Landesporträt Kroatien

Landschaftlich teilt sich Istrien in drei Gebiete auf, die von den unterschiedlichen geologischen Gegebenheiten bestimmt werden. Im Bereich des Berggürtels im Norden und Osten erhebt sich das weiße Istrien mit hellem, felsigem Kalkgestein. Obwohl hier die meisten Niederschläge fallen, herrscht ständig Mangel an Wasser, denn das versickert zum größten Teil augenblicklich im porösen Karst. Die Flusstäler werden landwirtschaftlich genutzt. Durch das dünn besiedelte Gebiet der Hochflächen, bewachsen mit Steppengräsern, Disteln und Föhren, ziehen die Schäfer mit ihren genügsamen Tieren.

Die Mitte Istriens birgt ein fruchtbares, wasserreiches Hügelland, das graue Istrien. Den Namen hat es von seinen flyschhaltigen, wasserundurchlässigen Böden. Zwischen Äckern und Rebhängen dehnen sich dicht belaubte Wälder aus, auf den Kuppen der Hügel thronen uralte Städtchen, von dicken Mauern umgeben. Aus der Ferne sehen sie wie unbezwingbare Festungen aus, die den Anschein erwecken, als sei die Zeit hier seit dem Mittelalter spurlos vorübergegangen.

Wenn man weiter in den Süden kommt, ist der Kalkboden von roter Erde überzogen; ein Hochland, das sanft zur Küste abfällt. Es wird als das rote Istrien bezeichnet. An der stark gegliederten, buchtenreichen Küste gedeihen im milden Meeresklima Pinien und Zypressen, Edelkastanien, Ölbäume und vor allem Weinreben. Halbinseln strecken ihre Nasen in das Wasser der Adria. Wo sie Siedlungen tragen, ob Koper, Piran, Umag, Novigrad, Porec (oder Rovinj, drängen sich die Häuserzeilen eng aneinander, getrennt durch schmale, winklige Gassen. Raum ist nur für wenige Plätze geblieben: wo Brunnen die Stadt mit Wasser versorgt haben oder wo Händler Lebensmittel, Kleidung und Hausrat feilbieten konnten. Der größte Platz, der Stadtplatz, bildet mit der Pfarrkirche und dem Regierungspalast noch immer den zentralen Punkt in fast jedem Ort. Das rote Istrien ist die am dichtesten besiedelte und die wirtschaftlich am weitesten entwickelte Region, vor allem dank des Tourismus.

Durch die Gebirgszüge, die sich im Norden und Osten wie ein Bogen um die Halbinsel legen, und das sich anschließende Dreieck mit Pula an der Südspitze hat Istrien die Form eines Herzens, in der Luftlinie nur gut 80 Kilometer lang und an seiner breitesten Stelle keine 70 Kilometer breit. Ein kleines Herz zwischen der nahen Alpenregion und den beiden großen Natur- und Kulturräumen, die nach ihren Gebirgen benannt sind: Apennin und Balkan.

Im ersten Jahrtausend v. Chr. siedelten die keltischen und illyrischen Stämme der Histrer, Karnier und Japoden in Istrien. Ab dem 3. Jh. v. Chr. schickte Rom seine Legionen aus und kassierte das Gebiet in sein riesiges Imperium ein. Pula wurde Hauptstadt der neuen römischen Provinz Illyrien. Nach dem Untergang des Weströmischen Reiches im 5. Jh. gehörte Istrien kurzfristig zur Herrschaft der Ostgoten, bis es Mitte des 6. Jh. an das oströmische Byzanz fiel. Etwa ab dieser Zeit suchten Kroaten und Slowenen hier eine neue Heimat. 788 fiel Istrien an die Franken, 952 an Bayern, 976 wurde es Kärnten angegliedert und ab 1040 eigene Markschaft im Einflussbereich der Habsburger. Die Küste aber hatten sich die Venezianer bis zum 14. Jh. völlig erobert. Die Region Kvarner hingegen gehörte seit dem 12. Jh. zum Königreich Ungarn. Allein an diesem Ausschnitt der Geschichte wird deutlich, dass Istrien nicht zu Unrecht als Schnittstelle zwischen Mittel-, Südost- und Südeuropa bezeichnet wird.

Istrien ist ein völkischer Schmelztiegel mit einem bunten Sammelsurium kulturhistorischer Hinterlassenschaften: Das römische Amphitheater in Pula, die byzantinische Euphrasius-Basilika in Porec (der von den Österreichern gebaute Leuchtturm in Savudrija oder der venezianische Prätorenpalast in Koper sind nur ein paar Beispiele im weiten Spektrum.

