Berentzen Hof - Haselünne (Emsland)

Die Berentzen-Saga: Vom Korn zum Fruchtsaft

Apfelkorn machte Berentzen in den 70er Jahren bekannt. Heute erwirtschaftet der emsländische Spirituosenhersteller ein Drittel seines Umsatzes mit alkoholfreien Getränken. Dem Schnaps bleiben sie aber treu. Am Stammsitz in Haselünne geht seit Sommer 2017 eine neue Kreation in Produktion: Edel-Kornbrand.

Die außerordentliche Wasserqualität war Haselünnes Segen. Im 18. Jahrhundert siedelten hier 50 Bierbrauereien und 26 Brennereien. 1758 beschloss auch Eisenschmied Berentzen: Ich mach jetzt eine Kornbrennerei auf. Der Beginn einer steilen Karriere, seine Firma sollte es in der Branche ganz nach ganz oben schaffen.

Die perfekte Schnapsidee

1898 ließ sich Berentzen als einer der ersten Schnapsbrenner in Deutschland eine eingetragene Marke sichern. Es lief prächtig, sogar die Pepsi-Cola-Konzession konnten die Kornspezialisten 1960 für Deutschland an Land ziehen. Die Sternstunde folgt 1976: Die Brüder Friedrich und Hans Berentzen mischen zwei simple Zutaten, Weizenkorn-Brand und Apfelsaft, kurz Apfelkorn. Er wird ins Ausland exportiert, 1988 erfolgt die Fusion mit anderen Brennereien, 1994 der Börsengang. Die 90er Jahre markieren den absoluten Höhepunkt der Firmengeschichte: Apfelkorn, Saurer Apfel und Klopfer sorgen für viele Räusche.

Der Neuanfang

Doch jede Party ist auch mal zu Ende. 2008 Rekordverluste, die Mehrheit des Familienunternehmens übernimmt im 250. Jubiläumsjahr ein Finanzinvestor. Berentzen erholt sich wieder, 2013 platzt jedoch das Pepsi-Geschäft. Ein neues Standbein ist mittlerweile der alkoholfreie Markt. Fruchtsaft, Mineralwasser und die Mio Mio-Marke sorgen für gute Geschäfte. Die Destille am historischen Standort Haselünne wurde nach Minden ausgelagert, am Firmensitz auf Sprudel- und Limonadenabfüllung umgestellt. Ab Sommer 2017 startet hier allerdings die Kornproduktion mit neuer Manufaktur: Crafted Kornbrand für den oberklassigen Spirituosenmarkt. Was den Geschmack der 80er und 90er betrifft - die Tages- und Nachtführungen im Brennereimuseum sind inklusive üppiger Verkostung. In "Fuselünne", wie das 13.000 Einwohner-Örtchen dank seiner Vergangenheit gern genannt wird (noch immer produzieren hier zwei weitere Brennereien, Rosche und Heydt), da darf der Kopf gern unbekümmert in den Nacken gelegt werden.

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