Dufthaus 4711

Die Nase immer vorn: Das Dufthaus in Köln

Es riecht nach Bergamotte, Zitrone, Lavendel und Rosmarin mit einer Basisnote aus Neroli. Man kennt es in Indien, Japan, Russland, den USA und fast überall sonst. Und hier kommt es her: aus der Glockengasse mit der Hausnummer, die so lautet wie sein Name. Eau de Cologne, Kölnisch Wasser, 4711. Seit über 200 Jahren ist das Duftwässerchen beliebt und das Stammhaus in der Nähe des Kölner Doms heute ein Ziel für Touristen.

Die Legende besagt, dass 4711-Gründer Wilhelm Mülhens das Rezept für das „aqua mirabilis“ von einem Mönch zur Hochzeit geschenkt bekam. Bewiesen ist das nicht, vielmehr hat es der Italiener Giovanni Maria Farina erfunden, 4711 wurde von Farinas Formel inspiriert. Mülhens produzierte 1799 die ersten Flaschen seines Wunderwassers und bald war es in aller Munde. Und zwar wörtlich, denn Kölnisch Wasser wurde als Heilwasser zum Trinken verkauft. Dass es so beliebt war, muss wohl nicht nur am frischen Duft gelegen haben. Auch der hohe Alkoholgehalt könnte ein Grund dafür gewesen sein. Als Napoleon gebot, dass die Rezeptur aller innerlich anzuwendenden Heilmittel offen gelegt werden müsse, schwenkte Mülhens um. 4711 (so die von den französischen Besatzern vergebene Nummer des Stammhauses) war ab sofort ein Duftwasser. Noch heute wird Kunden geraten, den Duft tief einzuatmen, damit die ätherischen Öle wirken können. Damals muss das erfrischende Wasser eine Erleichterung für die Nase gewesen sein – war es doch um die Körperhygiene im 18. und 19. Jahrhundert nicht so gut bestellt. Kaufmann Mülhens hatte den richtigen Riecher, 4711 wurde zum Exportschlager.

Nase reinstecken

Bis zum heutigen Tag ist die genaue Zusammensetzung von 4711 geheim, es darf sich „Original Eau de Cologne“ nennen. Das Dufthaus in Köln ist nicht nur Stammsitz der Marke, sondern auch Flagstore und Museum. Die abwechslungsreiche Geschichte des Duftes wird hier jeden Samstag währen einer Führung erzählt. So revolutioniert die Flasche, in der das Parfum bis heute verkauft wird, den Markt. Die Molanus-Flasche (benannt nach ihrem Erfinder) ließ sich als erste stehend transportieren und ihre Form erleichterte das Anbringen des Etiketts. Der Kropf am Hals der Flasche ist nötig, damit sich der enthaltene Alkohol beim Wärme ausdehnen kann. Auch das blau-goldenen Etikett hat eine lange Tradition, wird immer wieder unmerklich modernisiert.

Reinschnuppern

Im Duftmuseum kann man die historische Entwicklung anhand von Exponaten verfolgen: Vom Flakon mit Korken und Minikorkenzieher, über den ersten farbigen Werbespot  im deutschen Fernsehen 1967 bis hin zum hippen „Wunderwasser“-Parfum aus dem Jahr 2014. Kölnisch Wasser ist eine der wenigen zeitlosen Konstanten auf dem Markt und wirklich: Kaum jemand kennt den charakteristischen Duft von Kölnisch Wasser nicht und deshalb ist ein Besuch in der „Gerüche-Küche“ wie eine Reise in die Vergangenheit: einfach dufte!

Dufthaus 4711, Glockengasse 4, 50667 Köln


Mo. – Fr. 9.30 – 18.30, Sa. 9.30 – 18.00

Führungen Sa. 13.00, Erwachsene 7,- Euro

Foto: 4711

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