Rasender Roland

"Rasender Roland" - ein Stückchen Inseltradition

Er zuckelt mit höchstens 30 km/h über die Insel. Und warum er "Roland" heißt, weiß auch niemand so richtig. Trotzdem: Einheimische und Urlauber lieben den schnaufenden Dampfzug von Rügen. Der "Rasende Roland" bringt sie von einem Inselschatz zum nächsten. Technikgeschichte für die einen, Zeitreise für die anderen, Spaß für alle.

Für Hektiker ist "Roland" nichts. Ganze 75 Minuten braucht die alte Schmalspurlok, um ihren Zug von Putbus über Binz, Selin und Baabe nach Göhren zu ziehen. Das sind zwar nur 24,1 Kilometer quer durch Wälder, Wiesen und Felder, aber schneller geht's nicht. Wenn sich im Sommer die Autos auf der Ostseeinsel stauen, kann das trotzdem die schnellste Reisevariante sein. Ein ganz besonderes Erlebnis ist es allemal. Denn die Züge (Spurweite 750 Millimeter) zuckeln und schnaufen noch genauso wie vor 120 Jahren am Meer entlang. Es ist die älteste Schmalspurbahn Deutschlands. Sie wurde 1895 gebaut, anfangs gab's sogar 97 Kilometer Streckennetz. Nach Stilllegungen und Betreiberwechseln blieb nur die Fahrt von Putbus hin zu den beliebtesten Seebädern der Halbinsel Mönchgut erhalten.

"Roland" schnauft im Stundentakt

Der Fuhrpark besteht heute aus acht Dampfloks und zwei Dieselloks, außerdem stehen Personenwaggons, Gepäck- und Güterwagen bereit, offene Aussichtswaggons und Speisewagen. Manchmal, zu besonderen Gelegenheiten, dampft noch der Traditionszug über die Insel. Die Rügensche Bäderbahn, wie der "Rasende Roland" eigentlich heißt, ist aber nicht nur ein rollendes Museum. Sie fährt täglich im Linienbetrieb: Der Zug kommt von 8.00 bis 21.00 Uhr im Zwei-Stunden-Takt, im Sommer auf der Hauptstrecke zwischen Binz und Göhren stündlich. Einige Züge fahren über Putbus hinaus bis Lauterbach Mole und Spätzüge bringen bis kurz vor Mitternacht die letzten Ausflügler heim. Der "Roland" hält nicht nur in den großen Touristenorten, sondern auch an kleineren Haltestellen wie Posewald oder Garftitz. 14 Stationen gibt's auf der Strecke. Die Ostseewellen rauschen mancherorts nur 150 Meter entfernt an den Strand.

Aber warum eigentlich "Roland"?

Mitte der 50er Jahre kamen viele Kumpel aus dem Uranbergbau der sächsischen Wismut AG zur Erholung nach Binz. Sie nannten die Schmalspurbahn "Rasender Roland". Ob der Name auf eine Figur aus dem Bergbau zurückzuführen ist oder eine spontane Idee war, konnte bis heute niemand klären. Sicher ist nur, dass der Zusatz "rasend" ironisch gemeint war … Heute wird der Zug von Inselbewohnern und Gästen liebevoll so genannt. Bitte einsteigen, hier werden Sie automatisch entschleunigt.

Tickets an großen Bahnhöfen oder direkt im Zug

Einzelfahrt Erwachsene ab 2,20 Euro, Kinder 0 - 6 Jahre gratis

Tageskarte Erwachsene Gesamtnetz 23,- Euro, Kinder 0 - 6 Jahre 11,- Euro

Foto: Pixabay

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