Ingelheim

Pillen, Kirschen, Rotwein und wandernde Kaiser

Rotwein, Sauerkirschen, Kaiserpfalz, Blutdruckpillen und viel, viel Geld in der Stadtkasse: So tickt, grob verkürzt, Ingelheim am Rhein. Bingen, ja, Rüdesheim sowieso, aber Ingelheim? Touristisch ist die 25.000-Einwohner-Stadt bei Mainz kein Hotspot. Dabei hat Ingelheim durchaus schöne Ecken und zumindest eine erstrangige Sehenswürdigkeit, die Kaiserpfalz.

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Ingelheim am Rhein

Pillen, Kirschen, Rotwein und wandernde Kaiser

Rotwein, Sauerkirschen, Kaiserpfalz, Blutdruckpillen und viel, viel Geld in der Stadtkasse: So tickt, grob verkürzt, Ingelheim am Rhein. Bingen, ja, Rüdesheim sowieso, aber Ingelheim? Touristisch ist die 25.000-Einwohner-Stadt bei Mainz kein Hotspot. Dabei hat Ingelheim durchaus schöne Ecken und zumindest eine erstrangige Sehenswürdigkeit, die Kaiserpfalz.

Gut, von der ist nicht viel übrig geblieben nach all der Zeit. Denn das ist 1.200 Jahre her. Es war die Ära der Wanderkaiser, als Monarchen keinen festen Regierungssitz hatten (wie Berlin heute), sondern übers Land verteilt viele Standorte, wo sie sich mal mehr, mal weniger dem Volk zeigten. Karl der Große (kennen Sie noch aus dem Geschichts-Unterricht) wählte Ingelheim 787 zu seinem Winterquartier und blieb ein halbes Jahr lang. Vermutlich gab es das milde Wetter im Rheintal damals schon.

Danach kamen die Kaiser nicht mehr so oft auf ihre schöne Ingelheimer Pfalz bis zu Otto I., der insgesamt zehnmal da war. Eine Freundin am Ort? Der legendäre Friedrich I. Barbarossa traf sich 1163 in Ingelheim mit der nicht minder prominenten Hildegard von Bingen. Jetzt aber genug Geschichte, Sie können das vor Ort anschauen, einige alte Mauern stehen noch, und im Museum wird alles schön erklärt. Oder bei einer Führung (jeden Samstag um 14.00 Uhr, April bis Oktober, 7 Euro).

Die Ingelheimer Weinmeile - nicht weit von der alten Burgkirche in Ober-Ingelheim - ist Ihr Ding, wenn Sie gut zu Fuß sind und sich für Rotwein interessieren. Wie der entsteht, erfahren Sie auf dem Erlebnispfad durch die Reben. Und Rotwein können Sie in Ingelheim. Einmal im Jahr ist Ausnahmezustand, dann feieren Zigtausende das Rotweinfest.

Von Alkohol zu Tabletten ist es manchmal nicht weit, Deutschlands größtes forschendes Pharmaunternehmen hat seit 1886 seinen Sitz hier und den Stadt- im Firmennamen: Boehringer Ingelheim. Stolze 47.700 Mitarbeiter hat der Konzern, knapp 9.000 davon arbeiten am Rhein. Dabei ist Boeehringer immer noch ein reiner Familienbetrieb, aktuell geleitet von einem Sohn des Schwiegersohns des Gründers Albert Boehringer.

Der riesige, landschaftsprägende Produktionsbetrieb hat Ingelheim vielleicht nicht hübscher, aber überaus wohlhabend gemacht. Die Stadt ist eine der wenigen schuldenfreien in Deutschland und rangiert in den Hitparaden der reichsten Kommunen traditionell weit oben.

Deshalb gönnt man sich in Ingelheim schon mal was. Zum Beispiel ein komplett neues Stadtzentum, das rund um den Bahnhof entstand und "Neue Mitte" heißt: Rathaus, Marktplatz, Fußgängerzone, überdimensioniertes Kulturzentum, Kreisverwaltung, Einkaufszentum, Mega-Parkhaus - alles da, alles neu. Komische Situation, denn die eigentlichen drei alten Ortskerne der Stadtteile Nieder-Ingelheim, Ober-Ingelheim und Frei-Weinheim stiegen dadurch zu netten, kleinen Vororten ab.

Und um es rund zu machen, auch wenn Sie als Urlauber nicht so viel davon haben: Sie befinden sich hier am Sitz von Europas größter Vermarktungsorganisation für Sauerkirschen. Rund 3.300 Tonnen werden jedes Jahr in Ingelheim umgeschlagen. Da kann man schon paar Gläser Marmelade von machen. Dem Stadtsäckel allerdings bringen Boehringers Pillen deutlich mehr Gewerbesteuer als die sauren Kirschen.

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