Porzellan-Manufaktur

Mythos Meissen: Europas erste Porzellanmanufaktur

Kurfürst August der Starke investierte Unsummen in Dresdens Barockbauwerke und seine Kunstsammlungen. Gold musste her. Da kam ihm Johann Friedrich Böttger gerade recht, der angeblich Silber in Gold verwandeln konnte. Das glückte zwar nicht, doch der Alchemist präsentierte das erste europäische Hartporzellan.

Europäische Fürstenhöfe waren versessen darauf: Porzellan. Der Haken war nur, dass seit dem 13. Jahrhundert allein China wusste, wie es geht. Die Preise dementsprechend horrend. 1707 gelang Apothekerlehrling Johann Friedrich Böttger der Brand des ersten europäischen Hartporzellans. Womit er zwar an seiner Mission, Gold zu machen, gescheitert war. Doch für Sachsens Kurfürst August war dies äußerst adäquater Ersatz.

Vom Nachttopf bis zum Zahnarzt

Gegründet wurde die erste Porzellanmanufaktur Europas 1710 auf der Albrechtsburg Meißen. Als "Erlebniswelt HAUS MEISSEN" bezog sie moderne Gebäude in der Nähe der Innenstadt. Allein fünf öffentliche Führungen gibt es täglich durch die Schauwerkstätten. Wie entstehen Entwürfe, worin liegt das Geheimnis der Glasuren, was hat es mit Kaolin auf sich? In den Vitrinen des Museums reihen sich 3.000 einzigartige Kunstwerke aneinander, vom historischen Prunk- und Schmuckgeschirr des Hofes über filigrane Figuren bis hin zum adligen Pinkelpott. Detailverliebte Figuren wie "Beim Zahnarzt" aus dem Jahr 1741 sind lehrreich wie eine Geschichtsstunde.

Älteste Luxusmarke der Welt

Auch das erfolgreichste Blaudekor der Geschichte steht poliert auf dem Präsentierteller: Zwiebelmuster. Fast drei Jahrhunderte ist der Klassiker alt und immer noch ein Oho auf den Kaffeetafeln dieser Welt. Zu DDR-Zeiten kam das edle Geschirr fast einer eigenen Währung gleich. Künstler aus dem Westen ließen sich Teile ihrer Gage gern in "Meissener" auszahlen.

Zu den jüngsten und aufsehenerregenden Prachtstücken des Museums gehört "Saxonia - die Sächsische Freiheitsstatue". Eingeweiht wurde die lebensgroße Schönheit zum 25. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung. 180 Zentimeter groß, 800 Kilogramm schwer, ein Kleid besetzt mit 8.000 handgeformten Porzellanblüten. Das Brennen im Ofen hat drei Wochen gedauert. Doch egal wie groß oder winzig die Kostbarkeit, eines darf nie fehlen: die "Gekreuzten Schwerter" - das Symbol der ältesten, heute noch verwendeten Luxusmarke der Welt.

Erlebniswelt HAUS MEISSEN, Talstraße 9, 01662 Meißen

ganzjährig Mo. - So., 1. 5. - 31. 10. 9.00 - 18.00, 1. 11. - 30. 4. 9.00 - 17.00

Besichtigung Schauwerkstätten, Museum und Sonderausstellung Erwachsene 10,- Euro, Kinder/Jugendl. 6 - 17 Jahre 6,- Euro, Kinder 0 - 5 Jahre gratis

Führungen täglich 10.40, 11.40, 12.40, 13.40 und 14.40 Uhr; 3,- Euro p. P.

Foto: Porzellan-Manufaktur Meissen

Reisepakete werden geladen