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Die Entdeckung der Langsamkeit: Slow-enien

Schneebedeckte Berge und dichte Wälder - Adriaküste mit blauem Meer, Zypressen und Olivenbäumen - grüne Täler, üppige Weinberge und türkisblaue Flüsse. Slowenien vereint die schönsten Landschaften Europas auf kleinem Raum. Anderswo wird vollmundig "Vielfältigkeit" versprochen, Slowenien lebt sie. Im Nordosten die Julischen Alpen mit dem höchsten Gipfel des Landes, dem Triglav (2.048 m), im Osten Hügelland, an der Grenze zu Ungarn eine Puszta-ähnliche Landschaft, im Süden Karstflächen und im Westen die "Slowenische Riviera". Mehr als die Hälfte des Landes ist mit Wald bedeckt, 35 Prozent stehen unter Naturschutz. Jede fünfzigste weltweit bekannte Festlandtier- und -pflanzenart kommt in Slowenien vor, darunter auch Braunbären. Wandern ist hier Volkssport, auch Skifahren und vor allen Skispringen, Klettern und Rafting ist in den Bergen möglich. Slowenien, das grüne Land, aber auch das Land der Höhlen. Tausende finden Sie hier, darunter einer der schönsten Tropfsteinhöhle Europas, Postojna. Und die Städte? Barocke Fassaden, junges Publikum, avantgardistische Kunstszene, gut erhaltene Sehenswürdigkeiten. Und alles ist nur wenige hundert Kilometer voneinander entfernt. Morgens Baden, nachmittags Skifahren? Kein Problem. Sie wollen im Urlaub ALLES? Dann willkommen in Slowenien.

Willkommen im Land der kurzen Wege

Altstadt in Piran

Slavonien, Slowakai, Slowenien ... bei den ganzen Slo-Staaten kann man schon mal durcheinander kommen. Slowenien war lange Zeit unter verschiedener Herrschaft: Römer, Hunnen, Franken, Ungarn, Habsburger, Italiener und schließlich war es ein Teil Jugoslawiens. Nach Titos Tod begann die Unabhängigkeitsbewegung und 1991 emanzipierte sich Slowenien. Schon als Teil Jugoslawiens ein Musterländle was Produktivität anging, ist Slowenien nun auch in Europa ein Vorbild. 1994 wurde es in die EU aufgenommen, als erstes der neuen Mitgliedsstaaten dann 2007 die Einführung des Euro. Powerpaket Slowenien. Dabei ist das Land mit etwa zwei Millionen Einwohnern nur halb so groß wie die Schweiz. Ein Land der kurzen Wege also oder wie die Slowenen selbst es ausdrücken würden: "So klein, dass ein wohlgenährtes Huhn darüber hinwegfliegen könnte." Apropos Huhn: Wer Genuss und gutes Essen sucht, wird in dem jungen Staat fündig. Die Slow-Food-Bewegung fand hier schnell Anhänger, viele Bauern produzieren ohne Chemie auf ihren kleinen, familiären Höfen. Jeder zwanzigste Slowene hält sich Bienen und auf 70 Einwohner kommt ein Weinberg. Nicht überraschend bei einer Nation, deren Nationalhymne "Zdravljica" (zu Deutsch: "Prost") heißt. Zeit zum Genießen ist genug: Fällt ein Feiertag auf einen Sonntag, wird er am Montag darauf nachgeholt.

So ticken die Slowenen

Soca

Ihnen ist "Slowakai" statt "Slowenien" rausgerutscht? Nicht so schlimm, die Slowenen sind ein fröhliches, selbstbewusstes Volk und nehmen es nicht krumm, dass jemand ihr kleines Land nicht kennt. Nur als Balkanland, sollten Sie Slowenien nicht bezeichnen - der Balkan sind immer die anderen. Nachdem das Land 1.000 Jahre lang von den Habsburgern an die Italiener zu den Ungarn durchgereicht wurde, sind sie trotzdem weltoffen und tolerant - Minderheiten werden vom Staat geschützt und unterstützt. Viele sprechen sehr gut Englisch, nicht wenige auch deutsch. Auf Bildung wird viel Wert gelegt, Fleiß, Sauberkeit und Disziplin sind erstrebenswerte Tugenden, weshalb die Slowenen auch manchmal als "Preußen des Balkans" bezeichnet werden- hinter vorgehaltener Hand zumindest.

