Cecilienhof

Schloss Cecilienhof, versteckt im üppigen Grün des Neuen Gartens in Potsdam, vereint Kaiserzeit und Weltgeschichte unter einem Dach. Das letzte Schloss der Hohenzollern wurde zwischen 1913 und 1917 im Auftrag Kaiser Wilhelms II. für seinen Sohn Kronprinz Wilhelm und dessen Gemahlin Cecilie erbaut – und prägt bis heute das historische Selbstverständnis der Brandenburger Landeshauptstadt. Was als fürstliche Sommerresidenz begann, schrieb im Juli 1945 Weltgeschichte: Bei der Potsdamer Konferenz der Alliierten besiegelten die Siegermächte hier das Schicksal Nachkriegsdeutschlands. Heute empfängt das denkmalgeschützte Gebäude sowohl neugierige Besucher als auch Gäste des darin ansässigen Hotels.

Geschichte des Schlosses Cecilienhof

Die Geschichte des Schlosses Cecilienhof beginnt mit einer ungewöhnlichen Bauaufgabe: Kaiser Wilhelm II. wünschte sich für Kronprinz Wilhelm und Kronprinzessin Cecilie ein Domizil, das nicht den steif-repräsentativen Preußen-Prachtstil der Vorgängerbauten widerspiegeln sollte. Der Auftrag ging an den Architekten Paul Schultze-Naumburg, der von 1913 bis 1917 ein Gebäude schuf, das sich optisch radikal von allem Dagewesenen in der Potsdamer Schlösserlandschaft unterschied.

Cecilienhof ist das einzige Schloss der Hohenzollern, das während des Ersten Weltkriegs fertiggestellt wurde – und das letzte, das die Dynastie je bauen ließ. Mit dem Ende des Kaiserreichs 1918 musste das Kronprinzenpaar ins Exil. In den 1930er-Jahren kehrte das Paar vorübergehend nach Cecilienhof zurück. Als 1945 die Rote Armee auf Potsdam vorrückte, floh die Familie erneut und ließ das Schloss mitsamt Einrichtung zurück.

Das Gebäude blieb gut erhalten und wurde 1960 als Museum und Hotel genutzt. Seit 1990 gehört Schloss Cecilienhof zum UNESCO-Welterbe „Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin" – eine Auszeichnung, die das Schloss gemeinsam mit über 500 Hektar Parklandschaft und rund 150 weiteren Bauwerken in der Region trägt.

Architektur im englischen Landhausstil

Das Erscheinungsbild von Schloss Cecilienhof ist für ein Hohenzollern-Schloss ausgesprochen ungewöhnlich: Statt barockem Prunk oder klassizistischer Strenge wählte man den englischen Landhausstil – auch als Tudor-Stil bekannt. Rote Backsteinfassaden, markante Holzfachwerk-Elemente, verschachtelte Dachabschnitte und romantisch wirkende Schornsteine prägen das Bild.

Mit seinen 176 Zimmern ist Cecilienhof zwar flächenmäßig ein echtes Schloss, wirkt aber dank der geschickt um mehrere Innenhöfe gruppierten Baukörper überraschend wohnlich. Um das wahre Ausmaß zu verschleiern, setzt die Architektur auf organisches Wachstum statt auf Symmetrie.

MerkmalDetails
Baujahr1913–1917
ArchitektPaul Schultze-Naumburg
StilEnglischer Landhausstil (Tudor)
Zimmer176
Flächeca. 8.700 m²
UNESCO-Welterbeseit 1990

Im Inneren bildet die holzvertäfelte Wohnhalle das Herzstück, von der aus eine mächtige Holztreppe ins Obergeschoss führt. Das Kronprinzenpaar nutzte getrennte Flügel: Der Hausherr hatte Rauchsalon, Bibliothek und Frühstückszimmer, die Kronprinzessin Musiksalon, Schreibzimmer und ein im Stil einer Schiffskabine gestaltetes Kabinett.

Was machte Schloss Cecilienhof weltberühmt?

Cecilienhof verdankt seine weltweite Bekanntheit einem einzigen Sommer: Im Juli und August 1945 fand hier die Potsdamer Konferenz statt – das letzte große Gipfeltreffen der Alliierten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa. US-Präsident Harry S. Truman, der britische Premierminister Winston Churchill (später Clement Attlee) und der sowjetische Staatschef Josef Stalin trafen in Cecilienhof Entscheidungen, die das Schicksal Deutschlands und Europas für Jahrzehnte prägten. Das Konferenzzimmer ist bis heute im Originalzustand erhalten und für Besucher zugänglich.

Die Potsdamer Konferenz 1945

Vom 17. Juli bis zum 2. August 1945 verwandelte sich Schloss Cecilienhof in einen internationalen Verhandlungsraum von historischer Tragweite. Für die sowjetische Seite wurde eigens ein roter Stern aus roten Geranien im Ehrenhof gepflanzt – dieses Blumenbeet ist bis heute rekonstruiert und für Besucher sichtbar.

Im Mittelpunkt der Konferenz standen die „Vier Ds": Demilitarisierung, Denazifizierung, Dezentralisierung und Demokratisierung Deutschlands. Zudem wurden die künftige Grenze zwischen Deutschland und Polen, die Reparationsfragen und der weitere Umgang mit den besetzten Gebieten grundsätzlich geregelt. Das Ergebnis der Verhandlungen wurde im Potsdamer Abkommen festgehalten und am 2. August 1945 unterzeichnet.

