Das Münster in Kehl

Das Liebfrauenmünster (frz. Cathédrale Notre-Dame) in Straßburg gehört zu den großen Kathedralen der europäischen Architekturgeschichte. Sie verbindet wie Straßburg selbst deutsche und französische Kultureinflüsse. Während die östlichen Bauteile, vor allem Chor und Südportal, noch der ausgehenden Romanik angehören, sind das Langhaus und die berühmte, mit tausenden Figuren geschmückte Westfassade Meisterwerke der Gotik.

"Als ich das erstemal nach dem Münster ging, hatt' ich den Kopf voll allgemeiner Erkenntnis guten Geschmacks. Auf Hörensagen ehrt' ich die Harmonie der Massen, die Reinheit der Formen, war ein abgesagter Feind der verworrenen Willkürlichkeiten gotischer Verzierungen.

(...) und so graute mir's im Gehen vorm Anblick eines missgeformten krausborstigen Ungeheuers.

Mit welcher unerwarteten Empfindung überraschte mich der Anblick, als ich davor trat! Ein ganzer, großer Eindruck füllte meine Seele, den, weil er aus tausend harmonierenden Einzelheiten bestand, ich wohl schmecken und genießen, keineswegs aber erkennen und erklären konnte. ..."

Dies waren Goethes Gedanken vor seiner ersten Besichtigung des Münsters. Nachdem er das Münster gesehen hatte, änderte sich seine Meinung gewaltig. Der Dichter fasst in wenigen Worten die Lebensauffassung in der Epoche der Empfindsamkeit zusammen. Das Münster ist sozusagen ein Kind seiner Zeit, in der auf Gefühle großen Wert gelegt wurde.

Nehmen Sie sich also etwas Zeit und besuchen Sie diesen gotischen Gottesbau. Vor allem die beindruckende Astronomische Uhr. Ihre Vorläuferin, die Dreikönigsuhr, wurde 1354 erbaut. Ab 1533 wurde sie durch eine Uhr ersetzt, die bereits astronomische Funktionen hatte und bis 1870 lief. Dann wurde Jean-Baptiste Schwilgue mit der Renovierung beauftragt. Er konstruierte ein völlig neues Uhrwerk mit weltweit einmaligen Funktionen. Die Uhr zeigt die Erdbahn, die Mondbahn und die Bahnen der damals bekannten Planeten (Merkur bis Saturn) an. Am erstaunlichsten ist das Räderwerk, das in der Silvesternacht abläuft und das Basisdatum für die beweglichen Feiertage errechnet. Den Rekord für langsame drehende Zahnräder stellt wohl der Teil der Uhr auf, der die Präzession der Erdachse nachbildet - eine Umdrehung in gut 25.000 Jahren!

Neben der astronomischen Uhr sind besonders sehenswert: die Glasmalereien (12. - 14. Jh.), die steinerne Kanzel (spätgotisch), der berühmte Engelspfeiler im südlichen Querschiff (1220 - 1230), die Silbermannorgel. Beeindruckend ist die figurenreiche Westfassade mit ihren Portalstatuen und der Fensterrose (am rechten Seitenportal die klugen und törichten Jungfrauen).

Für alle, die das Münster komplett erleben wollen, lohnt sich die Turmbesteigung bis zur 66 m hohen Plattform. Der Ausblick über die Dächer der Altstadt bis zum Schwarzwald, dem Kaiserstuhl und den Vogesen ist grandios.

Öffnungszeiten, Eintrittspreise

Kirche: täglich 7.00 - 11.20, 12.35 - 19.00
Astronom. Uhr: täglich 12.30 Vorbeiziehen der Apostel
Turmbesteigung: April bis September 9.00 - 19.15, Oktober bis März 10.00 - 17.15
Eintritt: Astronomische Uhr 2,- Euro; Turm 4,60 Euro

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