Kurzurlaub Bretagne
Die raue Schönheit im Westen Frankreichs
„In der Bretagne ist es mehrmals am Tag schön“ – das bekommt man hier immer wieder zu hören, wenn sich gerade eine Wolke vor die Sonne schiebt. Hier ist nicht nur das Wetter unberechenbar, die ganze Region hat etwas Ungestümes, Wildes an sich. Das ist es aber auch, was ihren besonderen Charme ausmacht. Eine Welt aus majestätischen Klippen, endlosen Stränden, charmanten Fischerdörfern und mystischen Menhiren.
Die Bretagne ist die größte Halbinsel des französischen Festlands. Dramatische Steilküsten, an denen das Wasser tosend abprallt, stimmungsvolles Licht, dazu charmante mittelalterliche Städte mit Fachwerkhäusern – dafür ist das beliebteste Reiseziel der Grande Nation weltberühmt. Der raue Atlantik beeinflusst alles: das Wetter, das Essen, die karge Landschaft. Umso überraschender auch die karibikähnlichen Traumstränden wie La Grève Blanche (Carantec) oder Les Grands Sables (Île de Groix) mit feinstem Sand und türkisblauem Wasser. Oder die saftig grünen Wälder, Heide- und Moorlandschaften im Landesinneren, die sich perfekt für Radtouren und Wanderungen eignen. Daher auch der schöne Ausspruch: „Die Bretagne gibt es nicht! Es gibt viele Bretagnen.“ Die schönsten Highlights lesen Sie hier.
Top-Attraktion: Mont-Saint-Michel
Die Hauptattraktion ist zweifellos der Mont-Saint-Michel – der eindrucksvolle Klosterberg im Meer ist das am häufigsten besuchte Naturdenkmal Frankreichs und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Was macht den Berg so besonders? Die Bucht um ihn herum ist Schauplatz der stärksten Gezeiten Europas. Dank einem auf Stelzen errichteten Damm ist die Benediktinerabtei zwar gezeitenunabhängig zu erreichen. Doch während sie bei Ebbe auf einem Hügel im Sand steht, ist sie bei Flut komplett von Meerwasser umspült und wirkt wie eine Fata Morgana.
Carnac: Die Königin der Megalithenstätten
Die ersten Menschen siedelten hier bereits in der Jungsteinzeit um ca. 5.000 v. Ch. an. Aus dieser Zeit stammen auch die größten touristischen Highlights: die Menhire. Die mystischen, aufrecht stehenden Steinmale in der Region bei Carnac sind die bekanntesten und wohl größten der Welt. Auf etwa 400.000 qm wurden hier zwischen 5000 und 1500 v. Ch. über 3.000 Menhire (vom bretonischen men= Stein, hir= lang) aufgestellt. Den aufrecht stehenden Steinen schrieb man damals heilende und Fruchtbarkeit fördernde Kräfte zu.
Top-Städte: Saint Melo, Quimper, Rennes
Später ließen sich die Kelten in der Region nieder, dann die Römer, die Bretagne wurde Herzogtum und fiel schließlich 1532 an die französische Krone. Dass man sich jahrhundertelang gegen Engländer und auch Franzosen verteidigen musste, ist heute noch in Städten wie Saint-Malo oder Concarneau zu sehen. Sie sind von dicken Festungsmauern umgeben.
Saint Melo, die Festungsstadt, gehört zu den beliebtesten Ferienzielen Frankreichs. Kein Wunder – die Ville Close, „die Stadt innerhalb der Mauern“, die sich scheinbar unerschütterlich über dem Meer erhebt, ist beeindruckend. Am besten mit einem Rundgang auf dem Mauerring starten. Von hier genießen Sie spektakuläre Ausblicke auf den Ozean, den Hafen und die Stadt selbst. Neben dem Schloss zählen auch das Geburtshaus des Schriftstellers Chateaubriand sowie die Kathedrale St-Vincent zu den Sehenswürdigkeiten. Schöne Ziele in der Nähe sind zudem das elegante Seebad Dinard und das Fischerstädtchen Cancale. Es ist seit dem 17. Jahrhundert das Zentrum der Austernzucht. Wie in Saint-Malo ist auch die Altstadt von Concarneau von einer dicken Stadtmauer und viel Wasser umgeben. In der Gegend rundherum gibt es zauberhafte Sandstrände. Es lohnt sich zudem, einen Abstecher nach Bénodet oder Fouesnant zu machen.
