Die Roseburg

Ein Architekt baute sich Traumburg bei Ballenstedt

Die Roseburg gehört zu den noch recht unbekannten Schloss-Schätzchen in Deutschland. Sie sieht aus wie aus dem Mittelalter, ist aber erst im vergangenen Jahrhundert gebaut worden. Bei Ballenstedt im Ostharz, direkt neben der Landstraße, liegt das kleine Märchenschloss mit Burgcafé und duftendem Fliedergarten. Der wurde sogar mal von Hennen "erobert".

Mitten durch Ballenstedt verläuft die Straße der Romanik, eine der großen deutschen Ferienstraßen und Teil der europäischen Kulturstraße Transromanica. Die Route wurde nach ihrer Vielzahl an Bauwerken aus dem Mittelalter benannt. Wunderbar erhalten gebliebene Kirchen, Klöster, Burgen und Schlösser - und die ziehen jährlich über eine Million Besucher an.

Burg in Ballenstedt, Bühne in Berlin

Die Roseburg ist keines der mittelalterlichen Bauwerke, sondern tatsächlich ein „Neubau“. Damit keine Burg, wie man sie sich vorstellt, mit einst hier hausenden Rittern und einem zu beschützenden Burgfräulein. Eigentlich ist sie der 1908 fertiggestellte Sommersitz des Architekten Bernhard Sehring. Erste Auszeichnungen erhielt der Wahlberliner schon in jungen Jahren, für seine Entwürfe zur Museums-Insel. Sein bekanntester Bau: das Theater des Westens in Charlottenburg – eine der großen deutschen Musicalbühnen.

Eine Burg auf einer anderen

Beim Bau des privaten Märchenschlosses im Harz stieß man auf die Fundamente einer weiteren Burg, diese stammen tatsächlich aus dem Mittelalter. Knapp 1.000 Jahre vorher erstmals in Geschichtsbüchern aufgetaucht, später nur noch erwähnt als der Ort, "wo noch ein Stück Mauer zu sehen ist und wo man den Fuchs jagt".

Heute befinden sich die Gebäude in Privatbesitz, zugänglich ist aber der prächtige Roseburgpark. Und da hat Sehring seine ganze Erfahrung und Liebe zum Detail eingebracht: Es hockt ein Berliner Bär mit Wappen auf einer Säule, Treppen, Wasserkaskaden und herrliche Steinmetz-Arbeiten wohin man blickt. Der Architekt hat in harmonischem Einklang exotische mit einheimischen Gewächsen vermischt, die Blütezeiten aufeinander abgestimmt, so dass der Park ganzjährig eine Pracht ist. Am schönsten aber zur Fliederblüte von Mai bis Juni - duftet dann auch herrlich und passt zu einem Gläschen Rotwein aus dem Burgcafè nebenan. Ganz anders war das mal in den 50er Jahren, denn da hat gemeines Federvieh den Schlosspark erobert - nach dem Tod des Erbauers erlernten hier unter DDR-Flagge angehende Hühnerzüchter ihr Handwerk. Heute gibt's den Schlosspark wieder ohne Gefieder, dafür mit Wohlgeruch von Rosen und Flieder.

Foto: Pixabay

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