Und auch in der Mentalität der Istrier zeigt dieser stete Wechsel der Herrschaft Wirkung: Wer unter so vielen Fahnen gelebt und gelitten hat, der hält schon instinktiv zu jeglicher Obrigkeit kritische Distanz. Die Regierungen in Ljubljana und Zagreb haben das schon mehr als einmal deutlich zu spüren bekommen.

Buchten reiche Küsten, fruchtbares Hügellandund vier Adria-Inseln Sonnenscheingarantie, ein blauer Himmel, den tagelang kein Wölkchen trübt, glasklares Wasser, sauber und warm, lauschige Badebuchten, von üppigem Grün und intakter Natur gesäumt: Idealvorstellungen vom Ferienparadies, vervollkommnet von pittoresken alten Städtchen voller Kunstschätze, idyllischen Dörfern und gastfreundlichen Menschen: All das hat Istrien und Kvarner mit den vorgelagerten Inseln seit Jahrzehnten zum beliebten und viel besuchten Ferien- und Erholungszentrum an der Ostküste der Adria gemacht. Ein Platz, der bis Anfang des 20. Jahrhunderts allein der K.u.K.-Hautevolee aus ganz Europa vorbehalten war.

Vor allem aus Deutschland, Österreich und Italien kamen die Urlauber nach 1950 Jahr für Jahr. Und weil es immer mehr wurden, die sich nach Sonnenschein und Meer sehnten, baute man an der Küste munter drauflos: neue Unterkünfte, neue Campingplätze, Freizeiteinrichtungen mit Sportanlagen, Bars, Diskotheken, Cafés und Restaurants. Vom damaligen sozialistischen Regierungssystem im Staat Jugoslawien hat der Urlauber wenig gespürt, am ehesten noch beim Einkaufen und beim Service. Die Läden waren nie mit einem so reichen Angebot bestückt, wie man es von zu Hause gewohnt war.

Der Sommer 1991 hat die schöne heile Tourismuswelt quasi über Nacht aus den Angeln gehoben. Nachdem Kroaten und Slowenen ihren eigenen Staat proklamierten, schickte die jugoslawische Volksarmee die Panzer. Aber der Zerfall des Vielvölkerstaates war nicht mehr aufzuhalten. Vier Jahre sollte es noch dauern bis zum endgültigen Frieden. Istrien und Kvarner waren zu keiner Zeit Kriegsschauplatz. So ist es nur folgerichtig, dass schon seit Sommer 1993 die Gästerate jedes Jahr weiter wächst.

Das Flüsschen Osapska reka, das in der Nähe des slowenischen Ortes Carni Kal entspringt und sein Wasser schon nach weniger als 10 Kilometer bei Muggia in den Golf von Triest abgibt, ist eigentlich völlig bedeutungslos, würde es nicht ein Stück der natürlichen Trennungslinie der Halbinsel Istrien von ihrem Umland bilden. Somit fängt Istrien in Muggia an, einem kleinen italienischen Fischerort an der Adria. Das mag manchen vielleicht erstaunen, denn dieser kleine Zipfel Italien schmückt sich verständlicherweise nicht mit dem Namen Istrien. 5 Kilometer hinter Muggia liegt schon die Grenze zu Slowenien. Aber auch die Slowenen, mit dem nördlichsten Gebiet der Halbinsel und einem gut 40 Kilometer langen Küstensaum, halten sich bedeckt, wenn es um Istrien geht, und nennen diese Region um die Stadt Koper Primorska. Wenn die Kroaten von Istrien sprechen, meinen sie ihren Teil, den von der Fläche her größten, mit einer Küstenlinie von etwa 100 Kilometer, gemessen in der Luftlinie von Umag im Nordwesten bis Rabac im Südosten. Einschließlich aller Inselchen und Buchten sind es allerdings an die 480 Kilometer Uferzone. Den nordöstlichen Bereich mit der Gemeinde Opatija rechnet man schon zur Kvarner Bucht.

Der kroatische Teil der Halbinsel bildet einen der 21 Regierungsbezirke (Komitate) innerhalb des Staates Kroatien und heißt schlicht Istrien. Das Wort Istrien hat somit eine doppelte Bedeutung: einerseits als geografischer Begriff, zum anderen als politische Eingrenzung einer Region. Übrigens: Istrien ist mit rund 3.160 Quadratkilometer die größte Halbinsel der Adria. Der Name leitet sich vom illyrischen Stamm der Histrer ab.

Reisepakete werden geladen