Rhätische Bahn

Mit der Schmalspurbahn zu den Alpengletschern

Wie ein roter Wurm schlängelt sich der Zug durchs Hochgebirge, verschwindet in Tunneln und überquert gigantische Schluchten. Die Rhätische Bahn in der Schweiz ist der Wirklichkeit gewordene Traum vieler Eisenbahnfreunde. Einsteigen bitte, die Türen schließen (meist) selbsttätig!

Früher brachten die Züge der Rhätischen Bahn (RhB) Besucher zu ihren Ferienorten in den Bergen. Heute sind sie selbst eine Touristenattraktion. Sie fahren zwischen den Alpengipfeln herum, dort, wo normalerweise eher Seilbahnen zu Hause sind. Der höchste Punkt ist die Station „Ospizio Bernina“ – das Gasthaus am Berninapass, 2.253 Meter hoch.

Das Streckennetz der Schmalspurbahn (Spurweite ein Meter) ist 384 Kilometer lang. Es gibt zehn Linien und 103 Haltestellen. Die Züge fahren vorwiegend im Kanton Graubünden, manchmal bis nach Italien. Und weil die Region vor laaanger Zeit mal zur römischen Provinz Raetia gehörte, hat die Bahn diesen Namen.

Bahnlinie gehört zum UNESCO-Welterbe

Die spektakulärste Strecke befährt der Bernina-Express – von Chur über St. Moritz nach Tirano. Die Bergbahnlinie gehört (ab Thusis) zum UNESCO-Welterbe. Das schafften vor ihr nur die Semmeringbahn in Österreich und Eisenbahnen in Indien. Wer unterwegs mitzählen möchte: Es geht durch 55 Tunnel und über 196 Brücken und das mit einer Steigung von bis zu sieben Prozent. Noch mehr Bahn bekommen Fans bei einer Fahrt im Glacier-Express. „Der langsamste Schnellzug der Welt“ verbindet St. Moritz mit Zermatt, das Berninamassiv mit dem Matterhorn – 300 Kilometer in acht Stunden.

Besonders imposant: die Fahrt über den Landwasserviadukt bei Filisur. Die 65 Meter hohe Brücke wurde 1902 nur mit Kränen gebaut und ist das Wahrzeichen der Rhätischen Bahn. Höhenangsthasen können ihren Puls aber gleich wieder runterregeln: 22.000 Züge kommen jedes Jahr heil über die Schlucht.

„Die kleine Rote“, wie die Bahn liebevoll genannt wird, ist übrigens nicht immer rot. Allgemeine Wagenfarbe war am Anfang dunkelgrün, später gab’s auch gelb, braun, blau, creme… Die Züge der Arosabahn sind himmelblau – mit Seesternen. Manchmal zischen heute noch alte Dampfloks mit Nostalgiezügen über die Pässe, wie damals, 1888, als alles begann. Die Idee hatte übrigens ein Seefahrer aus Holland. So gesehen hätte die Sache mit dem Personennahverkehr hier auch ganz anders ausgehen können …

Fotos: Pixabay, Geiger

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