Fischmarkt

Frischer Fisch und freche Sprüche für Frühaufsteher

Gleich nach Sonnenaufgang starten Aale-Dieter, Blumenkönig und ihre Marktschreier-Kollegen ihr Unterhaltungs-Programm an der Elbe. Ihre Verkaufsshows sind witziger als mancher Kabarettabend. Wer sie erleben will, muss aber tapfer sein…

Zufällig wird das nämlich nichts mit einem Fischmarktbesuch. Der Grund: Der Markt schließt schon um 9.30 Uhr. Und das am Sonntag. Ein Plan muss her. Variante 1: durchfeiern und gegen 5 Uhr zum Katerfrühstück mit Fischbrötchen und Astra schlendern. Variante 2: Wecker stellen und spätestens um 8.30 Uhr da sein.

Marktschreier locken "Deerns" und "Jungs" an

Aale-Dieter, das Urgestein, hören Besucher schon aus 100 Metern Entfernung: "Jeder Lachs und jeder Aal bei Aale-Dieter erste Wahl." Er packt eine Tüte voll. Macht 20 Euro. Nebenan steht der "Blumenkönig" in seinem Pflanzendschungel und wirft Grünzeug in die Menschenmenge.

Die Marktschreier sind die Seele des Fischmarkts. Mit Witzen und zotigen Sprüchen locken sie Käufer an ihre Stände, bringen Obst und Fisch, Käse und Pflanzen körbe- und tütenweise unters Volk. Ob 10 oder 100 Jahre alt, hier werden die Besucher "min Deern" (mein Mädel), "min Jung" (mein Junge) oder "min Lütten" (mein Kleiner) gerufen.

Viele Besucher beim berühmtesten Wochenmarkt

700 Händler kommen jeden Sonntag zum Open-Air-Trubel an die Elbe. Und 70 000 Besucher! Außer Lebensmitteln gibt's hier auch Taschen, Handyschalen oder, bei Bedarf, mal ‘ne Gänsefamilie. Die Hamburger lieben ihre Touri-Attraktion genauso. Die meisten trifft man in der Fischauktionshalle. In dem Backsteingebäude (Platz für 3500 Gäste), das im Stil einer dreischiffigen Basilika erbaut wurde, kann man auf den Galerien frühstücken, zu Live-Musik abhotten und seine gekauften Schätze inspizieren.

Und warum muss das bitte in aller Herrgottsfrühe sein? Vor mehr als 300 Jahren, als der Fischmarkt startete, erlaubte die Stadt den Händlern, auch sonntags zu verkaufen - aber nur vor dem Kirchgang. SIE können sich ja nach dem Marktbummel wieder ins Bett legen…

Fotos: www.mediaserver.hamburg, Christian Spahrbier; Pixabay

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