Quimper, die ehemalige Herzogstadt, gilt als eine der „bretonischen“ Städte schlechthin. In den hübschen Gässchen der Altstadt lässt es sich wunderbar bummeln und dabei die bunten Fachwerkhäuser bewundern. Den Mittelpunkt von Quimper bildet die Kathedrale St-Coretin aus dem 13. Jahrhundert. Hoch oben zwischen den Türmen sitzt der legendäre Stadtgründer König Gradlon auf seinem Zauberpferd Morvac'h. Noch ein Tipp, falls Sie nach einem Souvenir suchen: Quimper ist berühmt für sein Porzellan. Dazu passend gibt es auch ein Keramik-Museum.
Rennes, die Hauptstadt der Bretagne, erinnert ein wenig an Paris. 1720 brannte die Stadt zum großen Teil nieder und wurde vom Architekten des französischen Königs – ganz im Stil der Hauptstadt – neu angelegt. Nur im Süden der Stadt sind heute noch mittelalterliche Bauten zu sehen. In den Gässchen zwischen dem alten Stadttor und der Kathedrale St-Pierre stehen viele hübsche bunte Fachwerkhäuser. Das wohl berühmteste Bauwerk der Stadt ist der Palais du Parlament (Führungen über das Tourismusbüro). Für alle, die sich für bretonische Geschichte interessieren, ist das Musée de Bretagne lohnenswert.
Und Brest? Zugegeben, besonders schön ist die Hafenstadt nicht. Brest wurde im Zweiten Weltkrieg stark zerstört und danach nicht sonderlich attraktiv wieder aufgebaut. Trotzdem machen die maritime Atmosphäre und die herrliche Lage einen Besuch hier im äußersten Nordwesten der Bretagne lohnenswert. Die größte Attraktion von Brest ist das große Aquarium Océanopolis am Port de Plaisance. Gezeiten, Wetter und das Leben im Meer werden multimedial und wissenschaftlich erklärt. Ein schöner Startpunkt für eine Küstenwanderung ist außerdem der Leuchtturm Pointe St Mathieu, 25 Kilometer von Brest entfernt.
Bretagne auf der Zunge: Süßes und Deftiges
Die Bretonen haben es mit dem Salz. Was nicht verwundert, derart umgeben von Meer. Sie salzen nicht nur ihre Butter, ihre Kekse und ihr Karamell, auch ihre Lämmer lassen sie auf Wiesen weiden, die bei Flut von Meerwasser überspült werden. In der bretonischen Küche kommen also viel Fisch und Meeresfrüchte auf den Tisch. Noch weniger kommt man allerdings an den unzähligen Crêperien vorbei. Blinis, Pancakes oder Crumpets sind zwar entfernte Verwandte, aber die einzig wahre Crêpes ist in der Bretagne zu Hause. Man könnte den Gaumen auch mit einem Stück buttrigen, karamellisierten Kouign-amann (bretonischer Kuchen) oder einem leicht gesalzenen Eis verwöhnen. Und keine Frage, auch in die köstlichen bretonischen Kekse und Bonbons kommt die legendäre gesalzene Butter. Als deftige Alternative locken Galettes (herzhafte Pfannkuchen aus Buchweizenmehl, oft mit Ei, Käse, Schinken).
Die Erdbeere ist indes die große Verführerin des Frühlings. Als Hommage an die kleine Frucht versteht sich die Route des Fraises, die „Erdbeerstraße“. Eine Tour führt Besucher in kleinen Gruppen einen halben Tag lang durch die Erdbeerfelder, um die Erzeuger zu treffen.
Probieren Sie neue Köstlichkeiten, genießen die frische Seeluft und lassen Sie sich mit dem Wind treiben. Ein, zwei bretonische Vokabeln können dabei nicht schaden: "Yec'hed mat!" – so prostet man sich hier auf das Wohl zu, sehr gern beim Genuss des legendären Cidre.



