Landesporträt - Niederlande

Tulpen, Windmühlen, Van Gogh und Monarchie

Die Niederlande assoziiert man meist mit Tulpen, Fahrrädern, Käse, Windmühlen und Holzschuhen. Ebenfalls charakteristisch für das ganze Land ist der weite, flache Horizont. Allerdings gibt es im südlichsten Zipfel, beim deutsch-holländisch-belgischen Dreiländereck in der Provinz Limburg, eine sanfte Erhebung. Zwar hat diese nicht unbedingt die Bezeichnung "Berg" verdient, trotzdem nennen die Niederländer den mit 321 Metern höchsten Punkt des Landes stolz Vaalse Berg.

Der weite Horizont, so behaupten viele, findet auch in der Mentalität der Bevölkerung seinen Niederschlag: Hier ist man weltoffen, neugierig und verschließt die Türen nicht vor Fremden. Viele Immigranten aus verschiedenen Ländern suchten schon immer Zuflucht in den Niederlanden. Es überrascht daher nicht, dass das niederländische Straßenbild sehr multikulturell wirkt.

Die Niederlande sind ein beliebtes Reiseziel. Gut ein Viertel der ausländischen Besucher kommt aus Deutschland. Aber auch viele Briten, US-Amerikaner, Kanadier, Belgier, Franzosen und Italiener finden den Weg nach Holland. Die lange Küste mit sehr verschiedenartigen, reizvollen alten Dörfern, Städten und einzigartigen Landschaften zieht alle Altersgruppen an. An den Stränden kommen Surfer, Segler und Badelustige voll auf ihre Kosten, und weiter landeinwärts ziehen unzählige Seen, Flüsse und Kanäle viele Wassersportler an.

Das Wasser ist aber nicht nur der Freund der Niederländer. Immer wieder müssen sie sich mit Deichbau gegen die Fluten wehren und um das Land kämpfen, das sie dem Wasser teilweise mühsam abgerungen haben. Die Niederländer haben Seen trocken gelegt, mit Hilfe von Windmühlen Wasser aus den unter dem Meeresspiegel liegenden Gebieten abgepumpt und Teile des Ijsselmeers eingepoldert. Manche städtische Ansiedlung befindet sich jetzt dort, wo einst Wasser war. Da weite Teile des Landes unter dem Meeresspiegel liegen, besteht immer die Gefahr, das Land wieder ans Wasser zu verlieren.

Die Niederlande sind aber nicht nur für Wassersportler interessant. Man kann es auch den Einheimischen gleich tun und das Land auf dem Fahrrad erkunden. In den Niederlanden gibt es viele tausend Kilometer, meist gut ausgeschilderte Radwege - mehr als in jedem anderen Land der Welt. Das Radfahren ist in der flachen holländischen Landschaft weniger mühsam als anderswo. Zumindest, wenn der Wind nicht aus der falschen Richtung bläst…

Die Niederlande liegen auf der Weltrangliste der größten Exporteure und Investoren auf dem fünften Platz. Auch wissenschaftlich und kulturell hat das kleine Land Großes hervorgebracht: Fünfzehn Nobelpreisträger und viele bekannte Künstler - vor allem Maler - stammen aus den Niederlanden. Die bekanntesten Namen sind sicherlich Van Gogh, Rembrandt und Vermeer.

Fragt man einen Liebhaber zeitgenössischer Kunst und Architektur nach der interessantesten Stadt Hollands, dann nennt er meist keineswegs Amsterdam, sondern Rotterdam - sehr zum Erstaunen der meisten Touristen, die es zum ersten Mal in die Hafenstadt an der Maas verschlägt. Auf den ersten Blick wirkt Rotterdam nicht gerade einladend. Die deutschen Bomber ließen im Zweiten Weltkrieg nichts von der historischen Bausubstanz übrig, und das Resultat ist eine weitläufige Nachkriegsstadt mit hohen Arbeitslosigkeits- und Kriminalitätsraten. Aber spätestens seit die Stadt 2001 Europäische Kulturhauptstadt war, tut sich etwas in Rotterdam. In letzter Zeit hat sich eine lebhafte Kunst- und Architekturszene entwickelt.

Ein prototypisches, historisches Städtchen ist dagegen das nahegelegene Delft, Heimat des Malers Vermeer. Eigentlich hat sich in der kleinen Stadt mit ihren Backsteinhäusern, Treppengiebeln und wuchtigen Kirchtürmen seit dem Goldenen Zeitalter wenig verändert. Das Zentrum sieht noch beinahe genauso aus wie auf den Gemälden aus dem 17. Jahrhundert. Aber gerade deshalb zieht Delft jährlich abertausende Touristen an; vor allem Japaner und Amerikaner, die ihre Euros in Delfter Blau, das berühmte blau bemalte Porzellan, umsetzen. Wer das Holland der Holzschuhe und Poffertjes sucht, der ist hier richtig - hier sind die Niederlanden noch genau so, wie man sie sich vorstellt.

Die meisten Städte-Touristen lockt aber doch Amsterdam an. Museen, wie das Rijksmuseum und das Vincent-van-Gogh-Museum, die Grachten mit ihren prachtvollen Giebelhäusern, die liberale Atmosphäre und das kreative Flair - dies alles wollen viele Besucher einmal aus nächster Nähe sehen und erleben. Gerade jüngere Touristen haben in Amsterdam noch ein anderes Ziel: Einen der vielen Coffeeshops, in dem man völlig legal Joints und Marihuana zum Eigenverzehr erwerben kann...

Der kulturelle, historische und wirtschaftliche Schwerpunkt des Landes liegt aber nach wie vor in Holland, womit streng genommen nur die beiden westlichen Provinzen Nord- und Südholland gemeint sind. Zum Königreich der Niederlande gehören aber außer Aruba, Curacao und Sint Maarten in der Karibik (den letzten Überbleibseln der Kolonialmacht Holland) und dem bereits erwähnten Südzipfel Limburg noch neun weitere Provinzen: Friesland und Groningen im Norden, Drenthe, Overijssel und Gelderland im Osten, Flevoland und Utrecht im Zentrum sowie Noord-Brabant und Zeeland im Süden und Südwesten.

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