Zu Fuß vom Hauptbahnhof in ca. 15 Minuten.
Berühmtestes Event? „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht" – die Karnevalssitzung, live im ZDF übertragen.
Restaurant im Schloss? Nein – aber die Rheinpromenade und Mainzer Altstadt direkt nebenan bieten reichlich Auswahl.
Geheimtipp: Das Schloss von der gegenüberliegenden Rheinseite
Wer das Kurfürstliche Schloss wirklich im besten Licht sehen möchte, sollte die Perspektive wechseln: Am schönsten wirkt das rote Sandsteingebäude von der gegenüberliegenden Rheinseite aus – idealerweise bei Sonnenuntergang von Wiesbaden-Kastel (am Fuß der Theodor-Heuss-Brücke). Das Schloss leuchtet dann in warmen Rottönen, der Rhein glänzt golden, und das gesamte Mainzer Stadtpanorama zeigt sich von seiner allerschönsten Seite. Kostenlos, jederzeit erreichbar – und kaum in einem Reiseführer erwähnt.