So schmeckt der Slowenien-Urlaub

Slowenien ist das Land der tausend Nationalgerichte. Viel ist besser - so das Motto. Nach Jahrhunderten der Fremdherrschaft hat die slowenische Küche sich das Beste ausgesucht. Österreichische, italienische und ungarische und mediterrane Kulinarik mischen sich auf slowenischen Tellern zu ungewöhnlichen, aber vor allem ungewöhnlich leckeren Gerichten. Ein dickes Plus: nirgendwo sonst gibt es so viele Biobauern, die frisches Gemüse und Obst liefern. Im Küstenbereich essen Sie hervorragende Fischgerichte, wie Stockfisch auf Polenta. Aus dieser Gegend kommt auch der "Prsut", vom Bora-Wind getrockneter Schinken, der hauchdünn geschnitten zu frischen Brot und Oliven serviert wird. Deftig wird es beim "Jota", Sauereintopf mit Bohnen, Schinken und Kartoffeln. In den Bergregionen kommt Wild auf den Tisch, sogar Bär. Eine Spezialität aus der Region Ljubljana sind frittierte Froschschenkel mit Zitrone und Remoulade. Wer es traditioneller mag, probiert Suppen und Eintöpfe, von Kürbis- bis Buchweizensupppe. In der Steiermark kommt das Fleisch "aus dem Fass": geräuchert oder gebraten wird es in einen Kübel Schweineschmalz eingelegt. Im Norden merkt man den Einfluss Ungarns: das Gulasch aus Rinder-, Schwein- und Wildfleisch mit Hühnerklein würzt man scharf mit Paprika. Bekannt und beliebt ist auch "Kranjska klobasa", grobe Krainer Wurst, die man zu Brot mit Meerrettich isst.

Lake

Lust auf Süßes? "Gibanica" ist eine Germteigtorte aus Mohn-, Apfel-, Topfen- oder Nussmasse, geschichtet zwischen Blätterteig, dazu Sahne. "struklji", eine Art Topfenstrudel, wird statt gebacken, gekocht. Der Hefezopf mit Nüssen und Rosinen gefüllt heißt hierzulande "Potica" und gilt als Herausforderung für jede Bäckerin. Er wird in der Gugelhupfform gebacken und sieht einem deutschen Hefezopf überhaupt nicht ähnlich.

Seit Sloweniens Unabhängigkeit ist die Qualität der Weine erheblich gestiegen. Der Rosé "Cvicek" ist eine slowenische Spezialität und als Qualitätsmarke geschützt. In der Küste werden Rotweine gekeltert, in Dolenjska die Weißen. Auch mit Bier ("pivo") füllen die Slowenen ihre Gläser gern. Die heimischen Marken heißen Union, Zlatorog und Lasko. Und nach dem Essen darf ein Slivovitz nicht fehlen.

Das sollten Sie gesehen haben im Slowenien-Urlaub

Blick auf die Burg in Ljubljana

Hauptstadt Ljubljana ist mit nicht ganz 290.000 Einwohnern auch gleichzeitig die größte Stadt Sloweniens. Der Name bedeutet "geliebte Stadt" und das kommt nicht von Ungefähr. Mitten in Slowenien gelegen, hat Ljubljana eine Mischung aus österreichischem und mediterranem Flair. Wappentier der Stadt ist ein Drache, den Jason (von den Argonauten) hier besiegt haben soll. Die Stadt lässt sich gut zu Fuß erkunden, denn wie im Rest des Landes liegt alles nah bei einander. Herz der Altstadt ist der Platz "Presernov trg", auf dem auch das Denkmal für Sloweniens Nationaldichter France Preseren steht. Straßenmusiker, Künstler, Touristen und Einheimischen treffen sich auf dem lebhaften Platz - ein idealer Ausgangspunkt für einen Stadtbummel. Ljubljanas Look ist vor allem von einem Architekten geprägt: Joze Plecnik. Entdecken Sie auf einen Spaziergang die von ihm entworfene National- und Universitätsbibliothek, das Sommertheater Krizanke, die Markthallen, die Drachen- und Schusterbrücke, das Plecnik-Haus in Trnovo und den Friedhof Zale, dessen Eingang wie ein griechischer Tempel anmutet. Wahrzeichen der Stadt ist die Burg, die über der Altstadt thront. Hinauf geht es mit dem Panorama-Schrägaufzug. Oben kann man die Burg besichtigen oder einfach nur die Aussicht auf die Stadt genießen. Kulturinteressierte sind im Tivolipark richtig: Hier finden Sie mehrere große Museen, Galerien und ein Opernhaus. Wer im Nationalmuseum vorbei schaut, kann einen der wichtigsten archäologischen Funde in Slowenien bestaunen, eine 45.000 Jahre alte Flöte. Auch toll: Auf dem Marktplatz Pogacarjev trg findet von März bis Oktober der Genussmarkt Odprta kuhna (Offene Küche) statt. Was dort vor Ihren Augen gekocht wird, können Sie an den Ständen sofort kaufen.