Was viele nicht wissen: Die Konferenz startete wenige Stunden nach dem ersten erfolgreichen Atomwaffentest der USA in New Mexico. Präsident Truman informierte Stalin am Rande der Konferenz darüber – ein historischer Moment, der die Entwicklung des Kalten Krieges vorwegnahm. Die Originalräume der Konferenz, darunter der runde Konferenztisch, sind Teil der musealen Dauerausstellung.

Die wichtigsten Beschlüsse im Überblick

Das Potsdamer Abkommen legte die Grundzüge der deutschen Nachkriegsordnung fest:

  • Vier Besatzungszonen: Deutschland wurde in amerikanische, britische, französische und sowjetische Zonen aufgeteilt.
  • Entnazifizierung: Alle NS-Strukturen sollten aufgelöst und führende Nationalsozialisten vor Gericht gestellt werden (Nürnberger Prozesse).
  • Territoriale Neuordnung: Die Oder-Neiße-Linie wurde als vorläufige Westgrenze Polens festgelegt.
  • Reparationen: Deutschland sollte in Form von Sachgütern und Industrieausrüstungen Reparationsleistungen erbringen.
  • Kontrollrat: Ein gemeinsamer Alliierter Kontrollrat sollte gesamtdeutsche Angelegenheiten regeln.
  • Bevölkerungstransfers: Die Umsiedlung der deutschen Bevölkerung aus Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn wurde gebilligt.

Adresse Schloss Cecilienhof
Im Neuen Garten, 14469 Potsdam

Öffnungszeiten Schloss Cecilienhof
Die aktuellen Öffnungszeiten und Eintrittspreise finden Sie auf der Website der SPSG.

Anreise
Mit dem Bus (Linie 603) direkt bis zur Haltestelle Cecilienhof. Aus Berlin: S-Bahn bis Potsdam Hauptbahnhof, ca. 30 Min.

Schloss Cecilienhof im Neuen Garten Potsdam

Das Schloss liegt am Ufer des Jungfernsees, eingebettet in den englischen Landschaftsgarten Neuer Garten. Angelegt ab 1787 auf Geheiß König Friedrich Wilhelms II., folgt der Park dem Ideal des englischen Landschaftsgartens: geschwungene Wege, romantische Sichtachsen und sanft abfallende Rasenflächen bis ans Wasser – ein bewusster Kontrast zum streng geometrischen Sanssouci-Park auf der anderen Seite der Stadt.

Auf einem Spaziergang durch den Neuen Garten lassen sich neben Cecilienhof auch das Marmorpalais, der Gotische Bibliotheksturm und das Pfingstberg-Ensemble entdecken. Wer Zeit hat, sollte den Weg entlang des Seeufers bis zur Glienicker Brücke fortsetzen – jene legendäre Brücke, auf der im Kalten Krieg mehrfach Agenten ausgetauscht wurden.

Die Nähe zu Berlin macht Potsdam zu einem idealen Ausflugsziel: In weniger als einer Stunde ist man mit der S-Bahn aus dem Berliner Zentrum in Potsdam. Wer mehr Zeit mitbringt, erkundet die ganze Schlosswelt der Stadt:

  • Schloss Sanssouci: Das Sommerschloss Friedrichs des Großen – Inbegriff preußischer Rokoko-Pracht
  • Holländisches Viertel: Charmante Backsteinhäuser aus dem 18. Jahrhundert in der Potsdamer Innenstadt
  • Babelsberg Park: Neugotische Schlösser am Wasser – direkt an der Grenze zu Berlin
  • Nikolaikirche: Beeindruckende Kuppelkirche am Alten Markt
  • Filmstudios Babelsberg: Das älteste Großfilmstudio der Welt, bis heute in Betrieb

Häufige Fragen zu Schloss Cecilienhof

Wann fand die Potsdamer Konferenz statt?
Vom 17. Juli bis 2. August 1945, mit Truman, Churchill/Attlee und Stalin als Teilnehmer.

Wie kommt man nach Cecilienhof?
Bus 603 bis Haltestelle Cecilienhof; aus Berlin S7 bis Potsdam Hbf, dann Bus – ca. 45–60 Min.

Kann man dort übernachten?
Ja, das Schlosshotel Cecilienhof ist direkt im historischen Gebäude untergebracht.

UNESCO-Welterbe?
Ja, seit 1990 Teil des Welterbes „Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin".

Geheimtipp: Der rote Stern aus Geranien

Die meisten Besucher eilen direkt ins Konferenzzimmer – dabei liegt einer der schönsten Momente von Cecilienhof direkt am Eingang: Im Ehrenhof ist bis heute ein roter Stern aus roten Geranien zu sehen, eine Rekonstruktion des Originals, das die sowjetische Seite 1945 eigens für die Konferenz anlegen ließ. Wer früh morgens kommt, erlebt diesen Innenhof in der Stille, bevor die Reisegruppen einrücken.

Noch ein Tipp für Naturliebhaber: Der Neue Garten ist weniger bekannt als Sanssouci, aber gerade im Herbst mit seinen Laubfärbungen am Jungfernsee außergewöhnlich schön. Hier lässt sich stundenlang spazieren, ohne in einen Stau von Touristengruppen zu geraten – Potsdam von seiner stillen Seite.

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