Bräutigamseiche Eutin

Partner aus dem Astloch - die Liebe wartet überall

Er ist etwas Besonderes, dieser Baum im Dodauer Forst bei Eutin. Im Astloch der 500 Jahre alten, knorrigen Bräutigamseiche landen jährlich bis zu 1.000 Briefe. Zumeist Kontaktanzeigen, viele Freundschaftsanfragen. Jeder darf sie lesen, mindestens fünf Ehen wurden bereits geschlossen. Eine wunderbar altmodische Singlebörse - und das aufgrund einer rührenden Legende.

Bei der täglichen Runde des Briefträgers im holsteinischen Eutin steht auch ein Baum auf der Liste. Die Bräutigamseiche im Dodauer Forst war lange Zeit der einzige Baum der Welt mit einer eigenen Postanschrift. Täglich kommen Briefe und Karten. Diese landen dann in dem faustgroßen Astloch - im Schnitt drei am Tag, mehr als tausend pro Jahr. Zumeist sind es Kontaktanzeigen, aber auch Anfragen nach Brieffreundschaften, oft sehr persönliche Gedanken. Jeder darf die Briefe öffnen - Postgeheimnis gilt hier nicht.

Mindestens 5 x Happy End

Der knapp 25 Meter hohe Baum ist eine erfolgreiche Retro-Partnerbörse. Bio sowieso. Immerhin fünf der hier angebandelten Zusammenführungen haben es nachweislich zum Altar geschafft. Warum Menschen einem Provinzbaum schreiben? Weil so eine schöne Geschichte dahinter steckt. Einst liebten sich hier die Dodauer Förstertochter und der Sohn eines Leipziger Schokoladenfabrikanten. Der alte Förster gab dieser Liaison keinen Segen. Blieb also nur Briefeschreiben und die Liebesschwüre heimlich in das Astloch der alten Eiche stopfen. 1891 durften sie doch noch heiraten - natürlich unter "ihrem" Baum.

Baumhochzeit

Die Geschichte verbreitete sich, bis heute schreiben Menschen aus Deutschland, China, Japan, Skandinavien und überall her. Der Brief, der interessiert, den nimmt man mit, die anderen steckt man wieder zurück. So geht das hier. Ein paar Stufen sind allerdings schon zu nehmen: 1927 musste eine Leiter an den Baum gestellt werden, weil das Astloch einfach zu hoch gewachsen war. Aber daran soll das große Glück ja nun wirklich nicht scheitern. Übrigens: Die Eiche selbst fand kurz ihr eigenes Liebesglück. 2009 wurde sie symbolisch mit der Himmelgeister Kastanie in Düsseldorf verheiratet, es war der zweite Baum Deutschlands mit eigener Postanschrift. Die Fernbeziehung hielt leider nur sechs Jahre. Die stattliche, 200 Jahre alte Kastanie wurde vom Pilz befallen und starb ab. Baumfreunde sorgten aber immerhin dafür, dass sie heute ein Stamm-Kunstwerk ist. Die unerschütterliche Eutiner Eiche - möge sie noch lange einsame Herzen zusammen führen.

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