Marktkirche

Luthers Maske und vier Türme für ein Halle-luja

Martin Luther predigte hier, Johann Sebastian Bach weihte eine Orgel ein, die Türme prägen das Stadtbild wie kaum etwas anderes: Man könnte den Eindruck gewinnen, als würde die Marktkirche Unser Lieben Frauen in Halle (Saale) gern ganz schön prahlen. Aber das völlig zu Recht.

"Eine Kirche, in der Luther dreimal predigte, Georg Friedrich Händel getauft wurde und deren große Orgel Johann Sebastian Bach eingeweiht hat, finden Sie auf der ganzen Welt nicht wieder". Da hat Oskar Rebling, von 1919 bis 1967 Meister an den Tasten der Kirchenorgel, bereits drei gute Gründe genannt, warum diese Kirche in Halle auf keinem Planungszettel von Besuchern fehlen darf. Nicht nur ist die Marktkirche Unser Lieben Frauen eines der bedeutendsten Bauwerke der mitteldeutschen Spätgotik. Ihre vier Türme thronen inmitten des Stadtbildes, gemeinsam mit dem Roten Turm brachten sie Halle den Beinamen "Die Stadt der Fünf Türme" ein. Entstanden ist die Kirche eigentlich aus zwei: Im 16. Jahrhundert wurden sie abgerissen, nur die Türme blieben stehen. Die östlichen Hausmannstürme sind mit einer Brücke verbunden, aus gutem Grund: Hier wachte einst der Hausmann über die Stadt und schlug notfalls Alarm.

Kellerfund: Original-Totenmaske Martin Luthers

Spektakulär waren manche Besucher schon. Reformator Martin Luther hielt in der Saalestadt Predigten, sein Geist lebt in mehrfacher Hinsicht weiter. Nach seinem Tod 1546 in Eisleben wurde er bei der Überführung nach Wittenberg in der Hallenser Marktkirche für eine Nacht aufgebahrt. Gegen einen Obolus kann noch heute seine Totenmaske aus Wachs und ein Abdruck seiner Hände betrachtet werden. Ein Freund und Mitarbeiter von Luther hatte sie angefertigt - dank ihm ist Halle um diesen besonderen Schatz, der lange Zeit im Keller verschwunden war, reicher. Und noch ein paar bekannte Namen: Georg Friedrich Händel wurde in der Marktkirche 1685 nicht nur getauft, an der Reichel-Orgel über dem Altar kam er auch in den Genuss seines ersten Unterrichts. Bis heute prangt das Prospekt einer Orgel, die Johann Sebastian Bach 1716 einweihte, auf der Westempore. Gemeinsam mit den hochrangigen Werken aus dem 15. und 16. Jahrhundert machen diese historischen Fakten und Artefakte die "VIP-Kirche" noch ein wenig schillernder.

Marktkirche Unser Lieben Frauen, An der Marienkirche 2, 06108 Halle/Saale

Januar und Februar Mo. - Sa. 11.30 - 16.00, So. 15.00 - 16.00, März - Dezember Mo. - Sa. 10.00 - 17.00, So. 15.00 - 17.00

Fotos: Stadt Halle, Thomas Ziegler

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