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FAMILIENURLAUB / NR. 0121 |
Wiesloch ist als Weinstadt landesweit bekannt - bedingt durch den Sitz des zweitgrößten Winzerkellers in Baden-Württemberg und durch die hervorragende Qualität der unterbadischen Weine. Gute Gründe sprechen dafür, dass schon zu römischen Zeiten der Weinbau in Wiesloch gepflegt wurde. Die Übereignung zahlreicher Weinberge an der Bergstraße und in unmittelbar benachbarten Orten sind in der Lorscher Zeit schriftlich bezeugt. Heute lockt das "Kurpfälzische Winzerfest", das größte Weinfest in Baden-Württemberg, jährlich Zehntausende in die Weinstadt. Nehmen Sie sich also Zeit für eine Führung durch den Winzerkeller mit anschließender Weinprobe.
Als Wahrzeichen der Stadt gilt die "Sauermillichhaffe", ein Wehrturm, eingebettet in die Reste der Stadtmauer (Foto unten). Zusammen mit den anderen Wehrtürmen "Dörndl" und "runder Eckturm" ist die "Sauermillichhaffe" ein Zeuge des Mittelalters, als Wiesloch noch eine wehrhafte Stadt war. Woher der Name Sauermillichhaffe kommt, ist bis heute nicht genau bekannt. Es gibt jedoch zwei Erklärungsversuche: Zum einen könnte er von der seltsamen Krone kommen, die der Turm trägt. Mit etwas Phantasie könnte man einen "Haffe" (Topf) erkennen, dem die Milch überläuft. Zum anderen könnte der Turm bei einer Belagerung als Kühlschrank gedient haben, in dem die Bürger während der Belagerung ihre Milch aufbewahrten. Da die Belagerung jedoch länger dauerte als vermutet, wurde die Milch sauer ...
Auch markant im Stadtbild von Wiesloch ist der "Freihof" mit seinen Treppengiebeln. Er ist das älteste erhaltene Gebäude in Wiesloch. Das Hauptgebäude entstammt einem Adelshof aus dem 14. Jahrhundert. An der südlichen Giebelwand befindet sich noch das Wappen derer von Sickingen zusammen mit denen der Bettendorf und Ehrenberg. Heute befindet sich ein Restaurant im Freihof.
Am Kirchplatz konzentriert sich die Wieslocher Geschichte. Gebäude und Plastiken weisen auf berühmte Persönlichkeiten hin, die eng mit der Geschichte der Stadt verbunden sind - wie zum Beispiel der Apotheker und Weinbau-Pionier Johann Philipp Bronner. Ein weiteres Kunstobjekt erinnert an den "Minnesänger von Wissenloh".
Wussten Sie eigentlich, dass sich in der Wieslocher Altstadt die "1. Tankstelle der Welt" befindet? Was die ganz frühen Automobilisten betrifft, so war natürlich noch kein Tankstellennetz vorhanden. So ist es auch verständlich, dass Bertha Benz während ihrer historischen Fernfahrt im Jahre 1888 von Mannheim über Wiesloch nach Pforzheim (zweieinhalb Jahre nach der Erfindung des benzinbetriebenen Automobils) der Sprit ausging. Kurzerhand ging sie in die Stadt-Apotheke Wiesloch und kaufte dort den aus der Kohlevergasung gewonnenen Treibstoff "Ligroin". Was alle Beteiligten damals noch nicht ahnen konnten: in diesem Moment war die neue Handelsform "Tankstelle" geboren, und an ihrer Wiege stand tatsächlich die Stadt-Apotheke Wiesloch. Noch heute erinnert eine Skulptur auf dem Kirchplatz an Bertha Benz und ihre historische Tat.
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