Krämerbrücke

Jeder Laden eine kleine, wunderbare Welt für sich

Sie ist berühmter Brückenmethusalem, die Muse vieler Künstler, das Wahrzeichen Erfurts: die Krämerbrücke. Betritt man jene 120 Meter im Zentrum der thüringischen Landeshauptstadt, wird die Welt ein wenig langsamer. Wie Florenz‘ Ponte Vecchio ist die Krämerbrücke beidseitig mit Häusern bebaut: 32 farbenfrohe Fachwerkhäuser säumen hier den Kopfsteinpflasterweg.

Kein Ramsch, kein Tüddelkram. In den reizend eingerichteten Lädchen bieten Kreative und Künstler kleine Schätze an. Im offenen Fenster von Haus Nummer 25 hängt eine rote Glocke. Wenn jemand klingelt, kommt die Künstlerin und spricht mit interessierten Besuchern über ihre fröhlich-bunten Aquarelle. Ein paar Schritte entfernt ist eine Schokoladenmanufaktur zu Hause. "Eine Praline auf die Hand?" steht auf einer kleinen Tafel. Im Schaufenster von Haus Nummer 2 wartet die böse Stiefmutter darauf, dass Neugierige einen Euro einwerfen und das mechanische Puppentheater beginnen kann. Dahinter liegt das 21-Quadratmeter-Atelier eines Puppenmachers.

Hier leben 50 kreative Bewohner

Lebensfroh und bunt ist die Krämerbrückenwelt und so besonders, dass Erfurt sie wie einen Schatz bewahrt. Wer hier einen Laden mieten möchte, muss sich bei der Stiftung bewerben. Modeketten oder Drogeriemärkte haben keine Chance. Kreative, Künstler und Selbermacher aber schon. Wenn überhaupt mal ein Laden frei wird.

Etwa 50 Menschen leben heute in den dreistöckigen Fachwerkhäusern. Es ist die einzige bewohnte Brücke nördlich der Alpen. Ursprünglich war sie aus Holz und wurde im 12. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt. Nach mehreren Bränden wurde sie 1325 aus Stein gebaut: 79 Meter lang, auf sechs Sandsteinbögen über die Gera. Die Brücke war Teil des berühmten Ost-West-Handelsweges Via Regia. Anfangs boten die Händler - Krämer genannt - ihre Waren in Holzbuden an. Ihr Kram war wertvoll: Heilkräuter, Seide, Gewürze, Edelmetalle, Farben.

Einst Krämer, heute Künstler

Nach einem weiteren Großbrand im Jahre 1472 bekamen die Krämer ihre Fachwerkhäuser, die bis heute die Brücke beidseitig säumen. Ursprünglich waren es 62, nach Gebäudezusammenlegungen und Neubauten sind es jetzt noch 32. Bis auf drei Ausnahmen gehören alle der Stadt Erfurt. Die Brücke ist heute 25 Meter breit, zwischen den Häuserzeilen sind 5,50 Meter Platz zum Staunen, Stöbern, Kaffee trinken.

Fragt man die ansässigen Händler, geraten sie ins Schwärmen: "Das ist ein magischer Ort." - "Hier treffen Leute aufeinander, die das Leben lieben." - "Es zählt die beste Idee, nicht das meiste Geld." An warmen Sommertagen schlendern bis zu 5.000 Besucher durch Erfurts magische Gasse. Manch einer steigt die Steinstufen hinab, platscht mit den Füßen durchs seichte Flusswasser und guckt sich die Holzbalkone der Fachwerkhäuser an. Und spätestens dann ist er infiziert vom Leben der Kreativen und Künstler in Erfurt.

Foto: Andreas Weise, Thüringer Tourismus GmbH

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