Maribor, 2012 europäische Kulturhauptstadt, sieht mittelalterlich aus, ist aber dank vieler Studenten jung und lebhaft. Hier dreht sich alles um den Wein. Nicht nur die größte Weinkellerei steht hier, sondern am Haus zur Alten Rebe wächst der älteste Weinstock der Welt. Seit dem 17. Jahrhundert trägt er Trauben, bis zu 50 Kilo pro Ernte. Die 25 Liter Wein, die daraus gewonnen werden, sind allerdings eher wegen ihrer Rarität gefragt, als ihrer Qualität. Im September wird in Maribor ein großes Weinfest veranstaltet - Verkostungen oder ein Besuch im Weinmuseum sind jederzeit möglich.

Höhle in Postojna

Wer die Natur erleben will, für den ist Slowenien das richtige Urlaubsziel. Von Bergen bis Küste, von Grottenbesuchen bis Wildwasser-Rafting - dank der vielfältigen Landschaften von Adria bis Alpen haben Sie Erholungsmöglichkeiten en masse. Ein bemerkenswertes Ausflugsziel ist die Grotte von Postojna, die meistbesuchte Schauhöhle Europas. Hier und nur hier kommt der Grottenolm vor, der - auch wenn er nicht der attraktivste ist - ein possierliches Tier ist: Er kann mehrere Jahre ohne Futter auskommen und 100 Jahre alt werden. Trotzdem ist er vom Aussterben bedroht und als 2016 Junge schlüpften, war das eine Sensation. Bei einer Besichtigung der Grotte sehen Sie nicht nur den Olm, sondern auch den fünf Meter hohen Tropfstein "Brillant". Aus der unterirdischen Grotte ins oberirdische Paradies und zum Drehort des Films "Narnia": Die Gegend um den Fluss Soca ist ein Traum. Er gilt als einer der schönsten in Europa. Kein Wunder, fließt er doch türkisblau über grauen Fels und zwischen grünen, saftigen Wäldern hindurch. Große und kleine Wasserfälle, Stromschnellen und die riesige, bis zu 1,20 Meter große Marmorata-Forelle: Es ist ein Ort der Natur-Superlative.

Grottenolm in Postojna

Wunderbar fotogen ist die Gegend um den See Bled. Der von schroffen Felsen umgebene Alpensee ist kobalt-blau mit einer kleinen, grünen Insel in der Mitte. Von der Burg Bled haben Sie den schönsten Blick auf den See und die umliegenden Alpengipfel. Mit einem "Pletna", einem im Stehen gesteuerten Ruderboot, setzten Sie zur Insel über. 99 Stufen führen zur Kirche Mariä Himmelfahrt hinauf. Sie können den Kirchenglocken lauschen und sie auch selbst läuten, denn dadurch sollen Wünsche in Erfüllung gehen. Sollte das zufällig eine Kutschfahrt mit einem Lipizzaner sein, haben Sie Glück. Auch wenn viele denken, Wien sei die Heimat der edlen Pferde: In Lipica steht das Stammgestüt der Rassepferde. Und sonst? Zu viele schöne Orte, um sie alle aufzuzählen. Nur eines noch: das slowenische Istrien. Weniger 50 Kilometer lang ist die Küste, aber reichlich mit Kies- oder Naturstrand, Salzfeldern, Häfen, Uferpromenaden mit süßen Cafés und Fischrestaurants gesegnet - zum Beispiel in Piran. Bonus: venezianisches Flair mit Sehenswürdigkeiten aus der Römerzeit.

