Kirchner-Museum

Der aus Aschaffenburg stammende Ernst Ludwig Kirchner (1880 - 1938) war einer der bedeutendsten Maler des Expressionismus. Von 1917 bis zu seinem Tod lebte und wirkte er über 20 Jahre lang in Davos.

Hier gibt es auch die wichtigste und größte Sammlung seiner Werke, das Kirchner Museum. Die Sammlung in Davos umfasst 38 Gemälde, sieben Skulpturen, über 700 Zeichnungen und Aquarelle, über 300 Holzschnitte, Radierungen und Lithographien, 160 Skizzenbücher (1905 - 1938), über 800 Glas- beziehungsweise Zellulosenegative und Vintage Prints, sowie fünf textile Werke, die nach Entwürfen Kirchners gestickt und gewirkt wurden. Das Museum ist jeweils von Dienstag bis Sonntag geöffnet, Mitte Oktober bis Mitte November von 14.00 bis 18.00, ansonsten bereits ab 10.00 morgens. Erwachsene zahlen pro Eintritt 12 Franken (etwa 10 Euro), Kinder 5 Franken (ca. 4 Euro).

Nach seinen Studienjahren schloss sich Kirchner 1905 mit Erich Heckel, Fritz Bleyl und Karl Schmidt-Rottluff in der Dresdner Künstlergemeinschaft Die Brücke zusammen. In dieser Zeit entwickelte er sich von einem impressionistisch beeinflussten Maler zum Expressionisten.

Kirchner lebte bis 1911 in Dresden und zog dann nach Berlin. Ausschlaggebend für diese Entscheidung war der mangelnde Erfolg seiner Kunst. In Berlin besserte sich seine Lage zunächst nur wenig. Dort lernte er seine neue Lebensgefährtin Erna Schilling kennen. In seinen Bildern war jedoch eine Veränderung bemerkbar. So wurden seine runden Formen nun zackiger, die Striche erschienen nervöser (Kontrast von Landschaft und Großstadt), seine Farben ließen in der Leuchtkraft nach.

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges meldete sich Kirchner als Freiwilliger und wurde Fahrer bei einem Artillerieregiment. Im Frühjahr 1915 kam der Künstler als Rekrut nach Halle. Nur wenige Monate ertrug er den Drill, dann erfolgte seine Beurlaubung und ein nervlicher Zusammenbruch. Kirchner geriet in Abhängigkeit von Medikamenten (anfangs Veronal, später Morphium).

1917 zog er in die Schweiz, in die Nähe von Davos. Während er, mit Lähmungserscheinungen behindert, glaubte, niemals wieder malen zu können, legte seine treue Lebensgefährtin Erna in Berlin durch eifrige Verkäufe den Grund zu seinen Erfolgen und zu finanzieller Unabhängigkeit. In Davos wurde er von Dr. Lucius Spengler und insbesondere von dessen Frau Helene betreut. Deren Rigorosität und Kirchners eisernem Willen war es zu verdanken, dass er 1921 von Medikamenten entwöhnt war. Diese Entwöhnung war der Beginn einer gesundheitlich relativ stabilen Phase im Leben Kirchners.

In dieser Phase, von zunehmender Zurückgezogenheit und Depressionen bestimmt, entstanden zahlreiche Landschaftsbilder. Sein Heimatland besuchte Kirchner nur noch selten. Seine Kunst feierte indes internationale Erfolge. In seinen letzten Lebensjahren entstehen weniger abstrahierende, aber stark von Licht- und Schattenproblemen geprägte, konstruiert-gegenständliche Bildkompositionen.

Nach der Machtergreifung der Nazis wurden in Deutschland 639 Werke Kirchners aus den Museen entfernt und beschlagnahmt. Einige Gemälde Kirchners wurden im Rahmen der diffamierenden Ausstellung "Entartete Kunst" gezeigt. Bis vor kurzem war man sich in der Literatur über Kirchner darüber einig, dass sich Kirchner in Davos am 15. Juni 1938 mit einem Herzschuss das Leben nahm, weil er über die Diffamierung seiner Werke in Deutschland zutiefst entmutigt war. Inzwischen ist aus Kirchners Schriftwechsel mit seinem Arzt Dr. Frédéric Bauer bekannt, dass er seit 1932 wieder morphiumsüchtig war. Vermutlich hat sein Selbstmord auch etwas mit einer von Kirchner forcierten Reduktion seiner Morphiumdosis im Jahre 1938 zu tun.

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