Das schönste Souvenir

Das Beste, was Sie sich oder den Lieben daheim mitbringen können ist etwas Essbares. Eine beliebte Zutat in der slowenischen Küche ist Kürbiskernöl, ein dunkles, zählflüssiges Öl, in Wien liebevoll Wagenschmiere genannt. Es verfeinert jeden Salat. Oder Sie gehen in den Supermarkt und kaufen snops (Schnaps), vino (Wein) oder prsut (Schinken). Auch slowenisches Meersalz liegt in den Regalen. Fleur de Sel (solni cvet) sind hier günstig. Manchmal sieht man an Privathäusern Schilder mit der Aufschrift "med". Hier gibt es feinen, aromatischen Honig zu kaufen.

Apropos Bienen: das Halten von Schwärmen ist Tradition in den kleinen Land, wie auch das Bemalen der Bienenstockstirnbretter mit farbenfrohen Motiven. Die kleinen Kunstwerke werden heute zum Verkauf angeboten.

So ist das Wetter im Slowenien-Urlaub

Kayak in Slowenien

Kleines Land, große Klimavielfalt. Das Wetter in Slowenien ist sehr unterschiedlich: an der Adriaküste mediterran mit warmen Sommern und milden Wintern. Ein besonderes Wetterphänomen dort ist der Bora, ein kalter, böiger Fallwind. Im Nordosten, wo Slowenien an Ungarn grenzt, sind die Sommer dagegen heiß, die Winter deutlich kälter. In den Bergen herrscht alpines Wetter mit viel Schnee und Kälte.

So geht's hin

Kirche in Piran

Sie wollen mit dem Auto nach Slowenien reisen? Eine gute Entscheidung, denn das Autobahnnetz ist gut ausgebaut, allerdings auch mautpflichtig. Eine Vignette für PKW kostet für sieben Tage 15 Euro und für einen Monat 30 Euro. Eine Jahres-Vignette bekommen Sie für 110 Euro. Diese können Sie schon in Österreich an zahlreichen Autobahn-Tankstellen kaufen. Die Geschwindigkeitsbegrenzung ist ähnlich wie in anderen EU-Ländern: Innerorts 50 km/h, außerorts 90, auf Schnellstraßen 110. Für die Autobahn gelten 130 km/h als Höchstgeschwindigkeit. Zu jeder Tages- und Jahreszeit ist Abblendlicht in Slowenien Pflicht. Fahren Sie mit dem Wagen rückwärts, müssen Sie das Warnblinklicht einschalten. Bei einem Überholmanöver muss der Blinker die ganze Zeit angeschaltet bleiben. Im Winter sind zwischen dem 15. November und dem 15. März Winterreifen vorgeschrieben. Sollten Sie dem guten, lokalen Wein zusprechen: Mit 0,5 Promille dürfen Sie noch fahren.

Slowenien ist auch mit dem Zug gut zu erreichen. Von München dauert die Fahrt bis Ljubljana sechs Stunden und ist mit den Europa Sparpreisen für 50 Euro zu buchen. Der slowenische Hauptflughafen Joze Pucnik Ljubljana wird täglich von vielen Städten aus angeflogen. Auch eine Anreise über den Flughafen Klagenfurt, Graz oder Triest ist möglich.

Das sollten Sie auch noch wissen

Beim Trinkgeld wird nicht mehr als 10 Prozent erwartet - bei größeren Summen eher weniger. Wenn Sie im Restaurant essen, scheuen Sie sich nicht, den Wirt anzusprechen. Die Slowenen schenken der Speisekarte nicht viel Beachtung, sondern lassen sich lieber beraten. Da viele Gastronomen deutsch sprechen, kommt dabei ganz sicher etwas Leckeres bei raus.

Wenn Sie das alles nicht beeindruckt und Sie denken, dass die Slowenen ja das Rad auch nicht neu erfunden haben: Müssen sie auch nicht, denn sie haben das Original erfunden. In Ljubljana wurde ein 5.300 Jahre altes Rad gefunden - das älteste der Welt.

Ljubljana Brücke

Fotos: B.Jakse und S.Jersic/ Domen Grögl /Pixabay/ Ljubljana Tourist Board

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